"Der Mantel" halte ich auch für weniger geeignet, "Die Nase" aber sehrwohl als interessant. Todorv führt diese Geschichte übrigens selbst auf, tut sie aber in einem Nebensatz als "Wunderbar" ab.
Gruß, Felix
Die Nase kenne ich sehr gut, habe seinerzeit eine Bühnenfassung für unsere Schüleraufführung geschrieben.
Mal kurz überlegen: Ein Mann verliert seine Nase, woraufhin ein Barbier ebendiese in seinem Frühstücksrot wiederfindet. Der Barbier wirft die Nase in den Fluss und wird verhaftet. Später trifft der Nasenlose seine Nase wieder an, wie sie in Uniform durch die Strassen stolziert. Er spricht sie an, sie sagt, sie sei nicht seine Nase. Es kommt zu Aufruhr, ohne dass ihm das etwas nützt. Eines Morgens wacht er dann auf und hat seine Nase wieder.
Von der Handlung her ist das wohl eindeutig wunderbar. Probleme gibt es meiner Ansicht nach aus zwei - zusammenhängenden - Gründen: Die Erzählung hat klar satirischen Einschlag, was bei
Todorov nicht vorgesehen ist. Man weiss nicht recht, "wie ernst" man das alles nehmen soll. Ist die Nase wirklich eine Nase oder einfach ein Symbol - für Kastration, Statussymbol, Persönlichkeitsspaltung etc.? Wir kriegen hier Probleme mit der von
Todorov verlangten Wörtlichkeit, und der ganze satirische Unterton der Erzählung lässt auch Zweifel an der Zuverlässigkeit des Erzählers aufkommen. Zum Schluss wird noch explizit die Frage gestellt, wozu eine solche Erzählung eigentlich gut sein soll.
So würde ich sagen, dass die
Nase, so wie ich die Erzählung im Kopf habe, zwar schon wunderbar ist, dass hier aber auch Dinge mitschwingen, die bei
Todorov aussen vor bleiben.
Einwände, Anmerkungen?