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DIE DELEGATION von Rainer Erler


9 Antworten in diesem Thema

#1 Helmuth W. Mommers

Helmuth W. Mommers

    Illuminaut

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Geschrieben 13 March 2005 - 09:20

Von Rainer Erler erreicht mich folgende erfreuliche Nachricht:

An alle Freunde, die nachts möglicherweise nicht schlafen können - oder wollen:

Mein Film DIE DELEGATION, seit Jahren nicht mehr im Programm, wird nun am 20 März 2005 um 23.35 von ARTE gesendet. Ganz überraschend. Vielleicht ein allerletzte Mal. (ARTE-Themenabend: "Besuch aus dem All") Entstanden ist er 1969/70 mit Walter Kohut in der Hauptrolle. DIE DELEGATION wurde mit der Goldenen Kamera 1971 und dem Prädikat "Kultfilm" ausgezeichnet.

ARTE schickte mir dazu den folgenden Kommentar:


So. 20. März, Themenabend: Besuch aus dem All
Fernsehfilm: Die Delegation, eine utopische Reportage

Ein Fernsehreporter wird in der Nähe von Los Angeles tot in seinem Wagen aufgefunden. Aus diesem Anlass zeichnet das Fernsehmagazin, für das er gearbeitet hat, anhand der im Auto gefundenen Dokumente (Filme, Fotos, Soundtrack seines Tagebuchs und Home Video) seinen beruflichen Werdegang nach. Der von Natur aus sehr skeptische und rationale Journalist hatte begonnen, recht zynische Reportagen über Außerirdische und mögliche Kontakte mit ihnen zu drehen. Dabei mokierte er sich über Ufologen und andere Leichtgläubige, die sich mit solchem "Humbug" beschäftigen. Doch plötzlich vermeinte er selber immer untrüglichere Zeichen für eine Kontaktaufnahme durch Außerirdische wahrzunehmen. Schlagartig veränderten sich seine Weltanschauung und sein Leben. Überzeugt davon, ein großes Thema gefunden zu haben, forschte er nun seinerseits den Außerirdischen nach. Er verlor seine Stelle beim Fernsehen, wurde verfolgt und verfemt.

Die geschickte Mischung aus Archivmaterial, Fiktion, Studiodrehs und nachgestellten Szenen ist angesiedelt zwischen futuristischer Projektion und staatsbürgerlich motivierter Kritik. Der ebenso spektakuläre wie tiefgründige Film behandelt sein Thema vorurteilslos und ohne Effekthascherei. Er hält unserer eigenen Gesellschaft den Spiegel vor und regt zum Nachdenken darüber an, dass wir vielleicht nicht die einzigen Bewohner des Kosmos sind. Die ihrer Zeit vorauseilende Doku-Fiktion zeigt nicht nur die Manipulationskraft der Bilder - vor allem des Fernsehens -, sondern auch die Haltung der menschlichen Gesellschaft gegenüber möglichen anderen Zivilisationen im All. Sie zeichnet die Entwicklung der Menschheit kritisch und als sehr unvollkommen: Technischer Fortschritt ohne moralische Qualifizierung verbunden mit einem Alleinvertretungsanspruch der Schöpfung.

In den 70er Jahren rief der Film in Deutschland heftige Reaktionen hervor, da ein Großteil der Zuschauer ihn als authentische Reportage verstand. Dasselbe Schicksal widerfuhr der fiktiven Hörfunk-Reportage von Orson Welles über die Ankunft der Marsbewohner und kürzlich William Karels Dokumentation "Kubrick, Nixon und der Mann im Mond". Regisseur und Autor Rainer Erler kreierte damals das Untergenre des futuristischen "Science-Thrillers". Filme dieser Art erwiesen sich oft als visionär und immer als zivilisationskritisch. Für "Die Delegation" wurde Erler mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet.

Das "Lexikon des Internationalen Films" schreibt: "Ein interessanter, unterhaltsamer Fernsehfilm, der zum Thema Ufos selbst keine Stellung bezieht, umso wirkungsvoller jedoch einen verstörenden Schwebezustand heraufbeschwört."

Und in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" meinte Michael Schwarze: "Erler bebildert (...) Ängste (...), holt sie aus dem Bereich des Unbewussten. Filme wie diese nützen die genuinen Möglichkeiten der Kunst, Mögliches so präzise auszumalen, dass es für Menschen den Charakter des Wirklichen erhält. Sozusagen spielerisch können Zuschauer so Situationen antizipieren, Entscheidungen simulieren, die ihnen die Wirklichkeit später einmal abverlangen mag. Wer diese Möglichkeit mit geharnischten Protesten beschneiden will, sperrt die Fiktion in das Hier und Heute ein und macht sie überflüssig."

Die Delegation, eine utopische Reportage - Fernsehfilm, AT/I/D 1970
Sonntag, 20.03.2005
Beginn: 23.35 Uhr Ende: 01.15 Uhr Länge: 100 Min.
VPS: 23.35

Darsteller: Walter Kohut (Will Roczinsky)
Buch: Rainer Erler
Musik: Eberhard Schöner
Regie: Rainer Erler

Direkt bei ARTE:
http://www.arte-tv.c...20/03/2005.html
http://www.arte-tv.c...,year=2005.html

ARTE F © ZDF/Bavaria, München

Bearbeitet von Helmuth W. Mommers, 13 March 2005 - 09:22.


#2 ThK

ThK

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Geschrieben 13 March 2005 - 10:14

Ich werde ihn mir mit Begeisterung wieder anschauen. Toller Film ind herrlisch abgedreht!

#3 Sherk Underhill

Sherk Underhill

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Geschrieben 25 September 2005 - 21:37

:) Top Film, habe ihn aufgenommen und angeschaut und bin dabei im Keller auch noch auf das Buch gestossen. Die Idee könnte man vielleicht nochmal aufgreifen und auf "modern" trimmen.Meine Söhne waren hin und hergerissen, obs nun echt ist oder nicht. Wenn alles auch noch "heute" gespielt hätte, wären sie ganz und gar gefesselt gewesen.Ich liebe diese "Doku-Filme", auch wenns in diesem Fall keine "wahre" Geschichtewar.Sonst kenne ich in der Art leider nichts.Oder gibts da noch was ??

#4 Gast_Jorge_*

Gast_Jorge_*
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Geschrieben 27 September 2005 - 18:58

Ich liebe diese "Doku-Filme", auch wenns in diesem Fall keine "wahre" Geschichte war.Sonst kenne ich in der Art leider nichts. Oder gibts da noch was ??

Da gibt`s zum einen die Filme von Peter Watkins: "Privileg"(Privilege): Das Porträt eines fiktiven Rockstars, der seine Fans mit immer neuen Trends(Kleidung,Religion etc.) wie eine Hammelherde an der Nase herumführt, selbst aber nur der Spielball von Regierung und Kirche eines totalitären Englands ist; und, als er gegen seine ihm zugewiesene Rolle rebelliert, gnadenlos fallengelassen wird. "The War Game"(The War Game): "Dokumentation" über eine Krise zwischen östlichem und westlichem Block, der in einen begrenzten nuklearen Schlagabtausch mündet. Am Beispiel einer nuklearen Explosion in der Grafschaft Kent werden die Folgen für die Bewohner über einen Zeitraum von einem Jahr von einem Fernsehteam festgehalten. "Strafpark"(Punishment Park): Die USA der nahen Zukunft(70er) sind zu einem totalitären Staat geworden, der immer noch Krieg in Asien führt und seine Gegner gnadenlos verfolgt: Vor Volksgerichtshöfen können die Verurteilten wählen zwischen lebenslanger Haft oder dem "Strafpark". "Strafpark" bedeutet, sich von Sicherheitskräften durch die Wüste jagen zu lassen; wer einen bestimmten Punkt erreicht, bekommt die Freiheit; wer geschnappt wird, den erwartet das "Gefängnis". Ein Reporterteam, das auf Einladung der Regierung eine solche Bestrafung dokumentieren soll, wird Zeuge grausamer Geschehnisse - live vor laufender Kamera. Andere fiktive Dokumentationen: "Die Hellstrom Chroniken"(The Hellstrom Chronicle): Ein Wissenschaftler beweist in dieser "Doku", das die Insekten dabei sind, dem Menschen die Herrschaft über die Erde abzunehmen. "Achtung! Sondersendung!"(Special Bulletin): Ein Kamerateam eines US-Senders, das in Charleston eine 08/15 Reportage drehen will, gerät in den Schußwechsel zwischen Sicherheitskräften und bewaffneten Nukleargegnern. Diese überwältigen die Polizisten, bringen das Kamerateam in ihre Gewalt und geben ihre Forderung live über die Bildschirme bekannt: Die USA sollen ihre nuklearen Sprengköpfe vernichten, andernfalls werden die Terroristen eine in ihrem Besitz befindliche Atomwaffe zünden - Beginn einer Livereportage, die in einer Katastrophe endet... "It happened here"(It happened here): Der Alltag einer englischen Krankenschwester, zwei Jahre nach der Invasion der siegreichen deutschen Truppen in Großbritannien im Juni 1940... "Aktion Abendsonne": In dieser Liveshow sollen einsame ältere Mitbürger unter Beweis stellen, das sie für die Gesellschaft noch von Nutzen sind: Dem Gewinner winkt die Aufnahme in eine Familie... "Das Millionenspiel": Dem Kandidaten dieser Liveshow winkt ein Millionengewinn - vorausgesetzt, die vom Sender angeheuerten Killer bringen ihn nicht vorher um... "Plutonium": Ebenfalls von Erler, ein Reportageteam ermittelt im Fall einer ermordeten Journalistin und kommt einem Schiebergeschäft mit waffenfähigem Nuklearmaterial auf die Spur. "Smog": Zum damaligen Zeitpunkt war diese fiktive Doku von Wolfgang Petersen noch Science-Fiction, heute leider Realität...

#5 Gast_Jorge_*

Gast_Jorge_*
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Geschrieben 03 February 2006 - 21:52

Nachtrag:"Alternative 3"(GB 1977) - in dieser fiktiven Dokumentation über amerikanische und sowjetische Raumfahrtmissionen fällt u.a. die These, das das Apolloprogramm nur ein politisches Ablenkungsmanöver war, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit von den Machenschaften der Obrigkeit abzuhalten; ein Grund dafür, das diese "Dokumentation" niemals in den USA ausgestrahlt wurde(heilige Kühe schlachtet man nicht ungestraft :( ).

#6 funkhead

funkhead

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Geschrieben 04 February 2006 - 12:28

Mann beißt Hund Produktion: Belgien 1992 Regie: Les Artistes Anonymes (Remy Belvaux, Andre Bonzel, Benoit Poelvoorde) Schauspieler: Benoit Poelvoorde, Remy Belvaux, Jacqueline Poelvoorde Pappaert Technik: 35 mm, s/w, 96 min FSK 18 Ein Mann läuft durch eine triste Stadt, philosophiert über das Leben und tötet dabei wahllos Männer, Frauen und Kinder. So läßt sich die Handlung des belgischen Films Mann beißt Hund grob zusammenfassen. Wer dabei an "Natural Born Killers" denkt, wird wahrscheinlich enttäuscht sein. "Mann beißt Hund" ist eine ätzende Medienkritik, wobei das Wort Kritik eigentlich zu harmlos gewählt ist. Der Killer Ben wird von einem Kamerateam begleitet, welches seinen Alltag filmt und kommentiert. Aber was bei Natural Born Killers nur in Ansätzen - und stark vereinfacht - angesprochen wird, entfaltet sich bei Mann beißt Hund in seiner ganzen tragischen Konsequenz: Das Filmteam wird vom unbeteiligten Beobachter, vom distanzierten Vermittler, zum Handlanger des Mörders. Anfangs mit Begeisterung, später mit wachsendem Entsetzen, lassen sich die Filmer auf das Geschehen ein und werden von dem charismatischen Killer immer schneller von Mord zu Mord getrieben. Nach und nach verwandelt sich das zunächst lockere Verhältnis der Beobachter zum Täter in einen Alptraum, dem sich die Beteiligten nicht mehr entziehen können.Besonders beklemmend ist die dokumentarische Aufbereitung des Films. Die grobkörnigen Bilder sind schwarzweiß und mit einer wackeligen Handkamera aufgenommen. Der Zuschauer wird durch direkte Ansprache der Charaktere in die Handlung miteinbezogen und so quasi zum Mitwisser- und Täter.Der Film wurde bei den Filmfestspielen in Cannes mit dem "Internationalen Kritikerpreis" ausgezeichnet. "Mann beißt Hund" ist ein Film der an die Grenzen geht und auch vor der ungeschminkten Darstellung extremer Gewalt nicht zurückschreckt. Nichts für einen gemütlichen Kinoabend. Aber auf jeden Fall sehenswert

#7 Gast_Jorge_*

Gast_Jorge_*
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Geschrieben 28 December 2007 - 22:49

Ich liebe diese "Doku-Filme", auch wenns in diesem Fall keine "wahre" Geschichte
war.Sonst kenne ich in der Art leider nichts.
Oder gibts da noch was ??

TV-Tipp

"Welt ohne Grenzen?"
http://www.arte.tv/d...,year=2008.html

#8 Gast_Jorge_*

Gast_Jorge_*
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Geschrieben 20 January 2008 - 21:11

Ich liebe diese "Doku-Filme", auch wenns in diesem Fall keine "wahre" Geschichte war.Sonst kenne ich in der Art leider nichts. Oder gibts da noch was ??

"Rec" - Die Livereportage eines TV-Teams über den nächtlichen Einsatz der Feuerwehr schlägt in einen Horrortrip um... Der Film wird in "Tracks" vorgestellt: http://www.arte.tv/d...,year=2008.html

#9 Gast_Jorge_*

Gast_Jorge_*
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Geschrieben 21 February 2016 - 00:46

Ich liebe diese "Doku-Filme", auch wenns in diesem Fall keine "wahre" Geschichte war.Sonst kenne ich in der Art leider nichts. Oder gibts da noch was ??

 

TV-Tipp

Operation Naked


Bearbeitet von Jorge, 21 February 2016 - 00:57.


#10 quanat

quanat

    Giganaut

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Geschrieben 18 August 2017 - 09:30

Nachtrag: "Alternative 3"(GB 1977) - in dieser fiktiven Dokumentation über amerikanische und sowjetische Raumfahrtmissionen fällt u.a. die These, das das Apolloprogramm nur ein politisches Ablenkungsmanöver war, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit von den Machenschaften der Obrigkeit abzuhalten; ein Grund dafür, das diese "Dokumentation" niemals in den USA ausgestrahlt wurde(heilige Kühe schlachtet man nicht ungestraft :( ).

 

Neuauflage des Buches von Leslie Watkins (1977), das auf dem Drehbuch basiert: http://www.hjb-shop....ternative-3.htm





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