Als Leser erwarte ich, dass eine Rezi keine Werbung ist. Lob ist ok, aber dann muss erkennbar sein, was gut ist. Dazu hilft es sicher, den Geschmack des Rezensenten zu kennen. Bei Rupert etwa kann ich davon ausgehen, dass wir zu 50% komplett entgegengesetzt liegen und auch völlig unvorhersehbar. Und so sehr ich Erik Schreiber auch mag, seine Rezis sind für mich meist unbrauchbar.
Aber wie gesagt, es ist verdammt schwer, eine Rezi zu schreiben, die dem Leser auch etwas bringt.
Was ich jetzt sage, ist alles andere als neu, aber mir scheint beim Rezensieren vor allem wichtig, dass man schreibt, was man wirklich denkt, und dass man sich bemüht, das auf für den Leser nachvollziehbare Weise zu tun. Manchmal habe ich Gewissensbisse, Leute zu verreißen, wo die doch so viel Mühe in ihr Buch gesteckt haben. Andererseits ist mir noch wichtiger, potenzielle Buchkäufer
nicht dazu zu bringen, Geld aus dem Fenster herauszuschmeißen.
Eigentlich stänkere ich bei jedem Buch etwas (wenn die Bücher ein gewisses Niveau haben, versuche ich dabei fair zu sein - andernfalls tue ich auch schon mal, was allen Rezensenten im Blut liegt: Ich schreibe Hinrichtungen). Ich denke mir oft, dass ich mit meinem Geschmack zu einer relativ kleinen Minderheit gehöre. Zum Beispiel stört es mich mittlerweile schon, wenn ein Buch einfach typische SF-Versatzstücke zum hundertsten Mal widerkäut, die ich schon aus anderen Büchern kenne. Da kann dann solch ein Buch an sich durchaus solide geschrieben sein - ich langweile mich trotzdem, wenn sich nicht irgendwo noch etwas findet (besondere gedankliche Schärfe - literarische Sprache - ironischer/spielerischer Umgang mit dem Inhalt oder was weiß ich), das das Buch außergewöhnlich macht. Ich vermute, die Mehrzahl der Leser sieht das nicht so wie ich. Aber es muss ja auch nicht sein, dass alle mit mir als Rezensenten übereinstimmen. Wichtiger ist sicher, dass ich berechenbar bin. Ich habe ja auch Leute, deren Besprechungen ich freiwillig lese, weil sie eine bestimmte Herangehensweise an Texte / literarische Kriterien habe, die ich glaube, in jedem ihrer Texte erwarten zu können.
Um noch mal die Kurve zum Kommentar oben zu kriegen: Wahrscheinlich liest Erik einfach zu viel - und vielleicht etwas wahllos. Und Rupert (der, glaube ich, heute außer Haus ist und sich nicht direkt wehren kann

) halte ich für einen Fan klassischer Genre-SF-Schmöker. Das führt dann manchmal dazu, dass wir Bücher ziemlich unterschiedlich beurteilen. Er mag etwa Sachen wie Michael Baiers "Coruum" oder Karsten Kruschels "Vilm", wo ich mich eher von einem Gähnanfall zum nächsten hangele

.
Genug gelästert. (Bitte vergib mir, Rupert!)
Einen schönen Sonntag allseits, Rainer