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EXODUS 22


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4 Antworten in diesem Thema

#1 Uwe Post

Uwe Post

    FutureFictionMagazin'o'naut

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Geschrieben 02 Januar 2008 - 14:08

EXODUS 22 setzt den Schlusspunkt unter die SF-Story-Szene des Jahres 2007, und zwar einen dicken.

Besonders freut mich natürlich, dass meine Story "Instant Man" (bei ebay gibt's nämlich selbstwachsende Wegwerf-Menschen in Tütchen) nicht nur vertreten ist, sondern auch noch den Opener macht. Naheliegenderweise beschränke ich mich mit meinen Besprechungen auf die restlichen Texte :wink2:

Herr der Sterne, Herr der Schmerzen - Olaf Kemmler
Ein mächtiges Wesen stiftet Ärger auf einem friedlichen Planeten. Böse Story, sauber geschrieben.

Das Mädchen von der Mondstraße - Johanna Braun und Günter Braun
Ein eigenwilliger SF-Freak sucht eine außerirdische Freundin. Sonderbare, aber liebenswerte Groteske.

Der Bethagi-Zwischenfall - Christian Weis
Langweiliges, vorhersehbares Simulation-oder-nicht-Verwirrspiel. Das kann der Kollege Weis deutlich besser.

Mitten in das Leben - Guido Seifert
Böse Drogen-Story. Dichte Atmosphäre, sauberer Stil. Ich bin bei diesem Text etwas neidisch, denn EXODUS hat ihn dem GOLEM quasi weggeschnappt. Guido, mehr schreiben! :)

Besucher aus der Ferne - Helmut Hirsch
Souverän inszenierte Longstory über Kolonisten auf einem fremden Planeten. Viele gute Ideen. Nur die Figuren bleiben ein klein wenig blass. Aber uneingeschränkt zu empfehlen. Highlight dieser Ausgabe.

Morgen im Hominidenpark - A.D.
Der Autor (Name auf eigenen Wunsch entfernt) hat seinen üblichen Nacherzählungsstil gegen einen Dialog vertauscht. Handlung gibt's trotzdem nicht. Ununterscheidbare Gesprächspartner illustrieren des Autors krude Weltverbesserer-Zeitkritik in wörtlicher Rede. Immerhin sprachlich mit ein paar guten Stellen. Aber ein Geschichtenerzähler ist der Autor nach wie vor nicht.

Kentaurische Affären - Frank Neugebauer
Witzige Anekdotensammlung abgedrehter Ideen, die für sich genommen zu längeren Geschichten taugen würden, als Sammlung aber auf Dauer etwas albern wirken.



Zu den Textschnipsel von Thomas Franke sage ich mal nur soviel: Als Illustrator und Hörbuch-Sprecher gefällt mir Herr Franke deutlich besser denn als Autor.


Insgesamt auch von den Illustrationen her (bloß das Cover hätte mehr Kontrast vertragen - typisches Problem von Farbbildern, die schwarzweiß reproduziert werden) eine gute EXODUS-Ausgabe. Diesmal vielleicht etwas SF-lastig. Wurscht - EXODUS 22 ist ein blitzsauber produziertes Magazin, das mehr Aufmerksamkeit verdient!

Bearbeitet von Uwe Post, 02 Mai 2008 - 15:57.

Herausgeber Future Fiction Magazine (deutsche Ausgabe) ||| Die Fortsetzung: KI² - KOMISCHE INTELLIGENZ (mit Uwe Hermann) ||| edition-übermorgen.de ||| uwepost.de ||| deutsche-science-fiction.de


#2 ShockWaveRider

ShockWaveRider

    verwarnter Querulant

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Geschrieben 05 Januar 2008 - 22:25

Uwes Beurteilungen kann ich mich weitgehend anschließen.
Auch der Tatsache, dass er den Fienhold-Text keiner Erwähnung wert befunden hat. Denn das ist Instant-SF zum sofortigen Vergessen. http://www.scifinet....tyle_emoticons/default/rolleyes.gif

Hier meine Notizen:

Uwe Post: Instant Man
Ein Instant Man, der seiner Besitzerin den Müll runtertragen sollte, begeht einen Selbstmordanschlag auf dem Hamburger Fischmarkt.
Abgefahrener Plot, atmosphärisch dicht erzählt mit überzeugenden Typen. Den Besuch beim Nachbarn am Schluss habe ich nicht kapiert. Vielleicht hätte man das früher in der Geschichte unterbringen sollen. Ansonsten: Gelungene Fingerübung!

Thomas Franke: Im Albbyss, keine Zeit mehr
Im Albbyss-Dome krachen oftmals Teile von der Decke herunter. Die Blätter wehen recht koordiniert von den Bäumen.
Sprachlich umständlich bis seltsam, soll wohl Avantgarde sein. Idee so wenig tragfähig wie die Dome-Konstruktion. Ist das SF?

Olaf Kemmler: Herr der Sterne, Herr der Schmerzen
Andrion ist der Diener eines Fadarks, der die Walt Ostara in einer Mordorgie untergehen lassen will. Doch die Herrscherin von Ostara hat was dagegen.
Nette Idee, über weite Strecken gut ausgeführt, Ende wirkt etwas angeklatscht.

Johanna und Günter Braun: Das Mädchen von der Mondstraße
Hansel, ehemaliger SF-Fan, steht auf außerirdische Frauen. Aber woher nehmen, wenn nicht von der Alien-Agentur um die Ecke?
Herrliche Satire auf Fandom-Auswüchse, großartig eingefädelt, stilistisch gewohnt sauber. Ende wirkt angeflanscht.

Christian Weis: Der Bethagi-Zwischenfall
Eine Raumschiffbesatzung simuliert einen Kapselabwurf auf den Planeten Bethagi. Aber ist es wirklich eine Simulation?
Idee bekannt, klaustrophobisches Ambiente gut eingesetzt, spannend geschrieben. Auflösung aber platt und vorhersehbar. Von Weis kenne ich besseres.

Guido Seifert: Mitten in das Leben
"Der Mann" ist auf Droxx-Entzug. Auf dem Planeten Karakiir herrscht Straßenkampf. Außerdem rückt die fünfte Flotte des Imperiums an.
Streckenweise atmosphärisch dicht geschrieben, aber Teilfäden fügen sich nicht zu einem Ganzen. Nicht kapiert, worum es eigentlich geht. Medizinische Fachausdrücke stören, passen nicht zu Amnesie und anderen Entzugssymptomen des Ich-Erzählers.

Wolfgang G. Fienhold: Wie die Welt entstand
Gott, Jesus, der Heilige Geist und Wolfgang pokern.
Jaja, ganz vergnügliche Instant-SF, zum sofortigen Vergessen bestimmt.

Helmut Hirsch: Besucher aus der Ferne
Als Mona und ihre Gefährten von einer Expedition auf dem Planeten Nomori heimkehren, herrscht große Aufregung. Das antike Funkgerät hat den Spruch eines Raumschiffs aufgefangen.
Schöne Idee mit bekannten Mustern, weitgehend spannend erzählt, schöner Plot mit interessanten Wendungen, exotische Details runden die Komposition ab. Ende wirkt etwas angepflockt, Pointe leicht hanebüchen, beeinträchtigt aber den guten Gesamteindruck nicht.

AD: Morgen im Hominidenpark
Al Carpone und sein Praktikant Cannelloni fachsimpeln über ein mißlungenes Experiment.
Scheinphilosophische Weisheiten, in gänsefüßchenbegrenzten Päckchen serviert, ergeben noch keine Story. D. wird zu früh publiziert. Er sollte noch zwei, drei Jahre üben.

Frank Neugebauer: Kentaurische Affären
Aus den Geheimarchiven einer sowjetischen Mission zu den Monden des kentaurischen Superplaneten Spiroch 83.
OK, die Umlaufbahn von Spiroch 83 ist physikalisch unmöglich - wat soll's? Ansonsten beeindruckend und immer wieder überraschend erzählt, Stil und überbordende Fantasie erreichen Lafferty-Niveau! Und weil ich Lafferty liebe, mag ich auch diese Story!

Thomas Franke: Das Tier
In einer Pension entdeckt ein Mann ein Pelztier und ein Quartheft.
Lauter deutsche Worte, zu Sätzen aneinandergefügt. Daraus kann mal ein Text werden.
Franke sollte bei seinen Collagen bleiben. Die sind nämlich klasse!



Fazit: EXODUS 22 überflügelt den zufriedenstellenden Vorgänger noch. Highlights dieser Ausgabe sind Hirsch und - wieder einmal - Neugebauer.
Das Magazin ist rundum zu empfehlen. Ich jedenfalls werde zum Stammleser. :thumb:

Gruß
Ralf

Bearbeitet von ShockWaveRider, 07 Mai 2008 - 20:52.

Verwarnungscounter: 2 (klick!, klick!)

ShockWaveRiders Kritiken aus München
möchten viele Autor'n übertünchen.
Denn er tut sich verbitten
Aliens, UFOs und Titten -
einen Kerl wie den sollte man lynchen!

  • (Buch) gerade am lesen:"NOVA 35"; FKSFL e.V. - Conbuch "Elstercon 2024"
  • (Buch) als nächstes geplant:D. v. Reeken "Über Kurd Laßwitz"

#3 † Christian Weis

† Christian Weis

    Temponaut

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Geschrieben 06 Januar 2008 - 11:02

Das Magazin ist rundum zu empfehlen. Ich jedenfalls werde zum Stammleser. :thumb: Gruß Ralf

Das wird die Herausgeber freuen!

#4 Guido Seifert

Guido Seifert

    Biblionaut

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Geschrieben 06 Januar 2008 - 13:05

Uwe Post: Instant Man. Sowohl lakonisch als auch präzise erzählt. Schöne Figurenzeichnung. Überzeugende Imitation des Internet-Gebrabbels.

Inhaltlich konnte ich an einer Stelle nicht folgen: "Kein Terror. >Selbstregulierung der Gesellschaftsstruktur<, sagt sogar der Innenminister. Hat es als >intelligenten Dschihad einer Leitkultur der Stärke< bezeichnet." Also, ich könnte das nicht aus unserem Jetzt extrapolieren. Innerhalb einer Novelle oder eines Romans wäre Raum, die Wendung hin zu einem öffentlich tolerierten Staats-Zynismus glaubhaft darzustellen. In einer Kurzgeschichte befremdet es mich doch ein wenig ...

Klammer auf:

Guido, mehr schreiben! :(

Nun, es gibt ja die Guten Vorsätze, die man sich habituell zu Beginn eines jeden neuen Jahres macht ...
Klammer zu.


Thomas Franke: Im Albbyss, keine Zeit mehr. Wie heißt es so oft und schön im unpräzisen Internetisch: Da bin ich nicht die Zielgruppe (womit der Poster meinen dürfte, daß er kein Angehöriger einer unterstellten Zielgruppe des Autors ist). Ist mir zu "abstrakt", zu unverbindlich.

#5 Guido Seifert

Guido Seifert

    Biblionaut

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Geschrieben 13 September 2008 - 11:14

Ich glaube, darauf wurde noch nicht hingewiesen: In seinem Logbuch auf der Perry-Rhodan-Website bespricht Klaus N. Frick die 22. Ausgabe von EXODUS: Ein Lob zum neuen "Exodus"


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