Das ist ein Roman der richtig gut hätte werden können, wenn sich die beiden Autoren ihrer früheren Qualitäten erinnert hätten, die irgendwo noch vorhanden sein müssen. So ist
Himmelsjäger nur ein netter Versuch, aber nicht mehr.
Es gibt zwar Passagen die überzeugen. Wenn der Blickpunkt zu der Alien-Astronomin Memor wechselt (was immer auch mit diesem Begriff gemeint ist) und wir Menschen mit dem analytischen Blick des Aliens durchleuchtet werden und man so zu interessanten Einsichten gelangt, zum Beispiel, wie sich unser menschliches Bewusstsein von dem der der Vogelwesen unterscheidet.
Konzeptionell hängt der Roman aber in der Luft. Er kann sich nicht entscheiden was er sein will. Exotisches Survivaldrama oder Wissenschaftsabenteuer. Entstanden ist ein uninspirierter Mischmasch, der auf keiner Ebene überzeugt. Für ein Survival-Abenteuer ist es zu bräsig erzählt und für ein Wissenschaftsabenteuer zu planlos und insgesamt zu geschwätzig. Die Geschichte kommt nicht auf den Punkt. Extrem unlustig ist es, die Flucht der beiden Menschengruppen zu verfolgen, die monatelang ziellos umherirren, scheinbar mit nichts anderem beschäftigt als der Suche nach Essbarem. Die festgefahrene Situation ändert sich erst, als die Cliffgruppe auf die katzenähnlichen Sil trifft. Dieses Alienvolk, das von dem Vogelvolk genetisch manipuliert wurde und dadurch mehr oder weniger versklavt wird, hofft mit der Ankunft der Menschen auf der Schalenwelt ihr Schicksal endlich wenden zu können. Damit deutet sich auch ein zukünftiger Wandel in der vom Vogelvolk auf ewige Dauer und Konstanz ausgelegten, fein abgestimmten Gesellschaftsstruktur der Schalenwelt an. Für den Roman kommt diese Spannungsanstieg aber zu spät, um den negativen Eindruck mildern zu können, zumal das Buch mit dem letzten Satz einfach endet und nur ein dürrer Hinweis den nächsten Band ankündigt. Nicht einmal ein ordentlicher Cliffhanger wird eingebaut, der vielleicht Lust auf die Fortsetzung macht. Irgendwie gewinnt man den Eindruck, dass hier mit Gewalt ein Roman auf zwei Bände aufgeblasen wurde, der ohne Probleme auch in einem hätte erzählt werden können.
Ich nehme an, dass es im nächsten Band zu einer Revolution oder etwas Ähnlichem kommen wird. Irgendetwas muss sich ändern, denn auch das Schicksal der Besatzung der SunSeeker steht auf dem Spiel. Zu irgendeiner Art von Kooperation wird das Vogelvolk sich mit den Menschen schon durchringen müssen, zumal sich immer mehr herausstellt, dass die Vogelwesen nicht annähernd ihrem eigenen Anspruch, überlegene Intelligenzen zu sein, gerecht werden und auch relativ hilflos dem Treiben der Menschen gegenüberstehen.
LG Trurl
Bearbeitet von Trurl, 24 November 2013 - 23:09.