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Abwrackprämie - merkwürdige Dinge gehen vor

Geschrieben von Jürgen , 06 Februar 2009 · 342 Aufrufe

Sie ist da und sie trifft uns mit voller Wucht - die Wirtschaftskrise.
Wobei... irgendwie trifft sie nicht jeden. Zumindest nicht alle. Dabei berücksichtige ich noch nicht einmal gierige Firmenmanager, die trotz fallender Umsätze und kurz vor der Pleite stehende Firmen ihre Bonuszahlungen erhöhen (...könnten ja mal schlechte Zeiten kommen), sondern konzentriere meinen Fokus auf das öffentliche (Arbeiter)leben.
Es wird gekauft, was der Geldbeutel hergibt - und dazu gehört auch, dank Abwrackprämie, ein neues Auto. Vorzugsweise Kleinwagen. An Leute, die immerzu jammern, wie schlecht es ihnen geht. Woher, zum Teufel, haben die plötzlich Geld für ein neues Auto? Denn auch, wenn ihre in die Jahre gekommene Rostlaube plötzlich 2500 € wert ist - da bleibt ein nicht unerheblicher Differenzbetrag übrig. Der muß schließlich bezahlt werden. Wovon?
Ich habe die Aussagen meiner Freunde und Kollegen noch gut in Erinnerung - ....Neuwagen kann man sich heute doch gar nicht mehr erlauben ... viel zu teuer für einen Kleinwagen ... allein das Geld für die fälligen Inspektionen, ohne mich.
Die Hälfte derjenigen, die jene oder ähnliche Statements im Brustton der Überzeugung von sich gaben, erklärten in den letzten Tagen, sich ein neues Auto gekauft zu haben. Punkt UND Ausrufezeichen.
Hallo ? Was ist passiert ? Lottogewinn ? Erbtante verstorben ?
Nichts dergleichen. Lediglich die Tatsache, dass sie für ihren schrottreifen Benzinschlucker 2500 € bekommen (wobei, so richtig "bekommen" haben sie das Geld noch nicht - bitte das Kleingedruckte im Kaufvertrag beachten), lässt ihren Verstand kernschmelzen und die Logik außen vor.
Auf den ersten Einwand hin, dass trotzdem noch 10000 € draufgepackt werden müssen, reagieren sie mit Ignoranz. So einen "Deal" darf man sich doch nicht entgehen lassen. Auf den zweiten Einwand, dass man schon vor der Abwrackprämie beim Autohändler mit Verhandlungsgeschick und Durchsetzungsvermögen einen "Preisnachlass" von locker 5000 € herausschlagen konnte (inkl. Verschiffung des Altwagens nach Afrika) reagieren sie dann etwas verärgert, denn... sie mussten den vollen Katalogpreis hinblättern! Nachweislich war ab November 2008 ein im Verkaufsraum beim Händler stehender Polo oder Corsa im Schnitt bis zu 2000 € billiger - MIT eingerechneter Abwrackprämie !!!
Gut für den Autoverkäufer, der schließlich von den Provisionen lebt und endlich mal wieder selbst etwas am Verkauf verdient - schlecht für den Käufer, der bisher immer irgendeine Form von Rabatt bekam; sei es für Sonderausstattung oder wegen einer Tageszulassung.
Abgesehen davon bleibt immer noch die Frage, wie die Differenz zum Neuwagen geschultert wird. Die meist vorgetragene Lösung: Nun, da gebe es ja... die Finazierung. Mooooment.
Finanzierung ? Ihr fahrt seit Jahren ne alte Dreckschleuder, weil ihr euch nie einen Kredit für ein Auto ans Bein binden wolltet und jetzt gleich einen fünfstelligen Betrag für einen Neuwagen?
Er wäre ja nun neu, lautet die lahme Antwort, und wird auch ein paar Jahre halten. Den Einwand, dass die halbjährlichen Inspektionen ungefähr so viel kosten, wie alle Reparaturen der alten Rostlaube in den letzten Jahren zusammen, will keiner hören.

Es ist, wie es ist - der Begriff Abwrackprämie hat sämtliche Hirnzellen für Vernunft außer Kraft gesetzt. Und wer jetzt noch mit dem "Totschlagargument" kommt und was von umweltfreundliche Euro-Norm 4 faselt, der möge bitte zur Kenntnis nehmen , dass selbst 12 Jahre alte Kleinwagen locker die Euro-Norm 3 erreichten. Der Unterschied zur Vier ist kaum erwähnenswert ... zumindest, was den Schadstoffausstoß betrifft.

Eines ist klar - die Abwrackprämie ist ein wirtschaftspolitischer Volltreffer und deshalb sollte sie auch auf andere Industriezweige ausgedehnt werden. Natürlich immer unter der Voraussetzung, dass die Neuanschaffung umweltfreundlicher ist. Mir fallen da auf Anhieb Waschmaschinen mit geringerem Wasser- und Stromverbrauch, Kühlschränke, Röhrenfernseher und stromsparende Notebooks ein. Wird aber nicht kommen. Einerseits, weil es im Bundestag keine Lobbyisten für Gebrauchstechnik und Unterhaltungselektronik gibt und zweitens, weil die Kreditlinie der Verbraucher beim Kauf des Neuwagens ausgeschöpft wurde. Aber schön, dass zumindest die Autoindustrie ihren angerosteten Lagerbestand minimieren kann - sozusagen als Lohn dafür, dass sie sich in den letzten 15 Jahren geweigert hat, über innovative Antriebstechnik nachzudenken.

Lediglich ein Gedanke geht nicht aus meinen Kopf... was passiert eigentlich, wenn durch die Wirtschaftskrise meine Bekannten und Freunde ihren Job verlieren? Wie bezahlen sie dann ihren Autokredit?
Hmmm. Ich glaube, ich sollte mir mal im nächstes Jahr den Gebrauchtwagenmarkt genauer anschauen. Kann durchaus sein, dass ich da ein feines Schnäppchen machen kann. Zum Beispiel einen Astra, 18 Monate alt, nur 12000 Kilometer gelaufen aus privater Insolvenz für 60 Prozent des Schwacke-Preises.
Überangebot macht es möglich... und natürlich die Abwrackprämie!

einen schönen Tag noch wünscht euch
Jürgen



Endlich wieder ein Blog-Eintrag von Dir! Ich hoffe, auf den naechsten muessen wir nicht wieder zwei Jahre warten.
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