Frederic Brake, on 07 Dec 2019 - 07:44, said:
Vielleicht habe ich das falsch aufgefasst, aber mir scheint, als wäre eine Vorraussetzung für eine größere Bekanntheit im jeweiligen Land, dass es einen entsprechend großen Verlag mit dem entsprechenden Marketingarsenal gibt. Oder beschränkt sich Bekanntheit hier tatsächlich auf die jeweilige Szene im Land? Dann griffe wieder das Argument, dass der jeweilige "Markt" von lokalen Werken durchsättigt sein dürfte. China als Referenz für die Bekanntheit deutscher, bzw. nichtchinesischer SF erscheint mir etwas gewagt, bei einem Potential von ca einer Milliarde Lesern.
Das SF nicht als marktrelevant angesehen wird, liegt an der Denke: SF-Literatur = Groschenroman/Pulp = minderwertig = für geistig minderbemittelte Jugendliche = diametral abseits jeglicher Qualitätsliteratur à la Faust/Effi Briest/Buddenbrooks.
Wenn man einen der bekannteren Mainstream-Feuilletonisten frägt, was ihm als Erstes zu SF einfällt, kommt - nach meinem Dafürhalten "Perry Rhodan" und dann lange mal nix, vielleicht auch in Unkenntnis darüber, dass es sich hier um ein Produkt aus deutscher Feder handelt. (Hier sei darauf hingewiesen, dass ich PR weder für Pulp noch für minderwertig halte - ich bin aber auch keine Referenzquelle).
Da kann ich nur für den deutschen Markt sprechen, in französischer Literatur kenne ich mich nicht aus, ebenso wenig wie in jeder anderen ausländischen Szene. Ich weiß aber, dass gerade die DDR eine sehr positive Penetranz von SF in der Mainstream-Literatur hatte - wenn zuweilen auch stark linientreu geprägt.
Seit Jahrzehnten bestimmen in der gehobenen Trivialliteratur (in diesem Feld bewegen wir uns ja) Kriminalromane den Markt (in den letzten zwei Jahrzehnten auch durchaus aus deutschsprachiger Feder - Klüpfl/Kobr, -ky, Berndorf -, zunehmend wird ihr der Rang von Fantasy abgelaufen. Die Hoffnung, wenigstens über die Schiene der Fantasy SF zu bringen, scheitert auch an der Mentalität des Deutschen Marktes (Anbieter wie Konsumenten sind da auf ähnlicheḿ Niveau schuldig!): Schubladendenken (das wir auch in anderen Kunstformen sehen, ich denke an die Zersplitterung der Popmusikszene im Allgemeinen sowie der Metalszene - aus der ich komme - im Besonderen).
Deinen letzten Satz kann ich nur teilweise humoristisch verstehen: um in ganz China gelesen zu werden, müsste ein Werk in mehrere Dialekte und Sprachen (Tibetisch, Uigurisch, Mandarin) übersetzt werden - das kann dauern!
Bearbeitet von Peter-in-Space, 07 Dezember 2019 - 11:38.