Hallo WeepingElf,
wo ist der Unterschied?
Hawaklar,
Fiebertraum scheint nur bedingt der Kategorie SF anzugehören, ich habe es nicht gelesen.
Gen.Bully,
Helliconia.
Es geht um eine Zivilisation, die einer sich jahreszeitlich stark verändernden Umwelt ausgesetzt ist. Helliconia und seine drei Nachbarplaneten drehen sich um ihre eigene Sonne, Batalix. Zusätzlich befindet sich dieses Sonnensystem aber noch in einer Umlaufbahn um Freyr, eine weiter entfernte, größere und hellere Sonne. Ein Umlauf dauert ca. 2.500 Jahre, davon sind 500 Jahre Winter. In dieser Zeit sind die menschenähnlichen Einwohner, um die es hier geht - es gibt noch andere -, nicht die vorherrschende Spezies, sondern eine stierähnliche Rasse, die Phagoren, die besser an die Kälte besser angepasst sind. Diese Phagoren, auch genannt Ancipitalen, werden anfänglich als intellektuell eher einfach beschrieben, was sich im Laufe der Geschichte aber relativiert.
Der erste Roman spielt in der Zeit des Wechsels vom Winter zum Frühling. Die Phagoren führen Kriege gegen die Menschen. Deren Leben wird trotzdem einfacher, es gibt wieder Ansätze von Wirtschaft und Wissenschaft, das intellektuelle Niveau steigt. Eine Forscherin (es sind nur Frauen) gründet eine wissenschaftliche Akademie. Parallel dazu zieht sich wie ein roter Faden durch alle drei Bücher die Schilderung einer Forschungsstation namens AVERNUS, die von Erdmenschen in den Orbit von Helliconia gebracht wurde. Deren Aufgabe ist es, zu beobachten und Daten zusammeln, die dann zur Erde übertragen werden, dort zeigt man sie in Kinos. Der erste Band war erzählerisch dicht. Die Komplexität des Zusammenspiels zwischen Mensch und Natur wird vorgestellt, es werden immer neue Naturphänomene beschrieben, dabei wechselt der Autor die Erzählebenen.
Im zweiten Roman, Sommer, wird es zunehmend heißer. Erstmals stellt Aldiss den Helico Virus vor. Dieser Virus wird immer nur während der Zeit der großen Übergänge aktiv, er passt die Menschen an die sich ändernden Jahreszeiten an. Er beeinflusst den Hypothalamus und sorgt dafür, dass sie im Frühling wachsen und Gewicht verlieren, im Herbst/Winter schrumpfen und zunehmen. Aldiss beschreibt sehr eindringlich die Wirkungsweise des Virus, ist er doch ein wichtiger Faktor, ohne den es kein Überleben gäbe, aber nicht jeder überlebt die Infektion. Die Phagoren mussten die Vorherrschaft aufgeben, den Menschen könnte es jetzt eigentlich gut gehen, hätten sie nicht unsere Natur. In Ermangelung eines fremden Gegners kämpfen sie untereinander, es geht wie immer um Land und Macht. Neue neue Rassen werden vorgestellt, z.B. die Wadi, ein laufendes Volk, das in langen Reihen durch das Land zieht und dabei unbewusst durch den weggeworfenen Samen der verspeisten Früchte seinen Weg befruchtet. Im zweiten Band werden ökologische Phänomene erklärt, die im ersten Band aufgetreten sind.
Den dritten Band möchte ich nicht erläutern, der Protagonist befindet sich lange Zeit in einer religiösen Kultstätte, einer Art Internierung; es wird, wie immer, gekämpft, die Temperatur fällt - ich fand dieses Buch nicht spektakulär.
Aldiss reißt jedes Thema an. Die Einflüsse einer Religion auf das Zusammenleben der Menschen, philosophische Betrachtungen (u.a. ist ein Phagor ein denkendes Wesen?), Sklaverei, Emanzipation, Kunst, Kultur und eine ausbalancierte Ökologie ohne Umweltzerstörung oder Bohrlöcher. Menschen können sich in den Zustand des "Pauk" versetzen, der der Meditation ähnelt, aber dazu dient, mit den Verstorbenen in Kontakt zu treten und Rat zu erbitten. Im dritten Band wird diese Handlung verboten und unter Strafe gestellt. Phagoren ziehen in den Kampf mit der gesamten Familie und ihren mumifizierten Toten, die auch noch von den Lebenden über einen paukähnlichen Zustand befragt werden können. Aldiss bringt die Geschichte immer anhand von Einzelpersonen und deren Philosophie und Denkschemata voran, irgendwie sind uns diese fremd und doch ähnlich. Auch die Entwicklung der AVERNUS lässt sich nachvollziehen - eine Gesellschaft, auf sich allein gestellt und lange Zeit zusammen, kann nur degenerieren.
Die Bücher gefielen mir, weil sie so vielschichtig sind wie bei LeGuin, nur ist hier der Bogen umfassender. Alles hat einen Sinn, alles greift ineinander, der Mensch lebt mit der Natur und hat sich arrangiert. Hier geht es nicht um hoch entwickelte Technik, sondern in großen Stecken nur ums nackte Überleben in einer Gesellschaft, die in etwa so ist wie die unsere. Menschlichkeit ist selten.
In seinem Nachwort schildert Aldiss, wen er bei der Entwicklung seiner Strukturen um Hilfe gebeten hat, ich war beeindruckt. Soviel Mühe geben sich nicht viele.
Wenn Du eine genauere und detailgetreuere Schilderung lesen willst, dann kannst Du sie hier finden:
http://www.armin-moehle.de/Artikel/EinJahraufHelliconia.htm
Viele Grüße
LeGuin
Mit Frauen kann ich nichts anfangen, Männer sind uninteressant, Kinder mag ich nicht, aber meine SF-Sammlung!!! (frei nach Doris Lerche)