Babel von Kuang hat mich zwiegespalten zurückgelassen. Ich fand, sie hat aus den Figuren und ihrem Magiesystem viel zu wenig gemacht, das Ende war sehr enttäuschend. Ich hatte kurz vorher Gott der Barbaren gelesen und fand daher auch ihren doch sehr britischen Blick auf China nicht ganz so gelungen. Aber ich bin da kein Experte, es war halt nur die Reihenfolge der Lektüre.
Wenn Du in der Richtung etwas Außergewöhnliches lesen möchtest, empfehle ich Dir Die Flüchtigen von Damasio. Hier hat schon die Typographie im Buch eine Bedeutung und beeinflusst die Interpretation einer Szene, von der invasiven Sprachführung ganz abgesehen. Es ist eine sehr gute Social SF, die thematisch und politisch mit Doctorow und Miéville vergleichbar ist, in meinen Augen.
Danke für den Tip, das Buch hole ich mir.
Ich bin in Babel auf S. 300 oder so. Ich finde die Idee wunderbar, um über Kolonialismus und Diskriminierung zu reden, weil da eben in der Geschichte viel Blödsinn gemacht wurde, weil man alles Mögliche für normal hielt. Aber die Geschichte scheint sich nur auf Robin und seine Kumpels zu beziehen, bislang passiert gar nichts weiter. Einen Antagonisten habe ich auch noch nicht gefunden, und ja, dann wurde da viel verschenkt, weil das beinahe sowas wie eine Harry-Potter-Serie hätte werden können. Ist es aber nicht.
Trotzdem, die moderne Sicht auf eine Vergangenheit finde ich ziemlich interessant: Ludditen werden erwähnt, aber man sieht, wie mies ihre Situation war und wie leicht es sich die Silberwerkel in Babel machen, die Nöte der betroffenen, wegrationalisierten Arbeiter zu ignorieren, ja sogar denen die Schuld an ihrer misslichen Lage zu geben. Oder wie mit Frauen umgegangen wird. Oder dass Robin nur Wert hat als jemand, der eine "exotische" Sprache spricht, nicht als Mensch - denn da schon gar nicht, ist ja aus einer unterlegenen Gruppe Halb-Menschen, die ohnehin nicht zivilisiert sein können, quasi.
Ich finde auch die Idee super, Übersetzungsunterschiede zu Magie zu machen, weil RF Kuang dann viel referenzieren kann (alle möglichen alten Quellen). Für vielbelesene Autoren ein guter Trick, und da kommt sie an Umberto Eco ran, finde ich (z.B. in Das Foucaultsche Pendel) oder Harry Mulisch (Die Entdeckung des Himmels). Ich bin drüber gestolpert in diesem Artikel -> https://www.newyorke...f. kuang babelo
Bearbeitet von gregorgross, 08 Januar 2026 - 15:52.