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Telenova

Geschrieben von , 09 Dezember 2005 · 297 Aufrufe


Ist eigentlich schon jemandem aufgefallen, wie schlecht die Eigenproduktionen der Sat1/Pro7 Gruppe oder dem RTL-Clan sind ?
Und damit meine ich AUSNAHMSLOS alle. Selbst die hochgelobten Stunt-Shows wie Autobahnpolizei oder Der Clown.
Okay, ich gebe zu, es ist ein wenig unfair, Konzepte von Crichton, Bruckheimer oder den Scott-Brüdern mit denen von angelernten Werbeclip-Regiesseuren, die für die Privatsender arbeiten, zu vergleichen. Leider ist es aber so, daß sich Regiegrößen im agloamerikanischen Bereich bei den Fernsehsendern die Klinke in die Hand geben, während sich in Deutschland mehr die Jungs, die einmal die Klappe bedient haben, um Filmaufträge streiten.

Am grössten fällt einem der Unterschied auf, wenn man direkt nach einer CSI-Folge mit einer deutschen Produktion belastet wird. So geschieht es jeden Dienstag nach CSI-Miami. Die Nachfolgesendung ist eine Produktion mit dem Titel "Im Namen des Gesetzes". Aufgemacht wie die amerikanische Serie "Criminal Intent", stolpern da Laienschauspieler durch den Bildschirm, die nicht nur gekonnt falsch zur Stimmung der Szene ihren Gesichtsausdruck präsentieren, sondern auch noch ihren Text ohne Rücksicht auf einen eventuell vorhandenen Spannungsfaden runterleiern. Sorry, meine Damen und Herren Schauspieler, es reicht definitiv NICHT AUS, wenn man einmal in einer bei Zuschauern, deren IQ knapp über Raumtemperatur liegt, sehr beliebten Gerichtsshow den Angeklagten oder Zeugen gespielt hat.

Grundsätzlich sind fast alle RTL/SAT1/PRO7-Serienproduktionen talentfreie Zonen. Man fragt sich natürlich, wie es zu Serien wie GZSZ, Unter uns, HinterGittern (RTL) oder Verliebt in Berlin und Mein Chef und ich (Sat1) überhaupt kommen konnte. Nun, die Antwort ergibt sich aus der Addition von hirntoten TV-Konsomenten, die sich auch stundenlang ein Testbild anschauen würden, wenn es nur regelmässig von Werbeeinblendungen unterbrochen würde und leichtgläubigen Mitmenschen, die tatsächlich der Meinung sind, daß man mit einer Zahnspange so groß wie ein Bauzaun den gutaussehenden Chef einer Firma erobern kann.
Auch wenn Zahnspangen bei den Kiddies im Alter von 13-17 Jahren gerade angesagt sind (keine Angst, die Phase geht vorrüber... spätestens wenn ihr irgendwann mal in die dritte Klasse versetzt werdet), so kann man davon ausgehen, daß diese Zahnhilfen etwa so erotisch sind wie weiße Tennissocken in Sandalen.

Vielleicht sollte man diesen Leuten mitteilen, daß Telenovas, so nennt man dieses für Analphabeten geschaffene Fernsehformat, ursprünglich dazu diente, in armen Ländern des südamerikanischen und asiatischen Kontinents, die Hoffnung auf ein besseres (und reicheres) Leben aufrecht zu erhalten. Märchen und Wunder werden manchmal wahr, äusserst selten im wirklichen Leben, dafür umso öfter in Telenovas. Und wenn man an Wunder und Märchen glaubt, wird das eigene, manchmal erbärmlich schlechte Leben um vieles erträglicher.

Aber wie ist nun der scheinbare Erfolg von Telenovas in Deutschland zu erklären ? Geht es den Menschen wirklich schon so schlecht, daß sie ihr kleines Glück in einer drittklassigen Fernsehserie finden ? Ist die bildungspolitische Lage in Deutschland wirklich so übel, daß wir eine Generation von Menschen zu naiven Anhängern von Geschichten machen, die für Analphabeten erfunden wurden ?

Der Pisa-Test gibt eine Teilantwort. Bildungstechnisch auf Dritte-Welt-Niveau, haben sich die Deutschen mit der Rolle als Verlierer der Globalisierung abgefunden. Sie haben die Hoffnung, aus eigener Kraft ihre Situation zu verbessern aufgegeben. Nicht das Schulsystem ist schuld, daß heutige Teenager keine Integralrechnungen durchführen können, sondern auch Möchtegern-Schauspieler, die nicht einmal ansatzweise verstehen, was sie da gerade bei Abschluß ihres "Filmvertrags" überhaupt unterschrieben haben. Mit ihrer dummen Art, in einer sehr dummen Telenova, den Zuschauern die heile Welt vorzuspielen, haben sie ein dankbares Publikum gefunden.

Schade für Deutschland, Glück für Tschechien, Polen oder den baltischen Staaten. Die Bewohner dort haben keine Zeit, sich so einen Schwachsinn im Fernsehen anzuschauen... sie sind damit beschäftigt, zu lernen. Unter sehr widrigen Umständen, aber sie lernen... und vielleicht so schnell und so gut, daß einige Menschen in 20 Jahren in einer Telenova mitfiebern, ob das arme, arme Mädchen aus dem verarmten Hamburg-Blankenese ihren Traumprinzen aus Litauen bekommt.

Telenovas sind echt doof



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