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Stephen King: Ihr wollt es dunkler

2024 Kurzgeschichten Story-Sammlung Stephen King Horror Science Fiction

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15 Antworten in diesem Thema

#1 Rezensionsnerdista

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    Yvonne

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Geschrieben 31 Mai 2024 - 07:03

Hallo zusammen,

 

die neue Kurzgeschichtensammlung von Stephen King ist ja gestern auf Deutsch erschienen.

 

Die erste Story, Zwei begnadete Burschen, ist gleich Science Fiction mit Alien-Anteil. Ich finde die Beschreibung der Aliens ganz interessant. Es ist eine typische Stephen-King-Geschichte, sehr in Erzähllaune, gute Figurennähe, viele Details. Ich mag das ja. 

 

Mal sehen, wie es weitergeht.

 

Liest noch jemand mit?

 

Viele Grüße, Yvonne


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#2 Christian Hornstein

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Geschrieben 31 Mai 2024 - 16:42

Hey Yvonne, das ist gerade genau das Richtige für mich. Ich habe zwar noch meinen verschobenen Umzug vor der Brust und warte auf Exodus, aber jetzt habe ich mal spontan den Pflasterstein von Stephen bestellt. Ich werde wohl nicht jede Geschichte so detailliert kommentieren können, aber die eine oder andere vielleicht schon. Ich bin gespannt. :)



#3 Rezensionsnerdista

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    Yvonne

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Geschrieben 31 Mai 2024 - 16:46

Ich habe jetzt drei gelesen und fange hoffentlich morgen mit dem Kommentieren an ...

Bisher ist nur die erste SF

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#4 Rezensionsnerdista

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    Yvonne

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Geschrieben 01 Juni 2024 - 07:13

Zwei begnadete Burschen

Das ist wirklich ein typischer King. Versatzstücke sind alle schon mal da gewesen (es gab da diesen Autor, der eine Ratte getroffen hat und mir ihr einen Handel hatte, und dann beendete er seinen Roman und er wurde großartig). 

Ein bisschen denke ich bei solchen Geschichten immer: Nur weil die Prosa großartig ist, heißt das noch lange nicht, dass sie erfolgreich wird.

However, das einzige, was neu ist, ist die Beschreibung der Aliens, die hatte Potenzial.

 

Trotzdem habe ich es gern gelesen, mehr vom gleichen ist bei Stephen King ja nicht schlecht, aber man muss die Story auch nicht unbedingt lesen, sie hat nicht genug "Dringlichkeit", finde ich.

 

Der fünfte Schritt

Schluss wegwerfen und sich eine andere Pointe überlegen und wir haben eine tolle Story. So aber stinkt sie gewaltig ab gegen ähnlich Storys mit Leuten, die versuchen, ihre Sucht (sei es Alkohol oder Nikotin) überwinden wollen. Da hatte King schon weit bessere!

 

Willie der Wirrkopf

Das hätte Potenzial gehabt. Was ist eigentlich, wenn man ein wirklich schräges Kind hat, das später mal Serienmörder wird (ich denke selbst darüber nach, was dazu zu machen, ist aber nicht einfach). Aber dann geht es doch um etwas anderes. Schön ist nur, dass die ganze Pointe im letzten Satz steckt und auch gut vorbereitet wurde. Aber nicht wirklich zu dem passt, was anfänglich in der Story versprochen worden war.

 

Danny Coughlins böser Traum

Ui ui ui, ich hätte die Story fast abgebrochen, weil die ersten Seiten so öde waren. Das wäre ein schlimmer Fehler gewesen! Jetzt stecke ich mittendrin und würde am liebsten weiterlesen, aber die Kids sind wach und lassen mich nicht. Es ist wirklich außerordentlich spannend.

Danny träumt, dass eine Frau hinter einer Tankstelle vergraben wurde und ein Hund nagt an ihrem Arm, der aus der Erde nagt. Das lässt ihn nicht los. Er fährt zu dem Ort, findet den Hund und den herausragenden Arm, verscheucht den Hund, deckt den Arm ab und tätigt einen anonymen Anruf bei der Notrufzentrale. Er versucht auch, seine Spuren zu verwischen, da er ja nicht gut erklären kann, woher er von der Leiche wusste. 

Sie kriegen aber heraus, dass er den Anruf getätigt hat, und obwohl absolut nichts für ihn als Täter spricht (bis natürlich auf die Tatsache, dass er die Leiche gefunden hat), verdächtigen sie ihn des Mordes. Sie suchen auch gar nicht nach anderen Verdächtigen, konzentrieren sich nur auf ihn. 

Wieder kommen die höheren Behörden (hier das KBI, in Kansas) nicht sehr gut weg, ähnlich wie schon bei The Man Who Saw Seconds. (Anderer Autor, habe ich aber letztens auch gelesen.)

Das ist King, wie ich seine Prosa liebe, es ist unglaublich spannend, ich bin sehr nah an den Figuren, der Böse ist wirklich fies und die Dialoge und die Atmosphäre sitzen perfekt. Selbst wenn das die einzige lohnende Story ist, ist es den Kauf schon wert. Zumal die Story echt lang ist. Ich bin sooo gespannt, wie es weitergeht!


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#5 Sam Francisco

Sam Francisco

    Typonaut

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Geschrieben 01 Juni 2024 - 10:34

Wäre mal wieder cool, King zu lesen. Aber im Moment schaffe ich das zeitlich nicht.
Future ist die Zukunft!
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#6 Nathaniel_Xembri

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Geschrieben 01 Juni 2024 - 12:02

Angesichts der bisherigen Stellungnahme hier ist mir das E-Book für 19,99 zu teuer.

Und ich bin eh kein King-Fan.

 

Nate


Hush tarbija ċkejkna, tgħidx kelma

U qatt ma jimpurtahom dak l-istorbju li smajt

Huwa biss il-beasts taħt sodda tiegħek

Fil-closet tiegħek, fir-ras

 


#7 Rezensionsnerdista

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    Yvonne

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Geschrieben 04 Juni 2024 - 08:11

Danny Coughlins böser Traum

Habe ich am Wochenende zu Ende gelesen und hat mir ausnehmend gut gefallen. Wie ein kleiner Krimi. Sehr glaubhaft, sehr bedrückend, irgendwie Anti-USA. 

 

Finn

Sehr humorvoll anfangs, und eklig, auch den Schluss mochte ich. Wirklich gut geschrieben.

 

Auf der Slide Inn Road

Eine interessante Ambivalenz wurde hier aufgefangen. Die Story ist sehr spannend, sehr typisch King (er hat etliche ähnlicher Storys), aber neu hinzukommt eben diese Ambivalenz zwischen Vater (moderne Welt) und Großvater (was vor Jahrzehnten noch in und okay war) und der Vater ist politisch korrekt, kriegt aber im entscheidenden Moment den Hinter nicht hoch, bleibt passiv; während der Großvater aufgeweckt ist und im rechten Moment zuschlägt. 

Ich glaube nicht, dass man daraus die Prämisse ableiten kann "Wer politisch und zeitgemäß korrekt denkt und handelt, taugt im Ernstfall nichts", aber man könnte die Story so lesen (und damit wäre ich nicht einverstanden). Nichtsdestotrotz ist der Großvater mein Held und die Dynamik zwischen ihm und seinem Enkelsohn ist klasse.

Ein paar Dinge sind unnötig, wie die Gewalt gegenüber seinem Sohn am Ende. Trotzdem. Gute Story. Viele Grautöne.

 

Das rote Display

Es passiert genau das, was ich erwartet habe, dass es passiert und es geht auch zu sehr in die "meine Ehefrau nörgelt"-Lustigmacherei, da hätte ich von King mehr erwartet. Aber gut war der Menopause-Sideplot, so was lese ich zu selten. Dafür dann noch Trostpunkte. Ansonsten muss ich doch leider das Adjektiv abgedroschen verwenden, ich hätte die Story sogar aus diesem Grund abgelehnt, wenn man mir sie irgendwo angeboten hätte.

 

 

Ein Fachmann für Turbulenzen

Die Story hatte ich glaube ich schon bei Flug und Angst gelesen. Ich habe gar kein Bedürfnis, sie noch mal zu lesen.


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#8 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 05 Juni 2024 - 05:58

Laurie

Ein sehr nette Story über einen frischen Witwer, der von seiner Schwester einen Welpen geschenkt bekommt, Laurie. Mit der üblichen guten Menschenkenntnis schildert King, wie der alte Mann, Lloyd, mit seiner Trauer um seine verstorbene Frau umgeht, seinem Alltag und dem Hund. Und den Nachbarn.

Dann folgt eine sehr unerwartete Wendung mit einem realistischen Monster, das ich nicht habe kommen sehen und das war cool. Aber am Ende hatte ich dann doch das "and so what?"-Gefühl. Was ist da passiert? Fehlende Prämisse? (Kann vorkommen ...)

 

Klapperschlangen

Nun kommen wir der Sache schon näher, SEHR VIEL NÄHER. Das ist auch tatsächlich richtig gruselig. Die Story ist lang, ich stecke also noch mittendrin. Was ich sehr zu schätzen weiß: Der Ich-Erzähler ist Vic, der Vater aus Cujo. (Duma Key wird auch erwähnt, aber das Buch habe ich nicht gelesen.)

Vic hütet während der Corona-Pandemie (ich denke, am Anfang, 2020), das Haus eines reichen Freundes. Dessen Nachbarin Allie hat vor mehr als vierzig Jahren ihre Zwillingssöhne an Klapperschlangenbisse verloren. Und fährt die Phantome ihrer Kinder aber noch immer im Kinderwagen spazieren, spricht mit ihnen und schätzt es, wenn auch andere dies tun. Obwohl sie auf einer Ebene auch weiß, dass die Jungs nicht mehr da sind. 

Eine ziemlich gruselige Art der Trauerbewältigung. 

Dann geschehen aber noch andere Dinge und ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht, auch wenn ich da so eine Ahnung habe.

Plus, ich finde es ungemein interessant zu erfahren, was aus Donna und Vic geworden ist, nachdem sie ihren Sohn in Cujo auf so brutale Art und Weise verloren haben. Vielleicht lese ich das Buch nochmal, ist sicher zwanzig Jahre her. Gerade ist bei mir eh Reread-Phase, nur leider habe ich wieder so viel auf dem SuB, dass ich einige Rereads doch auf unbestimmte Zeit verschoben habe.


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#9 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 06 Juni 2024 - 10:19

Klapperschlangen hat mir wirklich gut gefallen, auch wenn der Plot jetzt an sich nichts besonderes war.

 

Gut war auch Die Träume, vor allem wegen der Vietnam-Flashbacks des Ich-Erzählers.

 

Jetzt ist nur noch eine Story übrig.

 

Vermutlich finde ich hier keine Story auf dem Niveau von Travel oder der Überlebenskünstler, aber es ist viel von dem drin, was ich an King sehr mag.


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#10 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 07 Juni 2024 - 08:56

Bin durch, habe eine Rezension gemacht.

 

Ich fand die letzte Story am Besten, aber auch die anderen beiden längeren, Danny Coughlins böser Traum und Klapperschlangen haben mir gut gefallen.


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#11 Christian Hornstein

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Geschrieben 08 Juni 2024 - 12:36

Zwei begnadete Burschen

 

Der Autor lässt sich viel Zeit für die Exposition, mit viel Alltagsgeplänkel und vor allem viel Lokalkolorit. Das wäre eigentlich die Chance, die Figuren sehr plastisch werden zu lassen, doch überraschenderweise bleiben sie für mich trotz des großen Umfangs der Exposition relativ flach.

Spät geht es mit dem Auslösen der Neugier los, doch da ist mir schon klar, was für eine Handlung folgen wird. Es kommt dann auch fast genauso wie ich es erwartet hatte, wirklich fast bis aufs Detail. Die Schilderung der visuellen und haptischen Erfahrung der Beschaffenheit der ersten außerirdischen Entität fand ich gelungen, auch wenn die Natur ihrer Erscheinung selbst nicht neu war.

Ich habe überlegt, ob diese Geschichte für mich vielleicht deshalb so vorhersehbar war, weil sie schon älter ist und viele Elemente bereits in anderen Medien verwendet wurden, aber ich habe nachgeschaut und dieser Text wurde offenbar tatsächlich 2024 in dieser Anthologie erstmals veröffentlicht. Da war der Ideenfluss wohl eher umgekehrt, von den Medien in die Geschichte.

Wie diese Geschichte zum Leitmotiv „Ihr wollt es dunkler“ passen soll, ist mir nicht aufgegangen. Der Schluss legt für mich eine Prämisse nahe, die darauf abhebt, dass ein gewisses Talent unverzichtbar ist, um Exzellenz entwickeln zu können. Für mich wäre das eine Trivialität, da die Hirnforschung belegt hat, dass wir nichts lernen können, wofür unsere neuronalen Netzwerke nicht von Natur aus vorbereitet sind. Für das Thema, wie wir damit umgehen können, wenn uns ein Wunschtraum versagt bleibt, ist eigentlich kaum Raum vorgesehen.

 

Was ich auch schade fand, war, dass der Duktus, in dem der Erzähler spricht, fast der gleiche war, wie derjenige in der Erzählung seines Vaters. Und die zwei Protagonisten in der Erzählung des Vaters unterscheiden sich verbal auch kaum.

Fazit: Das flanierende Erzählen wird gut umgesetzt, aber fast alles, was ich mir von einem phantastischen Text wünschen würde, kommt etwas zu kurz.


Bearbeitet von Christian Hornstein, 08 Juni 2024 - 12:46.


#12 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 08 Juni 2024 - 15:34

Ja, das war nice to have, aber kein Highlight, aus den von dir genannten Gründen

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#13 Christian Hornstein

Christian Hornstein

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Geschrieben 20 Juni 2024 - 12:27

Danny Coughlins böser Traum
 
Diese Geschichte finde ich sehr unterhaltsam und in verschiedener Weise gelungen. Es gibt vieles, das sich auch für Schreibende lohnt mitzunehmen. Texte von Stephen King sind zuweilen reichhaltiger als manche denken (von wegen „ach, das ist doch dieser Horrorkram“). Er ist nicht zufällig Träger einer National Medal of Arts.

Wer darüber Bescheid weiß, wozu die Exekutive in den USA imstande ist, versteht irgendwann durch Andeutungen der Erzählstimme, was Danny blühen könnte. Das erzeugt Spannung. Zuweilen auch viel Spannung. Gut gemacht. Der Weg durch die Eskalation ist versiert gepflastert.

Auch wenn der KBI-Inspektor Jalbert eindeutig zu weit geht, war ich mir lange nicht sicher,

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Ich weiß nicht, ob Stephen King wirklich alle seine Geschichten mit einer Prämisse versehen hat. In dieser Geschichte könnte es natürlich der geäußerte Spruch sein, dass jede gute Tat gesühnt wird. Andererseits wäre dies in dieser Schlichtheit eine recht unbefriedigende Prämisse. Außerdem birgt diese Geschichte ja viel mehr. Sie demonstriert welchen Sinn das Prinzip Im-Zweifel-für-den-Angeklagten hat. Sie ist auch ein Zeugnis dafür, dass es in der Welt keine Gerechtigkeit gibt, außer wir Menschen schaffen welche. Sie erzählt auch von Vorurteilen, sozialer Dynamik und ihre Auswirkungen (ein wiederkehrendes Motiv bei Stephen King). Es geht ebenso um Obsession und Zwanghaftigkeit, bis hin zum Wahn, dessen Fundament, nämlich das unbedingte Festhalten an einer Prämisse (jemand, der eine unglaubwürdige Quelle für sein Wissen angibt – einen Traum – kann nur dann wissen, wo eine Leiche verborgen liegt, wenn er selbst der Mörder ist), und seine Immunisierung gegen Wiederlegungen durch das Erfinden zusätzlicher Annahmen, die jedes Korrektiv neutralisieren, ganz gleich wie unplausibel diese Zusatzannahmen sind. In Zeiten grassierender Verschwörungserzählungen, Fake News und Deep Fakes ein hochaktueller Aspekt.

Stephen King lässt uns in dieser Geschichte auch teilhaben an der Virtuosität seines Spiels mit der Perspektive und mit der Wiedergabe der Rede. Gehen wir mal auf Seite 272, wo die auktoriale Instanz personal wird und unmerklich in Ellas Kopf einsteigt:
Spoiler


Stephen King lässt auch immer wieder seinen Humor mitspielen, ganz nebenbei. Ein gutes Beispiel finden wir auf Seite 320, wenn die Zugangskontrolle im Krankenhaus auf die Schippe genommen wird, wobei die Erzählstimme das Stilmittel der Wiederholung nutzt und ganz gelassen in eine rührende, gut vorbereitete Pointe mündet. So geht dramaturgisch optimierte Darlegung.

Der Name der Hauptfigur ist witzig gewählt. Cough (Husten) klingt nämlich amerikanisch ausgesprochen (englisch erst recht) ähnlich wie cuffs, ein Wort für Handschellen.

@Yvonne
Ich habe mich auch gefragt, ob Du Dich ein wenig gegruselt hast wegen des Namens des Opfers, der ja oft genannt wird. Schließlich heißt die Frau …



#14 Christian Hornstein

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Geschrieben 22 Juni 2024 - 11:35

Verdammt ruhig hier geworden. Bist Du noch da Yvonne?

Gelesen habe ich jetzt noch

 

Finn

 

Hier finden wir eine erst halbwegs realistische, dann zunehmend bizarre No-Exit-Situation vor in der Art eines

Spoiler


Bearbeitet von Christian Hornstein, 22 Juni 2024 - 11:35.


#15 Rezensionsnerdista

Rezensionsnerdista

    Yvonne

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Geschrieben 22 Juni 2024 - 11:55

Ja, es heißen selten Figuren wie ich. Das ist wirklich ungewöhnlich.

Insofern ja, war gruselig!


Kann am Wochenende nicht so viel tippen

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#16 Christian Hornstein

Christian Hornstein

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Geschrieben 08 Juli 2024 - 21:53

Klapperschlangen

 

Eine gruselige Geistergeschichte mit typisch Kingschem Horror, gut erzählt, wobei wir miterleben können wie Bauchschreiber Stephen Gelegenheitsbeobachtungen einwebt und die Handlung koloriert. An manchen Stellen finden wir kleine Stellen von Selbstkannibalisierung (z.B. wieder jemand, der wegen seiner guten Tat unter Mordverdacht gerät, wieder Shininglike Geisterzwillinge) und ein nicht ganz so stimmiges, dafür aber düster nachhallendes Ende.





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