ich kann mal ganz allgemein sagen, wie deutsche Romane ins Ausland kommen aus meiner Erfahrung. Ich habe das ja im Selfpublishing gemacht mit eigenem Risiko und zehn Romanen, die ich mit Übersetzern und Lektoren habe vorproduzieren lassen auf (US-) Englisch, das sind knackige 5-stellige Beträge pro Buch, also volles Risiko, weshalb wir kaum deutsche Autoren auf dem englischsprachigen Markt sehen (die Verlage scheuen Risiko wie die Pest, da muss es schon ein Schwarm sein oder ähnliches Kaliber). Und selbst mit meinem Know-How über Märkte, Marketing, Blurbs etc. und langer Marktanalyse war es echt schwierig. Ich kenne auch bis heute keinen anderen deutschen Selfpublisher (oder Verlagsautor, abgesehen von Andreas), der es geschafft hätte. Ich habe es tatsächlich geschafft, dort bei Amazon sehr erfolgreich zu sein (60% meines Umsatzes kommen aus den USA), aber den Durchbruch mitsamt Buchhandel gab es durch Umwege, da ist dann etwas Erstaunliches passiert: "The Object" habe ich für ein paar Monate breit veröffentlicht, nachdem es bei Amazon gut anlief, habe also Kindle Unlimited aufgegeben. Das hat auch sehr gut funktioniert und es kam auf die USA-Today-Bestsellerliste. Daraufhin gab es zig Anfragen von Topverlagen aus Italien, Russland, Spanien, den Niederlanden, Schweden, Brasilien etc. - aber auch von Podium Entertainment, die das Buch ein Jahr nach Veröffentlichung nochmal in Nebenlizenz (nur Taschenbuch) in den Buchhandel bringen aktuell. Es zeigt sich also eine ähnliche Dynamik wie hier: Zeig mir, dass dein Flugzeug fliegen kann, dann besorgen wir dir die Passagiere. Was bleibt ist das, was ich schon immer meine gesehen zu haben: Der englischsprachige Raum steht so gar nicht auf Übersetzungen. Ein großer Teil meines Erfolgs liegt darin begründet, dass ich nicht unterscheidbar war von lokalen Autoren und ihren Werken. "Singularity" konnte ich auch an Podium verkaufen, obwohl es noch nicht erschienen ist auf Englisch (brauchte erst die Rechte von Fischer-Tor zurück für Übersetzungen), da wollen sie damit werben, dass es in Deutschland den Seraph gewonnen hat. Da bin ich mal sehr gespannt, weil ich dann zwei Titel mit komplett unterschiedlicher Strategie vergleichen kann. Ich denke, dass all diese Faktoren ein Grund sind, warum fast alles an deutschen Romanen (und Kurzgeschichten sowieso) schlicht kaum vorkommt im Ausland, von kleinsten Nischen abgesehen.
Bearbeitet von Joshua Tree, 27 Januar 2026 - 00:35.