Ich hab ein bisschen den Eindruck, dass die Raumfahrtbegeisterung heue etwas anders gelagert ist als "damals" in den 50er und 60er Jahren.
Und dass sich das in ähnlicherweise auch in der heutigen Science Fiction-Literatur widerspiegelt.
Früher herrschte ja, begründet durch die rasanten Fortschritte, die in sehr kurzer Zeit erzielt wurden, eine regelrechte Euphorie und fast schon das Zukunftsversprechen in nur wenigen Jahrzehnten oder zumindest spätestens für die nächste oder übernächste Generation schon Weltraumfahrten im großen Maßstab und die Besiedelung von Kolonien erleben zu können. Ich denke da nur an die Schilderungen in dem Buch "Weltall Erde Mensch", das früher zu jeder Jugendweihe verschenkt wurde und in dem Raumstationen und Fusionsreaktoren auf fremden Planeten abgebildet waren.
Schon zu meiner Jugendweihe in den 1990er Jahren gabs im offiziellen Jugendweihe-Buch dann nur noch Bilder aus dem Heimatmuseum von mittelalterlichen Kochstellen und alten Piratensegelbooten. Vom Weltraum stand da kein Wort mehr.
Die technologischen Fortschritte die nach dem Apollo-Pogramm gemacht wurden sind zwar dennoch enorm, aber nicht mehr so demonstrativ augenfällig. Digitalisierung, Satellitentechnik, Internet. Das ist unglaublich krass, aber eignet sich nicht sooo sehr für Weltraumgeschichten.
Dazu kommt langsam aber sicher die Vermutung, dass mit den interstellaren Reisen ein Zeithorizont von Jahrzehnten nicht ausreicht, sondern es vielleicht einfach gar nicht klappen könnte. Ebenso bei der Besiedelung anderer Himmelskörper. Artemis und davor schon das Constellation-Programm zeigen dieser Ernüchterung sehr eindringlich. Es braucht einfach über 20 Jahre um so ein Mondprogramm heute wieder zu realisieren und dabei kommt mensch wahrscheinlich nicht einmal weiter als schon damals bei Apollo.
Die erst letzten Monat von der NASA komplett gecancelte Mondraumstation Lunar Gateway, die um den Mond kreisen sollte, zeigt das abermals. Es kann heute gut und gerne bis in die 2030er dauern bis wieder ein Mensch den Mond betritt. Und selbst dann, von Stationen, Kernkraftwerken, Behausungen etc. sind wir da noch ewig weit entfernt. Unterm Strich kommt es für den Laien als Betrachter/Betrachterin kaum bis gar nicht "voran".
Das zeigt sich dann meiner Meinung nach auch in der Literatur, heute überwiegen im SF-Genre die Dystopien von Umweltschäden, übergriffigen Computernetzwerken, Weltuntergang und selbst die positiven Geschichten konzentrieren sich maximal auf den Mars. Und selbst wenn ich so Ausnahme-Erfolge wie "The Expanse" betrachte, dann kommt der dystopische Turn in der Geschichte auch schon sehr zur Geltung. Wer will schon ein rechtloser prekärer Minenarbeiter im Asteroidengürtel sein der von Konzernen aus dem inneren Sonnensystem unterdrückt wird?
Ich kann nur hoffen, dass sich vielleicht mit dem aktuellen Wettrennen China vs. USA eventuell auch ein richtiger Aufbruch einstellt, wenn es mal konkreter werden sollte mit dem Projekt Mondlandung. Aber bis dahin ist es noch ein relativ weiter Weg.
Artemis krankt daran, dass es zehnmal umgebaut wurde und es jetzt darauf hinausläuft das der private Konzern SpaceX ein landefähiges Raumschiff bauen soll. Von diesem Raumschiff existiert aber noch nicht einmal ein Prototyp. Das dauert also noch locker 4 oder mehr Jahre.
In China ebenso. Die sind sehr weit mit den robotischen Sonden, aber beim Raumflug von echten Menschen liegt der größte Brocken Arbeit noch vor ihnen.
Dass der Start von Artemis 2 von keinem Sender im deutschen Fernsehen übertragen wurde zeigt diesen Status Quo meiner Meinung nach leider sehr gut.
Bearbeitet von Stephan, 03 April 2026 - 12:56.