EXODUS Nr. 50.1 und Nr. 50.2 (06/2026)
#91
Geschrieben 09 Juli 2026 - 19:12
Hm, zwar wäre mir persönlich etwa mehr Klarheit lieber gewesen, aber die Story ist doch klasse! Mich inspiriert sie total (vermutlich so, dass später wieder niemand merkt, von welcher Story ich inspiriert worden bin).
Alleine schon die zugrunde liegende Idee weiter zu spinnen. Was will ich mehr?
Um zu entscheiden, ob ich die Story nominiere, muss ich sie allerdings noch mal lesen.
Bisher jedenfalls highlight.
Uwes Einwände mögen zwar alle stimmen, ich bin aber nicht selbst drüber gestolpert.
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#92
Geschrieben 10 Juli 2026 - 07:14
Ja, das ist ja der Knackpunkt: Manche stolpern drüber, andere nicht. Ich bemühe mich freilich die Tage noch, die Godspeed-Story weiterzulesen. Kann ja vielleicht noch gut werden. Ist halt schwer, wenn die ersten anderthalb Seiten kein Interesse wecken und mehr ärgern. Ist voller kleiner Unstimmigkeiten, es sind nicht nur ein oder zwei. Das sind ja sachliche Fehler, die kann man überlesen, aber davon gehen sie nicht weg. Was genau inspiriert Dich denn so an der Story? Oder bin ich noch nicht bis zu der fraglichen Stelle?
Krawall würde übrigens ich nicht sagen. Gerade bei der vorsichtig im Raum schwebenden Sexismus-Frage war ich bewusst zurückhaltend. Auch der Christian wählt im Zweifel effektvolle Formulierungen für seine Kritik, bisschen anderer Tonfall als ich, aber letztlich ist es dasselbe: Differenzierte Kritik unter Nutzung sprachlicher Mittel, um dies oder jenes zu betonen. Ich bemühe mich trotzdem um Sachlichkeit - gebe aber zu: wenn ich mich über was ärgere, dann mag es sein, dass ich das nicht verbergen kann, aber, trotzdem, es ist ja dann nicht ohne Grund, ich erfinde die Unzulänglichkeiten ja nicht. Gerade wenn man selbst Autor und Herausgeber ist und weiß, was das für eine (meist unbezahlte) Arbeit ist, dann bemerkt man so Schludrigkeiten und schwankt dann zwischen "gut, dass mir das nicht passiert ist, wäre aber auch möglich gewesen" und "hätte man da nicht etwas genauer hinschauen können?". Wir haben hier die letzte Ausgabe von Exodus, nach langen Jahren, der Anspruch der Herausgeber steht deutlich im Vorwort, und es wurden bekanntlich einige Geschichten abgelehnt (ja, auch zwei von mir), die also offenbar schlechter eingeschätzt wurden als jene, die jetzt abgedruckt sind. Aus dieser Perspektive betrachtet wundere ich mich dann doch über so einiges. Aber ich bin ja weder bei so Vergleichen weder objektiv noch repräsentativ, mögen gerne andere ihre Perspektiven hinzufügen, so dass wir hier unter dem Strich ausgewogene Betrachtungen erhalten.
Bearbeitet von Uwe Post, 10 Juli 2026 - 09:50.
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#93
Geschrieben 10 Juli 2026 - 09:47
Ride ‘n ‘Mount, yeah! Hat mich richtig gut gehookt und zwar ab dem Moment, wo Parsa die entscheidende Abzweigung nahm. Ab da wurde die Story für mich zum Pageturner. Warum? Zum einen war klar, dass nun ziemlich üble Gefahren drohten. Zum zweiten gab es emotional etwas zu verlieren (Hauptfigur mit Save the Cat und Bindungsstake). Zum dritten waren der Kontext und die Entscheidung plausibel (subjektiver Zugzwang und Anreiz). Alle drei Faktoren wurden durch den Kontext gut vorbereitet. Die Dramaturgie stimmte. Last but not least waren die folgenden Ereignisse zwar nicht innovativ, aber auch nicht sicher vorhersehbar. Am Schluss kamen noch drei nette Wendungen. Well done.
Michael Vogts Illustration hat den Vorzug handwerklich sauber und auf die Story abgestimmt zu sein, auch wenn ich mir mehr graphischen Reiz gewünscht hätte.
#94
Geschrieben 10 Juli 2026 - 11:23
Ich finde das meistens sympathisch, weil authentisch, es kann aber eben auch die in Hose geben. Du weißt ja, wir Autory sind empfindlich, die meisten jedenfalls.
Ich fühle mich stark inspiriert von Marias weltenbau Idee :
Wenn ich als Kind schon die Erinnerungen an frühere Leben wieder bekomme (und sei es nur die letzten zwei oder drei... Wobei, wenn ich das ein weilchen machd, müsste dann nicht sogar das letzte reichen, das hat dann Erinnerungen an Erinnerungen), dann birgt das sooo viele Möglichkeiten, zwischenmenschliche Konflikte unterzubringen.
Beispielsweise nehme ich eine komplexe Beziehung, meinetwegen eine romantische. Er geht davon aus, sie setzten ihre Beziehung im nächsten Leben fort. Sie will das aber nicht und sucht ihn nicht auf, verbirgt sich vor ihm. Er hat ja keine Chance sie jemals zu finden, die leben sind nicht offen Gelegt.
Oder beide wollen es zwar, befinden sich aber nicht in dazu passenden Körpern (falsches gender, entspricht nicht dem Geschmack, größer Altersunterschied).
Diese Idee birgt so viel Potenzial, dass man daraus womöglich eine interessante Themen Anthologie machen könnte.
Maria schreibt für meinen Geschmack ein wenig zu verschlüsselt, das ist mir einfacher Seele meistens zu anstrengend (allerdings ist es sehr modern, viele Storys in der clarkesworld sind genauso).
Ich brauche also oft lange, um sie zu entschlüsseln. Wobei, kommt drauf an, sagen wir mal, es besteht eine 50:50 Chance, dass ich gleich im Bilde bin oder eher ratlos.
Die nova story musste ich mir erklären lassen.
Hier komme ich noch selbst dahinter, muss aber ein zweites Mal lesen, weil Schnupfen und war abends usw.
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#95
Geschrieben 10 Juli 2026 - 11:30
Siehst du, und ich komme auf den ersten Seiten gar nicht dahinter, sondern ärgere mich über unnötige Fehlerchen. Und wäre die Geschichte nicht besser ohne diese Fehler? Sie wären ja (spätestens im Lektorat) vermeidbar gewesen, und die Beseitigung hätte dem Text sicher nicht geschadet. Also ist es nicht die bestmögliche Geschichte, was doch schade ist.
Wenn man verschlüsselt schreibt, darf man sich natürlich nicht wundern, wenn nicht alle kapieren, was man will. Gibt ja so ungeschriebene Regeln wie: Je früher du den Lesern klar machst, worum es geht, umso besser kannst du sie fesseln. Hier wacht erstmal nur ein Typ in blumiger Sprache aus einer Art Kryoschlaf auf. Ehrlich gesagt würde mich das nichtmal ohne die Fehler sonderlich fesseln, es ist inhaltlich nicht besonders reizvoll. Man hätte auch einen anderen Einstieg wählen können, will ich damit sagen. Einen, der mehr Interesse weckt. Direkt in der Handlung beginnen, und diese Schlafkapsel ist doch letztlich gar nicht von so großer Bedeutung, oder?
Habe übrigens gerade Teil 1 von Michaels Geschichte durch, macht Spaß, aber ich muss erst noch den Rest lesen, bevor ich mich dazu äußern kann.
Und was das Ärgern angeht: Wenn ich es richtig verstanden habe, darf man heutzutage zu all seinen Gefühlen stehen, keines ist falsch, und es sich zu verbieten, ist ungesund ![]()
Wenn ich jemanden unangemessen angegriffen haben, bitte gerne sagen, dann bitte ich um Entschuldigung. Auch das ist selbstverständlich.
So, nun muss ich weiter lesen! ![]()
Bearbeitet von Uwe Post, 10 Juli 2026 - 11:39.
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#96
Geschrieben 10 Juli 2026 - 12:31
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#97
Geschrieben 10 Juli 2026 - 17:57
1 Match gefunden von Maria Orlovskaya fängt gut den Chatfluss ein, um den es hier geht, und hat ein gutes Händchen für Detailstil / Realitätseffekte und Show don’t tell, auch wenn ich finde, dass nicht alles immer rund ist. Nach der Wendung im Glitchformat und dem daraus entstehenden Konflikt kommt eine Auflösung, die ich sinnbildlich interpretiere, als Pointe auf die menschliche Natur und/oder als Tec-Kritik à la Black Mirror. Ich glaube, mehr Einblick in die Psyche der Protagonistin hätte der Glaubwürdigkeit ihrer plötzlichen Anwandlung gut getan.
Detlef Klevers Illustration wirkt wie eine Montage von Stock-Bildern, auf denen eine junge Frau mit aufgetragenen Fugenlinien im Gesicht (wie bei Androiden) abgelichtet ist, denn warum sollte sie für eine SF-Geschichte wie 1 Match eine völlig veraltete Tastatur auf dem Schoß tragen, die auch noch verkabelt und nicht per Funk angeschlossen ist, und dessen Kabel obendrein unmotiviert im Boden verschwindet?
Bearbeitet von Christian Hornstein, 10 Juli 2026 - 21:15.
#98
Geschrieben 10 Juli 2026 - 19:25
Du bist wirklich ein lieber und toleranter Mensch, und das meine ich als Kompliment. Ich habe mal gelernt, dass ein Text, der an die Öffentlichkeit geht, so weit wie möglich auf Fehler abgeklopft sein soll. Ich weiß aus trüber Erfahrung, wie schwer das ist, und deshalb nehme ich gelegentliche Fehler nicht übel. Aber in dieser Kurzgeschichte sind auch die handlungsrelevanten Teile inkonsistent. Wenn ich das ausführe, würde ich allerdings massiv spoilern.
Würde mich auch interessieren, da ich die Story inzwischen gelesen habe.
Spoiler Tags?
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#99
Geschrieben 10 Juli 2026 - 19:29
Da bin ich recht nah an Christians Meinung. Mich haben die Dialoge gestört, ich konnte nur nicht so recht den finger drauf legen. Irgendwie nicht authentisch genug.
Die Handlung leuchtete mir nicht so recht ein. Ja, ich meine zu verstehen worauf der autor hinaus wollte, ich war aber etwas enttäuscht von der Auflösung, warum sie auf random nichts Essen müssen.
Die Analogie zur Klima Krise ist nice, scheint aber nicht die Prämisse der Story zu sein.
Die Hauptfigur wird hat plötzlich Persönlichkeit, aber ich habe den Weg dorthin irgendwie verpasst.
Irgendwie hoffe ich wohl immer noch, dass Dieter noch mal so einen genialen Schluss hinlegt wie bei "nur ein Werbespot". Ist aber auch nicht okay, immer an der ersten Idee gemessen zu werden.
Immerhin kann ich sagen, dass die Story für mich viele gute Momente hatte und ich vermutlich lieber noch einen guten Abschluss von Arturo und Bandana gesehen hätte, statt nur noch Vandana und Stan und ollie.
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#100
Geschrieben 10 Juli 2026 - 19:36
Uwe bekommt schon man den Preis für den besten ersten Absatz. Zack, bin sofort invested. So macht man das! Und tolle Anspielung auf den bestseller mit dem hundertjaehrigem, der aus dem Fenster kletterte und verschwand.
Rasch wird klar, das ist eine Fortsetzung von der end of life schaltung, diesmal aus Sicht des robotors. Und der plot ist quasi wie in dem berühmten französischen Kinderbuch "la vie devant soi", in dem ein kleiner Junge so tut, als sei seine Pflegemutter noch am Leben, damit er nicht ins Heim kommt (ja ich weiß, vermutlich nicht berühmt genug, aber das Buch hat vor 30 Jahren eine Menge Preise gewonnen).
Ich finde die Ausgangs Situation massiv spannend!
Die Geschichte bleibt auch durchgehend interessant und sehr lesenswert... Irgendwie fehlt mir aber das gewisse Etwas. However, definitiv ein Highlight (neben Maria) und sicherlich werdet ihr darin keine Fehler finden (habe inzwischen auch Thomas ' Rezension zu Marias Story gelesen)
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#101
Geschrieben 10 Juli 2026 - 20:33
Na klar gibt es bereits zeitreise Geschichten und Paradoxon dazu, aber mehr davon halte ich jetzt nicht für schädlich - so lange es unterhaltsam ist.
Und alleine schon dad Persiflieren heutiger sogenannter ki, die am Ende ihrer Antwort immer wieder eine Frage stellen, als würden sie sich ewig unterhalten wollen und wir Kevin damit umgeht (Nein, du depp) plus die zeitgenössische Popkultur (obwohl ich greys anatomie nie gesehen habe), machen einfach Spaß!
(das Ende hingegen passt mir nicht und zwar nicht, weil ich ein happy end will, sondern weil ich mich mich als Leserin nicht ernst genommen fühle)
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#102
Geschrieben 10 Juli 2026 - 20:37
Das ist doch eher aus der Zeit gefallen.
Aber ja, Lisa kommt nicht gut weg, Kevin aber auch nicht...
Ich sehe schon, Michaels Story muss ich noch lesen (Teil 1),denn ich will nur Teil 2 morgen mit in den Urlaub nehmen
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#103
Geschrieben 11 Juli 2026 - 07:46
Massiv unterhaltsam, irgendwie retro und trotzdem Modern.
Viel Humor! Alleine schon der Witz mit dem letzten Loch.
Bin gespannt wie es weiter geht.
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#104
Geschrieben 11 Juli 2026 - 11:02
sondern eher der Satz "sie behandelte ihn, als wäre er behindert".
Richtig, danke, den hatte ich vergessen zu erwähnen, war mir auch aufgefallen. Es passt aber ins Bild eines thematisch und eben auch in dieser Hinsicht etwas altmodischen Textes.
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#105
Geschrieben 11 Juli 2026 - 13:35
Michael Marrak - Die Maschine, ...
Ich weiß nicht, ob Exodus je eine Novelle veröffentlicht hat (ich würde diesen Text jedenfalls als eine solche einordnen), aber na ja, einmal ist immer das erste Mal, und sei es in der letzten Ausgabe.
Michael nimmt uns mit zu den Ursprüngen seiner Kanon-Welten, was auch die Nachbemerkungen dankenswerterweise erhellen. Das ist natürlich alles mit Augenzwinkern geschrieben, zumal die fragliche Maschine nur dann ernsthaft als "Problemlöserin" durchgeht, wenn man zig nebenbei verursachte neue Probleme geflissentlich ignoriert... Letztlich ist die Maschine dumm und fast allmächtig - eine für viele Mit-Figuren eher unangenehme Kombination, wie sich bald erweist. Fatal ist, dass die Maschine selbst über ihre Unfähigkeit durchaus Bescheid weiß (sie sagt ja immer, sie müsse noch viel lernen), was sie aber von folgenreichen Maßnahmen nicht abhält. Da diese Maßnahmen üblichen Naturgesetzen massiv widersprechen, und zudem die Maschine nichtmal merklich Energie kosten, kann man nur von Gottgleichzeit sprechen. Am Schluss bewahrheitet sich das mit einer unübersehbaren Garten-Eden-Referenz (mir war bisher gar nicht so klar, dass das Kanon-Universum in dieser Hinsicht unserem so ähnlich ist und womöglich über den gleichen Gott und das gleiche Alte Testament verfügt, aber das ist jetzt nicht so wichtig).
Für mich persönlich ist eine Figur mit gottgleicher Macht, die zudem kaum menschenähnlich ist, nicht als Identifikationsfigur geeignet, so dass ich das Geschehen leider eher unbeteiligt, jedoch definitiv amüsiert und ungelangweilt verfolgt habe. Zumal unermessliche Macht oft zu unvorhersehbaren, beliebig wirkenden Wendungen führt, die sich nicht besonders plausibel anfühlen. Das hindert auch ein bisschen am Mitfiebern, ganz anders in den Kanon-Geschichten um Ninive und ihre liebenswerten beseelten Maschinen.
Aber einerlei: Ich habe die Erzählung mit ihren schrägen Charakteren und witzigen Details sehr gerne gelesen. Hier und da tauchen Hommagen auf, beispielsweise die an sich irrelevante Nebenfigur, die unmittelbar vor ihrer Auslöschung DIE rettende Idee hatte: Das war im "Anhalter" auch so, bloß kam dann leider die Vogonen-Bauflotte dazwischen. Ärgerlich!
Ob es sich bei der Idee darum drehte, sich Bau und Entwicklung allmächtiger Maschinen vielleicht besser zu verkneifen, lasse ich mal dahingestellt ;-)
Ähnlichkeiten zwischen erfundenen Problemlösungsmaschinen und real existierenden KIs sind sicher auch rein zufällig ...
Gern gelesen (und auch gern die natürlich optimal passenden) Illustrationen angeschaut. Ein Highlight. Auch wenn ich persönlich es lieber woanders gelesen hätte, weil's in Exodus nunmal in etwa den Platz von 3-4 "normalen" Geschichten einnimmt. Aber das ist wieder nur mein persönliches, subjektives Empfinden, das gerne ignoriert werden kann.
PS: An einer Stelle steht "Fauna", obwohl offenbar "Flora" gemeint ist. Nur als Korrekturhinweis für eine eventuelle Zweitverwendung.
Bearbeitet von Uwe Post, 11 Juli 2026 - 14:04.
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#106
Geschrieben 11 Juli 2026 - 16:51
Claire Larsen - California
Hier kann ich's mal total kurz machen: Souverän-elegant geschrieben und knackig-dystopisch inszeniert, aber die Geschichte könnte rein inhaltlich genauso in irgendeiner Großstadt der Gegenwart oder Vergangenheit spielen: Überraschungsfreier Standard-Plot in Neonverpackung.
Die Illustration wirkt zusammengesetzt aus einem nicht mehr zeitgemäßen 3D-Modell und einem in irgendeinem Computerspiel gefundenen Hintergrundgrafik.
Warum ich bei der Geschichte auf die Idee gekommen bin, man könnte mal eine Ausschreibung starten "Cyberpunk ohne das Wort Neon", weiß der Himmel...
Bearbeitet von Uwe Post, 11 Juli 2026 - 16:52.
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#107
Geschrieben 11 Juli 2026 - 17:45
Karsten Kruschel - Schrödinger ist halbtot, flüsterte die Katze
Ich weiß nicht ... finde ich die Geschichte jetzt halb gut oder halb schlecht? Jedenfalls schön launig geschrieben, das kann der Karsten. Aber letztlich werden ungewöhnliche Ereignisse aneinandergereiht, sonst passiert eigentlich nichts (nur die beiden Frauen unterhalten sich schön pointiert), und der Schluss ist dann halt ebenso wider die Naturgesetze wie die ganzen Geschehnisse in den kleinen Sonden. Lesson learned: Lieber nicht mit Wurmlöchern spielen! Nicht mehr oder nicht weniger, ich bin nicht ganz sicher.
Illustration: Schön bunte, ganz witzige, handwerklich ordentliche Collage. Passt.
Volker Dornemann - Being smart
Puh, schwierig. Ja, das Thema ist wichtig. Ja, irgendwie kann man es sich vorstellen. Aber ... dann ist es doch alles zu erwartbar. Selbst Sankt Elon, abwesender Herrscher des Mars. Was stilistisch flapsig gedacht ist, ist mir dann doch etwas zu generisch. Ist schon komisch. Eigentlich müsste mir die Geschichte gefallen, inhaltlich trifft sie genau das, worüber ich auch gerne schimpfe. Ich weiß nicht, ich weiß nicht ...
Die Illustration ist auch handwerklich völlig okay, trifft aber nicht den halb ironischen Tonfall der Geschichte. Muss ja auch nicht.
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#108
Geschrieben 11 Juli 2026 - 18:20
Auch dir herzlichen Dank für die konstruktive Kritik, lieber Uwe! :-) Wie wir an anderer Stelle bereits sagten, wissen wir nicht nur um die "Austauschbarkeit" des Settings, sondern sie war beabsichtigt. Wir verweisen da auf unseren Vorstellungsbeitrag, in dem wir ein bisschen was zum Ansatz unserer (allgemeinen) Arbeitsweise sagen. Der Fokus bei CALIFORNIA lag nie auf dem Plot, sondern auf der Auseinandersetzung mit dem Thema "Entscheidungen vs. Lethargie" und (zugegeben) dem Stil.Claire Larsen - California
Hier kann ich's mal total kurz machen: Souverän-elegant geschrieben und knackig-dystopisch inszeniert, aber die Geschichte könnte rein inhaltlich genauso in irgendeiner Großstadt der Gegenwart oder Vergangenheit spielen: Überraschungsfreier Standard-Plot in Neonverpackung.
Die Illustration wirkt zusammengesetzt aus einem nicht mehr zeitgemäßen 3D-Modell und einem in irgendeinem Computerspiel gefundenen Hintergrundgrafik.
Warum ich bei der Geschichte auf die Idee gekommen bin, man könnte mal eine Ausschreibung starten "Cyberpunk ohne das Wort Neon", weiß der Himmel...
Warum dir ausgerechnet bei CALIFORNIA eine Cyberpunk-Ausschreibung ohne ausformuliertes "Neon" einfällt, wissen wir jetzt auch nicht genau, denn das Wort kommt zweimal in der Geschichte vor. Das ist nicht gerade ein inflationärer Gebrauch. Aber es gibt eine lustige Parallele: Wir haben vor dem Start an den Arbeiten am auf CALIFORNIA basierenden Roman die klare Regel aufgestellt, dass zwei Wörter nicht vorkommen: Chrom und Neon. Weil ausgelutscht, weil zu simpel, weil stilistisch keine Herausforderung. Lediglich bei "Neon" machen wir genau einmal eine Ausnahme, und die Ausnahme ist sehr bewusst gewählt. Bei CALIFORNIA sind die beiden "Neons" dennoch das Einzige, was wir rückblickend tatsächlich trotz der ein oder anderen kontroversen Entscheidung ändern würden. Geht aber nicht, deswegen nehmen wir es als mahnendes Beispiel. :-D
Bearbeitet von ClaireLarsen, 11 Juli 2026 - 18:39.
#109
Geschrieben 11 Juli 2026 - 19:40
Teil 2 hat seine drastischen Momente (massiv drastisch, wenn diese aber auch bewusst so formuliert sind, dass sie nicht ans Herz, wohl aber ans Hirn gehen), trotzdem gibt es noch eine Menge Humor und interessanter Gedanken.
Obwohl ja eigentlich die Maschine diese drastischen Dinge tut, sind es die Menschen (also vor allem der zweite Vater), über den ich den Kopf schüttele. Denn die Verantwortung liegt doch bei denen, die die Maschine erschaffen haben oder die, die sie bedienen (sehr aktuelles Thema...).
Dass es einfacher ist, Dinge zu zerstören als sie zu erschaffen oder zu reparieren, ist auch seh eindrucksvoll geschildert.
Vom Gefühl her ist das natürlich keine lange Kurzgeschichte. Vielleicht nicht mal eine novelle, auch dafür gibt es recht viele twists.
Wo sonst wenn nicht hier, dank der doppel Ausgabe gibt es ja Platz für so ein größeren Projekt und so lesen mehr Personen als nur ausgemachte Marrak-Fans die Story. Ich persönlich kenne mich mit dem Kanon so gut wie gar nicht aus und hätte sonst vielleicht nicht gelesen. Aber wenn sie in der Exodus ist, ist der Weg dorthin für mich leicht.
Die nachbemerkungen sind auch klasse, tolle Einordnung der Entstehungsgeschichte und schade, dass so eine Zusammenarbeit zwischen Michael Marrak und Andreas Eschbach und vor allem it Theresa Hannig nie zustande kam
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#110
Geschrieben 12 Juli 2026 - 07:46
Warum ich bei der Geschichte auf die Idee gekommen bin, man könnte mal eine Ausschreibung starten "Cyberpunk ohne das Wort Neon", weiß der Himmel...
#111
Geschrieben 12 Juli 2026 - 08:11
Der letzte Vertrag von Jacqueline Montemurri trägt den Untertitel Philosophische Hard-SF-Erzählung. Das hebt meine Erwartung ungemein. Und in der Tat hat sich da jemand viele Gedanken gemacht zum Thema Sprache. Der Text ist schön souverän ausformuliert. Schwierig wird es für mich bei der Dramaturgie, aber es ist wirklich auch schwer, die Auslegungsarbeit an staubtrockenen Vertragstexten saftig zu dramatisieren. Es beginnt dennoch mit einer narrativ verpassten Chance ganz zu Beginn, als sich der Held, wie es sich normativerweise gehört, zunächst ziert, sich dann aber doch ins Abenteuer stürzt. Das emotionale Moment, warum er dies dann doch (relativ schnell) tut, hätte für mich etwas mehr herausgearbeitet werden können, zumal es mit einem traumatischen Hintergrund (die bekannt-berüchtigte Heldenwunde) zusammenhängt. Davon hätte der ganze Rest der Dramaturgie zehren können. Es kommen zwar später noch Referenzen auf dieses Motiv, aber hauchdünn. Die Rettungsidee finde ich gut, nur ein wenig zu direkt, denn der Rettungsanker war inhaltlich zu erwarten. Die Wendung am Schluss ruft leider den Deus Ex auf den Plan, aber so richtig, und auch noch in doppelter Hinsicht. Dabei ist auch da die Idee gar nicht so schlecht mit Rückbezug zum Thema Sprache, aber sie wird viel zu wenig vorbereitet und kaum ausgefaltet.
Alexander Preuss Illustration finde ich stimmungsvoll und schön anzusehen, auch wenn sie nur marginal mit der Story korrespondiert.
#112
Geschrieben 12 Juli 2026 - 08:17
Ach ja, Die Ausgesetzten II von Michael Marrak hatte ich ja auch zwischendurch gelesen, dieser Perspektivenwechsel,
keine neue Idee und auch nicht ganz anders im Ergebnis, aber gut formuliert.
#114
Geschrieben 12 Juli 2026 - 12:08
Wenn Kinder spielen von Karsten Lorenz startet mit einem Textnachrichten-Dialog, wie er im narrativen Medium zur Mode geworden ist. Da wird sinniert, Elektronen seien zwar existent, aber nur als pure Mathematik, weil sie keine Ausdehnung hätten, nach dem Motto: Was keinen Platz wegnimmt, gibt’s nur in meinem Kopf, als Vorstellung. Damit tut man den armen kleinen Dingern aber großes Unrecht. Im Gegensatz zu den Tachyonen, die komplett hypothetisch problematische Implikationen für das Standard-Modell mitbringen und ein Kunstgriff sind, haben wir Elektronen etliche Male nachgewiesen und sie erklären gängige Physik. Und nur weil unsere Berührungsempfindung durch Elektromagnetismus und nicht durch Kollision von Elektronen entsteht, heißt es nicht, dass sie mathematische Geister sind. Da haben wir unsere Eichbosonen, im vorliegenden Fall Photonen, die als Austauschteilchen Grundkräfte vermitteln. Ach nee, die haben ja auch keine Ausdehnung.
Diese Darlegungen und die folgende längere Exposition, in der Diego seine Entdeckung zum Besten gibt, schenken uns nicht einmal Hinweise darauf, wie denn nun das Elektronen-Bashing und die daraus entwickelte Technik zusammenhängen. Das ändert sich auch im weiteren Verlauf der Geschichte nicht. Indes werden die Anwendungen der ominösen Technik immer fantastischer. Bei so wenig Plausibilisierung hätte man den als Erklärbär verkleideten Quasselkasper besser nicht bemüht.
Worüber ich ebenfalls gestolpert bin, ist der oft kursorische Erzählstil, beim dem sogar wiederholt in einem Satz eine ganze Entwicklung abgehakt wird. Auch die vorhersehbare Komplikation ist etwas unglücklich. Zum einen wird sie ursächlich denkbar simpel eingeführt (ein schlichter Hack), zum anderen, kaum hat man Schlimmes im Gefolge geahnt, wird sie auch schon wieder entschärft als eine Art Segen der Menschheit. Mal abgesehen vom gewichtigen rechtlichen Hindernis und den Auswirkungen für die Umwelt, die nur angetippt werden, sind die Folgen für die Dramaturgie desaströs. Die Lösung für manches Problem am Schluss wie aus fantastischer Gottes (Diegos) Hand mag da nicht unbedingt befriedigen.
David Staeges Illustration ist handwerklich sauber, deutet Storyelemente an und hat einen gewissen Ausdruck, aber auch sie konnte sich die generischen Fluten an Einsen und Nullen nicht verkneifen. Liebe Illustrierende, lasst doch mal diese total ausgelutschten Versatzstücke, die man bis zum Erbrechen in fast jeder Gebrauchsgraphik aus dem IT-Bereich gesehen hat, einfach raus.
Bearbeitet von Christian Hornstein, 12 Juli 2026 - 12:09.
#115
Geschrieben 12 Juli 2026 - 12:25
Wow - bei den Analysen hier würde ich mir nicht mehr trauen, eine Geschichte einzureichen!
Vielen Dank für Dein Lob.
Ich hoffe nicht, dass irgendjemand aus Furcht vor Kritik am eigenen Text nichts mehr einreicht. Wo kämen wir da hin?
Ich versuche fair und fundiert Kritik anzubringen, weil ich der Überzeugung bin, dass reines Lob zwar kurzfristig gut tut, mittelfristig aber engagierten Schreibenden keinen guten Dienst erweist. Den Lesesenden übrigens auch nicht. Vage, wenig konkrete, nicht in gesichertem handwerklichem Wissen gegründete Kritik ist für Schreibende nicht hilfreich. Was ich auch nicht gut finde, sind unnötig abwertende Äußerungen. Falls jemand meint, dass ich an irgendeiner Stelle Quatsch erzähle und dies gut begründen kann, fände ich es super, wenn ich es erführe, am besten öffentlich, so dass alle etwas davon haben. Wir lernen ja durch konstruktiven Austausch dazu.
Bearbeitet von Christian Hornstein, 12 Juli 2026 - 12:25.
#116
Geschrieben 12 Juli 2026 - 12:49
Wow - bei den Analysen hier würde ich mir nicht mehr trauen, eine Geschichte einzureichen!
Stephen King hat mal gesagt, eine Geschichte sei im besten Fall ein Gespräch zwischen Autor und Leser. Was kann es also Besseres geben, als ein Austausch auf Augenhöhe über die Stories? Solange es respektvoll bleibt, gehören da auch kritische Stimmen zu, weil nur so etwas für die Zukunft wachsen kann. Alles andere ist nur das Rufen in die Echokammer.
#117
Geschrieben 12 Juli 2026 - 12:50
Wow - bei den Analysen hier würde ich mir nicht mehr trauen, eine Geschichte einzureichen!
Trick 17,such dir hier aus der Runde Testlesende. Habe ich auch schon gemacht
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#118
Geschrieben 12 Juli 2026 - 12:56
Vielen Dank für Dein Lob.![]()
Ich hoffe nicht, dass irgendjemand aus Furcht vor Kritik am eigenen Text nichts mehr einreicht. Wo kämen wir da hin?
Ich versuche fair und fundiert Kritik anzubringen, weil ich der Überzeugung bin, dass reines Lob zwar kurzfristig gut tut, mittelfristig aber engagierten Schreibenden keinen guten Dienst erweist. Den Lesesenden übrigens auch nicht. Vage, wenig konkrete, nicht in gesichertem handwerklichem Wissen gegründete Kritik ist für Schreibende nicht hilfreich. Was ich auch nicht gut finde, sind unnötig abwertende Äußerungen. Falls jemand meint, dass ich an irgendeiner Stelle Quatsch erzähle und dies gut begründen kann, fände ich es super, wenn ich es erführe, am besten öffentlich, so dass alle etwas davon haben. Wir lernen ja durch konstruktiven Austausch dazu.
Ja, finde ich auch
Christian hat mal eine Story von mir auseinander genommen, die einen fundamentalen Fehler enthielt und deren Prämisse zu unscharf war. Da hätte ich mich auch am liebsten vergraben.
Hilft ja nichts, daraus lernen wir und letztendlich ist es ja nur eine Geschichte und nicht das echte Leben.
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#119
Geschrieben 12 Juli 2026 - 13:53
Vielen Dank für Dein Lob.![]()
Ich hoffe nicht, dass irgendjemand aus Furcht vor Kritik am eigenen Text nichts mehr einreicht. Wo kämen wir da hin?
Ich versuche fair und fundiert Kritik anzubringen, weil ich der Überzeugung bin, dass reines Lob zwar kurzfristig gut tut, mittelfristig aber engagierten Schreibenden keinen guten Dienst erweist. Den Lesesenden übrigens auch nicht. Vage, wenig konkrete, nicht in gesichertem handwerklichem Wissen gegründete Kritik ist für Schreibende nicht hilfreich. Was ich auch nicht gut finde, sind unnötig abwertende Äußerungen. Falls jemand meint, dass ich an irgendeiner Stelle Quatsch erzähle und dies gut begründen kann, fände ich es super, wenn ich es erführe, am besten öffentlich, so dass alle etwas davon haben. Wir lernen ja durch konstruktiven Austausch dazu.
Das war absolut anerkennend gemeint!
Ich finde konstruktive Kritik absolut wichtig, wie sollen wir uns sonst weiter entwickeln. Ich bin ja u. a. im Bildungsbereich tätig und erlebe dort die Tendenz, alles zu loben und Defizite nicht anzusprechen bzw. so getarnt zu verstecken, dass es die Betreffenden nicht wahrnehmen. Dasselbe in Social Media. Das ist meiner Meinung nach auch eine Ursache für die (ebenfalls meiner Meinung nach) Zunahme des Dunning-Kruger-Effekts. Von daher freue ich mich immer über Hinweise zu Dingen, für die man selber blind ist.
P. S. Ich hatte das Glück, an meinem ersten großen Projekt mit John Berlyne zusammen zu arbeiten, es war ein Buch zu Tim Powers, das ich illustrieren durfte. Und John war gnadenlos, als ausgebildeter Schauspieler (der auch schon mit den Leuten von Monty Python zusammen gespielt hatte) wusste er alles. Gnade mir Gott, wenn ich aus Faulheit einer Person im viktorianischen England, die irgendwo hinten als hunderste Person im Bild auftauchte, keinen Hut gemalt hatte. Das gab einen ellenlangen Vortrag zu Kleidungsregeln in dieser Zeit. Wir haben manchmal tagelang nicht miteinander gesprochen, aber ich habe so unendlich viel gelernt.
Insofern ist das hier wirklich eine super Fundgrube für Schreibendem aber mit dem Wegfall von Exodus und Hirnkost wird es nicht einfacher werden...
Bearbeitet von Gray, 12 Juli 2026 - 13:55.
Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert
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#120
Geschrieben 12 Juli 2026 - 14:37
@ClaireLarsen: Ich habe eure Geschichte unabhängig von dem Posting hier gelesen. Eine besondere Rolle für den Aspekt "Entscheidungen" ist mir nicht aufgefallen - die kommen ja in recht vielen Geschichten vor und haben oft große Bedeutung, sonst wären sie auch ziemlich unnütz ![]()
Dass ihr dann doch nicht auf das Wort "Neon" verzichtet habt, bestätigt ja meinen fiesen Gedanken, dass es ohne anscheinend nicht geht. Mehr noch: Heute wird Neonlicht ja kaum noch genutzt, LEDs sind viel billiger und sparen Energie. Neon ist also eher eine Wiedererkennungs-Zutat aus der Zeit, in der Cyberpunk erfunden wurde - und, wie ich manchmal gemeinerweise behaupte, sich kaum weiterentwickelt hat (JA, ich weiß, dass das so nicht stimmt). Letztlich ist nichts dagegen einzuwenden, und Cyberpunk-Fans feiern ein Fest!
Michael Marrak - Die Ausgesetzten II
Perspektivwechsel. Ja, Christian schrieb es. Viel mehr fällt mir zu dem Text gar nicht ein. Ich persönlich ziehe leider Texte mit Handlung und Figuren vor.
Eine Anmerkung noch, weil ich drüber stolperte: Es wird ein gewisser Gott erwähnt, aber ich denke, dass auch Milliarden Hindus und Chinesen (u.a.), die beide nunmal nicht an einen solchen glauben, die "Ausgesetzten" mit Daten fluten. Ich unterstelle, dass der Christengott gemeint ist, was den Ausgesetzten eine rein westlich-christliche Perspektive aufzwingt, die mir ein bisschen einseitig erscheint.
Ralph Würschinger - Ride 'n' Mount
Erfrischend: Ungewöhnlicher Handlungsort, (weitgehend) vorstellbare, erwartbare, gemeine Zukunftstechnologie, persönliches Schicksal, alles zuende gedacht und konsequent verknüpft. Filmreif und blitzsauber aufgeschrieben. Gelungen!
Die Illustration setzt eine Szene als Comic um, auch gelungen, und zum Glück nicht spoilernd eine Seite zu früh abgedruckt ![]()
Maria Orlovskaya - 1 Match gefunden
Tja, wer kennt das nicht, Dating-Apps voller Fake-Profile (heutzutage eben auch KI-Fakes), die Geld kosten, sobald es interessant wird. (Zum Glück gibt es auch andere, z.B. jene, über die ich m1 Match gefunden habe
) Bis zu der Stelle "Diese Ficker" ist die Geschichte sehr ordentlich geschriebene Nicht-SF, und man möchte der Hauptfigur zurufen, vielleicht mal unter echte Menschen zu gehen. Die Nachricht von SYNA ist dann nichts anderes als das Eingeständnis, dass man durchaus üblicherweise mit KI-Bots verbunden wird (würde ich aber eher bei männlichen Kunden erwarten, einfach weil die meist massiv in der Überzahl sind), und wenn die Heldin damit an die Presse oder zur Polizei gehen würde, könnte SYNA den Laden dicht machen wegen Betrug. Anders ausgedrückt: Entweder sie behalten sich das im Kleingedruckten vor (dann tja ätsch) oder sie hätten das niemals zugegeben. Aber das nur nebenbei. Dass sie sich dann lieber selbst datet, sagt dann mehr über die Figur als über die App. Traurig! Dass sie dann gemeinsam mit ihrer KI über einen Mann lästert und ihn als Loser bezeichnet, nur weil er sich vor Nervosität an der Cola verschluckt ... na ja. Ich denke, das passiert, wenn man kein ernsthaftes Interesse hat und schon jemanden hat. Fragt sich nur, wieso dann überhaupt das Date. Weil dem ersten dann doch was fehlt? Ein ... Körper zum Beispiel?
Also ... schon eine nette Idee und gern gelesen, aber Spaß macht die Geschichte nicht. Soll sie aber vermutlich auch nicht.
Die Illustration strahlt vor allem beim Gesichtsausdruck und der Dunkelheit ebenjene Einsamkeit aus, in der sich die Protagonistin verfangen hat. Passt!
Herausgeber Future Fiction Magazine (deutsche Ausgabe) ||| Aktuelles Buch: KI - KOMISCHE INTELLIGENZ (mit Uwe Hermann) ||| edition-übermorgen.de ||| uwepost.de ||| deutsche-science-fiction.de
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Felix



