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EXODUS Nr. 50.1 und Nr. 50.2 (06/2026)


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225 Antworten in diesem Thema

#151 Uwe Post

Uwe Post

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Geschrieben 14 Juli 2026 - 16:38

Dieter Korger - Willkommen auf Random!

Mit dieser Geschichte hatte ich massive Verständnisprobleme. Ist ja auch klar, denn die Sache mit den Portalen, die am Anfang diskutiert wird, bei der "Ankunft" des Besuchers, wird ja auch erst auf Seite 80 erklärt. Typischer Fall von absichtlich vorenthaltenen Informationen, um künstlich Spannung aufzubauen. Wäre der Besucher die Hauptfigur, würde das deutlich besser funktionieren als bei den beiden Einheimischen (für seine Gefühle angesichts des Geschehens würde ich mich auch mehr interessieren). Leider überzeugt mich weder die Handlung noch der Schreibstil. Der Besucher wird eingesperrt, dann sind da Mönche, nein, Cherubim, und als Erklärung für den Unterschied folgt dann ... keine. Sondern die Erklärung der bisherigen Fragezeichen. Ab dieser Stelle hat mich die Geschichte leider verloren, ich habe nur noch quer gelesen. Es wird viel geredet, diskutiert, aber wieso, weshalb, warum mich das interessieren soll - und wieso dann lieber ein Sternenhimmel-Spaziergang gemacht wird, statt die Handlung weiterzutreiben. Wieso Stan und Ollie (lustige Namen für die Bord-KIs übrigens, freut mich, dass die beiden Herren so lange überdauern, aber dass sie sich dann hinterher so verhalten wie die beiden Filmfiguren, finde ich dann doch eher albern) dann in der Lage sein sollen, dem ganzen Planeten den Strom abzustellen,  weiß ich nicht; der Schluss erklärt dann auch nichts, irgendeinen doppelten Boden habe ich nicht gefunden, vielleicht irgendwas mit Religion, wenn man nach der letzten Zieleingabe geht, aber letztlich ist es eine Reise in den Tod, was jetzt auch nicht soo viel Sinn ergibt, aber vielleicht ist das ja das Konzept: Random.

 

Die comichafte Illustration trifft die Stimmung des fremden Planeten sehr schön, finde ich.


Bearbeitet von Uwe Post, 15 Juli 2026 - 08:43.

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#152 Uwe Post

Uwe Post

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Geschrieben 15 Juli 2026 - 09:01

Karsten Lorenz - Wenn Kinder spielen

Ungefähr ab der Stelle im vorangestellten Chat, wo der Professor sagt, ein Elektron sei punktförmig, ist klar, dass der ganze Text sich nicht für Naturgesetze interessiert (Stichwort Unschärferelation). Dass sich dann durch eine Art unentdeckten Glitch in den Naturgesetzen beliebige Dinge ohne nennenswerten Aufwand kopieren lassen, ist natürlich aus dem gleichen Grund physikalisch Unsinn. Dass dieser kostenlose Effekt dann natürlich für allen möglichen Quatsch benutzt wird - an erster Stelle Selbstbereicherung - ist so naheliegend, dass ich dafür ehrlich gesagt keine Geschichte brauche. Wieso die Handlung in Spanien spielt, verstehe ich auch nicht. Sind Spanier besonders gedankenlos in der Nutzung magiegleicher Technik? Wie auch immer - leider wird das Konzept nicht konsequent zu Ende gedacht, denn natürlich ist der Effekt auch eine Einladung an Attentäter (die einfach Gewehrkugeln ins Herz ihres Opfers kopieren können), Terroristen (Wasser in Stauseen kopieren und ganze Landstriche überschwemmen oder Erpresser (Kameras in Umkleidekabinen oder fremden Schlafzimmern kopieren). Dass der Autor dann noch eine Erläuterung an den Schluss setzen muss, ist ebenso eine unnütze "Kopie" wie der zweite Mond. Danke, haben wir auch so verstanden: Selbst erwachsene Menschen sind wie spielende Kinder. Auch schon gemerkt? ;-) Meine persönliche Einschätzung ist, dass kostenlose, allmächtige Magie nie ein gutes Handlungselement ist.

 

Die Illustration gefällt mir, da sie auch etwas verspielt ist.


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#153 Rezensionsnerdista

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    Yvonne

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Geschrieben 15 Juli 2026 - 13:13

Jacqueline Montemurri - Der letzte Vertrag
Vor dieser Geschichte würde ich den Hut ziehen, wenn ich einen hätte. Sie ist soureverän geschrieben, originell, spitzfindig (im positiven Sinn) und selbst im Nebengeschehen gut durchdacht (ich liebe den Sektenführer Haramaldin). Wie Worte Realität formen und speziell die Werbung versucht, genau das zu tun ... So!
Ich musste mich oft genug mit juristischen Texten auseinandersetzen, um den tiefsinnigen Humor erfassen zu können, zum Beispiel der Feigenblatt-Hinweis. Einzig den Schluss habe ich entweder nicht verstanden oder er widerstrebt meiner Vorliebe für Happy Endings. Möglich, dass ich etwas übersehe, und dass der Schluss tatsächlich folgerichtig ist. Ich denke nochmal drüber nach.
Die Illustration ist handwerklich und stilistisch von jener Professionalität, die wir von Alexander Preuss kennen.
Auf jeden Fall eines der Highlights der Ausgabe und schon auf meiner persönlichen KLP-Vorschlagsliste.


Zumindest hat die Autorin mit dem Schluss zwei Bälle aufgefangen, die sie anfangs vorbereitet hat, schon sehr angenehm professionell und souverän.
Ich kam mit dem Schluss also auch sehr gut klar.
Stimmt, tolle Geschichte, sehr originell!

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#154 Uwe Post

Uwe Post

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Geschrieben 15 Juli 2026 - 17:05

Ja, hat sie, vor allem dieses Feigenblatt-Dings. Allerdings hieß es ursprünglich sinngemäß, es könne sein, dass man unvollständig übertragen wird (zitiert aus dem Kopf, sorry). Was aber geschieht, ist das Gegenteil: Alles bis auf die Brille verschwindet. Ist natürlich bisschen dramatischer, und auch okay  :happy:


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#155 Christian Hornstein

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Geschrieben 16 Juli 2026 - 09:54

Eigentlich wollte ich auch nur meinen Respekt dir gegenüber damit ausdrücken, lieber Christian.

 
Vielen Dank!  :closedeyes: 



#156 Christian Hornstein

Christian Hornstein

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Geschrieben 16 Juli 2026 - 10:15

Ich habe mal zusammen getragen, wie die Texte und die dazu gehörigen Illustrationen der Jubiläumsbände auf mich gewirkt und was ich meine festgestellt zu haben.

Mein Fazit zu den Texten
gelungen:

  • Alle Texte sind grundsätzlich gut lesbar
  • 3 Mal stilistische Attraktivität durch Humor, Wortneuschöpfungen, Bildsprache
  • 1 Mal richtig gut gelungener Spannungsbogen

weniger gelungen:

  • 6 Mal fehlte mir die Originalität
  • 6 Mal schwächelnde Spannung durch zu starke Vorhersehbarkeit, schwache Motive und/oder unattraktive Unterbrechungen der Handlung
  • 6 Mal mangelnde Plausibilität sei es bzgl. der innerweltlichen Logik, fehlender Zusammenhänge und/oder der wissenschaftlichen Basis
  • 6 Mal schwache Hauptfiguren
  • 5 Mal zu lange Exposition
  • 2 Mal wurden prominente Handlungselemente nicht aufgelöst
  • 2 Mal Deus Ex Machina
  • 2 Mal schwaches Schöpfen aus dem SF-Genre (Geschichte hätte auch ohne SF funktioniert)
  • 2 Mal zu viel erzählen statt zu zeigen
  • 2 Mal schwache Metaphern / Bilder durch mangelnde Konsistenz oder Originalität
  • 1 Mal Ablenkung von Hauptfigur/Haupthandlung durch Perspektiveneffekte


Mein Fazit zu den Illustrationen
gelungen:

  • Alle Graphiken sind handwerklich überwiegend oder vollständig solide
  • Alle Graphiken sind grundsätzlich ansehnlich

weniger gelungen:

  • 5 Mal mangelnde Originalität durch generische Motive und/oder Symbolik
  • 4 Mal schwache Orchestrierung von Bildelementen
  • 3 Mal fehlte mir die Passung zum Text
  • 3 Mal fehlte mir die Ausdrucksstärke / das dramaturgische Moment
  • 1 Mal unzureichende Farbanpassungen

Was mir auffällt ist, dass ich häufig die Originalität vermisst habe, sowohl bei den Texten als auch bei den Illustrationen. Bei den Texten fehlte es mir ebenfalls oft an Spannung, was zum Teil auch an der Zeichnung der Hauptfiguren samt ihrer Motive lag, und an der Plausibilität. All das habe ich auch schon bei früheren deutschen SF-Kurzgeschichten gemeint zu bemerken. Interessant ist dabei, dass dies auch Texte von Autoren betraf, die durch ihre Romane bewiesen haben, dass sie es auch ganz anders können. Ich schließe daraus, dass wir deutschen SF-Schaffende im Bereich der Kurzprosa nachlässig sind. Das sollten wir nicht sein. Warum tun wir das? Heben wir uns die richtig guten Ideen und Mühen für unsere Romane auf, weil sie letztlich in Deutschland die einzig gültige Währung sind? Ich stelle das mal zur Diskussion.



#157 Rezensionsnerdista

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    Yvonne

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Geschrieben 16 Juli 2026 - 10:26

Christian, deine Analysen suchen echt seinesgleichen. Ich bin sehr froh, dass du auf dieses forum gestoßen bist

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#158 Christian Hornstein

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Geschrieben 16 Juli 2026 - 10:43

Christian, deine Analysen suchen echt seinesgleichen. Ich bin sehr froh, dass du auf dieses forum gestoßen bist

 
Vielen Dank!  :closedeyes: 

Jetzt würde mich aber auch Deine Meinung zu der von mir aufgeworfenen Frage interessieren. Gerade Du kennst Dich ja mit Kurzgeschichten und unserer Szene aus wie nur wenige es tun.



#159 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 16 Juli 2026 - 10:52

Ich vertage dad etwas, da ich noch bis Montag fern des Laptops bin (und auch zu wenige deutschsprachige sf Romane gelesen habe seit 2023 und daher erst nachdenken muss).
(am Handy tippen ist nervig und baut zu viele Tippfehler und eine sehr eigenartige groß und klein Schreibung ein)

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#160 Uwe Post

Uwe Post

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Geschrieben 16 Juli 2026 - 11:26

Christian, könntest Du Deine Liste durch Aufzählen der jeweils gemeinten Texte konkretisieren, da es interessant wäre, das abzugleichen?

 

Der grundsätzliche Mangel an überzeugenden Darbietungen im Hinblick auf Originalität, Figuren, Spannungsaufbau oder auch Plausibilität ist ja wirklich nichts Neues. Gründe wurden vielfach diskutiert, oft genannt wird die These, dass man mit Kurzgeschichten kein Geld verdienen kann und deshalb die professionellen, erfahrenen Autoren keine schreiben. Bleiben ein paar Idealisten, von denen die besten das Handwerk eben seit Jahrzehnten kennen und bestenfalls mal für eine Veröffentlichung in der c't monetäre Anerkennung erhalten, ansonsten aber anderen, lohnenswerteren Tätigkeiten nachgehen (ich zum Beispiel). Und eben einige, die gehobene Qualität anscheinend leider nicht immer erreichen. Ich fürchte, weder diese Überlegungen noch die sich in schöner Regelmäßigkeit wiederholenden Beobachtungen geben zu großer Hoffnung Anlass. Letztlich führen die Herausgeber eine Auswahl durch anhand ihrer eigenen Maßstäbe. Die Aussage, dass man vor lauter Spitzenbeiträge eine Doppelausgabe bringen musste, klingt angesichts vieler Beurteilungen etwas seltsam. Ob meine beiden abgelehnten Geschichten bessere Kritiken erhalten hätten, werden wir nie erfahren.

 

Uwe Hermann - Die Wirklichkeit der anderen

Eine tolle Prämisse, die vielleicht nicht ganz neu ist, aber aus der ein Uwe Hermann immer eine lesenswerte Geschichte macht. Anfangs fühlen wir uns wie in einem Game-Level, das auch Tür-Attrappen enthält, die nur als Ausschmückung vorhanden sind. Kennt man unter anderem aus GTA. Dass eine an sich frei erkundbare Welt solche Sackgassen enthält, wundert keinen Gamer, aber als echte Figur steht man nachvollziehbar etwas verzweifelt da. Leichter Widerspruch ist für mich die versteckte Tür zum Treppenhaus. Wenn auf alles andere aus Effizienzgründen verzichtet wurde, ist die Frage, warum so etwas existiert, und dann auch noch schlecht versteckt. Ein Glitch? Vielleicht. Denn natürlich ist die Firmen-KI nicht unfehlbar. Merken wir auch daran, dass sie den Grund für die Dysfunktion des roten Knopfs kennt - aber statt den Mitarbeitenden die passende Info sauber zu kommunizieren, unterbleibt dies, so dass sich die Menschen logischerweise auf Ursachenforschung begeben. Unvernünftig  vielleicht von der KI - aber ansonsten hätte die Geschichte ja auch nicht funktioniert ;-)

Die Auflösung ist natürlich cool, funktioniert für mich aber nur so halb, denn wieso sollten künstliche Arbeiter einen Wunsch nach Freiheit einprogrammiert bekommen, vor allem dann, wenn sie die nie bekommen können. Das ist ein Widerspruch in sich - aber nun ja, weder Menschen sind perfekt noch die von Menschen geschaffenen KIs, insofern ist eben auch Vera nicht fehlerfrei, was sie fast sympathisch machen würde, wenn sie keine Metapher für einen ausbeuterischen Arbeitgeber wäre. Übrigens: Dass die KI ausgerechnet Vera heißt, also "die Wahre", ist sicher einer dieser versteckten Gags von Uwe. Ich seh förmlich sein Grinsen, als er sich das überlegt hat...

 

Ganz tolle Illustration, super stimmungsvoll aufgrund des monochromen Stils. Eine der besten in beiden Bänden, finde ich.

 

 

Andreas Eschbach - Wichtige Anmerkung für Benutzer der Wirklichkeit

Christian, ist das einer der Beiträge mit zu langer Exposition? ;-)  Die ersten anderthalb Seiten erklären einmal komplett virtuelle Realität, als hätten durchschnittliche Exodus-Leser keine Ahnung, was das ist. Es gibt keine direkte Handlung, böswillig könnte man es als großen Infodump bezeichnen. Zum Glück schafft Eschbach es, mit professionellem Schreibstil nicht zu langweilig werden zu lassen. Die Schlusspointe ist denn auch ordentlich angebracht - allerdings schon seit der ersten Zeile erwartbar. Also eine runde Geschichte, aber inhaltlich eine, die man so oder ähnlich schon zigmal gelesen hat.

 

Die Illustration ist eine ordentlich gemachte, schön bunte Collage, die auf mich keine besondere Wirkung hat.

 

Damit bin ich mit den Geschichten glaube ich durch. Eine Abschlusswertung kann ich nicht schreiben, ohne mich noch unbeliebter zu machen als ich bin und mäßige Laune zu bekommen, daher verzichte ich.


Bearbeitet von Uwe Post, 16 Juli 2026 - 11:48.

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#161 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 16 Juli 2026 - 11:42

Uwe, deine beiden Texte erscheinen dann doch sicher woanders?

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#162 Uwe Post

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Geschrieben 16 Juli 2026 - 11:50

Derzeit liegen sie in der Schublade. Mich proaktiv bei Ausschreibungen zu bewerben, dazu fehlt mir ehrlich gesagt die Energie; zu Anthos explizit eingeladen wurde ich schon länger nicht mehr (letzte war Caprice, wo ich dankend abgelehnt habe), und ob die Texte reinpassen würden, ist ja noch eine ganz andere Frage. Außerdem kann es sein, dass sie wirklich nicht gut sind :blush:  Vielleicht mache ich irgendwann mal wieder eine Kurzgeschichtensammlung. Aber da die sich nahe Null verkaufen, hat das auch keine hohe Prio.


Bearbeitet von Uwe Post, 16 Juli 2026 - 13:08.

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#163 Gray

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Geschrieben 16 Juli 2026 - 13:56

Das klingt so traurig wie es ist. Ich lese immer noch gern die Jeschke-Anthologien und finde es interessant, wie stark die Stories jeweils den Zeitgeist spiegeln - die guten wie die schlechten. Zu kämpfen hatten die Stories aber wohl schon immer. Jetzt auch noch Exodus weg... Da ich das nicht so genau verfolgt habe, aber es mich interessiert: Hat es eigentlich mal einen (deutschsprachigen) Versuch gegeben, ein Online-Portal für Stories zu erstellen? Ich weiß, es kostet, es erfordert wahnsinnig Arbeit und die Anzahl der Lesenden wird nicht höher. Aber ich habe so etwas im fremdsprachigen Raum erlebt, die haben es ganz gut aufgesetzt, man konnte unterschiedliche Bezahlmodelle wählen, Spenden waren möglich. Trotzdem war es nach weniger als einem Jahr weg. Aber vielleicht habt ihr ja ein besseres Beispiel?


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#164 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 16 Juli 2026 - 14:03

Mir kommt es so vor, als hätten wir diese Diskussion schon vor zwei Monaten gehabt, mit dem Ergebnis, dass außer Uwe und mir niemand bereit war, Zeit in einen Podcast zu stecken, um Kurzgeschichten zu fördern.

Machen wir doch lieber das, was wir hier gerade machen :ausführliche Lesezirkel mit viel Feedback und Austausch (zeitgleich passiert ähnliches mit den dsfp nominierten Kurzgeschichten).

Ich bin überzeugt davor, dass es genügend Möglichkeiten gibt, Kurzgeschichten unterzubringen, nur sie werden meistens zu selten gelesen und erst recht nicht rezensiert.

Wenn du Exodus weg ist, was lesen wir dann?

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#165 Gray

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Geschrieben 16 Juli 2026 - 14:10

Sorry, war wirklich nur eine Infoabfrage - nicht als Anregung gemeint. Ich war neugierig, weil ich dem sehr unregelmäßig folge und es wirklich nicht wusste. Auf dem Elstercon gibt es da unter den Fans immer sehr viele Diskussionen und ich wollte mal wissen, wie so der Stand ist. Danke


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#166 Uwe Post

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Geschrieben 16 Juli 2026 - 14:23

Wir haben das mal auf deutsche-science-fiction.de gemacht, unter "Kurzgeschichten" kann man (wenn man weit runter scrollt) noch einige finden.

Mal abgesehen von dem Aufwand für die Herausgeber:

Du bekommst als Autorx seltenst Feedback und ob Leser bereit wären, dafür zu zahlen (so viel, dass man ein relevantes Honorar zahlen könnte) wage ich zu bezweifeln. Und heutzutage hast Du etwa 50% Bots auf den Webseiten und weißt nichtmal, wer die Geschichten überhaupt liest oder ob sie nur angeklickt und wieder weggeklickt werden. Letztlich ist dergleichen für alle Beteiligten unbefriedigend, insbesondere in Zeiten, wo das gute alte Internet den Abflug macht. Man ist nur in den social media Apps unterwegs oder quatscht mit LLMs oder googelt und bekommt dort KI-generierte Dummy-Seiten präsentiert. 

Daher auch die Idee mit dem Podcast. Aber auch da gilt: Finde mal Leute, die sich (dauerhaft) die Arbeit machen.

Hinzu kommt: Die Qualität der Einsendungen ist oft eher so mittel, meiner Erfahrung nach. Ein Henne-Ei-Problem: Erst brauchst du eine gute Veröffentlichugnsplattform, bevor die Profis bereit sind, was dafür zu produzieren, aber bis dahin ist die Plattform schon wieder tot. Aber wir schweifen ab, ich verweise mal lieber auf diverse Fäden in der Autorenwerkstatt zu diesem Thema und schwenke dann das böse Schild, um zurück zum Thema EXODUS zu kommen:

:offtopic:


Bearbeitet von Uwe Post, 16 Juli 2026 - 14:27.

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#167 Gray

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Geschrieben 16 Juli 2026 - 14:41

Wir haben das mal auf deutsche-science-fiction.de gemacht, unter "Kurzgeschichten" kann man (wenn man weit runter scrollt) noch einige finden.

Mal abgesehen von dem Aufwand für die Herausgeber:

Du bekommst als Autorx seltenst Feedback und ob Leser bereit wären, dafür zu zahlen (so viel, dass man ein relevantes Honorar zahlen könnte) wage ich zu bezweifeln. Und heutzutage hast Du etwa 50% Bots auf den Webseiten und weißt nichtmal, wer die Geschichten überhaupt liest oder ob sie nur angeklickt und wieder weggeklickt werden. Letztlich ist dergleichen für alle Beteiligten unbefriedigend, insbesondere in Zeiten, wo das gute alte Internet den Abflug macht. Man ist nur in den social media Apps unterwegs oder quatscht mit LLMs oder googelt und bekommt dort KI-generierte Dummy-Seiten präsentiert. 

Daher auch die Idee mit dem Podcast. Aber auch da gilt: Finde mal Leute, die sich (dauerhaft) die Arbeit machen.

Hinzu kommt: Die Qualität der Einsendungen ist oft eher so mittel, meiner Erfahrung nach. Ein Henne-Ei-Problem: Erst brauchst du eine gute Veröffentlichugnsplattform, bevor die Profis bereit sind, was dafür zu produzieren, aber bis dahin ist die Plattform schon wieder tot. Aber wir schweifen ab, ich verweise mal lieber auf diverse Fäden in der Autorenwerkstatt zu diesem Thema und schwenke dann das böse Schild, um zurück zum Thema EXODUS zu kommen:

:offtopic:

Sorry (und danke)


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#168 Uwe Hermann

Uwe Hermann

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Geschrieben 16 Juli 2026 - 15:09

 

Übrigens: Dass die KI ausgerechnet Vera heißt, also "die Wahre", ist sicher einer dieser versteckten Gags von Uwe. Ich seh förmlich sein Grinsen, als er sich das überlegt hat...

 

Gut geraten. :-)



#169 Uwe Post

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Geschrieben 16 Juli 2026 - 16:22

Ich kenn Dich doch  :bighlaugh:


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#170 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 16 Juli 2026 - 20:20

Uwe Hermann : Die Wirklichkeit der anderen
Macht Spaß (und ist in der Tat nicht ganz neu, wie Uwe schrieb), hat aber Mindestens einen sehr spannenden Moment (das ist mehr als man von den meisten behaupten kann).
Mir persönlich ist seine andere Story Lieber, da deutlich origineller, aber gern gelesen habe ich diese hier auch.

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#171 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 16 Juli 2026 - 20:23

Karsten Lorenz, wenn Kinder spielen

Zugegebn, beim Lesen habe ich gedanklich mein Lego kopiert.
However, als kopfkino ist mir diese Thematik nicht ganz neu und so richtig was neues ist dem Autor dazu nicht eingefallen.
Positiv zu bemerken ist für mich, dass immerhin die Charaktere alle eine eigene Agenda haben, auch Philippa, wodurch sie angenehm viel Gesicht erhielten. Sogar Vergangenheit! Also, erzählen kann er, fehlt nur noch die gute Story.

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#172 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 16 Juli 2026 - 20:27

Ich habe jetzt auch Christians Rezensionen zu den beiden Storys hervor gewühlt und merke, ich bin gar nicht mehr the strengste Rezensionsnerd in town!

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#173 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 16 Juli 2026 - 21:34

Ich bin nicht so begeistert von Eschbachs Text, aus ähnlichen Gründen wie Christian und Uwe.
Ja, alles ganz nice geschrieben, aber eigentlich keine Story (nur exposition und erklärbaer). Die Pointe nervt mich etwas und ich fühle mich erneut nicht ernst genommen.

Muss vielleicht nicht so viel dazu sagen.



However, spontanes und Fazit, genauer dann nächste Woche :
Orlovskaya, Hermann, Montemurri und Marrak solide bis sehr gut.
Mal hier mal da auch andere lesenswerte Momente.
Insgesamt jetzt nicht so geil.

Und es gibt gute Kurzgeschichten! Das zeigt die shortlist des dsfp, die wir im anderen lesezirkel lesen. Klar, auch da gibt's Kritik stellenweise, insgesamt sind die Geschichten aber sehr klasse.
Chris Grimm sagte dad glaube ich mal: es gibt gute Kurzgeschichten, nur sind sie überall verteilt, nicht an einem Ort. Insofern war es ggf auch naiv von mir zu glauben, ich könnte davon gleich einen Riesen Haufen in der letzten Exodus finden.

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#174 Uwe Post

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Geschrieben 17 Juli 2026 - 07:42

Der Knackpunkt ist, dass die Herausgeber das aber behaupten. Vielleicht müssen sie das, man muss ja vom eigenen Tun überzeugt sein. Gegen eine bunte Mischung ist ja auch nichts einzuwenden. Aber wir haben hier vielen Texten das Fehlen wichtiger Erzählelemente bescheinigen müssen: Schwache Figuren, fehlende Spannung, keine neuen Ideen. Das ist alles recht objektiv feststellbar. Das ist ja kein bloß irgendwie gefühltes Geschmacks-Dilemma oder Besserwisser-Gemecker.

Klar gibt es auch gute Geschichten. Aber eben nicht sehr viele pro Jahr, und sie müssen mühevoll aus der Gesamtmenge der Veröffentlichungen herausgesucht werden, zumindest bis dann die Nominierungslisten erscheinen  :happy:

 

Ich hatte von der Abschlussausgabe mehr erhofft. Kein Feuerwerk, meine Vorstellungen sind ja nicht unrealistisch. Aber etwas mehr Besonderes, vielleicht sogar mit irgendwie romantischem Bezug zum Ende von EXODUS oder der SF selbst (hab ich nur in einer Geschichte klar festgestellt). Schade.


Bearbeitet von Uwe Post, 17 Juli 2026 - 08:05.

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#175 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 17 Juli 2026 - 08:04

Ja, vermutlich war es einfach unsere Erwartungshaltung.
Wäre es eine reguläre Ausgabe, die Mischung ist ja recht normal. Wobei normalerweise schon bei einer Ausgabe (nicht doppel) zwei bis drei nominierungswuerdige Geschichten dabei sind.

Früher habe ich selbst mehr gelesen und Perlen gesucht, heute bin ich sehr zufrieden, wenn das andere machen

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#176 Christian Hornstein

Christian Hornstein

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Geschrieben 17 Juli 2026 - 13:45

Christian, könntest Du Deine Liste durch Aufzählen der jeweils gemeinten Texte konkretisieren, da es interessant wäre, das abzugleichen?

 

Hätte ich dieses Anliegen nur vorausgeahnt! Ich bin für die Aufzählung neulich nochmal alle Geschichten durchgegangen und möchte das ehrlich gesagt nicht erneut tun. In meinen Kommentaren könnt Ihr vielleicht auch sehen, wo ich welches Merkmal gesehen habe. Es überschneidet sich deutlich mit Euren Einschätzungen.

 

Uwe, Du bist in diesem Thread öfter recht konkret und ausführlich geworden, was mir viel Freude bereitet hat. Ich denke, es stimmt, wenn Du schreibst, dass das nicht nur ganz individuelle Eindrücke sind. Wir Schreibende sind zwar ein spezielles Grüppchen, aber wenn ich frühere Lesungen Revue passieren lasse und meine Argumente nochmals prüfe, glaube ich, dass hier ein echter Effekt der Interaktion von Text und Zielgruppencharakteristik vorliegt. Auch Sams Anmerkungen deuten bisher in diese Richtung.

 

Mit anderen Worten: Die Originalität und die dramaturgische Qualität deutscher SF-Kurzgeschichten sind, bezogen auf die Bedürfnisse der Zielgruppe, oft zu gering, und, beim Vergleich derselben Autori, weniger ausgefeilt als bei deren Romanen. Falls Ihr Vermutungen habt, woran das liegen könnte, würde mich das brennend interessieren.

 

Ich nehme daraus jedenfalls mit, dass wenn wir wollen, dass sich Menschen aus der Zielgruppe mehr für Kurzgeschichten interessieren, dann müssen wir zuallererst deren Anreizwert erhöhen. Wenn dieser Anreiz hoch genug würde, dass man annehmen könnte, dass auch größere Medien sich dafür interessieren, könnte man sie dort bekannt machen und dann käme vielleicht ein Marketingschneeball ins Rollen, der Aufmerksamkeit generiert. In den USA werden ganze Filme auf Basis von SF-Kurzgeschichten gedreht. Diese Geschichten sind aber auch entsprechend reizvoll.

 

Was ich auch mitnehme ist, dass wenn ich demnächst eine SF-Kurzgeschichte schreibe und/oder anbiete, ich nochmal extra prüfen werde, ob ich meine eigenen Ansprüche erfülle. Dabei werde ich meine eigenen Checks durchführen und auch meine lieben Probeleseri entsprechend noch mehr sensibilisieren und ausfragen.  ;) 

 

Ich finde SF-Kurzgeschichten wichtig, weil sie schon immer die Gelegenheit boten, niedrigschwellig gute Unterhaltung zu bieten und neue Impulse zu setzen. Und es gibt richtig gute Ideen, die nicht für einen Roman taugen, aber für eine Kurzgeschichte. Das sollte genutzt werden.
 



#177 Uwe Post

Uwe Post

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Geschrieben 17 Juli 2026 - 17:00

 

 

Die Originalität und die dramaturgische Qualität deutscher SF-Kurzgeschichten sind, bezogen auf die Bedürfnisse der Zielgruppe, oft zu gering, und, beim Vergleich derselben Autori, weniger ausgefeilt als bei deren Romanen. Falls Ihr Vermutungen habt, woran das liegen könnte, würde mich das brennend interessieren.

 

Mein erster Antwortansatz wäre ganz banal, dass KG und Romane sehr unterschiedliche Literaturgattungen sind. Wer das eine gut schreiben kann, ist in der anderen Disziplin nicht automatisch gleich gut. Es gibt Romanautoren, die sich dessen sehr bewusst sind und sich dementsprechend mit KG zurückhalten. Prominente Beispiele sind Andreas Brandhorst und Brandon Q. Morris, die sich beide sinngemäß entsprechend geäußert haben (ich weiß nicht ob öffentlich, mir gegenüber jedenfalls, insofern gelte diese Aussage als inoffiziell und auf keine Goldwaage gelegt bitte danke). Umgekehrt wird fast jede Kurzgeschichte, die ich der c't schicke, dort für ein paar hundert Euro abgedruckt - aber meine Romankäufer der letzten paar Jahre passen in dieses Zimmerchen und selbst wenn mir alle einen Euro geben, ergibt das weniger Kohle als das Honorar für eine einzige c't-Story.

 

Die Unterschiede fangen ja schon bei der Themenauswahl an - manches eignet sich besser für KG, anderes besser für Romane und umgekehrt - und auch die Zielgruppe ist nicht dieselbe. Weder durchschnittliche Leser von Eschbach-Bestsellern noch solche von HardSF-Selfpublishern verirren sich allzu häufig in ein EXODUS-Exemplar. Und dann gibt es auch noch unterschiedliche Maßstäbe und Kriterien bei Herausgebern der verschiedenen Magazine, die seltsamerweise aber ganz offensichtlich oft von jenen der Rezensenten in diesem Lesezirkel abweichen.

 

tl;dr: Die Sache ist kompliziert aber nicht sehr überraschend.


Bearbeitet von Uwe Post, 17 Juli 2026 - 17:29.

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#178 Christian Hornstein

Christian Hornstein

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Geschrieben 18 Juli 2026 - 14:23

Ja, Uwe, ohne Zweifel unterscheiden sich Kurzgeschichten und Romane in vielerlei Hinsicht, zum Teil sogar erheblich, und auch ich gehe davon aus, dass jemand, der versiert ist im Schreiben des einen noch lange nicht geübt ist im Erstellen des anderen. Das könnte in der Tat eine Ursache sein. Was mich jedoch stutzig gemacht hat ist, dass die Kurzgeschichten ausgerechnet in Hinsicht Originalität und Spannung schwächeln, denn diese beiden Aspekte sind beim Roman ebenso wichtig und folgen ähnlichen Mechanismen, auch wenn im Roman mehr Raum ist für Exposition und anderes. Wenn jemand Originalität und Spannung im Roman beachtet und umsetzen kann, müsste er es eigentlich auch in der Kurzgeschichte tun können, es sei denn, er will es nicht aus irgendeinem Grund und/oder er beachtet zu wenig den geringeren Raum, passt sozusagen zu wenig an, und entfaltet zum Beispiel zu viel Exposition. Umgekehrt gilt dies natürlich eingeschränkt, weil der Aufwand, um Originalität und Spannung im Roman umzusetzen, viel höher ist als für die Kurzgeschichte. Im Roman braucht man multiple Spannungsbögen, die ineinander greifen und aufeinander abgestimmt sind. Das ist eine Heidenarbeit, die sich jemand, der gerne und gut Kurzgeschichten erstellt, nicht unbedingt zumuten möchte, davon abgesehen, dass es auch komplexer ist.

Ja, die Zielgruppen für Romane und Kurzgeschichten sind definitiv verschieden. Es ist z.B. bekannt, dass Roman-Lesende oft die größere Immersion schätzen und/oder eingehendere Bindungen an Figuren und ausführliche Entwicklungen derselben suchen. Dies ist z.B. auch ein Grund, der zur Erfolgsgeschichte von Serien geführt hat. Jedoch sind auch Liebhaber mehrgängiger Menüs dem kleinen Snack zwischendurch nicht abgeneigt, wenn er besondere Köstlichkeit verspricht. Ich gehe auch davon aus, dass die aktuelle Reichweite deutscher SF-Kurzgeschichten nur einen kleinen Prozentsatz derjenigen umfasst, die sich für SF interessieren und der Kurzprosa zugeneigt wären, weil sie nicht die Zeit für einen Roman aufwenden wollen.

Kurzprosa ist niederschwellig und das ist ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal im schriftlichen Medium, dem bekanntlich durch Kurzmedien auf allen Kanälen das Aufmerksamkeitswasser abgegraben wird. Das Alleinstellungsmerkmal der Kurzprosa sollte viel besser genutzt werden.

Die Maßstäbe und Kriterien der Herausgeber des Exodus sind, glaube ich, nicht unbedingt ganz andere als unsere. Sie werden ebenfalls Originalität und Spannung zu schätzen wissen, nur spielen andere Faktoren, andere Textmerkmale auch eine Rolle. Und nicht zuletzt handelt es sich bei den letzten Bänden um Jubiläumsbände, weswegen ganz persönliche Anliegen nochmal anders Vorrang bekamen. Zum Beispiel wissen wir, dass es René wichtig war, von Michael etwas längeres auf zu nehmen. Vielleicht aus Wertschätzung seiner Person als alten Freund und eine Bevorzugung seiner Werke, die unzweifelhaft eine ganz eigene, markante Handschrift besitzen. Das wäre, finde ich, vollkommen verständlich. Dass Deine zwei Werke nicht angenommen wurden, bedeutet nicht, dass die Redaktion sie nicht originell und spannend fand oder ihr diese Aspekte egal waren. Die Begeisterung für Marias Werke könnte mit der speziellen Atmosphäre verbunden sein, die ihr Stil zuweilen schafft, auch wenn er mir persönlich stellenweise zu unscharf und inhaltlich inkonsistent erscheint, wie manche früheren Experimente z.B. im Surrealismus in der collagierten Literatur oder der Cadavre Exquis des frühen 20ten Jahrhunderts, als man Textschnipsel halb oder ganz zufällig zusammensetzte, um interessante Formulierungen zu generieren, was man heute wohl eher per Computer machen würde.

Dann ist da noch der Faktor der zur Verfügung stehenden Auswahl. Du weißt aus eigener Erfahrung als Herausgeber was passieren kann, wenn man seinen hohen Ansprüchen treu bleibt: Man veröffentlicht kaum mehr etwas. Die Exodus-Redaktion hatte sich aber vorgenommen, eine Plattform auch für Neulinge anzubieten, aus Deutschland. Der Kompromiss: Man veröffentlicht auch Texte (und z.T. Graphiken), die optimiert werden könnten, und lebt damit, im semiprofessionellen Bereich zu bleiben. Daraufhin werden die Werke öffentlich diskutiert, z.B. hier, erhalten damit Rückmeldungen, die Schaffende aufnehmen und zur Weiterentwicklung nutzen können. Das Problem dabei ist natürlich, dass auf diese Weise das Bild, das über SF-Kurzgeschichten in der Öffentlichkeit entsteht, auch davon geprägt wird. Semiprofessionelle Magazine sind wichtig als Labore und Förderer, aber sie eignen sich nur bedingt als Werbeträger für das Medium, wenn es um Zielgruppen jenseits derjenigen geht, die selber im Labor arbeiten und/oder Liebhabende sind. 

Die USA haben einen mindestens viermal größeren Pool an Schreibenden als Deutschland. Dadurch ist die Anzahl der auftauchenden optimierten Texte natürlich auch größer und die Magazine können wählerischer sein. Die großen nordamerikanischen SF-Magazine machen einiges anders als wir. Sie entlohnen gute Texte regelmäßig auf Cent-Basis pro Wort. Sie lehnen KI-Einsatz kategorisch ab. Wer sich heimlich nicht daran hält und entdeckt wird, kommt auf eine Blacklist. Dauerhaft. Sie sind sehr spezifisch bei der Formulierung ihrer Anforderungen, was Transparenz schafft. Beispiele:

F&SF: 

We like to be surprised by stories, either by the engaging voice, the character insights, ideas, plots, or prose ... If you choose to write a story on a familiar theme or trope in the genre, be sure to offer a fresh, new insight, your own individual take on it, and try to subvert our expectations ... Write the original stories you most want to tell, in a voice that is uniquely yours, strong and engaging.

 

Geschichten ohne originelles Momentum wird man hier nicht finden.

 

Analog: 

We publish science fiction stories in which some aspect of future science or technology is so integral to the plot that, if that aspect were removed, the story would collapse.

 

F&SF: 

The speculative element may be slight, but it should be present and readily discernible by readers, ideally in the opening first or second page.

 

Keine SF als Dekoration oder Kulisse mehr.

 

Analog: 

The stories must be strong and realistic, with believable people (who needn’t be human) doing believable things–no matter how fantastic the background might be.

 

Kommentare zu mangelnder Plausibilität gehören der Vergangenheit an.

Asimov's: 

In general, we’re looking for 'character oriented' stories, those in which the characters, rather than the science, provide the main focus for the reader’s interest.

 

F&SF: 

We prefer character-oriented stories with strong voices and good pacing ... Distinctive characters with a character arc and growth are the ones readers most remember.

 

Flache Figuren ade.

Asimov's: 

A good overview would be to consider that all fiction is written to examine or illuminate some aspect of human existence, but that in science fiction the backdrop you work against is the size of the Universe.

 

Keine Konfliktstudien mehr, die genauso in irgendeinem alltäglichen Kontext stattfinden könnten.

Clarkesworld: 

Though no particular setting, theme, or plot is anathema to us, the following are likely hard sells:

 

Dann kommt eine recht lange und witzige Liste an Klischees. So etwas erinnert mich an das Lexikon des legendären Turkey City Writer's Workshop, aus dem ziemlich viele der heißesten SF-Schreiberi der USA hervorgegangen sind. F&SF verweist sogar explizit auf dieses Lexikon.

 

F&SF: 

Avoid long, 'infodumpy' passages that explain but do not entertain.

 

Bye-Bye lange Expositionen ohne Mehrwert.



Was könnten wir tun?

Wir könnten den Anreiz für die Erstellung attraktiver, aufwendiger Texte erhöhen, indem wir eine Entlohnung anbieten für besonders attraktive Texte. Wir müssten nicht Jahre warten auf die optimalen Texte. Wir könnten die geeignetsten aus den zugesandten, die wir veröffentlichen würden, herausfiltern, und systematisch anhand eines Kriterienprofils einordnen. Dann könnten wir Rückmeldungen verbunden mit einem Angebot geben, z.B.: 

Dein Text hat es in die Shortlist geschafft. Wir halten ihn für gut geeignet. Im Bereich (z.B.) Spannung sehen wir noch Optimierungsmöglichkeiten, nämlich ... Falls Du Deinen Text in diesem Sinne überarbeiten könntest, würden wir Dir für die Publikation ein Honorar von x zahlen.

 

Wir könnten von vorneherein auf unseren Submissionsseiten unsere Anforderungen und Empfehlungen transparent und konkret machen.

Um uns zu viel KI-Gewusel vom Hals zu halten, könnten wir ähnliche Ansagen machen wie Asimov's und Co.

Eine weitere Möglichkeit wäre, eine Auswahl, z.B. die für einen Preis Nominierten eines Jahrgangs, in einem eigenen Medium mit besonderer Ausstattung, z.B. Print und Hochglanz wie beim Exodus, nochmal für ein größeres Publikum zu publizieren. So manches Mal fand ich es schade um das eine oder andere nominierte Werk, das den Zuschlag nicht erhielt und in der öffentlichen Aufmerksamkeit zurücksank. Entsprechend müssten die erstveröffentlichenden Magazine dieses Recht einräumen.

Es sind nur ein paar Ideen.  :closedeyes:


Bearbeitet von Christian Hornstein, 19 Juli 2026 - 06:36.


#179 Sam Francisco

Sam Francisco

    Giganaut

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Geschrieben 18 Juli 2026 - 16:32

Andreas Eschbach - Bigger Than Life:

 

Eschbach bietet uns hier eine routiniert, aber auch ein wenig lieblos heruntergeschriebene Story. Warum sind in vielen Geschichten die Protagonisten eigentlich immer so strunzensdoof? Spätestens beim Aufsetzen der Helme wissen die meisten Leseri, worum es hier geht, nur die beiden Polizeibeamten nicht. Sowas stört mich. (Ganz schlimm fand ich das bei der Netflix-Serie Locke & Key, aber ich schweife ab.) Wenn Eschbach uns ja wenigstens einen vernünftigen Schluss gegönnt hätte. So endet die Story einfach mittendrin, nachdem auch die beiden Ermittler gerafft haben, dass sie in der Matrix stecken. Allerhöchstens drei Sterne - Durchschnitt!

 

Angela und Karlheinz Steinmüller - Die Welt wird vloral:

 

Bei dieser Geschichte bin ich ganz bei Yvonne, damit konnte ich überhaupt nichts anfangen.

 

SF

 


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  • (Buch) als nächstes geplant:immer noch Alan Campbell - Scar Night (Kettenwelt 1), aber meine Planungen werden häufig über den Haufen geworfen.

#180 Rezensionsnerdista

Rezensionsnerdista

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Geschrieben 18 Juli 2026 - 17:19

Christian, es wird Zeit für einen Essay. Ernsthaft jetzt

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