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Das schwarze Loch deutschsprachiger SF


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227 Antworten in diesem Thema

#31 Peter-in-Space

Peter-in-Space

    Kenonaut

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Geschrieben 07 December 2019 - 11:29

Vielleicht habe ich das falsch aufgefasst, aber mir scheint, als wäre eine Vorraussetzung für eine größere Bekanntheit im jeweiligen Land, dass es einen entsprechend großen Verlag mit dem entsprechenden Marketingarsenal gibt. Oder beschränkt sich Bekanntheit hier tatsächlich auf die jeweilige Szene im Land? Dann griffe wieder das Argument, dass der jeweilige "Markt" von lokalen Werken durchsättigt sein dürfte. China als Referenz für die Bekanntheit deutscher, bzw. nichtchinesischer SF erscheint mir etwas gewagt, bei einem Potential von ca einer Milliarde Lesern.

Das SF nicht als marktrelevant angesehen wird, liegt an der Denke: SF-Literatur = Groschenroman/Pulp = minderwertig = für geistig minderbemittelte Jugendliche = diametral abseits jeglicher Qualitätsliteratur à la Faust/Effi Briest/Buddenbrooks.

 

Wenn man einen der bekannteren Mainstream-Feuilletonisten frägt, was ihm als Erstes zu SF einfällt, kommt - nach meinem Dafürhalten "Perry Rhodan" und dann lange mal nix, vielleicht auch in Unkenntnis darüber, dass es sich hier um ein Produkt aus deutscher Feder handelt. (Hier sei darauf hingewiesen, dass ich PR weder für Pulp noch für minderwertig halte - ich bin aber auch keine Referenzquelle).

 

Da kann ich nur für den deutschen Markt sprechen, in französischer Literatur kenne ich mich nicht aus, ebenso wenig wie in jeder anderen ausländischen Szene. Ich weiß aber, dass gerade die DDR eine sehr positive Penetranz von SF in der Mainstream-Literatur hatte - wenn zuweilen auch stark linientreu geprägt.

 

Seit Jahrzehnten bestimmen in der gehobenen Trivialliteratur (in diesem Feld bewegen wir uns ja) Kriminalromane den Markt (in den letzten zwei Jahrzehnten auch durchaus aus deutschsprachiger Feder - Klüpfl/Kobr, -ky, Berndorf -, zunehmend wird ihr der Rang von Fantasy abgelaufen. Die Hoffnung, wenigstens über die Schiene der Fantasy SF zu bringen, scheitert auch an der Mentalität des Deutschen Marktes (Anbieter wie Konsumenten sind da auf ähnlicheḿ Niveau schuldig!): Schubladendenken (das wir auch in anderen Kunstformen sehen, ich denke an die Zersplitterung der Popmusikszene im Allgemeinen sowie der Metalszene - aus der ich komme - im Besonderen).

 

Deinen letzten Satz kann ich nur teilweise humoristisch verstehen: um in ganz China gelesen zu werden, müsste ein Werk in mehrere Dialekte und Sprachen (Tibetisch, Uigurisch, Mandarin) übersetzt werden - das kann dauern! :closedeyes:


Bearbeitet von Peter-in-Space, 07 December 2019 - 11:38.

Wenn es eine Krisensituation gibt, sucht der intelligente Mensch nach einer Lösung,

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#32 simifilm

simifilm

    Cinematonaut

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Geschrieben 07 December 2019 - 11:43

Das SF nicht als marktrelevant angesehen wird, liegt an der Denke: SF-Literatur = Groschenroman/Pulp = minderwertig = für geistig minderbemittelte Jugendliche = diametral abseits jeglicher Qualitätsliteratur à la Faust/Effi Briest/Buddenbrooks.

Hier vermischst du in meinen Augen zwei unterschiedliche Dinge. Zumindest ich verstehe unter Marktrelevanz, wie gut sich gewisse Titel verkaufen. Es geht also um Absatzzahlen. Du sprichst dagegen von der Anerkennung im Feuilleton und bei anderen hochkulturellen Instanzen. Diese Dinge sind aber keinesfalls deckungsgleich. Man nehme ein aktuelles Beispiel: Peter Handke hat den Literaturnobelpreis erhalten, wird regelmässig im Feuilleton besprochen etc. (die ganze Jugoslawien-Krieg-Geschichte lassen wir mal aussen vor), aber ich wäre überrascht, wenn es eine durchschnittliche Handke-Neuerscheinung vor Bekanntgabe des Nobelpreises über fünfstellige Verkaufszahlen gebracht hat (aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren). Und bei SF muss man klar zwischen Genre-Literatur und Romanen, die SF-Motive verwenden, nicht aber als SF vermarktet werden, unterscheiden. Letztere gibt es reichlich - Christian Kracht, Reinhard Jirgl, Markus Orths, Karen Duve, Leif Randt etc. - man findet sie in der Buchhandlung allerdings nicht in der Abteilung "Science Fiction".

Bearbeitet von simifilm, 07 December 2019 - 11:48.

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#33 Peter-in-Space

Peter-in-Space

    Kenonaut

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Geschrieben 07 December 2019 - 12:20

Hier vermischst du in meinen Augen zwei unterschiedliche Dinge. Zumindest ich verstehe unter Marktrelevanz, wie gut sich gewisse Titel verkaufen. Es geht also um Absatzzahlen. Du sprichst dagegen von der Anerkennung im Feuilleton und bei anderen hochkulturellen Instanzen. Diese Dinge sind aber keinesfalls deckungsgleich. Man nehme ein aktuelles Beispiel: Peter Handke hat den Literaturnobelpreis erhalten, wird regelmässig im Feuilleton besprochen etc. (die ganze Jugoslawien-Krieg-Geschichte lassen wir mal aussen vor), aber ich wäre überrascht, wenn es eine durchschnittliche Handke-Neuerscheinung vor Bekanntgabe des Nobelpreises über fünfstellige Verkaufszahlen gebracht hat (aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren). Und bei SF muss man klar zwischen Genre-Literatur und Romanen, die SF-Motive verwenden, nicht aber als SF vermarktet werden, unterscheiden. Letztere gibt es reichlich - Christian Kracht, Reinhard Jirgl, Markus Orths, Karen Duve, Leif Randt etc. - man findet sie in der Buchhandlung allerdings nicht in der Abteilung "Science Fiction".

Entweder habe ich mich da wirklich falsch ausgedrückt oder Du hast es nur in den falschen Hals bekommen:

 

ich habe nichts vermischt, ich habe 2 höchst unterschiedliche Dinge - wie Du schon richtig bemerktest! - zusammengeführt, aber versucht, es immer klar voneinander abzugrenzen. Vielleicht ist mir der Versuch nicht gelungen. I'll try harder next time!


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#34 simifilm

simifilm

    Cinematonaut

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Geschrieben 07 December 2019 - 12:31

Entweder habe ich mich da wirklich falsch ausgedrückt oder Du hast es nur in den falschen Hals bekommen:   ich habe nichts vermischt, ich habe 2 höchst unterschiedliche Dinge - wie Du schon richtig bemerktest! - zusammengeführt, aber versucht, es immer klar voneinander abzugrenzen. Vielleicht ist mir der Versuch nicht gelungen. I'll try harder next time!

Du hast im ersten Satz geschrieben, dass in deinen Augen SF nicht als marktrelevant betrachtet wird, weil sie nicht als gehobene Literatur gilt - darauf bezog sich meine Antwort. Diese Aussage stimmt in meinen Augen nicht. Es sei denn man betrachtet nur den Markt der "gehobenen Literatur", aber darum scheint es dir ja nicht zu gehen.

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#35 Peter-in-Space

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    Kenonaut

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Geschrieben 07 December 2019 - 14:25

Du hast im ersten Satz geschrieben, dass in deinen Augen SF nicht als marktrelevant betrachtet wird, weil sie nicht als gehobene Literatur gilt - darauf bezog sich meine Antwort. Diese Aussage stimmt in meinen Augen nicht. Es sei denn man betrachtet nur den Markt der "gehobenen Literatur", aber darum scheint es dir ja nicht zu gehen.

Diese Anleitung zur Fehlinterpretation gebe ich uneingeschränkt zu.

 

Wenn ich sie jetzt mit einigen Tagen Abstand noch einmal lesen müsste, würde mir der Fehler sofort auffallen: es existiert keine Hoch- oder Trivialliteratur. Nur Gute oder Schlechte, und diese Einteilung ist auf den individuellen Geschmack begrenzt!


Bearbeitet von Peter-in-Space, 07 December 2019 - 14:26.

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#36 Selma die Sterbliche

Selma die Sterbliche

    Nautilia sempervirens

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Geschrieben 07 December 2019 - 15:06

Dieses Werk von Gus Backus (gesungen, der Text stammt von Werner Scharfenberger und Peter Wehle) ist _KEIN_ Karnevalslied.

 

My.

 

Ich verneige mich vor deinem Wissen, Meister!


Gute Bücher verderben den Charakter. Man wird ja so wählerisch! jottfuchs.de

 

 


#37 Frank Lauenroth

Frank Lauenroth

    Quadruplenominaut

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Geschrieben 22 April 2021 - 17:39

Zusammengefasst braucht es also einen mutigen und solventen deutschen (?) Verlag, der KG deutschsprachiger Autor°innen ins Englische, Spanische, Hindi und Mandarin übersetzt und man hätte gefühlt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung als potentielle Leser.

:blink: oder?


†¢ In memoriam Christian Weis & Alfred Kruse             Lust auf ne kurze Geschichte? Dann hier: Spoiler


#38 CLühr

CLühr

    Ufonaut

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Geschrieben 01 May 2021 - 20:57

Es gab auf den letzten WeltCons doch immer deutschsprachige Panels, Vorträge zur deutschen SF und dem deutschen Fandom und eine vom SFCD heraus gegebene Broschüre über deutsche SF. 

 

Ich weiß nicht ob es davon noch Exemplare gibt. 


Gruß

Christoph

Mein Blog: http://cluehr.wordpress.com/

#39 Narrania

Narrania

    Temponaut

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Geschrieben 02 May 2021 - 12:09

Es waren eine ganze Menge übrig, weiß ich, die Kiste war schwer. Und, bevor jemand fragt, sie waren auch ins Englische Übersetzt, so wie die Geschichten zum Eurocon in Dortmund. Es ist nur zu wenig, denke ich. Wir haben doch selbst ein etwas gestörtes Verhältnis zur Deutschen SF, oder?



#40 CPL386

CPL386

    Ufonaut

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Geschrieben 02 May 2021 - 12:59

Also ich spreche mal als Konsument, der eher in einem Dorf lebt.

Von dem her würde ich sagen, es fehlt an Präsenz.

War ich früher schon froh und überrascht, dass es einen "Andreas Eschbach" gibt, der außerhalb von Perry Rhodan auch SCI-FI geschrieben hat.

Aufmerksam wurde ich durch die Verfilmung "Das Jesus Video". Wobei ich sowohl Film als auch Buch fürchterlich fand. (Sorry, Andreas  :bighlaugh: )

Perry Rhodan war mir zu viel und war einfach nicht meine Richtung.

Aber somit kam ich überhaupt auf die Idee nach deutschen Sci-Fi zu suchen.

 

Viel, viel später fand ich auch einen "Stefan Burban" im SciFi-Forum als er für sein erstes Buch warb.

Oder war es sogar eine vorläufige Kurzgeschichte?

Ich weiß es nicht mehr...

Hab ihn jedenfalls fast im Fanfiktion-Bereich eingeordnet (Sorry, Stefan ;) Aber ich hab ja dann auch deine Leseprobe gelesen! Und die Meinung nach der richtigen Veröffentlichung geändert.) 

und dann ging es langsam los...

Fand u.a. Matthias Matting aka Brandon Q. Morris, Andreas Brandhorst, usw.

Viel mehr war da nicht als unbedarfter zu finden. Mehr Mundpropaganda kriegte ich nicht in meinen Kreisen.

Mittlerweile habe ich dank dieses Forums noch von anderen Erfahren bei denen ich auch ab und zu vorbeischaue, ob sie etwas für mich haben.

 

Wir werden einfach mit eher amerikanischen Sendungen überschwemmt. Wenn jemand in meiner Nähe in Bücherabteilungen oder Bücherläden vorbeischaut findet man größtenteils nur Übersetzungen...

Ich sehe hier parallelen zu deutschen Genrefilme.

 

Weil kaum Geld vorhanden ist, kann die Werbetrommel nicht groß bedient werden.

Folglich erfahren nur wenige davon mit dem Effekt, dass wenig verkauft wird und wenig Präsenz vorhanden ist.

Weshalb wieder zu wenig Geld da ist für große Aktionen.

 

Man sieht es teilweise recht schön an Star Trek, dass es nicht einmal über einen langen Zeitraum viel Geld braucht, sofern eine breite Fangemeinschaft vorhanden ist.

Die machen Cons, Werbung, Mundpropaganda, usw.

Wobei es soweit ich mitbekomme da jetzt auch ruhiger wird.

 

Der Motor muss imho nur mal richtig anspringen.


Bearbeitet von CPL386, 02 May 2021 - 13:05.


#41 My.

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Geschrieben 02 May 2021 - 14:09

Es liegt nicht an zu wenig Geld für eine Werbetrommel.

Es liegt an der nahezu vollständigen Ignoranz gegenüber Infos zu Neuveröffentlichungen.

 

Oh ja, und Star Trek fand ich auch schon immer ziemlich preisgünstig.

 

Man könnte es dem Motor auch einfacher machen. Mit Starthilfe, statt ihn bei jeder Gelegenheit abzuwürgen.

 

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#42 CPL386

CPL386

    Ufonaut

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Geschrieben 02 May 2021 - 14:38

Es liegt nicht an zu wenig Geld für eine Werbetrommel.
Es liegt an der nahezu vollständigen Ignoranz gegenüber Infos zu Neuveröffentlichungen.

Wie gesagt, ich schreiben aus der sicht eines normalen Konsumenten der eher im Dorf lebt.
Wäre ich nicht in Foren wie diesen, würde ich von Nova, SFCD, usw. überhaupt nichts mitkriegen...

Oh ja, und Star Trek fand ich auch schon immer ziemlich preisgünstig.

Schau Dir mal die Fans von TOS an. Wieviele das noch sind und eigene Conventions machen.
Das sind nicht wenige. Und TOS wurde schließlich abgesetzt weil es zu wenig einbrachte.
Nachdrehs und weitere Staffeln gab es da nicht!
Es kamen dann aber aufgrund der Nachfrage(!) die Filme, usw...

Und meintest Du nicht Geld wäre eh nicht das Problem?

Man könnte es dem Motor auch einfacher machen. Mit Starthilfe, statt ihn bei jeder Gelegenheit abzuwürgen.


Würdest Du das etwas genauer ausführen?

#43 Bernard

Bernard

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Geschrieben 08 May 2021 - 15:10

Hauptgrund: Meckerkultur. Es liegt nicht in der hiesigen Mentalität, Erfolge zu feiern und Positives herauszustellen. Käme PERRY RHODAN als weltgrößte SF-Serie aus den USA ... Meine Güte, was wäre man dort stolz! Ich wette, es gäbe Scharen von Leuten mit PERRY-T-Shirts etc. auf jeder internationalen Convention. Hierzulande wird es tendenziell eher klein geredet. Es wird generell nicht als Positivum gesehen, kommerziell erfolgreich zu sein. Im Gegenteil, das macht skeptisch. Wenn etwas "wertvoll" ist, darf es nicht mehr als 100 Exemplare verkaufen. Die Kunst des wahren Dichters hat brotlos zu sein.

Ja, das ist anders in anderen Ländern. Ganz anders. Obwohl Liu Cixin eigentlich in China ein alter Hut ist (seine wesentlichen Werke sind dort vor Jahrzehnten erschienen), habe ich noch keinen chinesischen Fan getroffen (und ich habe einige getroffen), der nicht das Hohelied der Freude auf Three Body Problem gesungen hätte - um dann auch zu erwähnen, dass es in China ja unglaublich viel mehr gute SF gäbe, nämlich erstens. zweitens, drittens ...

Die Japaner schaffen es sogar, auch der WorldCon-Hauptbühne einen Zeitslot zu ergattern, um ihre wichtigsten nationalen SF-Preise vor einem internationalen Publikum zu verleihen.

Und SF-Schaffende aus allen möglichen Nationen sind auf den Bühnen der internationalen Cons in Panels vertreten - die Deutschsprachigen jedoch sind auffällig rar.

 

Zweiter Grund: Kaum aktives Fandom, auch in Relation zur SF-Fan-Basis. Dieses Forum hier ist schön, auch der SFCD macht viele schöne Sachen - aber der SFCD hat Pi mal Daumen 300 Mitglieder. Logisch, dass da keine Riesen-Party des deutschsprachigen Fandoms auf den internationalen Conventions steigt.

Ja, auch das ist anders in anderen Ländern. Die Finnen, die Iren, ja, auch die Chinesen sind da viel aktiver.

Ich nehme an, sie betonen in ihren Vereinen nicht so sehr das Trennende. Mag sein, dass mir nicht jede SF-Story gefällt. Das ist sogar ganz sicher so. Aber ich kann mich dennoch daran freuen, dass es offenbar andere Leute gibt, denen sie gefällt und schöne Lesestunden geschenkt hat.

 

Dritter Grund: Auch das, was man mit der vorhandenen Manpower machen könnte, macht man nicht - siehe diese Diskussion

O ja, auch da sind andere einfach besser. Kroaten, Polen, Russen, Schweden ... haben es geschafft, letztes Jahr Vorschläge für den Europäischen Science Fiction Preis einzureichen. Österreich auch, das sei zu Ehrenrettung des deutschsprachigen Fandoms gesagt. DE nicht. Trägheit?

 

Vierter Grund: Uns geht's zu gut. Im Vergleich zu einem Griechen hat man in DE noch einigermaßen Publikum, wenn man für den heimischen Markt arbeitet. Ergo überlegt sich der Grieche recht früh, dass er besser lernt, auf Englisch zu schreiben. Das erschließt ihm dann ein Weltpublikum, das wir einfach nicht haben, weil niemand darauf wartet, etwas von uns übersetzen zu dürfen. Wieso auch?

In manchen Ländern gibt es da noch einen Bonus in Form einer speziellen Kulturförderung. Derzeit wird gerade eine SF-Anthologie aus dem ostasiatischen Raum bei den deutschen Großverlagen angeboten. Es ist im Gespräch, dass das Heimatland der Beiträger die kompletten Übersetzungskosten trägt.

 

Grund 5 - 10 erspare ich mir (und Euch) mal.

 

Gesamtfazit: Wir stehen uns selbst im Weg. Da wir nicht tun, was andere tun, haben wir auch nicht die Ergebnisse, die andere haben.

 

Disclaimer: Das heißt nicht, dass es nicht Einzelne gäbe, die machen und tun und schwitzen und sich mühen. Deren Engagement möchte ich auf keinen Fall diskreditieren. In Summe ist es im deutschen Sprachraum aber einfach zu wenig, um als "fruchtbare Science-Fiction-Region" wahrgenommen zu werden.


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#44 My.

My.

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Geschrieben 08 May 2021 - 16:05

Hauptgrund: Meckerkultur. Es liegt nicht in der hiesigen Mentalität, Erfolge zu feiern und Positives herauszustellen. 

 

Nicht nur Meckerkultur. Es ist auch historisch bedingt. Deutsche sind nicht mal in der Lage, stolz auf ihre Nation zu sein, auf ihre Flagge, auf ihre Sprache. Wer das ist, wer stolz darauf ist, darf sich Nazi schimpfen lassen. Perry Rhodan, dein Beispiel, war in den 60ern (oder 70ern?) als Nazischund verschrien, jedenfalls in den sogenannten linken Kreisen, die schon damals nicht links, sondern allenfalls renitent waren. Wenn man auf so etwas auch noch stolz ist, hat man natürlich verkackt (passend zur Farbe).

 

(Und selbst dein Hinweis auf die ESFS-Sache passt dazu. Wie sollen wir Vorschläge für Preisträger eines Awards machen, wenn wir nichts haben, auf das wir stolz sein können, ohne dass es braun ist oder wird.)

 

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#45 simifilm

simifilm

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Geschrieben 08 May 2021 - 16:12

Nicht nur Meckerkultur. Es ist auch historisch bedingt. Deutsche sind nicht mal in der Lage, stolz auf ihre Nation zu sein, auf ihre Flagge, auf ihre Sprache. 

 

Ich habe als kleines Kind mal gelernt, dass man nur auf Dinge stolz sein kann, die man selber gemacht hat, bei denen man etwas geleistet hat. Deshalb habe ich nie verstanden, wie man auf sein Land stolz sein kann (geschweige denn die Flagge). Der Ort meiner Geburt, mein Pass, das ist reine Glückssache, und nichts, für das ich etwas geleistet hätte.


Bearbeitet von simifilm, 08 May 2021 - 16:13.

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#46 Uwe Post

Uwe Post

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Geschrieben 08 May 2021 - 16:12

(edit: Wollte ich auch gerade schreiben. Besser als Du konnte ich es aber nicht ausdrücken.)

 

Es mangelt auch ein bisschen an Begeisterung.

Ich hab letztens einer Videopremiere einer mittelmäßig bekannten Band auf youtube beigewohnt. Die live abgegebenen Kommentare waren im großen und ganzen eben "begeistert".

Diese Art Begeisterung lösen die wenigsten SF-Autoren aus.

(Wer von etwas begeistert ist, empfiehlt es automatisch Freunden.)


Bearbeitet von Uwe Post, 08 May 2021 - 16:14.

Herausgeber Future Fiction Magazine (deutsche Ausgabe) ||| Aktueller Roman: Klima-Korrektur-Konzern |||  uwepost.de ||| deutsche-science-fiction.de


#47 Frank Lauenroth

Frank Lauenroth

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Geschrieben 08 May 2021 - 16:31

Alle sind sich einig, dass so, wie es momentan läuft, zu wenig ist, um wahrgenommen zu werden.

 

Wollen wir was daran ändern?

 

Dann nicht kleckern, sondern hoch ran gehen.

 

Der SFCD gibt fortan einen Jahresband heraus. Eine Art Best-of der deutschen SF-KGs (Preisträger und Platzierte der Preise KLP und DSFP). Auf Deutsch.

Und kümmert sich zeitgleich um eine Kooperation mit dem Goethe-Institut. 

 

Ggf. wäre auch eine Übersetzung ins Englische möglich. Ich erinnere mich da an das Heft zum letzten Dort-Con.

Vielleicht auf vorerst 5 Jahre begrenzt.

 

Könnte ich mir als Win-win vorstellen.

Für alle, auch für das Goethe-Institut. Für die Verlage (die natürlich in dem Best-of genannt werden), die Autoren, für die deutsche SF.

 

Oder klingt das zu sehr nach ... Science Fiction?  :aliensmile:


Bearbeitet von Frank Lauenroth, 08 May 2021 - 17:08.

†¢ In memoriam Christian Weis & Alfred Kruse             Lust auf ne kurze Geschichte? Dann hier: Spoiler


#48 Tiff

Tiff

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Geschrieben 08 May 2021 - 18:25

Es mangelt auch ein bisschen an Begeisterung.
 
Es geht vielleicht am Thema vorbei, aber aus der Sicht eines SF-Schaffenden mag vieles anders aussehen als aus der Sicht eines SF-Ertragenden.
 
Meine einfache Antwort zum eigentlichen Thema wäre, dass eine einheimische SF erst einmal im eigenen Land erfolgreich sein muss, um Aufmerksamkeit in anderen Ländern zu generieren. Außer Perry Rhodan und ein paar wenigen Autoren gibt es da nicht viel. Umgekehrt kommt aus Amerika auch nicht die ganze Masse an SF zu uns, sondern meist nur das, was dort bereits erfolgreich war.
 
Zurück zum Thema Begeisterung: In der Masse löst SF bei mir auch keine Begeisterung aus. Angefangen bei einigen Hundert Folgen Star Trek, die im Fernsehen regelmäßig wiederholt werden, mehr als hundert SF-Filmen,über einige Hundert nach Schema verfassten Rhodan-Heftchen bis hin zu einigen Hundert SF-Taschenbüchern, das Meiste übersetzt aus dem Englischen, manches auch im Original gelesen, darunter auch zahlreiche Klassiker wie Asimovs Foundation, Herberts Dune, habe ich SF immer gerne konsumiert, aber wirklich begeistert war ich bei weitem nicht von allem.
 
Mittlerweile ist bereits so weit: Wenn ich zwischen zwei Romanen bzw. zwei Filmen wählen soll, von denen ich nur die Information habe einer ist SF, der andere nicht, würde ich den Nicht-SF-Roman bzw. Film wählen, weil von SF habe ich schon mehr als genug gehabt.
 
Dennoch: Zur Zeit lese ich Anima Ex Machina von Michael Marrak und Mars Discovery von Andreas Brandhorst, zwei deutsche Autoren, die mir allgemein zusagen.
 
Pro Woche lese ich etwa immer noch ein Taschenbuch und schaue einen zumindest SF-nahen Film oder eine Folge einer SF-Serie. Es war auch schon mal wesentlich mehr, und es könnte auch mehr sein, aber dabei stellt sich mir das Problem, dass ich mich in einem nahezu unüberschaubaren Angebot erst einmal orientieren muss.
 
Die Suche nach SF, die mich begeistert, kostet dann schon mehr Zeit, als ich zum Lesen habe. (Filme im Fernsehen machen es relativ leicht: Einfach mal reinschauen, und wenn es nichts ist, nach einigen Minuten um- oder abschalten).
 

My beklagt die "nahezu vollständige Ignoranz gegenüber Infos zu Neuveröffentlichungen", aber was genau soll ein SF-Konsument denn machen? Wie sieht denn die optimale Vorgehensweise aus, um sich im Dschungel der SF zurechtzufinden?

 

In wenigen Fällen funktioniert die Strategie: Werk A von Autor A hat gefallen, kaufe nun auch Werk B von Autor A. Oft war Werk A ein Glückstreffer, Werk B bereits eine Enttäuschung und Werk C bestätigt das Urteil über Werk B.

 

Sicher, es gibt z.B. auch Leseproben. Jede zwanzigste bis dreißigste führt bei mir zu einem Kauf.

 

Sicher, man kann auch die Verlagsseiten abklappern, Newsletter abonnieren, Foren durchforsten, sich überall im Netz Rezensionen zusammensuchen, hier und da sogar auch Zeitschriften/Magazine wie z.B. Phantastisch! lesen, aber das artet alles in Arbeit aus.

 

Serien machen es dem Konsumenten leichter, das erklärt wahrscheinlich den Erfolg von Perry Rhodan, Anthologien von Kurzgeschichten hingegen ist Katzen-im-Sack-Kaufen, das machen nur wenige bereitwillig immer wieder aufs Neue. Um mit SF in Deutschland außerhalb von Perry Rhodan Erfolg zu haben gibt es kein Patentrezept, auch nicht für die deutschsprachige SF als Ganzes.


Bearbeitet von Tiff, 08 May 2021 - 18:30.


#49 Bernard

Bernard

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Geschrieben 08 May 2021 - 18:47

Ich habe als kleines Kind mal gelernt, dass man nur auf Dinge stolz sein kann, die man selber gemacht hat, bei denen man etwas geleistet hat.

Das habe ich als kleines Kind auch gelernt, aber inzwischen hat sich das (für mich) als falsch herausgestellt.

Wenn ich selbst etwas gemacht habe, mit dem ich zufrieden bin: Klar, dann bin ich stolz.

Aber wenn ein Schüler von mir (im Sport) etwas hinbekommen hat, war ich ebenso stolz.

Wenn meine Freundin etwas hinbekommen hat, war ich ebenso stolz.

Als ich längere Zeit im Ausland war, war ich stolz auf eine gewisse philosophische Tradition, die ich mit Europa verbinde - insbesondere, dass ein Individuum als solches einen Wert hat, unabhängig von seiner Rolle in der Gesellschaft. Das habe ich aber erst im Kontrast zu anderen Kulturen überhaupt als etwas typisch Westlich-Europäisches wahrnehmen können.

Das sind einige Beispiele für Dinge, auf die man nicht deswegen stolz ist, weil man sie selbst geleistet hat, sondern weil man sie sich aufgrund einer Identifikation mit der leistenden Person oder Gruppe zu eigen macht. Die Fans im Vereinslokal jubeln nicht, weil sie selbst ein Tor geschossen hätten, sondern weil sie im Fernseher sehen, dass die Mannschaft, für die sie fiebern, das geschafft hat. Bei "deutschsprachige SF" gibt es kaum Leute (im Vergleich zu anderen Ländern), die diese Identifikation empfinden. Das ist per se ja auch nicht notwendig - es sei denn, man möchte, dass aus der deutschsprachigen SF ein florierendes und vielleicht sogar international erfolgreiches "Biotop" wird.

 

 

 

 
In der Masse löst SF bei mir auch keine Begeisterung aus. 

 

Quod erat demonstrandum.


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#50 simifilm

simifilm

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Geschrieben 08 May 2021 - 19:10

Das habe ich als kleines Kind auch gelernt, aber inzwischen hat sich das (für mich) als falsch herausgestellt.
Wenn ich selbst etwas gemacht habe, mit dem ich zufrieden bin: Klar, dann bin ich stolz.
Aber wenn ein Schüler von mir (im Sport) etwas hinbekommen hat, war ich ebenso stolz.
Wenn meine Freundin etwas hinbekommen hat, war ich ebenso stolz.
Als ich längere Zeit im Ausland war, war ich stolz auf eine gewisse philosophische Tradition, die ich mit Europa verbinde - insbesondere, dass ein Individuum als solches einen Wert hat, unabhängig von seiner Rolle in der Gesellschaft. Das habe ich aber erst im Kontrast zu anderen Kulturen überhaupt als etwas typisch Westlich-Europäisches wahrnehmen können.
Das sind einige Beispiele für Dinge, auf die man nicht deswegen stolz ist, weil man sie selbst geleistet hat, sondern weil man sie sich aufgrund einer Identifikation mit der leistenden Person oder Gruppe zu eigen macht. Die Fans im Vereinslokal jubeln nicht, weil sie selbst ein Tor geschossen hätten, sondern weil sie im Fernseher sehen, dass die Mannschaft, für die sie fiebern, das geschafft hat. Bei "deutschsprachige SF" gibt es kaum Leute (im Vergleich zu anderen Ländern), die diese Identifikation empfinden. Das ist per se ja auch nicht notwendig - es sei denn, man möchte, dass aus der deutschsprachigen SF ein florierendes und vielleicht sogar international erfolgreiches "Biotop" wird.


Wenn ein Schüler von dir etwas erreicht, dann hattest du ja auch einen Anteil dran. Oder zumindest hast du Grund, dir das zu einzureden. Ebenso ist der Gedanke, dass deine Freundin u.a. wegen deiner - moralischen etc. -Unterstützung erfolgreich war, nicht vollkommen abwegig.

Ich habe aber wirklich Mühe, die Freude über den Sieg der von mir favorisierten Mannschaft mit Stolz zu verbinden. Da freue ich mich, ja. Aber diese Emotion würde ich nun wirklich nicht als Stolz charakterisieren.


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#51 Bernard

Bernard

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Geschrieben 08 May 2021 - 19:26

Ich habe aber wirklich Mühe, die Freude über den Sieg der von mir favorisierten Mannschaft mit Stolz zu verbinden.

 

Viele Leute können das. Sie drücken das auch so aus: "Ich bin stolz auf meine Mannschaft." Oder auch: "Ich bin stolz auf den Hof meiner Familie, der über viele Generationen, auch in schweren Zeiten, erhalten wurde." "Wir" haben das geschafft - und "wir" meint damit unter Umständen Leute, die vor Generationen gelebt haben. Das ist eine sehr häufige Regung.

Klar kann das auch pathologisch werden und in Abgrenzung und Schmähung von "anderen" kippen - aber im Grunde ist der Stolz auf die eigene Gruppe etwas, das den Zusammenhalt stärkt.

 

Egal, wie man dazu steht: Die Ausgangsfrage war ja, wieso sich der zweitgrößte Buchmarkt der Welt = der deutschsprachige im internationalen Wettbewerb so schlecht schlägt, insbesondere, was die SF angeht. Ein wesentlicher Grund ist, dass die Unterstützung für die "eigenen" Werke in anderen Sprachräumen vielfach stärker ist.
Oder, wie es mal ein Filmschaffender bei einem Vortrag sagte: "Wenn ein Amerikaner ein US-Franchise mit 100.000 Fans verfilmt, kann er auf 100.000 Supporter bauen. Ein Deutscher bei einem ebenso starken deutschen Franchise muss sich auf 100.000 Nörgler einstellen, die das Haar in der Suppe suchen."


Bearbeitet von Bernard, 08 May 2021 - 19:52.

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#52 Frank Lauenroth

Frank Lauenroth

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Geschrieben 08 May 2021 - 20:05

Ich lese hier nur Rumgejammere, aber keinen Ansatz, etwas zu ändern.

 

Mein Vorschlag  [https://www.scifinet...e-2#entry407329]  mag jetzt nicht das Gelbe vom Ei sein,

vielleicht auch zu blauäugig, dass alle beteiligten Verlage die Rechte dafür freigeben (obwohl es eine Ehre sein sollte), vielleicht kassiert der SFCD auch eine Absage beim Goethe-Institut,

aber unterm Strich sehe ich es - so es funtioniert - als einen Schritt vor die Tür. 

157 'Filialen' des Goethe-Instituts in knapp hundert Ländern wäre ein Sprachrohr, das die deutsche / deutschsprachige SF wohl gut gebrauchen könnte.

 

Gerade ein jährlich erscheinendes Magazin hätte etwas, was auch einen gewissen Sammelwert besäße. Wohlgemerkt weltweit.

 

Auf der anderen Seite wäre es leichter, es zumindest mit einer englischsprachigen Übersetzung (vielleicht 2 Spalten pro Seite / eine englisch, eine deutsch) in die Welt hinauszuschicken.

Außer in Frankreich kann man da sicher überall mehr oder minder landen.

 

Klar, da bleibt noch der Aufwand, Übersetzung, Satz, Druck, Cover etc für dies Jahresbände zu erstellen, aber an der Stelle könnten wir auch zeigen, dass wir alle da zuarbeiten können, die Autoren, die Verlage, Freiwillige?!

 

Vielleicht gibt es ja auch andere Ideen, etwas zu verändern.

Irgendjemand?


Bearbeitet von Frank Lauenroth, 08 May 2021 - 20:06.

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#53 Amtranik

Amtranik

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Geschrieben 09 May 2021 - 06:30

Das habe ich als kleines Kind auch gelernt, aber inzwischen hat sich das (für mich) als falsch herausgestellt.

Wenn ich selbst etwas gemacht habe, mit dem ich zufrieden bin: Klar, dann bin ich stolz.

Aber wenn ein Schüler von mir (im Sport) etwas hinbekommen hat, war ich ebenso stolz.

Wenn meine Freundin etwas hinbekommen hat, war ich ebenso stolz.

Als ich längere Zeit im Ausland war, war ich stolz auf eine gewisse philosophische Tradition, die ich mit Europa verbinde - insbesondere, dass ein Individuum als solches einen Wert hat, unabhängig von seiner Rolle in der Gesellschaft. Das habe ich aber erst im Kontrast zu anderen Kulturen überhaupt als etwas typisch Westlich-Europäisches wahrnehmen können.

Das sind einige Beispiele für Dinge, auf die man nicht deswegen stolz ist, weil man sie selbst geleistet hat, sondern weil man sie sich aufgrund einer Identifikation mit der leistenden Person oder Gruppe zu eigen macht. Die Fans im Vereinslokal jubeln nicht, weil sie selbst ein Tor geschossen hätten, sondern weil sie im Fernseher sehen, dass die Mannschaft, für die sie fiebern, das geschafft hat. Bei "deutschsprachige SF" gibt es kaum Leute (im Vergleich zu anderen Ländern), die diese Identifikation empfinden. Das ist per se ja auch nicht notwendig - es sei denn, man möchte, dass aus der deutschsprachigen SF ein florierendes und vielleicht sogar international erfolgreiches "Biotop" wird.

 

 

 

Du bist mir zuvorgekommen. So in etwas wollte ich mich auch positionieren. Mir fiel sofort meine Tochter ein und wie viele schöne Erinnerungen ich an Augenblicke habe wo ich unglaublich stolz auf sie gewesen bin. Und das Uwe Post und Simi auch Kinder haben weiß ich ja. Also denke ich die sind auch stolz auf ihre Kinder. Man kann stolz auf ein Land sein weil man sich als teil davon fühlt, sich vebunden fühlt weil man die gleiche Kultur und Sprache sein eigen nennt und diese gut findet und bejaht. Ganz so weil man auf sein Kind oder seine Frau oder einen guten Freund stolz sein kann. Voraussetzung ist, das man eine Gefühlsmäßige Bindung hat zu dem oder das worauf man Stolz ist. Für mich stellt sich also dann eher die Frage, wieso kommt es das manche Menschen keine emphatische und gefühlsmäßige Beziehung zu Ihrem Land, ihrer Sprache und dem eigenen aufbauen können? Im Falle von Deutschland liegt die Antwort für mich auf der Hand und da würde ich My zustimmen.



#54 Bernard

Bernard

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Geschrieben 09 May 2021 - 07:05

Man kann stolz auf ein Land sein weil man sich als teil davon fühlt, sich vebunden fühlt weil man die gleiche Kultur und Sprache sein eigen nennt und diese gut findet und bejaht. Ganz so weil man auf sein Kind oder seine Frau oder einen guten Freund stolz sein kann. Voraussetzung ist, das man eine Gefühlsmäßige Bindung hat zu dem oder das worauf man Stolz ist. 

Genauso sehe ich das auch. Diese gefühlsmäßige Bindung ist auch die Voraussetzung für das gegenteilige Empfinden: sich für etwas zu schämen, das man nicht selbst getan hat, das aber in der Verantwortung der "Wir-Gruppe" liegt. Das ist etwas anderes, als ganz allgemein eine Leistung bewundernswert oder eine Tat verdammenswert zu finden.
In der ausgebombten Kathedrale in Coventry (heute ein Mahnmal) habe ich zu meinen britischen Arbeitskollegen gesagt: "Es tut mir leid, dass wir Deutschen damals diese Stadt bombardiert haben. Ich wünschte, es wäre nie geschehen." Es schien diesen Briten gut zu tun, dass ein Deutscher das sagte - obwohl weder ich noch die meisten von ihnen zu jener Zeit geboren waren.


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#55 simifilm

simifilm

    Cinematonaut

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Geschrieben 09 May 2021 - 07:20

Genauso sehe ich das auch. Diese gefühlsmäßige Bindung ist auch die Voraussetzung für das gegenteilige Empfinden: sich für etwas zu schämen, das man nicht selbst getan hat, das aber in der Verantwortung der "Wir-Gruppe" liegt. Das ist etwas anderes, als ganz allgemein eine Leistung bewundernswert oder eine Tat verdammenswert zu finden.
In der ausgebombten Kathedrale in Coventry (heute ein Mahnmal) habe ich zu meinen britischen Arbeitskollegen gesagt: "Es tut mir leid, dass wir Deutschen damals diese Stadt bombardiert haben. Ich wünschte, es wäre nie geschehen." Es schien diesen Briten gut zu tun, dass ein Deutscher das sagte - obwohl weder ich noch die meisten von ihnen zu jener Zeit geboren waren.

Diese gefühlsmässige Bindung hat nach meinem Empfinden einfach nichts mit Stolz zu tun. Ich lebe sehr gerne und Zürich und fühle mich mit der Stadt verbunden, diese Empfindung scheint mir aber mit dem Begriff „Stolz“ nicht adäquat bezeichnet. Ich fühle mich auch mit den Filmen Stanley Kubricks, der Stadt New York, der Musik David Bowies und dem Kalbsbraten meiner Mutter gefühlsmässig verbunden, mit Stolz hat das aber alles nichts zu tun.

Und dein Coventry-Beispiel hat mit Stolz gar nichts zu tun.

Bearbeitet von simifilm, 09 May 2021 - 07:23.

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#56 Bernard

Bernard

    Biblionaut

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Geschrieben 09 May 2021 - 07:40

Und dein Coventry-Beispiel hat mit Stolz gar nichts zu tun.

Richtig, das bezieht sich auf meine unmittelbar zuvor getroffene Aussage: "Diese gefühlsmäßige Bindung ist auch die Voraussetzung für das gegenteilige Empfinden: sich für etwas zu schämen, das man nicht selbst getan hat, das aber in der Verantwortung der "Wir-Gruppe" liegt."


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#57 ShockWaveRider

ShockWaveRider

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Geschrieben 09 May 2021 - 09:00

Vielleicht gibt es ja auch andere Ideen, etwas zu verändern.

Nach meiner Erfahrung hakt es nicht am Ideenmangel. Sondern daran:

[...] da bleibt noch der Aufwand, Übersetzung, Satz, Druck, Cover etc für dies Jahresbände zu erstellen, [...]

Jemand muss es schlichtweg tun. Und da sinkt die Begeisterung deutlich. Wobei ich mich nicht ausnehme!

Fauler Gruß
Ralf
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#58 Frank Lauenroth

Frank Lauenroth

    Quadruplenominaut

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Geschrieben 09 May 2021 - 09:13

Nach meiner Erfahrung hakt es nicht am Ideenmangel. Sondern daran:
Jemand muss es schlichtweg tun. Und da sinkt die Begeisterung deutlich. Wobei ich mich nicht ausnehme!

Fauler Gruß
Ralf

 

Ja, klar, nachvollziehbar.

 

Dann geht man zu TOR oder Heyne (vielleicht erinnert sich ja dort jemand an frühere Jahrbücher) und bietet denen eine Kooperation an.

Die haben dann den Übersetzungsaufwand und dürfen die Teile dafür vertickern.

 

Etwas, das "BEST-OF" heißt, wird sich ja wohl verkaufen lassen. 

Mit dem Siegel "Ausgesuchte SF vom Science-Fiction-Club Deutschland in Kooperation mit dem Goethe-Institut" (würde damit auch automatisch aus der 'Schmuddel-Ecke' rutschen.

 

Die eine oder andere Connection wird es ja da wohl geben, um das zumindest mal über eine Planungsphase hinaus zu entwickeln.  


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#59 Uwe Post

Uwe Post

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Geschrieben 09 May 2021 - 09:14

Gefühlsmäßige Bindung - ja.

Stolz - ich finde, auf etwas, das man selbst (oder gemeinschaftlich) geleistet hat, kann man zurecht stolz sein. Auf etwas, mit dem man gefühlsmäßig verbunden ist ... schwierig. Zumal ein ganzes Land ja nicht nur positiv ist. Während ist sagen kann: "Ich bin stolz auf meinen neuen Roman", müsste ich im Fall des Landes ja sagen: "Ich bin stolz auf das Land, in dem ich lebe, bis auf gewisse Dinge, die ich daran nicht so toll finde."


Herausgeber Future Fiction Magazine (deutsche Ausgabe) ||| Aktueller Roman: Klima-Korrektur-Konzern |||  uwepost.de ||| deutsche-science-fiction.de


#60 Mammut

Mammut

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Geschrieben 09 May 2021 - 09:33

Keine Ahnung, warum ich stolz darauf sein sollte, Deutscher zu sein. Welche Leistung habe ich denn vollbracht? Das ich dort geboren bin wo ich geboren bin? Da hatte ich doch überhaupt keinen Einfluss drauf. Das ich mich mit meiner Stadt, meinem Bundesland, Deutschland, Europa und der Welt verbunden fühlen, das muss doch nicht so extrem sein, das ich stolz bin. Deutschland hat viele Vorteile und es gibt einiges, das man richtig gut finden kann, anderes sollte man durchaus kritisch hinterfragen. Aber wozu die Phrase "Ich bin stolz Deutscher zu sein", gut sein soll, erschließt sich mir leider überhaupt nicht.

 

Hauptgrund: Meckerkultur. Es liegt nicht in der hiesigen Mentalität, Erfolge zu feiern und Positives herauszustellen. 

 

Zweiter Grund: Kaum aktives Fandom, auch in Relation zur SF-Fan-Basis. Dieses Forum hier ist schön, auch der SFCD macht viele schöne Sachen - aber der SFCD hat Pi mal Daumen 300 Mitglieder. Logisch, dass da keine Riesen-Party des deutschsprachigen Fandoms auf den internationalen Conventions steigt.

 

Ist das was du machst nicht auch Meckerkultur? Gibt es wirklich keine aktive Szene? Fandom ist so ein negativ klingendes Wort, genau wie Fanzine, da wendet sich die SF-Fan Basis schaudernd ab und zeigt mit dem Finger drauf: Das sind die da!

 

Ich denke, es sind andere Fehler. Beharren andere Länder darauf, das es die sortenreine SF gibt, oder sind die eher offen und sprechen von phantastischer Literatur? Sind es nicht genau die Grenzüberschreiter, die ein Genre vorantreiben und nicht die Bremsraketen, die definieren, was alles nicht unter SF fällt?

 

Die Szene/Fandom ist sehr vielfältig und das scheint mir am ehesten das Problem zu sein. Es sind eine Vielzahl an Blasen, die sich hier und da berühren, aber es gibt denke ich zu wenig verbindendes. 

 

Preise: Es gibt den DSFP, den KLP, es gab den DPP,  den Seraph, den Vincent, den Skoutz, Phantastikpreis der Stadt Wetzlar, Krefelder Preis für Fantastik, das ist doch schon viel mehr als in den 80ern und 90ern. 

Veröffentlichungen: Es gibt extrem viele Bücher, die im Bereich SF oder PL herauskommen, so viele, das man die gar nicht alle lesen kann. 

Und davon sind einige, die sehr viele Bücher verkaufen, die meine Kumpels lesen, obwohl das reine Leser sind und die niemals Kontakt zu einer Szene hatten und das ist SF. Joshua Tree fällt mir da spontan ein. Von dem hab ich nichts gelesen und der taucht halt auch nicht jedes Jahr in den DSFP und KLP Listen auf, scheint aber echt angesagt zu sein.

 

Schau mal, der Küper macht doch jetzt seit Jahren diese virtuelle Lesereihe, du machst die KLP Besprechungen der Romane der letzten Jahre, die phantastisch! gibt es seit 2002 durchgängig und NOVA ebenso. Corona/Phantastika, der phantast, Rattus Libris, das SF Jahrbuch, keine Ahnung, die andere Hälfte kenne ich überhaupt nicht. Die Szene ist so vielfältig.

 

Was jetzt weniger dynamisch wirkt, ist der SFCD. Das ist halt ein SF Dinosaurier, der ähnlich wie mein Fußballverein, ein schleichendes Sterben vor sich hat.  Aber mal ehrlich: Mit welchem Argument würdest du einem jungen Phantastikinteressierten den SFCD schmackhaft machen? Das ist doch ein Haufen SF Fans, die schon seit vierzig Jahren zusammen glucken und der, wie man die letzten Tage gesehen hat, kurz vor der Explosion (oder eher Implosion?) steht. 

Und dieser europäische SF Preis, das ist doch wirklich eine Lachnummer. Aus jedem Land stimmt irgendwer für seine Werke ab und am Ende gibt es eine gemeinsame Liste von Literatur, da kann der eine das andere nicht lesen.


Galactic Pot Healer - die etwas andere Bar
http://defms.blogspo...pot-healer.html



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