Bearbeitet von dyke, 19 August 2004 - 11:33.
Die Kultur der SF erlebt eine bedeutssame Krise
#1
Geschrieben 19 August 2004 - 11:33
#2
Geschrieben 19 August 2004 - 12:58
(Georg Christoph Lichtenberg)
#3
Geschrieben 19 August 2004 - 14:23
#4
Geschrieben 19 August 2004 - 20:58
#5 Gast_Gast_Impala_*
Geschrieben 19 August 2004 - 21:41
Dank Molosovkys Link hier was Michael Swanwick sagt: http://www.themodern...w_swanwick.html Ausschnitt: "I was in the Ateljee Bar in Helsinki recently, being interviewed for a Finnish fanzine, and my interviewer asked if I didn†™t think this was an extraordinary time in genre, comparable to the New Wave but larger because there are so many writers doing fantastic work in both science fiction and fantasy. And I thought: Yes! Absolutely! It was that old Shock of Recognition thing, déjà vu all over again. I had to travel all the way to Finland to have the obvious pointed out to me, but it was true. There is a huge and unremarked and not-yet-named (there†™s an opportunity for somebody here) upwelling in the literature that is absolutely without precedent, and it†™s going on right now."Grundsätzlich kann ich zum Anlaß des Artikels nur ganz subjektiv sagen, dass ich erschöpft bin von derartigen Einschätzungen, Hiobsbotschaften über rückläufige Zahlen und der Ursachenforschung.
Das heißt nichts. Vielleicht haben die Jungen keine Lust auf deutsche Vereinsmeierei und treiben sich woanders und vor allem nicht so ausschließlich rum. Vielleicht ist ja schon längst was auf dem Weg, während die alten Säcke sich um Pfründe und Tantiemen streiten ImpalaMan braucht sich nur mal anzugucken, wie hoch das Durschnittsalter in manchen SF-Clubs ist.
#6
Geschrieben 19 August 2004 - 22:13
R. C. Doege: Ende der Nacht. Erzählungen (2010)
R. C. Doege: YUME. Träumen in Tokio (2020)
R. C. Doege (Hrsg.): Schwarze Kirschblüten: Dunkle Geschichten aus Japan (2026)
#7
Geschrieben 20 August 2004 - 07:25
Sehe ich auch so. Man müsste mal schauen, wie es sich bei Kegel-, Tennis-, Briefmarken- und Kleintierclubs verhält. Die Gesellschaft ist im Wandel: wenn man sich mit jemandem unterhält, guckt der auf sein Handy. Eine Firma namens Google notiert an der Börse höher als GM, Olympiaten haben Motorradunfälle, die es nicht gab. Die Plattenindustrie verkauft keine Tonträger mehr. Verlage bekommen Preise, die es nicht gibt. Präsidenten regieren Supermächte und können selbstständig keine Tortendiagramme auswerten. Wir streiten über eine Rechtschreibung, die nur Kinder im Alter von 6 bis 15 beherrschen. StarTrek ist nicht mehr populär, Star Wars wurde irgendwie komisch und ich zieh in einem Monat um. Soll heißen, die Dinge sind im Wandel. Und das macht sich auch im Konsumverhalten und Lesevorlieben bemerkbar. Wird aber wieder besser, oder zumindest anders. Vielleicht sogar anders besser. Zu Michael Swanwicks Aussage (der Mann schreibt seltsame Kurzgeschichten): wenn ich "Das Unsterblichkeitsprogramm" lese, dann kann ich nicht glauben, dass wir in einer Zeit leben, die "schlecht für SF" ist.Das heißt nichts. Vielleicht haben die Jungen keine Lust auf deutsche Vereinsmeierei und treiben sich woanders und vor allem nicht so ausschließlich rum. Vielleicht ist ja schon längst was auf dem Weg, während die alten Säcke sich um Pfründe und Tantiemen streitenMan braucht sich nur mal anzugucken, wie hoch das Durschnittsalter in manchen SF-Clubs ist.
(Georg Christoph Lichtenberg)
#8
Geschrieben 20 August 2004 - 08:26
#9
Geschrieben 01 September 2004 - 13:04
Nein, jetzt aber. Zitate aus dem FAZ-Beitrag:
†¦ sind kleine Kasuistiken zur Erkundung der Frage, ob sich so etwas wie Ethik auch mit logischen, positivistisch-gesetzesförmigen Mitteln formalisieren läßt und es vielleicht eine "inferentialistische Moral" des Maschinenzeitalters geben kann, bei der sich das richtige Handeln zwingend aus dem richtigen Folgern ergibt.
Ich frage mich bei solchen Formulierungen
[*]ob der Autor seine eigene Meinung da nicht ein wenig zu absolut verkauft und Asimov vielleicht einfach nur Spaß an Gedankenspielen hatte? Frei nach Motto: „Wir haben hier diese Gesetze, und jetzt schauen wir mal, was trotzdem noch so alles schief gehen kann.“
[*]ob der Autor eigentlich noch für seine Leser schreibt oder eher gerne unverständliche Satzungetümen übt?
[/list]Bis dennen,
Henrik
Gregory Benford, Larry Niven, "Himmelsjäger"
Gerade am Lesen
Gregory Benford, Larry Niven, "Sternenflüge"
Gerade gesehen
Serie "Mad Men"
#10
Geschrieben 01 September 2004 - 15:53
Das ist eben der Job eines Feuilletonisten: Da er empirisch nix belegen kann, behauptet er eben einfach, dass er Recht hat. Wenn aber die Dinge im Wandel sind, wie Holger schreibt (viel Glück beim Umzug), frage ich mich, ob sich die SF nicht zu wenig wandelt. Vielleicht kommt so ein Thema in die FAZ, weil sich viele Autoren nicht trauen sich mit Ihrem Entwurf der "Gegenwart der Zukunft" zu weit aus dem Fenster zu hängen. Vielleicht sind viele Themen nicht mehr fremd genug, um außerhalb der Vorstellung eine Föjetonnisten zu sein. China Mieville ist wirklich zu sehr Romancier, als dass er befremdlich wirken könnte, seine Geschichten sind zu unverbindlich und zu weit weg. Nicht so wie es Verne und Wells waren, oder Ballard und Brunner und Gibson. Bei vielen Neuerscheinungen der letzten Jahre, ob hochgelobt oder nicht, warte ich auf den letzten Kniff, der mich überrascht. Vielleicht geht's aber nur mir so... Gruß, Patzeob der Autor seine eigene Meinung da nicht ein wenig zu absolut verkauft und Asimov vielleicht einfach nur Spaß an Gedankenspielen hatte? Frei nach Motto: „Wir haben hier diese Gesetze, und jetzt schauen wir mal, was trotzdem noch so alles schief gehen kann.“
#11
Geschrieben 01 September 2004 - 16:16
Nein, jedem von uns geht†™s so - behaupte ich mal ganz unbescheiden. Frage aber mal SF-Einsteiger; die finden bestimmt erst einmal alles toll. Das gleiche Verhalten wirst Du bei Kinobesuchern und auch bei Computerspielern beobachten. Irgendwann ist halt alles schon einmal dagewesen. Dann kommt mal wieder etwas neues, das für einen kurzen Peak im Aufmerksamkeitshorizont des Fans sorgt, und geht†™s weiter wie gehabt. Zuletzt bei mir geschehen mit dem Cyberpunk.Vielleicht geht's aber nur mir so...
Bis dennen,
Henrik
P.S.: Patze, bist Du Dir eigentlich der Tatsache bewusst, dass Du das Mitglied mit der ID 666 bist?
Bearbeitet von Henrik Fisch, 01 September 2004 - 16:22.
Gregory Benford, Larry Niven, "Himmelsjäger"
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#12
Geschrieben 01 September 2004 - 16:24
Beim Verfassen meiner Nachricht habe ich darüber nachgedacht, ob ich das eventuell nur so sehe, weil ich schon so viel gelesen habe, das mir ALLES irgendwie bekannt vorkommt. Ich kann das nicht ganz ausschliessen, manchmal bin ich aber immer noch verzückt und begeistert. Nur eben immer seltener. Es sollte eben mehr Leute wie Hiro Protagonist geben, die als Beruf "Auslieferator und Schwertkämpfer" angeben... Gruß, PatzeFrage aber mal SF-Einsteiger; die finden bestimmt erst einmal alles toll. Das gleiche Verhalten wirst Du bei Kinobesuchern und auch bei Computerspielern beobachten. Irgendwann ist halt alles schon einmal dagewesen. Dann kommt mal wieder etwas neues, das für einen kurzen Peak im Aufmerksamkeitshorizont des Fans sorgt, und geht†™s weiter wie gehabt. Zuletzt bei mir geschehen mit dem Cyberpunk.
#13
Geschrieben 01 September 2004 - 17:30
Feuilletonisten sitzen nun mal den ganzen Tag rum, suchen Themen und hämmern in den Computer. Die einzige Art ihre Muskeln spielen zu lassen liegt halt in den Formulierungen.ob der Autor eigentlich noch für seine Leser schreibt oder eher gerne unverständliche Satzungetümen übt
Hier ein eindeutiges JA von mir. Für mich kaut die Roman-SF nur die bekannten Themen immer wieder ohne innovative Lösungen zu visionieren bzw. verlegt sich ganz auf „Abenteuer“-Geschichten. Themen der nahen Zukunft (Gentech, Biothech, Dattech usw.) werden meist in Thrillern abgehandelt. Die nahe Zukunft der Gesellschaft ist in der „Normalen Literatur“ (Atwood / Boyle) angekommen. Die ehemaligen Themen Umwelt, Wirtschaftskannibalismus, Überbevölkerung, Überalterung der Gesellschaft usw. sind letztendlich nicht gelöst, sondern fast Gegenwart. Der vorhergesagte technische Fortschritt verursacht letztlich mehr Schaden als Vorteile. Wer will das alles zum xten Male in einem SF-Roman lesen?? Auch die Weltraumfahrt stagniert in ihrer Anfangsphase. Trotz aller Versprechen vernichten Roboter eher Arbeitsplätze als zum „Freund und Helfer“ des Menschen zu werden. Die gegenwärtigen Probleme sind so meinungsprägend, dass für die Zukunft kein Raum mehr bleibt, außer dass die schlimmsten Visionen zu realistischen Möglichkeiten geworden sind und Experimente mit dem „Geist des Menschen“ landen gleich in der Esoterik-Schublade. Möglicherweise liegt in einigen Schubladen die wirklich „Neue SF“ - nur wer verlegt sie und wer will sie überhaupt lesen?? Auch Kassandra ward nicht erhört. LG Dykeweil ich schon so viel gelesen habe, das mir ALLES irgendwie bekannt vorkommt
#14
Geschrieben 02 September 2004 - 08:12
Sehe ich genauso. Viele Romane und Geschichten sind zwar gut geschrieben, schauen aber nicht mutig genug in die Zukunft. Spontan fällt mir dazu der Gewinner des "Deutschen Science Fiction Preises" ein, Michael K. Iwoleit mit seiner Geschichte »Ich fürchte keine Unglück«. Stilistisch einwandfrei, aber inhaltlich hat sie mich nicht überzeugt.Vielleicht kommt so ein Thema in die FAZ, weil sich viele Autoren nicht trauen sich mit Ihrem Entwurf der "Gegenwart der Zukunft" zu weit aus dem Fenster zu hängen.
In der "Encyclopedia of Science Fiction" gibt es einen Artikel zum "Sense of Wonder". Sinngemäß wird dort gesagt, dass der jugendliche SF Leser leichter die Perlen sieht und sich schneller beeindrucken lässt. Der erfahrene SF Leser sieht nicht nur die Perlen sondern auch den Misthaufen drumherum und lässt sich deswegen wesentlich schwerer begeistern. Sullivan...manchmal bin ich aber immer noch verzückt und begeistert. Nur eben immer seltener.
#15
Geschrieben 03 September 2004 - 10:47
#16
Geschrieben 03 September 2004 - 11:10
SHINING
#17
Geschrieben 03 September 2004 - 11:20
SHINING
#19
Geschrieben 03 September 2004 - 16:30
Ich möchte es nicht allein bei dem Konsumverhalten belassen, die Möglichkeiten haben sich einfach um ein vielfaches erweitert, denn (jetzt klaue ich bei mir selbst) Was ist Schrift überhaupt?? Kurzer Rückblick: Am Anfang war das auswendig aufsagen und lernen, um Informationen festzuhalten, um sie für andere und spätere Zeiten zugängliche zu machen. Dann kamen die Bilder dazu - Höhlenmalerei, Keilschrift - Hieroglyphen, die immer mehr stilisiert wurden um schneller zu werden. Und auch sie dienten dazu Informationen festzuhalten, um sie für andere und spätere Zeiten zugängliche zu machen, unabhängig von der Anwesenheit eines Menschen Damit war Schrift und Lesen über Jahrtausende das Informations-Medium. Das hat sich jedoch im letzten Jahrhundert entscheidend geändert. Es ist möglich ein Geschehen mit bewegten Bildern aufzuzeichnen und Bild und Sprache ist jetzt plötzlich als ein vereintes Informations-Medium möglich, die Schrift und Lesen abzulösen. Auch der Computer trägt seinen Teil dazu bei, denn seine Basis ist ebenfalls nicht die Schrift, wie wir sie kennen. Wenn ich im Jahre 1900 jede Menge Bücher lesen musste, um mir die Informationen zu beschaffen, die ich wollte, kann dies heute fast ganz ohne Bücher gehen. Und wenn wir in die SF (als Extrapolation der Gegenwart) schauen - es geht doch häufig ohne. Bilder werden auf Brillen gesendet, die Schrift dient nur noch für abstrakte Dinge, die (noch) nicht als Bild dargestellt werden können. Vielelicht geht es zurück zu den Wurzeln. Da Bilder (mit und ohne Sprache) erstellen unter Umständen viel schneller geht, als diese Bilder zu beschreiben, könnten diese wieder unsere Hauptinformationsquelle werden. Die Zeit, die durch das langsamere Hören eingebüßt wird, wird durch das schnellere Erfassen von Bildern mehr als ausgeglichen. Aber mein Unbehagen an der SF bezieht sich nicht nur auf das gesprochene Wort, sondern auch auf die anderen Medien, die allerdings ja auch noch mehr oder minder nicht den Kinderschuhen entwachsen sind. LG DykeIch denke auch, dass die Probleme der Literatur an der Konsumverschiebung der nachwachsenden Generation liegt. Im Verwandten und Bekanntenkreis kann ich das im kleinen beobachten. Habe ich früher massenweise Bücher verschlungen und Hörspiele gehört, wird heute Konsole gezockt oder Fernsehen konsumiert
#20
Geschrieben 03 September 2004 - 18:15
Es spricht [...] Bände über den [...] von Intellektuellen und anderen vom unmittelbaren Produktionsprozeß freigestellten Figuren artikulierten Selbsthaß der westlichen Zivilisation, wenn deren redegewandteste Kritiker sich [...] Roheit und Erbarmungslosigkeit des Naturzustandes zurückwünschen.
Meines Erachtens die unsinnigste Einleitung seit Schweröl in die Elbe, jedenfalls wenn man sie darin mißt, was sie zum Thema beiträgt. Science Fiction ist weder auf Utopie noch auf Dystopie noch auf Rationalismus zu reduzieren. Unabhängig davon, aus welcher Ecke es kommt.
Nur noch Zack, Batsch und ein deftiger Schuß paranoider Technophobie
Herr Dath verwechselt dort meines Erachtens die Ausprägung eines Mediums mit einer der Tendenz des Genres. Die SF-Filme der Zeit, in der Isaac Asimovs "I, Robot" erschien, unterscheiden sich von den heutigen allenfalls in der verwendeten Tricktechnik. Inwiefern sich die Technophobie in der Verfilmung dieses Stoffs von der in den SF-Filmen der Epoche der Vorlage (gekennzeichnet beispielsweise durch die Angst vor der Kernkraft, namentlich der A-Bombe und ihrer Folgen) unterscheidet, müßte man mir erklären. Auch das "Zack, Batsch" eines Buck Rogers oder Flash Gordon findet heute lediglich seine Fortsetzung, Technophobie und Technophilie wiederholen sich vor neuem wissenschaftlichen Hintergründen.
2003 war das erste Jahr seit 1923, in dem es keine monatlich erscheinende englischsprachige Science-fiction-Zeitschrift gab. Die Abonnentenzahlen stagnieren seit langem
Natürlich tun sie das.
Weswegen lesen denn Leute SF-Magazine? Weil sie Informationen zum und Kurzgeschichten des Genres lesen wollen. - Nur, warum sollten sie darauf warten, sie monatlich zu bekommen, wenn es inzwischen durch das Word Wide Web einen Weg gibt, dieses jederzeit und tagesaktuell zu bekommen?
Denn wie die Keimzelle des komischen Genres der Witz ist, verweist alles, was Science-fiction kann, seit fast hundert Jahren immer wieder auf die Urform "Kurzgeschichte", in der eine einzelne spekulative Idee die narrative Nagelprobe bestehen muß.
Die Urform, wenn es denn eine solche überhaupt gibt, ist der utopische/dystopische Roman. Oder, wenn man noch weiter zurückgehen möchte, die phantastische Erzählung. Beides längere Text- bzw. Erzählformen.
Aber wie bereits oben erwähnt: Die SF-Kurzgeschichte lebt. Nur darf man bei aller Nostalgie nicht vergessen, daß es gerade Freunden der SF nicht ansteht, darauf zu beharren, daß sie nur in Printmedien erscheinen dürfte, um Geltung zu haben.
Genausowenig wie zu den ersten selbständigen Romanen, die oft ein jugendliches Publikum ansprechen sollten und meistens eine Wiederaufführung der Besiedlung und Erschließung des amerikanischen Westens im Weltraum inszenierten, manchmal legiert mit geschichtsphilosophischer Didaktik ("Space Opera").
Das ist leider unzulänglich recherchiert. Die Space Opera, bzw. generell die auf Spannungselemente fokussierte SF-Handlung hat ihren Ursprung bereits in den "Gründermagazinen", die auch im Artikel genannt wurden. Auch dort gabes bereits den Vorwurf, sie sprächen eher ein jugendliches Publikum an.
Mit nur ein wenig bösem Willen könnte man nun behaupten, das wurde nicht etwa übersehen, sondern bewußt übergangen, um die vorangeschickte These zu belegen.
Zwar erlebt die Space-opera immer mal wieder kleine Neubelebungsschocks [...] Aber im Grunde gehört sowas aufs tote Gleis der Gattung, sprich: ins Kino oder ins Fernsehen.
Und die Begründung dafür ist welche?
Deshalb stirbt der zu Problemlösungszwecken erfundene Erzählkern des beispielhaften Einzelvorfalls, der die Science-fiction-Kurzgeschichte belebt hat, historisch ab.
Aus dem einzelnen Problem wird nun das Problemfeld, also ein Bereich, in den Extrapolationen - die es durchaus noch gibt - interagieren können. Die einzige Krise, die dabei auftritt ist die, daß sich manche alteingesessene SF-Rezipierende darauf entweder nicht einstellen können oder nicht einstellen wollen.
Man könnte stark vereinfacht sagen: Die SF-Fans der ersten Stunden ertragen es nur schwer, daß die SF nicht so bleibt, wie sie diese kennengelernt haben. Deshalb bleiben sie auf gewissen Cons auch zwangsläufig unter sich - wer kann schon das "Früher war alles besser!"-Bedauern länger aushalten, wenn man sich doch eigentlich der Zukunft der SF und nicht ihrer Vergangenheit widmen will?
Liebe Leute, nehmt diesen Artikel nur nicht zu ernst. Inhalt und Form sind so zäh, daß sie eigentlich nur darauf ausgelegt sein können, ein Sommerloch zu stopfen.
Bearbeitet von MartinHoyer, 03 September 2004 - 18:16.
I have loved the stars too fondly to be fearful of the night.
(Sarah Williams: The Old Astronomer To His Pupil)
#21
Geschrieben 03 September 2004 - 20:02
Ich denke, dass WIR Bücherliebhaber schön langsam zu Dinosauriern mutieren. Das Internet überholt das Buch. Ich persönlich mag es eigentlich nicht am Computer zu lesen. Weder einfache Texte, geschweige denn schwierigere Texte. I.d.R. drucke ich mir die Texte auch aus, wobei ich aber auch damit nicht sonderlich glücklich bin, weil ich damit immer Probleme habe diese Loseblattsammlungen auch zu archivieren usw. Ich merke aber immer mehr, dass ich das die jüngere Generation weniger Probleme hat. Dazu kommt, dass obwohl es immer abgestritten wird, die Kinder heutzutage nicht mehr Bücher lesen.Bücher sind nicht IN. Für den Freundeskreis (nicht gerade klein) meiner Kinder (20 u. 17) bin ich und meine Bibliothek ein Kuriosum. Für manche Bestaunenswert, für manche knapp vor der Senilität. Aber wenn man versucht Bücher anzubieten (und da ist für jeden Gusto was dabei) bekommt man ein mitleidiges lächeln. WAS SOLL ICH MIT EINEM BUCH????????????????? DA MÜSSTE MAN JA BEWUSST LESEN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Da ist es wesenlich leichter sich ein Video reinzuziehen, ins Kino zu gehen oder die Glotze einzuschalten. Da rieselts so schön dahin. Manche versuchen dann, mit 30 und später vieles nachzuholen, aber von unten kommt einfach zuwenig nach. That's it Gruß Thomas...Die frage die sich mir eher stellt ist doch warum kann mann diesen boom der anderen medien nicht in den Buchbereich hinüber ziehen ? Warum ist ein S.F Buch nicht so interesant wie zb das Weltraum Kriegspiel ?...
Thomas Sebesta/Neunkirchen/Austria
Blog zur Sekundärliteratur: http://sebesta-seklit.net/
Online-Bibliothek zur Sekundärliteratur: http://www.librarything.de/catalog/t.sebesta
Facebook-Gruppe: https://www.facebook...tik.ge/members/
#22
Geschrieben 03 September 2004 - 20:27
Dieses und ähnliche Argumente haben jetzt viele angeführt, ich denke aber, dass andere Medien das Problem nur etwas vor sich herschieben. Film: Der klassische Kinofilm hat im Gegensatz zum Buch viele Beschränkungen auf der narrativen Ebene. Klar gibts Special Effects, aber die Themenvielfalt, Konzentrationsfähigkeit des Betrachters, umfangreiche Dramatis Personae, Erzählungen auf mehren Zeit- , Orts-, Erlebnisebenen uvm. sind beschränkt. Der Film wird daher früher oder später an seine Grenzen stossen, dann kann er nix neues mehr erzählen. Um erhlich zu sein: Der Kern von Matrix war ein philosphisches Konzept, dass schon seit Jahrhunderten diskutiert und bereits von Erstsemestern an der Uni durchgekaut wird. Spektakulär war nur die visuelle Umsetzung, die Story hat an Spannung noch nicht einmal bis zur ersten Viertelstunde des zweiten Teils gereicht. Computerspiel: Das ist die Gefahr deutlich größer; die erzählerischen Möglichkeiten des nonlinearen, hypertextfähigen und unendlich dehnbaren Rahmens sind noch nicht ansatzweise ausgeschöpft. Kreative Game-Designer versuchen noch immer Spiele mit klassischer Narration zu erzählen. Kurse für Game-Desgin und -Writing wie an der Berliner Game-Academy vermitteln gerade mal eine Ahnung des Potentials. Das Dumme ist nur: Der Mensch hat keine Chance solche Geschichten zu erfassen und gleichzeitig mit Hand-Auge-Koordination mitzugestalten. Wahre Innovation kommt aus diesem Bereich auch schon nicht mehr. TV: Viel zu simples Medium, keine Chance sensorisch mit Kino oder PC mitzuhalten. Ist eine bloße Imitation, wird sich trotz aller Sony-Werbespots auch in den nächsten 20 Jahren nicht ändern. FÜR ALLE BEISPIELE GILT: Sie kopieren nur, die Geschichten sind geklaut, alle anderweitig schon erzählt. Die Autoren sind alle vorbelastet durch die Bücher, die wir auch schon alle gelesen haben. Ich bleibe daher dabei: Das Problem ist inhaltlicher Art, die SF muss sich selbst mal wieder erneuern. Wir brauchen sozusagen eine Second New Wave oder ein Extrem Golden Age. Auch der "Cyberpunk" war keine Neuerung, nur die konsequente Fortführung der Themen aus den Siebzigern. Und zum Thema Clubs würde ich gerne Groucho Marx zitieren: Ich will keinem Club angehören, der mich als Mitglied nimmt. Gruß, PatrickIch denke, dass WIR Bücherliebhaber schön langsam zu Dinosauriern mutieren.
#23
Geschrieben 03 September 2004 - 20:31
Unsere Tochter ist jetzt fünf Jahre alt und besitzt nicht nur mehr Barbies als ihre Freundinnen, sondern auch deutlich mehr Bücher. Klar, das meiste sind Bilderbücher und - im wahrsten Sinne des Wortes - Kinderkram. Aber ich mische auch die einen oder anderen Bücher mit phantastischem Einschlag hinein ("Der Kleine Prinz", um mal ein Beispiel herauszugreifen). Mal gucken, vielleicht bringt's was für später...
Was Filme angeht, ist meine Juniorchefin ganz der Papa. Disney-Filme (am liebsten die Co-Produktionen mit Pixar) stehen bei ihr ganz oben auf der Liste. Tja, und neulich überraschte sich mich damit, sie wollte doch mal "'nen Weltraumfilm" gucken. Ich überrascht: "Was denn für ein Weltraumfilm?" - "Na, einen von deinen. Du hast doch den ganzen Schrank voll davon..." Nun mußte ich erstmal schleunigst "Starship Troopers" und "RoboCop" unauffällig nach hinten schieben und habe dann in meiner Not die DVD von "2001" hervorgekramt. Natürlich haben wir nicht den ganzen Film mit geguckt, sondern nur die Szenen mit dem Donauwalzer. Das aber hat sie dermaßen beeindruckt, daß wir die Szenen immer und immer wieder gucken mußten und wochenlang nur "die Musik von den Raumschiffen" im CD-Plpayer lag.
Was lernen wir daraus? Man kann nicht früh genug anfangen, die nächste Generation für das Genre zu begeistern...
:lookaround: Sorry, falls das jetzt O/T geworden ist. Zurück zum Thema...
Bearbeitet von Gallagher, 03 September 2004 - 20:32.
Clou Gallagher * Colin Mirth * Rettungskreuzer Ikarus * Mein Blog* Meine Tweets
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• (Buch) Neuerwerbung: Köln auf den Zweiten Blick
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• (Film) gerade gesehen: Black Widow
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• (Film) als nächstes geplant: No time to die
#24
Geschrieben 03 September 2004 - 20:41
Einspruch Euer Ehren: Spektakulär war nicht nur die Optik (immerhin gab es im ersten Film nur vier kurze Bullet-Time-Szenen), sondern auch die Art und Weise wie die Philosophie fast komplett rundherum logisch in einen Action/SF-Film eingearbeitet wurde und den Zuschauer über sage und schreibe 136 Minuten bei Stange hielt. Falls Du etwas dagegen sagen möchtest, bitte ich vorher zu bedenken, dass so viele Zuschauer nicht ganz ohne Grund in einen völlig unbekannten Film mit fast völlig unbekannten Schauspielern hineingehen.Spektakulär war nur die visuelle Umsetzung, die Story hat an Spannung noch nicht einmal bis zur ersten Viertelstunde des zweiten Teils gereicht.
Die beiden Fortsetzungen mögen aus der Diskussion bitte herausbleiben.
Bis dennen,
Henrik
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#25
Geschrieben 04 September 2004 - 07:56
Ich denke das ist der Weg, und zwar nicht um S.f. Kinder näher zu bringen sonder generell das Bücher lesen atraktiver zu gestalten. Die Kinder müssen schim Elterhaus mehr zum lesen angehalten werden. Ich finde gerade hier hat Harry potter gute Basis Arbeit geleistet und ich hoffe mal das einige bei warten auf den nächsten band doch mal das eine oder nadere Buch in die hand genommen haben und gelesen. Sei es Artemis Fowl oder auch schon anspruchsvollere BücherMan kann nicht früh genug anfangen, die nächste Generation für das Genre zu begeistern...
#26
Geschrieben 04 September 2004 - 10:35
Hallo, aus meiner Sicht stellt sich der Sachverhalt gar nicht so negativ dar. Es wird bei den Kids immer noch gelesen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung (Museumspädagoge, meine Frau unterrichtet, Familie) und auch durch Bestätigung einer Buchhandlung in unserer Stadt, die eine Aktion für Schüler gestartet hat (für das Vorzeigen eines Zeugnisses, gab es ein Buch mit der Auflage eine kurze "Kritik" zu verfassen), die wirklich positiv aufgenommen worden ist. Der zweiten Behauptung kann ich nun überhaupt nicht zustimmen! Trotz der Euphorie und der vollmundigen Berichte/Versprechungen über virtuelle Bibliotheken, ist nur ein sehr geringer Teil der Literatur online zugänglich - bittere Erfahrung! Ernsthafte, wissenschaftliche Arbeit und Recherche ist ohne das Medium Buch nach wie vor nicht möglich! Ciao PirxShining schrieb
Ich denke auch, dass die Probleme der Literatur an der Konsumverschiebung der nachwachsenden Generation liegt. Im Verwandten und Bekanntenkreis kann ich das im kleinen beobachten. Habe ich früher massenweise Bücher verschlungen und Hörspiele gehört, wird heute Konsole gezockt oder Fernsehen konsumiert
LG DykeWenn ich im Jahre 1900 jede Menge Bücher lesen musste, um mir die Informationen zu beschaffen, die ich wollte, kann dies heute fast ganz ohne Bücher gehen.
Pirx
- • (Buch) gerade am lesen:Asprin: Tambu
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#27
Geschrieben 04 September 2004 - 12:12
Dietmar Dath ist einer der wenigen Feuillition-Autoren, die regelmäßig über SF und Artverwandtes schreiben, und das nicht schlecht wie ich finde.
'N komisches, unangenehmes Gefühl hatte ich kurz, als ich die Genervtheit und Meckerei von einigen hier über den Artikel gelesen habe. Naja, vielleicht bin ich schon von zuvielen Philosophie- und Sachbüchern versaut †¦ oder leser öfter Feuillition als andere hier. Aber allen sei versichert: ich rege mich bisweilen auch herrlich gerne über die Flachheiten der bezahlten Kulturvermittler auf, nur im Falle von Herrn Dath hatte ich bisher immer ehr Anlaß zum Jubeln.
Dath Diss gegen die »I Robot«-Verfilmung zum Beispiel fand ich gerechtfertigt und kann sie teilen.
(Himmel, gestern habe ich »Riddick« gesehen und trotz der martialisch-barocken Überzeichnung fand ich den als Fantasy-SF überzeugender und sogar tiefgründiger. Der Vergleich ist aber zugegebenerweise unfair, da »I Robot« die Spektakelenergie die Kino grundsätzlich ausmacht nur indirekter und gedämpfter einsetzt, da der Film als ernsthaftere, reflektierte Zukunftsvision daherkommen will. Der gute Wille ist zur Kenntnis genommen, aber für mich ist »I Robot« deshalb schließlich fader im Vergleich zu trash-näheren Fiktionswelten wie der von »Riddick«. Anders gesagt: ich bevorzuge im Zweifelfalle Kunst, die konsequent zu ihrer Ambition zeigt. Vollherziges in den Gatsch-langen taugt mir mehr, als halbverklemmtes Vermittlungseiei.)
Ansonsten fasse ich den Artikel als einen *Versuch* auf, dem (vorgestellten) Durchschnittszeitungsleser was über längerfristige Tendenzen die SF betreffend zu vermitteln. Dabei habe auch ich durchaus den Eindruck, daß antwortenlastige Kulissien-SF mit Kernen aus verquirlten Religionsphantasien mittlerweile die Medienwelt dominieren, was mir als Freund von Phantastik mißfällt, der fragenstellende und aus dem System herausspringende Narrationen aus moralischen Gründen bevorzugt. Es ist dabei natürlich nur hinderlich, sich allzusehr auf Genre-Einteilungen zu stützen und so sollten Horror- und Kinder*kram* & Co. in das Panaroma miteinbezogen werden.
Überlesen haben bisher wohl alle, daß Herr Dath seine Betrachtung am Diskurs um die Moderne aufhängt. Die Moderne (und ihr Fortsatz: die Postmoderne) ist erstmal ein ziemlich schwammiger Begriff, aber es hilft sich zu merken, daß mit Moderne jenes Zeitalter gemeint ist, in dem die Vor-modernen hierarchischen Monotheismen von einem relativistischen Pluralismusdenken in Sachen Metaphysik abgelößt wurden.
Die SF - oder ist es an dieser Stelle besser wenn ich schreibe - die HARD SF übernimmt den Job des fürs Volk verständlichen kleinen Bruders der Raumfahrt oder erdverbundener kalkulierter Zukunftsgestaltung. Aus EINEM bestimmten Blickwinkel kann man sagen, daß SF-Geschichten das nur kurzfristige Zeiträume verhandelnde öffentliche Sprechen über DIE ZUKUNFT kompensiert. Politiker denken - so heißt es - nicht weiter als bis zur nächsten Wahl, die Medien denken nur an die Auflage von Morgen und die Wirtschaft angeblich nur ans nächste Quartalergebnis. Nur Verschwörungstheoretiker und echte Experten gehen davon aus, daß es durchaus gestaltende Elemente in der Globalgesellschaft gibt, die Jahrzehnte, vielleicht sogar ein Jahrhundert vorausplanen.
Wer mit welchen Mitteln von wo aus die Welt betrachtend wie planend gestalten will, ist dabei das ideologische Spielbrett sowohl der Realpolitik als auch der Fiktionskonkurrenz. Immer noch gilt Platons Wort vom »Gigantenkrieg um das Sein« als die gedachte wahre Welt der bloß wahrgenommenen wirklichen Welt den Fehdehandschu hinwarf. Heute illustriert durch die im Wissenschaftsmillieu stattfindende Auseinandersetzung um die »Creative Designer«-Thesen der religiösen Rechten und den solche Phantasmen zurückweisenden restlichen Evolutionsdenkern.
Idee geht nicht umsonst auf Ideologie zurück und bezeichnet urspünglich »Gesinnung«, also umgangssprachlich »wessen Geistes Kind man sei«.
Vorhersehung und Gottvertrauen oder Eigenverantwortung und Selbstoperation?
Was darfs sein?
Grüße
Alex / molosovsky
P.S. @Gallagher: Deine Erzählung von Deiner nun walzerverliebten Tochter ist wirklich herzerfrischend. Da Da Da-dam, plimplim plimplim †¦ Da Da Da-dam, plimplim plimplim.
MOLOSOVSKY IST DERZEIT IN DIESEM FORUM NICHT AKTIV: STAND 13. JANUAR 2013.
Ich weiß es im Moment schlicht nicht besser.
#28
Geschrieben 04 September 2004 - 14:40
Clou Gallagher * Colin Mirth * Rettungskreuzer Ikarus * Mein Blog* Meine Tweets
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#29
Geschrieben 04 September 2004 - 15:39
Ich kann nur für mich sprechen, aber ich war nicht genervt. Die passendere Vokabel wäre "ungehalten", und zwar darüber, daß es unter soviel pseudointellektuellem Geschwulste nicht zu mehr gereicht hat, als dem üblichen Geplärre: Rabääääh, die Leute lesen keine SF-Magazine mehr! Rabääääh, die SF-Kinofilme sind so laut und bunt und machen mir Angst! Rabääääh, die Gesellschaft kommt nicht mehr mit Science Fiction klar! Rabääääh, früher war alles ganz anders/besser! Das hat man schon hunderte Male gehört - meistens weniger chiffriert, aber dafür auch nicht weniger überflüssig. Es ist mir schlichtweg unbegreiflich, wie man gerade beim Thema SF so sehr rückwärtsgewandt sein kann. Ist etwas nicht mehr so, wie es einst war, sieht jeder gleich den Untergang des wissenschaftlich-fiktionalen Abendlandes. Ich mag mich ja irren, aber was die SF ausmacht, gilt meines Dafürhaltens auch für die SF selbst. Ich lese die Feuilletons etlicher Zeitungen, keines regelmäßig, aber insgesamt doch stetig. Solche Artikel halte ich praktisch für wertlos, da sie für das Innere der Szene weder umfassend noch anerkannt genug sind, während Außenstehende - so aufgeschlossen sie auch sein mögen - anschließend allenfalls die Stirn runzeln und sich denken "Oh, wenn die SF sowieso nur noch im Popcorn-Kino, in Romanen für jugendliches Publikum und im spärlichen Aufbäumen einiger weniger SF-Schaffender besteht, muß ich mich dafür auch nicht weiter interessieren." Wenn jemand Ambitionen hat, SF außerhalb ihres unverdienten Ghettos den Leuten näher zu bringen, dann als das, was sie ist, und nicht als das, was sie - vermeintlich - einmal war. Verzerrte Nostalgie und ausschweifendes Gefasel ist nicht das Bild, daß jemand über SF bekommen sollte. Aber genau dieses falsche Bild zeichnen Artikel wie dieser. Und da wundert man sich, daß diejenigen, die mit SF etwas anfangen können, unter sich bleiben, zunehmend vergreisen und allmählich leicht inzestiöse Ansätze bei der Wahl der Themen aufweisen? Woher sollen denn neue Einflüsse, Strömungen und Ideen kommen, wo man sich doch so viel Mühe gibt, mögliche Epigonen bereits so früh wie möglich abzuschrecken? Beziehungsweise, wenn man sich bemüht, diese Ansätze gar nicht erst als SF wahrzunehmen, weil sie nicht dem entspricht, was man lange Jahre als SF gewohnt war? Eine Krise der SF gibt es nicht. Aber es gibt eine Krise derjenigen, die SF nur in gewohnten Mustern rezipieren können/wollen und nun innerhalb und außerhalb nach Verständnis lechzen, daß man beinahe peinlich berührt ist, weil man selbst zum Innerhalb gehört.'N komisches, unangenehmes Gefühl hatte ich kurz, als ich die Genervtheit und Meckerei von einigen hier über den Artikel gelesen habe.
I have loved the stars too fondly to be fearful of the night.
(Sarah Williams: The Old Astronomer To His Pupil)
#30
Geschrieben 04 September 2004 - 17:09
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