Der Grashalm steht aufrecht und einsam. Seine Kompagnons sind lange vergangen. Ein schwer zu überlebender Mix aus Schwefel und Phosphor, aus Blei und Kadmium hat ihnen den Garaus gemacht. Gekommen mit dem Regen, der täglich herunterprasselt und den Beton auswäscht. Stück für Stück hat der Regen die Furche gegraben, in der das Gras wächst, wo eigentlich kein Gras wachsen soll. Der Grashalm, gen Licht geschossen inmitten seiner Brüder, ist der letzte Überlebende. Der allgegenwärtige Beton lässt nur wenig Licht hier herunter, und er hat die optimale Lage. Selbst die wird nicht dafür sorgen, dass er lange überdauert.
Jetzt glänzt er in der Sonne. Der Morgentau, der ihn benetzt, erstrahlt in allen Farben. 380 bis 780nm werden von der frühen Sonne angeregt und aktivieren die Informationseinheit, die sich in einem der Tropfen befindet. Die optomikroskopischen Schaltkreise erwachen und spulen ihr vorgegebenes Programm ab. Nanotechnik fusioniert zu Mikrosystemtechnik, wächst und gedeiht, absorbiert die zunehmende Energie der Sonnenstrahlen, die in immer besserem Winkel in den Morgentau eindringt. Die Hardware setzt sich zusammen, das Programm entfaltet sich, und nach einer Stunde ist es geschafft: Eine geisterhafte Erscheinen springt förmlich aus dem Grashalm heraus. Es hat humanoide Konturen und während es auf zwei Beinen läuft und sich immer mehr in die Sonne reckt, wächst es unaufhörlich in die Höhe. Als es Menschengröße erreicht hat, endet das Wachstum, dafür verdichtet sich seine Gestalt und ein etwaiger Beobachter erkennt den Runner Hades, der aus dem Untergrund zurück gekehrt ist, um seinen Feldzug gegen den Konzern Hermes fortzusetzen.