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Wortschatz


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67 Antworten in diesem Thema

#1 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 22 November 2023 - 10:17

Wichtig beim Schreiben ist neben der Themenwahl und deren Umsetzung der Sprachschatz.

 

Aktuell lese ich gerade Einsendungen für Zwielicht 20 und da sind die unterschiedlichsten Geschichten eingetrudelt, natürlich auch von Autor*Innen, die vielleicht noch am Anfang des Weges stehen.

 

Einen abwechslungsreichen Wortschatz zu verwenden, hilft dabei ungemein. In Word kann man schön über die Suchfunktion entsprechende Häufungen kontrollieren, wenn man die eigenen Lieblingswörter einmal identifiziert hat.

 

Als Beispiel habe ich eine Geschichte von 20.000 Zeichen genommen und ein paar Häufungen identifiziert:

99mal das

64mal mein(e)

35mal war

19mal noch

11mal schon

10mal während

10mal mehr

8mal denn

 

In einer anderen Geschichte (24.000 Zeichen) - ein/einer sowie und ist auch sehr beliebt...

77 das

57 wie

46 ist

41 noch

21 mehr

18 hat

17mal nur

12 dann

12 aber

9 doch

8 hier

 

 

Generell hilft es, starke Verben statt schwache einzusetzen. Bei großer Häufung einfach nach Ersatz suchen. 

17mal nur

 



#2 rostig

rostig

    Temponaut

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Geschrieben 22 November 2023 - 11:09

Interessant! Ich verwendete mal in einer Geschichte das Wort "ubiquitär". Das wurde als unverständlich vom Lektor gestrichen.



#3 Dyrnberg

Dyrnberg

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Geschrieben 22 November 2023 - 11:10

Ich weiß nicht, ob ich meinen Punkt im Folgenden klar machen kann. Ich versuch's mal.

 

Wenn ich als Leser das Gefühl bekomme, da wiederholt sich ungewollt manches Wort zum zig-sten Mal, dann ist das... schlecht. Wenn ich aber andersherum das Gefühl bekomme, da arbeitet jemand ständig mit Thesaurus, um möglichst viele verschiedene Wörter zu verwenden, dann ist das wiederum... schlecht. Ääh, ich meine: lumpig, kläglich, miserabel.

 

Oft sind die simplen, banalen Worte wie "schlecht" eben deswegen so verbreitet in unserer Sprache, weil sie so banal und passend und alltagskompatibel sind. Und entsprechend lese ich in einem Text lieber fünfmal "schlecht" als kreative Synonyme wie "lumpig" oder Ähnliches.

 

In kurz: Mir ist ein großer Wortschatz von Autor:innen nicht sonderlich wichtig, wenn er ein Mindestmaß erfüllt. Eher andersherum: Ist er zu groß, wird er ein Ärgernis.



#4 Frank Lauenroth

Frank Lauenroth

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Geschrieben 22 November 2023 - 11:21

Da geh ich mit. 

Der Text muss ja auch glaubwürdig wirken. Zu viel Thesaurus ist ... grauenhaft.

Hinzu kommt, dass man die LeserInnen durch selten gebräuchliche oder der Mehrheit unbekannte Worte (ubiquitär) schnell verliert.


 In memoriam Michael Szameit / Christian Weis / Alfred Kruse / Rico Gehrke                                                          : Aktuelle Projekte und neue Veröffentlichungen :                                                'Gleich' ist der Tod des kleinen Mannes.


#5 Helge

Helge

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Geschrieben 22 November 2023 - 11:35

Sehe ich ähnlich; wenn man einen goldenen Mittelweg findet, macht man meistens nichts falsch. Bei kleinen Wörtchen wie Artikeln oder Pronomen achte ich allerdings auch als Leser nicht auf Häufungen, und ich glaube, das tut so gut wie niemand.



#6 lapismont

lapismont

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Geschrieben 22 November 2023 - 12:59

Aber es hilft ungemein zu prüfen, ob man Hilfsverben ersetzen kann. Auf jeden Fall sollte die Wortwahl präzise. Manchmal muss man halt etwas überlegen, um das passende Wort zu finden, aber eventuell erspart man sich dadurch drei unnötige Erklärungssätze.

Und: der Wortschatz von Figuren kann variieren und muss nicht derselbe einer Erzählinstanz oder gar der schreibenden Person sein.


Überlicht und Beamen wird von Elfen verhindert.
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#7 My.

My.

    Temponaut

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Geschrieben 22 November 2023 - 17:53

Interessant! Ich verwendete mal in einer Geschichte das Wort "ubiquitär". Das wurde als unverständlich vom Lektor gestrichen.

 

Das war kein Lektor.

Das war ein der Wortrecherche Unfähiger.

 

Hinzu kommt, dass man die LeserInnen durch selten gebräuchliche oder der Mehrheit unbekannte Worte (ubiquitär) schnell verliert.

 

Oha. Mehr einfache Sprache in der Literatur?

Ambitious, but rubbish. Sorry.

 

My.


Bearbeitet von My., 22 November 2023 - 17:54.


#8 Valerie J. Long

Valerie J. Long

    Passionaut

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Geschrieben 22 November 2023 - 19:43

In der Perry-Rhodan-Serie kann man sehen, dass manche Wörter ansteckend wirken.

Vor ein paar Jahren hat ein Autor seine Vorliebe für das Wort "Konvolut" entdeckt. Es dauerte nicht lang, und das Wort verbreitete sich unter den übrigen Autoren, nicht immer vollkommen treffsicher.

 

Bei der Verwendung weniger gebräuchlicher Begriffe kommt es auf die Zielgruppe und den Kontext an. Welchen Wortschatz darf ich beim Leser voraussetzen? Kann der geneigte Leser die Bedeutung eines ungebräuchlichen Begriffs erraten, selbst wenn dieser unbekannt ist, oder ist ein Wörterbuch zum Verstehen der Geschichte nötig? Unbekannte Holpersteine können den Lesefluss und damit den Lesespaß empfindlich stören.

 

Da es um Fantasie- und/oder Zukunftsliteratur geht, darf ich als Autorin natürlich etwas kreativer sein. Es wird niemanden stören, wenn ein Raumschiff mit einem Quantentunnelkonverter ausgerüstet ist, was auch immer das sein mag. In einem solchen Fall gehört die Begriffswahl vielleicht sogar zum Stimmungsbild. (Solange daraus nicht das gefürchtete Infodumping wird.) Ich muss auch nicht gleich beim ersten Auftreten eines Evaritikons* erklären, was das ist und was man damit tun kann, sondern nur eine Idee vom Aussehen liefern.

 

*Unterarmlanger Stab mit tennisballgroßer Nebelkugel an einem Ende, habe ich gerade für diesen Beitrag erfunden.

 

In der Tat sind Lieblingsworte gefährlich, vor allem wenn sie gehäuft auftreten. Wenn ich diese nicht selbst beim Schreiben oder späteren Durchkorrigieren bemerke, fallen sie aber spätestens beim Lektorat auf.



#9 Bert

Bert

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Geschrieben 22 November 2023 - 22:23

Gute Idee!

Habe gleich mal "nachgezählt". Wenn ich Artikel und Trivialwörter (ich suche noch nach einem Kriterium dafür) weglasse, komme ich umgerechnet auf 20.000 Zeichen auf folgende Spitzenreiter in meinem Roman:

sich 33
auf 32
mit 27
hatte 18
noch 16
aus 16
auch 13
dass 12
als 12
nach 10
bei 10
haben 9
hier 8
nur 8
dann 8
waren 8
...
(interessanter wird es weiter unten :blink:)

Wo liegt das Problem mit schwachen Verben? Sind Hilfsverben oder "ausdruckslose" Verben gemeint?

Gruß
Bert
https://iberiubliwl.blog

Bearbeitet von Bert, 22 November 2023 - 22:49.


#10 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 23 November 2023 - 05:57

Ich lese den Kind gerade "das letzte Einhorn" vor (sprachlich und stilistisch ziemlich klasse) und da gibt es das Wort "Qietismus"
. Ergibt sich ein wenig aus dem Zusammenhang und Fremdsprachen Kenntnissen, aber gelesen hatte ich das Wort vorher noch nie.

Recherche nach alternativen Worten hatte ich bisher nur bei "Morsche Haut" gemacht, weil ich sichergehen wollte, dass die Worte vor 1920 schon gebräuchlich waren. Normalerweise gehören "tadellos" und "delikat" nicht zu meinem aktiven Wortschatz.

Ich fände es aber besser, wenn ich das öfter tun würde, und sei es für die Lieblingsworte im Dialog bestimmter Figuren. Sonst klingen die alle wie ich.

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#11 Bert

Bert

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Geschrieben 23 November 2023 - 07:21

Serendipität hat eine schöne Bedeutung:


„Eine zufällige Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist.“

#12 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 23 November 2023 - 07:24


Wo liegt das Problem mit schwachen Verben? Sind Hilfsverben oder "ausdruckslose" Verben gemeint?

Gruß
Bert
https://iberiubliwl.blog

 

Hier ist das beispielhaft erklärt:

https://storyanalyse...-saetze-pimpen/


Bearbeitet von Mammut, 23 November 2023 - 07:24.


#13 Rezensionsnerdista

Rezensionsnerdista

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Geschrieben 23 November 2023 - 08:20

Hier ist das beispielhaft erklärt:

https://storyanalyse...-saetze-pimpen/

 

Sehr cooler Artikel. Könnte unsere Lesezirkel erweitern. Uff, ich hoffe, ihr findet sowas nicht bei mir! (Lesezirkel Exodus und A7L stehen an und da habe ich jeweils Storys, die ich jetzt bewusst mehrere Monate nicht gelesen habe.)


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#14 Sam Francisco

Sam Francisco

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Geschrieben 23 November 2023 - 08:45

Gut, dass ich kein Autor bin!
Future ist die Zukunft!
  • (Buch) gerade am lesen:Mary Robinette Kowal - Die Berechnung der Sterne
  • (Buch) als nächstes geplant:Alan Campbell - Scar Night (Kettenwelt 1), aber meine Planungen werden häufig über den Haufen geworfen.
  • • (Buch) Neuerwerbung: Michael Marrak - Lex Talionis / De Profundis
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#15 Denisovan

Denisovan

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Geschrieben 23 November 2023 - 08:51

Aktuell lese ich gerade Einsendungen für Zwielicht 20 ...

 

 

Proposition:

„Zwielicht 20“ sistieren, bis du die Texte, einem ubiquitären Leserhorizont kommensurabel adjustiert, poliertest.


"Kritiker sind blutrünstige Leute, die es nicht bis zum Henker gebracht haben." (George Bernard Shaw)

 

Anmerkung zur heutigen Epoche des Internets:

"Die Depeschen, die die Stafetten ihm zutrugen, ließen seinen Schnupfen zum Schüttelfrost werden" (Victor, Schriften 3, 146)

 

 

Mitglied im PAN-Netzwerk:

https://wir-erschaff...stopher-sprung/

 

https://www.autorenw...istopher-sprung

https://instagram.co...istopher.sprung


#16 Frank Lauenroth

Frank Lauenroth

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Geschrieben 23 November 2023 - 09:01

Mehr einfache Sprache in der Literatur?

 

My.

 

DAS hab ich nicht geschrieben und auch nicht gemeint.


 In memoriam Michael Szameit / Christian Weis / Alfred Kruse / Rico Gehrke                                                          : Aktuelle Projekte und neue Veröffentlichungen :                                                'Gleich' ist der Tod des kleinen Mannes.


#17 Sam Francisco

Sam Francisco

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Geschrieben 23 November 2023 - 09:01

Proposition:
„Zwielicht 20“ sistieren, bis du die Texte, einem ubiquitären Leserhorizont kommensurabel adjustiert, poliertest.


???
Future ist die Zukunft!
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#18 J. A. Hagen

J. A. Hagen

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Geschrieben 23 November 2023 - 09:04

Uff, ich hoffe, ihr findet sowas nicht bei mir!

 

Der Autor Joe Hill hat mal geschrieben, dass aus seiner Sicht nicht jeder Satz das Gegenstück dazu sein muss, auf einem Einrad mit brennenden Fackeln zu jonglieren.

 

Aus meiner Sicht ist der verlinkte Artikel hilfreich, aber für mich muss nicht zwingend jeder Satz auf so etwas abgeklopft werden. "Ich war traurig" ist für mich akzeptabel, solange nicht alle Gefühle der Figur durch Adjektive oder Adverbien ausgedrückt werden.

 

Natürlich kann ich sowas schreiben:

 

Der Winter fiel in der Nacht ein, eroberte die Straßen mit Schnee und belagerte Dächer und Fensterscheiben mit Frost. Zuvor trieben seine Vorboten, die beißenden Winde, Nachtschwärmer von den Straßen in die Häuser.

Als der Morgen schüchtern graute, hatte der Winter seinen Vormarsch beendet und hielt die besetzten Gebiete in Tiefkühlfächer verwandelt. Menschen, die zur Arbeit mussten, kratzten die Scheiben der geparkten Autos frei, fluchten und rieben sich Fingerspitzen sowie Nasen, die durch die Kälte prickelten. Schulkinder stapften vermummt durch die Straßen und stießen Dampfwolken aus ihren Mündern und Nasen aus.

 

Falls der Winter jedoch für die Haupthandlung ohne Belang ist, würde ich das nicht szenisch ausformulieren.


Bearbeitet von J. A. Hagen, 23 November 2023 - 09:09.

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#19 Michael Böhnhardt

Michael Böhnhardt

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Geschrieben 23 November 2023 - 09:24

 

Falls der Winter jedoch für die Haupthandlung ohne Belang ist, würde ich das nicht szenisch ausformulieren.

 

Naja, genaugenommen sollte man sich schon genau überlegen, in welcher Jahreszeit eine Geschichte am besten spielt. Sie sollte also nicht wirklich "ohne Belang" sein.

Und dann sollte man diese Jahreszeit nicht so allgemein wie oben szenisch darstellen, sondern in die bestehende Szene einarbeiten, also so, dass der Winter nicht allgemein "den Menschen" passiert, sondern den handelnden Personen.



#20 Bert

Bert

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Geschrieben 23 November 2023 - 09:44

Hier ist das beispielhaft erklärt:

https://storyanalyse...-saetze-pimpen/

Ah, verstehe, Danke! Klasse Artikel. Schon "gebookmarkt".



#21 Fermentarius

Fermentarius

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Geschrieben 23 November 2023 - 10:51

Der Artikel hinter dem Link spricht ein wichtiges Thema an. Schwache, wolkige Formulierungen kitzeln die Fantasie des Lesers nicht, sein inneres Bild von der Geschichte bleibt nebelig und grau. Man kann aber auch die Farbigkeit übertreiben und den Leser mit grellen und leuchtenden Farben überfordern. Im schlimmsten Fall kippen die Sätze ins Lächerliche. Und wenn man genaue Beschreibungen wählt, müssen sie auch stimmen.

Das Beispiel in dem Artikel macht genau diesen Fehler. Ich zitiere mal aus dem Positivbeispiel:

 

Die Sonne blendete mich, als ich im Park spazieren ging.  Ich zog mir die Sonnenbrille ins Gesicht und schlenderte zu der Parkbank, die im Schatten von Akazienbäumen stand. Das war der Ort, wo ich Joe treffen sollte. Dieser grüne Fleck inmitten von Asphaltsträngen und Betonbergen schien mir nicht der Ort zu sein, an dem ich Joe, den Naturallergiker, zu treffen vermutete. Immerhin, hier dampften Hundehaufen, Kinder tobten über die Wiese und die Blätter rauschten. Dieser Ort bildete eine Rettungsinsel vom Großstadtlärm.

 

Also: "Ich zog mir die Sonnenbrille ins Gesicht" - nein, die Sonnebrille zieht man sich über die Augen. Ziehen kann man sie nur, wenn sie vorher in die Haare geschoben war. Das sollte die Formulierung widerspiegeln.

"Im Schatten von Akazienbäumen" - Akazien spenden herzlich wenig Schatten. Ich Deutschland findet man sie außerdem kaum. Aber vielleicht spielt die Geschichte ja in den Subtropen oder Tropen. Der übrigen Beschreibung nach sieht es aber nicht so aus.

"Joe, den Naturallergiker" - doch, hier ginge es genauer. "Joe mit seiner Allergie gegen [Baumpollen, Gräserpollen, Kräuter] ..."

 

"Hier dampfen Hundehaufen, Kinder toben über die Wiese und die Blätter rauschen". Wenn schon genau, dann treffend. Hundehaufen dampfen nur umittelbar nach dem Absetzen und nur bei kalter Witterung, was wiederum nicht mit den Akazien zusammenpasst. Die drei völlig unzusammenhängenden Bilder (Hundehaufen, Kinder, Blätter] wirken unfreiwillig komisch. Die Reihenfolge der Beschreibungen sollte den Weg des Protagonisten widerspiegeln, nicht einfach mit Gewalt kräftige Verben zusammenschnüren.

Für mich sollte der Text auch das Seelenleben des Protagonisten spiegeln. Was ich beschreibe, wie und in welcher Reihenfolge gibt die Außenwelt gefiltert durch die Stimmung des Protagonisten wieder.

Also: Der Artikel spricht ein wichtiges Problem an, diskutiert es aber nicht aus, und das ausführlichste Beispiel steckt voller Fehler. So finde ich den Artikel zwar etwas hilfreich, aber auch grenzwertig ärgerlich.



#22 Sam Francisco

Sam Francisco

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Geschrieben 23 November 2023 - 10:59

Da sieht man es wieder, über Geschmack lässt sich streiten. Ich fand das von Fermentarius analysierte Positivbeispiel völlig überfrachtet.

Bearbeitet von Sam Francisco, 23 November 2023 - 11:48.

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#23 Rezensionsnerdista

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    Yvonne

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Geschrieben 23 November 2023 - 11:19

Ich finde die akribische Logikfehlersuche bei Fermentarius total geil. Würde ihn sofort als Testleser engagieren. 


Podcast: Literatunnat

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#24 Dyrnberg

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Geschrieben 23 November 2023 - 12:17


"Joe, den Naturallergiker" - doch, hier ginge es genauer. "Joe mit seiner Allergie gegen [Baumpollen, Gräserpollen, Kräuter] ..."

Moment: Die Formulierung ist ja offensichtlich als Witz gemeint. Der Typ hat nicht wirklich eine Allergie, sondern ist eben ein Stadtmensch, der gerne in seinen eigenen vier Wänden herumlümmelt. Das macht ja das "Negativbeispiel" davor klar.

 

Ansonsten aber bin ich voll bei Dir. Mehr als das: Mir gefallen in dem verlinkten Text der Sprachanalyse die Negativbeispiele quasi immer besser als die Überarbeitungen.

 

"Negativ"-Beispiel:

 

Da waren sieben Kerle am Tresen.

 

 

Da lese ich weiter.
 

"Positiv"-Beispiel

 

Zwei Männer diskutierten mit dem Barkeeper, zwei weitere kippten sich Bier in die Kehle und die anderen drei lehnten sich über den Tresen und griffen nach dem Jägermeister.

 

 

Da höre ich sofort auf. Ernst gemeint.

 

Fast all die Beispiele, die der Text als "Verbesserungen" vorschlägt, klingen für mich nach Schundroman. Sorry to say. Stil ist und bleibt wahrscheinlich eine hochsubjektive Sache.



#25 J. A. Hagen

J. A. Hagen

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Geschrieben 23 November 2023 - 12:32

Stil ist und bleibt wahrscheinlich eine hochsubjektive Sache.

 

Das sehe ich auch so. Falls "Da waren sieben Kerle am Tresen" die Stimme der erzählenden Figur ist, kann das für mich so bleiben. Ansonsten lese ich lieber "Sieben Männer lümmelten/lehnten/standen am Tresen." Für mich ist entscheidend, ob die Figuren in der Geschichte eine Bedeutung haben oder nicht. Falls ja, so können sie ausführlich beschrieben werden. Falls nein, so reicht mir ein knapper Satz.

 

Die Grundaussage des verlinkten Beitrags ist, dass griffige Formulierungen eine Text beleben können. Dem stimme ich zu, unabhängig von der Qualität der Beispiele.

 

Zitat aus dem Thriller "Countdown" von Preston und Child:
Gideon schoss zurück, wütend und frustriert.

 

Ich fände besser:
Verdammt noch mal! Gideon knirschte mit den Zähnen und schoss zurück.


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#26 Denisovan

Denisovan

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Geschrieben 23 November 2023 - 12:36

???

Sam-das ist eine Satire auf Inhalte dieses Fadens :)


"Kritiker sind blutrünstige Leute, die es nicht bis zum Henker gebracht haben." (George Bernard Shaw)

 

Anmerkung zur heutigen Epoche des Internets:

"Die Depeschen, die die Stafetten ihm zutrugen, ließen seinen Schnupfen zum Schüttelfrost werden" (Victor, Schriften 3, 146)

 

 

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#27 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 23 November 2023 - 13:28

 

Fast all die Beispiele, die der Text als "Verbesserungen" vorschlägt, klingen für mich nach Schundroman. Sorry to say. Stil ist und bleibt wahrscheinlich eine hochsubjektive Sache.

 

Ich meine zu wissen, woran das liegen könnte.

 

So etwas wie "Er ist wütend" ist erstmal zwar nicht positiv, aber wenn man das berühmte "Show don't tell" anwendet, geraten die meisten an Phrasen und megamäßig abgegriffene Wendungen wie "Er ballte die Hände zu Fäusten" oder "Er lief rot an", da kriege ich Fluchtreflex.

 

Nachdem die Menschen ein paar tausend Jahre Prosa verfassen, muss man sich schon etwas mehr bemühen - für mich jedenfalls. 

 

Manchmal ist etwas neutrales tatsächlich besser, auch wenn es keine Bilder oder Gefühle erzeugt, immerhin entnervt man damit nicht die Viellesenden, die das alles schon zigmal gesehen habe. 

 

Manchmal verstehe ich tatsächlich nicht, wie wir noch gute Texte hinkriegen, die ich gern lese. Aber ich stecke gerade im Showdown von Whalefall (Daniel Kraus) und bin begeistert von so ziemlich allem, Inhalt und Sprache. Auch wenn es das Thema "Person gerät in Walmagen" schon ein paarmal gegeben hat. Und auch "Schwieriger Vater kürzlich verstorben" ist jetzt nicht neu (der Roman kombiniert diese beiden Themen). 

 

 

 

Wenn ich aber etwas wie "Sie befanden sich auf einem Hügel" lese, dann ist mir das zu statisch. Könnten die nicht wenigstens sitzen oder stehen? (Und ja, das Beispiel ist leider echt, habe ich zu Beginn einer deutschsprachigen SF Story irgendwann 2021 oder 2022 gelesen.)


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#28 My.

My.

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Geschrieben 23 November 2023 - 13:36

DAS hab ich nicht geschrieben und auch nicht gemeint.

 

Du erinnerst dich an die Bedeutung eines Fragezeichens?

 

My.



#29 Frank Lauenroth

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Geschrieben 23 November 2023 - 13:41

Du erinnerst dich an die Bedeutung eines Fragezeichens?

 

My.

Ja. Darum auch meine Antwort.  ^_^


 In memoriam Michael Szameit / Christian Weis / Alfred Kruse / Rico Gehrke                                                          : Aktuelle Projekte und neue Veröffentlichungen :                                                'Gleich' ist der Tod des kleinen Mannes.


#30 Fermentarius

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Geschrieben 23 November 2023 - 14:19

Vor ewiger Zeit haben wir im Deutschunterricht in der Schule die Merkmale von Schundromanen (Groschenheften, Heftromanen etc.) durchgesprochen. Sie sollen die Leser emotional ansprechen, und schaffen einen ständigen Strom von farbigen Sprachbildern, die möglichst jeder nachvollziehen kann. Personen müssen Stereotypen entsprechen, und Genauigkeit von Metaphern oder Bildern ist vollkommen unwichtig, ebenso wie  die Konsistenz der Handlung. Es gibt bei den meisten Genres ohnehin nur eine überschaubare Anzahl von Vorgaben für die Handlungsmuster. Abgegriffene Metaphern und Sprachbilder stören nicht, im Gegenteil, sie sind eingängig und sofort verständlich.

Deshalb: die in dem Artikel vorgeschlagenen Verbesserungen würden wirklich eher zum Groschenroman passen.

Das Beispiel mit den "sieben Kerlen" am Tresen ist übrigens noch aus anderem Grund erhellend. Sieben Kerle handeln nicht synchron, jeder ist ein Individuum. Deshalb wäre der als Verbesserung angegebene Satz: "Zwei Männer diskutierten mit dem Barkeeper, zwei weitere kippten sich Bier in die Kehle und die anderen drei lehnten sich über den Tresen und griffen nach dem Jägermeister." zwar farbiger, aber unsicher.

Sollten drei Männer tatsächlich gleichzeitig nach dem Jägermeister greifen? Dann bricht bestimmt gleich eine Schlägerei aus.

 

Yvonne, eine allgemeine Aussage wie "Sie befanden sich auf eine Hügel" würde ich als Einstieg in eine Geschichte durchaus gelten lassen. Hier wird sozusagen der Vorhang über dem ersten Akt gehoben, und wie im Theater gewinnt man zuerst ein ganz allgemeines Bild der Kulisse. Wenn das Bild danach detailreicher ausgebaut wird, wäre das legitim.

Es ist einfach die Frage, ob der Autor den Einstieg als bewusstes Stilmittel einsetzt oder aus sprachlicher Hilflosigkeit so schreibt.


Bearbeitet von Fermentarius, 24 November 2023 - 11:26.



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