Aber auch der "Trieb" setzt ja kein Bewusstsein voraus. Der Unterschied zwischen "Arterhaltung" und "Selbsterhaltung" liegt ja nicht darin, dass Letzteres "bewusst" wäre - dann würde ein Selbsterhaltungstrieb ja immer Bewusstsein voraussetzen.
Das habe ich ja auch nicht behauptet.
Ich habe den Passus eingeflochten, um zu berichten, daß
selbst bei den bewußten Entscheidungen im Moment ein Umbruch im Theoriengebäude im Gange ist.
Aber beide Begriffe, "Arterhaltungstrieb" und "Selbsterhaltungstrieb", sind schließlich abstrakte Vorstellungen, wie die Entscheidungen für unsere Handlungen zustandekommen.
Die neuen neurologischen Theorien werfen genau diese Vorstellungen über den Haufen.
Der Unterschied liegt im Abstraktionsgrad, der durchaus unabhängig vom Bewusstsein feststellbar ist.
Wenn ich am Rand eines Platzes entlanggehe, reagiere ich auch im Zweifel auf ein gefühltes, konkretes Unbehagen, auf den Platz zu treten.
Ja, woraus speist sich denn dieses Unbehagen?
Gibt es eine konkrete situative Bedrohung?
Nein, hier agiert ein in Erbgut tradiertes Selbsterhaltungsprogramm.
Trotzdem ordnet der Mensch es bei seiner "Introspektion" nicht dem Selbsterhaltungstrieb zu.
Dieses Vermeidungsverhalten lässt sich also ohne weiteres von einem "Artherhaltungstrieb" abgrenzen.
Das war aber hier nicht die Frage, sondern daß man es nicht dem Selbsterhaltungstrieb zuordnen würde.
Ich wollte ein Beispiel geben, daß es auch Handlungen gibt, deren Selbsterhaltungsintention nur schwer zu erkennen ist.
Wenn überhaupt, dann ist die Rolle des Bewusstseins dabei nicht, dass einem ein Trieb "bewusst" wäre - sondern dass im Gegenteil ein abstraktes Verhaltensmuster wie "Arterhaltung" förmlich bewusstes, reflektiertes Denken voraussetzt, um überhaupt eine Verbindung zwischen dem Verhalten und dem damit intendierten Ziel zu schaffen.
Das ist ja, was ich die ganze Zeit versuche, darzustellen.

Es gibt einen Unterschied zwischen den Modellvorstellungen, die sich in den abstrakten Begriffen "Selbsterhaltungstrieb" und "Arterhaltungstrieb" wiederspiegeln und den objektiven Wirkungssystemen.
Beide Begriffe gehen von einem abstrakten Wirkmechanismus mit zugeordneter Intention aus, eine reine Modellvorstellung.
Der Unterschied zwischen beiden Begriffen ist kein prinzipieller, sondern liegt nur in der Signifikanz der hergestellten Korrelation.
Die arterhaltende Wirkung einer Handlung ist nicht immer evident.
Hm, ich versuche mal ein Beispiel.
Wenn sich dein Sexhunger auf Grund von einer von dir wahrgenommenen Bevölkerungsdichte minimal verschiebt, dann wirst du das kaum wahrnehmen, geschweige denn einem Arterhaltungsmechanismus zuordnen.
Bearbeitet von Konrad, 01 Februar 2009 - 02:00.