Die Geschichte spielt in einer düsteren und überzeichneten Welt mit alternativem Geschichtsverlauf. Im ersten Weltkrieg erringt Deutschland eine Art Patt und besetzt in der Folge dauerhaft Belgien und dessen Kolonie Kongo. In der Sowjetunion setzt sich Trotzki gegen Stalin durch und die deutschen können keine Flugzeuge bauen. Mutmaßlich. Also so zumindest auch meine Erklärung warum niemand die riesigen Schiffe orten kann, die gebaut werden.
Die Handlung spielt während des zweiten Weltkriegs auf einem riesigen Schlachtschiff, das 7 Km lang ist und auf einem 10 Km langen geheimen Trockendock im von Deutschland besetzten Konto gebaut wurde. Auf diesen gigantischen Schlachtschiffen gibt es eigene Eisenbahnen und Bahnhöfe und sogar ein eigenes Brauhaus und Meerwasserentsalzungsanlagen. Insgesamt hat es eine Besatzung von 35.000 Personen und dient unter anderem als Landungsschiff für eine deutsche Invasion der britischen Inseln. Das ist so unvorstellbar enorm, dass das schon ein erhebliches phantastisches Element ist. Die größten Schlachtschiffe im 2. Weltkrieg hatten etwa 3.500 Personen Besatzung (also ein zehntel) und waren ca. 250 Meter lang. Selbst die größeren Flugzeugträger heute kommen auf etwa 300 Meter und "nur" 6.000 Personen Besatzung.
Das ist alles so grotesk überzeichnet, das es mich stark an die Welt von Warhammer 40.000 erinnert, für die Ian Watson Anfang der 90er die ersten Romane geschrieben hatte.
Er vegleicht ihre kilometerlangen Schlachtschiffe dann auch selbst mit "riesigen, waagerecht schwimmende gothischen Kathedralen".
Neben der vordergründigen Handlung eines schwulen Matrosen, während der deutschen Invasion in England geht es sehr viel um Adolf Hitler und Ludwig Wittgenstein. Da ich von beiden irgendwann vor Ewigkeiten mal im Studium was gehört hatte und mir eine größere Verbindung der beiden nicht bekannt ist, habe ich da erst einmal nachgelesen.
Dabei ist mir dann aufgefallen, dass fast alle Hitler- und Wittgenstein-Bezüge in der Kurzgeschichte offenbar den Thesen aus dem Buch "Der Jude aus Linz" entstammen, das der Australier Kimberley Cornish 2002 veröffentlicht hat.
Die in den Buch enthaltenen historischen Thesen werden oft als strittig, spekulativ oder auch unbewiesen bezeichnet. Dieses Buch war wohl so abgedreht, das es häufig in einem sarkastischen Ton besprochen wurde.
Auf goodreads habe ich z.B. eine Bewertung gefunden die lautete:
I don’t think I have ever been so fascinatingly absorbed by a book at its beginning, but hated with a grand passion at its conclusion as with this speculative non-fiction piece of trash.
Jetzt aber wieder zurück zur "Invasion der Uranier" und Ian Watson. Warum hat er so viele direkte Bezüge auf dieses wilde unwissenschaftliche Buch da eingebaut? Ich kann mir nur vorstellen, dass seine Kurzgeschichte eine Persiflage auf den "Der Jude aus Linz" sein soll. Nur so kommt das für mich alles in einen verständlichen Zusammenhang. Da passt das dann auch alles ganz gut in diese vollkommen abgedrehte Welt des Ian Watson. Und so find ich die Geschichte auch ganz gelungen.
Auch wenn ich die vielen homoerotischen Szenen jetzt nicht so ganz zu deuten weiß, aber ist in dem Punkt vielleicht auch nicht mein Humor.