
Mit "Die zerschnittene Welt" von Rüdiger Schäfer ist der Abschlußband der Marasin-Trilogie erschienen.
Die Atlan-Taschenbuch-Reihe bei FanPro hat damit einen kleinen Meilenstein erreicht, denn der Roman ist bereits der fünfundzwanzigste der Reihe. Aus diesem Anlaß ist dem Roman auch eine Einleitung von Rüdiger Schäfer vorangestellt, der mit Hans Kneifel die meisten Romane der Reihe verfaßt hat. Außerdem wurde als kleines Schmankerl für die Leser der Atlan-Schriftzug dieses Romans in Silber gedruckt (die Idee eines nostalgischen Lorbeerkranzes hat dagegen keine Gnade vor den Augen der Macher gefunden - gut so

25 Romane (nicht, dass das schon das Ende wäre, sowohl die Sternensplitter- als auch die Tamaran-Trilogie stehen als nächstes zur Veröffentlichung an) - damit hätte anfangs niemand gerechnet. Als Werner Fuchs von FanPro die Veröffentlichung von Atlan übernahm, war die zweite Inkarnation einer fortlaufenden Atlan-Heftserie gerade aufgrund anhaltenden Lerserschwunds eingegangen. Aber quasi vom Start weg fand Atlan bei FanPro eine treue Käufer- und hoffentlich auch Leserschicht. Obwohl, wie ich meine Perry-Fans so kenne, verschwindet wohl gar manches TB ungelesen in den Archiven der Komplettsammler. Sei's drumm, solange sie ihren Obulus zum Erhalt der Reihe beitragen


Natürlich war bei den 25 Romanen nicht alles Gold, das soll hier nicht verschwiegen sein. Gerade beim ersten Zyklus holperte es noch ziemlich, auch Illochim war etwas über's Knie gebrochen. Gar manche Klage war anfangs ob der vielen Rechtschreibfehler in den Romanen zu hören (man merke sich übrigens den Ausdruck "ob ..." und zähle mal nach, wie oft Rüdiger ihn in seinem aktuellen Roman verwendet hat. Zu oft, für meinen Geschmack. Aber das nur am Rande). Die Leserschaft wurde jedoch auch immer wieder mit Perlen belohnt, wie z.B. dem allerersten Roman der Reihe von Wim Vandemaan oder dem mutigen Experiment von Uwe Anton. Desen Roman hätte bei einem Mainstream-Verlag im Leben keine Chance auf Veröffentlichung gehabt. Auch Arndt Ellmers Rico gehört für mich zu den Highlights, und die Rückkehr der Zeitabenteuer von Hans Kneifel sowieso .
Die 25 Romane nach Exposés von Michael Marcus Thurner, dann Götz Roderer und neuerdings wieder MMT sowie Hans Kneifel wurden von insgesamt 11 Autoren geschrieben. In der Reihenfolge ihres Erscheinens waren dies Wim Vandemaan, Christian Montillon, Michael Marcus Thurner, Achim Mehnert, Rüdiger Schäfer, Michael H. Bucholz, Hans Kneifel, Arndt Ellmer, Uwe Anton, Marc A. Herren und Manfred H. Rückert. Die meisten Romane schrieben Hans Kneifel und Rüdiger Schäfer mit je sechs, Achim Mehnert ist ihnen mit fünf Bänden dicht auf den Fersen. Den nach Seitenzahl bislang längsten Roman schrieb Marc A. Herren, der 364 Seiten zwischen die Buchdeckel quetschte, während Hans Kneifel mit gleich zwei mal 281 Seiten eher Kurzarbeiter ist

Sämtliche Titelbilder (und die Atlan-X-Landkarten) der Romane schuf Arndt Drechsler, und er hat dabei einen tollen Job gemacht (auch wenn ihn das halbkreisförmig ins Bild ragende Atlan-Logo regelmäßig zum Wahnsinn treibt, weil es seine Möglichkeiten so sehr einschränkt). Ich möchte wetten, dass die großartigen Bilder mehr als einen Leser dazu verführt haben, zuzugreifen. Die Umschlaggestaltung, Satz und Layout stammen von Ralf Berszuck. Ich hab' die Titelbilder mal in der Hoffnung, gegen keine Forenregeln zu verstoßen, unter folgendem Link zusammengestellt (alle Copyright Arndt Drechlser und/oder Fanpro)

http://www.bilder-ho...g3nr-1-jpg.html
So, genug des Rückblicks, zum aktuellen Roman. Ab hier kann es übrigens unerwünschte Hinweise zum Inhalt des Romans geben, daher
SPOILERWARNUNG
Mit "Zerschnittene Welt" macht Rüdiger da weiter, wo er mit "Schutz des Paladins" aufgehört hat. Leider. Wieder hatte ich den Eindruck, dass Rüdiger der Stoff nicht wirklich lag. So wirklich Spannung wollte bei mir nicht aufkommen, die Handlung plätscherte so dahin, hier erzählte der Oberbösewicht seine Sache, da stolperten Atlan und Trilith durch die Gegend. Wenn's knapp wird, darf der Paladin spielen (die Nöte der Siganesen, die zuvor noch Thema waren, werden nicht mehr aufgegriffen - schade, gerade das hätte aus den Siganesen mehr gemacht als nur "funktionierende" USO-Mitarbeiter). Von dem faszinierenden Verhältnis zwischen Atlan und Trilith war nichts zu spüren. Die meiste Zeit trottete die Dame so nebenher. Auf Tschirque, im letzten Roman von Achim noch durchaus lebendig und dreidimensional, wird so gut wie gar nicht mehr eingegangen. Einmal darf er noch verräterischerweise die Seiten wechseln, aber dann ward er nicht mehr gesehen. Es gibt viele kleine Szenen, die sich aber nicht recht zu einem gelungenen ganzen zusammenfügen wollen, einmal erzieht Atlan einen U-Bahn-Schläger (oder das marasinsche Äquivalent dazu), einmal darf Atlan sich als Spießer outen, weil er sich weigert, ein ihm unangemessen erscheinendes Gewand überzustreifen, dann trifft Atlan auf einen Medienmogul, der sich als Retter in der Not erweist, während die - natürlich korrupte und unfähige - Regierung das Weite sucht. Die große Invasion, die höchst galaktisch gefährdende Missetat der Illochim besteht dann darin, dass sie ihre Brut a la Hornschrecken auf den Planeten kippen und dann abwarten, bis sich nichts mehr regt. Nachdem Trilith Okt zu sich selber findet und heroisch die Invasion eigenhändig abwehrt, gibt's dann noch einen Nackenschlag für den Leser obendrauf: Nach glücklicher Heimkehr (über die Atlan im ganzen Roman keinen Gedanken verschwendet, kennt offenbar das Exposé) erfährt er dann, worin denn die ungeheure Gefährlichkeit der mittlerweile ihre Führung verlustig gegangenen und daher hilflosen Illochim bestanden hätte. Das gar schröckliche Geheimnis betrifft auch die Schemawesen wie Trilith Okt. Allein, der Leser erfährts nicht, da das Geheimnis Atlan ins Ohr geflüstert wird. Aber aufgrund dieses Geheimnisses löscht Atlan alle Informationen zum Illochim-Komplex. Weia. Alsdann entschwindet auch noch (die mittlerweile gereifte und nicht mehr jähzornige) Trilith Okt mitsamt ihrem Zellaktivator in die Tiefen der Milchstraße - Fortsetzung droht.
Alles in allem liest sich der Roman einigermaßen uninspiriert. Vielleicht bin ich von Rüdiger auch nur durch frühere Romane verwöhnt, so dass die Messlatte einfach höher liegt.
Auch das Ende ist meiner Meinung nach schwach - wofür allerdings nicht notwendigerweise Rüdiger die Verantwortung trägt. Die Illochim haben uns mittlerweile 6 Bände lang beschäftigt und ich wäre durchaus damit zufrieden, nie wieder von ihnen zu hören. So spannend waren die nämlich eigentlich nicht, am Ende nur eindimensional und fanatisch. Bei Trilith Okt bin ich mir unsicher. Einerseits mag ich die Figur, weil sie als Anti-Heldin unendlich viel Potential hat. Andererseits befürchte ich bei ihr das Klammer-Syndrom - das sich nämlich MMT an diese Figur klammert und sie nicht loslassen konnte, obwohl es nicht mehr viel über sie zu erzählen gibt. Jedenfalls ging es Rüdiger in diesem Roman so. Und dafür ist die Figur eigentlich zu schade. Zahlreiche aktuelle ZA-Träger der PR-Serie sind Beleg dafür, dass es das Klammersyndrom gibt. Und da hilft auch das Zwischenparken für einen Zyklus oder zwei wenig, da müsste man schon ein (weit in die Zukunft reichendes) Konzept haben, was aus der Figur werden soll. Ich würde mich aber gern eines besseren belehren lassen und sehen, dass MMT genau weiß, was aus TO noch alles werden soll
Na ja, genug gemeckert (Lieblingsbeschäftigung aller PR- und Atlanleser

Wenn der Termin stimmt, sollte noch diesen Monat (ich habe sogar den 16. im Kopf, kann das Datum aber nicht mehr verifizieren, f-shop-newsletter glaube ich) der erste Band der neuen Atlan-X Trilogie mit Namen Tamaran erscheinen. Die Exposés dazu stammen von Marc A. Herren, Band 1 "Die Prophezeiung von Sais (mit einem Doppelpunkt über dem I, also Sa Is, keine Ahnung, wie ich den hier hinkriege) von Hans Kneifel. Weitere Autoren sind Christian Montillon und Marc selbst
Die "regulären" Atlan-Abenteuer setzen sich in der "Sternensplitter"-Trilogie fort. Im NGF hat MMT geschrieben, dass zum einen die Romane nur lose zusammenhängen, also keine klassischen Fortsetzungsromane bilden und zum anderen die Autoren der Reihe Neulinge in dem Sinne sind, dass sie zuvor noch keine Atlan-Romane veröffentlicht haben