So, Teil 1 ist durch!
Grobeindruck vorab: EXODUS verabschiedet sich mit einem Paukenschlag und einem Feuerwerk.
Hier erstmal meine Eindrücke zu den einzelnen Texten.
Gruß
Ralf
Die Redaktion: Editorial, Personalia, ImpressumInhalt: Mit Nr. 50 ist Schluss. Aber die Abschiedsnummer musste auf zwei Teile aufgeteilt werden. Die Redaktion verteilt viel Dank und etwas Ausblick auf den Inhalt.
Fazit: Das Editorial macht sich etwas breiter. Was für eine Jubiläums- und Abschieds-Ausgabe absolut okay ist.
Christian Endres: Tod zwischen den Sternen (I: Michael Vogt)
Inhalt: Auf einem Kreuzfahrtsraumschiff entdeckt der Ich-Erzähler die Meisterdetektivin Ash Lennox, die auch einen bizarren Mordfall aufklären muss. Sie identifiziert eine Passagierin als berüchtigte Auftragsmörderin,
Fazit: Ein weiblicher Sherlock Holmes im Weltall, deren Dr. Watson sich ihr gerade erst aufdrängt. Der Habitus ist großartig getroffen, die Schlussfolgerungen aber deutlich trivialer als die des Originals. Sauber geschrieben und sehr unterhaltsam!
Illu: Ich mag Michael Vogts Stil einfach, und diese Illu ist wieder sehr stilvoll geworden. Allerdings habe ich mir Ash Lennox noch ähnlicher mit Annie Lenox vorgestellt.
Andreas Eschbach: Bigger Than Life (I: Oliver Engelhard)
Inhalt: Kriminalkommissar Gerhard Saul soll das Verschwinden eines Bundestags-abgeordneten aufklären. Er wurde zuletzt im Headquarter einer Computerspiel-Firma gesehen. Dort werden Saul und sein Fahrer Lehmann herumgeführt, und sie bekommen eine Kostprobe eines VR-Spiels geboten.
Fazit: Das Spiel mit den verschiedenen Realitätsebenen ist altbekannt, aber Eschbach wollte das auch nur parodistisch auf die Schippe nehmen. Eine vergnügliche und unterhaltsame Satire. Aber dass ein führender Philosoph Bundestagsabgeordneter ist – das ist nun echt Science Fiction!
Illu: Ja, irgendwie soll es die Ästhetik eines Computerspiels treffen. Erinnert mich aber eher in der unteren Hälfte an naive Kunst, in der oberen an expressionistische Gemälde. Immerhin hat es weitgehend einen Bezug zur Story.
Angela und Karlheinz Steinmüller: Die Welt wird vloral (I: Vojnich-Manuskript)
Inhalt: Zwei IT-Studenten in Prag setzen eine KI auf die Entschlüsselung des Vojnich-Manuskripts an. Sie brauchen aber eine, die nicht amerikanisch-kapitalistisch verseucht ist. Schließlich finden sie einen französischen Prototypen. Ihr Projekt ist irgendwie erfolgreich, aber nicht ganz so, wie sie es sich vorstellten.
Fazit: Noch eine süße Satire, diesmal basierend auf einem real existierenden, bislang nicht entschlüsselten Dokument. Nette Prag-Referenzen.
Illu: Nun ja, so sieht wohl das Vojnich-Manuskript aus. Ganz viel Nudelschrift und viele nackte Frauen in Waschzubern und Wasserbecken.
Comic: Olaf Brill/Michael Vogt: Ein seltsamer Tag: Der letzte XlydophanierUnser Roboter-Pärchen hat ein Xlydophanier-Baby gerettet, kurz bevor die Spezies ihren Planeten in den atomaren Holocaust schickt. Doch der letzte Xlydophanier erweist sich als Klugsch**ßer.
Fazit: Ein erfreuliches Wiedersehen mit unseren spießigen Robotern an ungewohnter Stelle (EXODUS). Der Strip ist inhaltlich und künstlerisch wieder einmal gelungen.
Helmut Ehls: Die Bären entdecken den Mond (I: Frauke Berger)
Inhalt: Schriftsteller Finn darf seine SF-Story über Bären auf dem Mond auf dem Mond lesen. Wir erleben den ganz normalen Wahnsinn mit präterminalen Alpträumen, Logistik-Chaos auf einem fremden Himmelskörper, einer wenig einträglichen Lesung vor diversen interstellaren Spezies und zuletzt einer feucht-fröhlichen Marketingmaßnahme der Verlagspraktikantin. Also nichts Ungewöhnliches.
Fazit: Coole, entspannte und unterhaltsame Plauderei aus dem Nähkästchen eines SF-Autors. Vermutlich autobiografisch, aber das macht nichts.
Frauke Bergers
Illu zeigt ein speziesübergreifend gemischtes Publikum in einem Hörsaal. Süß.
Erik Harlandt: Mittelmaß mit Methode – der Mizzki-Weg (I: Michael Vogt)
Inhalt: Mizzki hat herausgefunden, wie man mit der Mittelmaß-Methode einen Auf- oder Abstieg in einer Parallelwelt verhindert. Doch dann echauffiert er sich über die Weltlage – und landet in unserer Welt. Ein klarer Abstieg!
Fazit: Ja, irgendwo ganz witzig. Aber den Anfang hätte man deutlich kürzen können. Nach Mizzkis Weltenwechsel nimmt die Handlung aber Tempo auf. Nicht mehr als eine Glosse, aber die ist insgesamt gelungen.
Illu: Mizzki rutscht in ein Paralleluniversum. Habe ich ihn mir so vorgestellt?
David Daubitz: Malware (I: Niklas P. R. Kappenstein)
Inhalt: Jack, einer der letzten Menschen, betritt eine Bar voller Androiden. Nach einer kurzen Auseinandersetzung flüchtet und wird von der ehemaligen Pflegeandroidin Nia zu Glenn geführt, der angeblich weiß, wo ein anderer Mensch zu finden ist. Aber auch diese Begegnung eskaliert. Am Ende
Fazit: Auch wenn man die Auflösung relativ früh ahnt – die Story zeichnet sich durch dichte dystopische Atmosphäre, exakt beschriebene Actionszenen und elektrisierende Spannung aus, auch durch die Einhaltung der drei klassischen Einheiten. Gelungen!
Illu: Ist das ein Ölbild oder wurden die Pinselstriche am Computer nachgeahmt? Wie dem auch sei: die Nährstofftanks samt Inhalt in der Grundfarbe Türkis – das hat was!
»die Galerie« - Franz Miklis (Einleitung: René Moreau)
Miklis wählt für seine handgearbeiteten Gemälde eine Grundfarbe, die in allen Tönen und Abstufung exploriert wird. Die Gegenstände zerfallen oftmals in abstrakt-geometrische Formen und Unschärfen. Der Mann hat einen unverkennbaren, artistisch-ambitionierten Stil entwickelt.
Fazit: Durch die Bank großartig! Lieblingsbilder: alle!
»die Galerie« - Thomas Thiemeyer (Einleitung: René Moreau)
Dominierende Farben: Blau und Ocker. Lieblingsmotive: Monumentale Bauwerke, die sich entweder in der Unendlichkeit verlieren oder in noch monumentalere Berglandschaften eingelassen werden. Und immer sind da im Vergleich zu den Bauwerken winzige Primaten (menschliche und nicht-menschliche), die die Tempel für Verehrungszeremonien nutzen. Und immer ist da diese plastische Räumlichkeit, die den Betrachter in die Szene hineinsaugt.
Fazit: Beeindruckend, monumental, pathetisch! Lieblingsbild: „Distant Horizons“ (könnte ein Plattencover der Band „Yes“ sein)
Maria Orlovskaya: Godspeed You! Night Empress (I: Mario Franke)
Inhalt: Don hat einige bahnbrechende Substanzen entwickelt, u.a. eine, mit deren Hilfe man sich an frühere Leben erinnert. Aber nun will er den finalen Durchbruch, um das Rad der ewigen Wiederkehr zu durchbrechen: die Unsterblichkeit. Aber seine Night Empress Linda, die ihn durch alle Inkarnationen begleitet hat, hat andere Ziele.
Fazit: Philosophische und mystische Gedanken über Tod, Endlichkeit und Unsterblichkeit verwoben mit einer anrührenden Liebesgeschichte über alle Zeiten hinweg – eine Story, die ich nicht so schnell vergessen werde und die mich noch oft beschäftigen wird.
Illu: Linda im Wasser. Großartig die Plastizität der vielen kleinen Luftbläschen, die sich auf ihrer Gesichtshaut bilden.
Dieter Korger: Willkommen auf Random! (I: Andreas Möller)
Inhalt: Arturo landet auf der geheimnisvollen Welt Random. Eigentlich kommt jeder Mensch irgendwann dorthin, aber eben nicht mit einem Raumschiff. Deshalb nimmt ihn die Einheimische Vandana in Empfang und versucht, ihm im Auftrag ihres Serafs die Passwörter für das Raumschiff zu entlocken. Gleichzeitig entdeckt Arturo mehr und mehr, was es mit Random und seinem Aufenthalt dort auf sich hat.
Fazit: Noch eine SF-Version vom Leben nach dem Tod. Es wird nicht erklärt, weshalb die Menschen auf Random auftauchen und von dort in die nächste Runde zurück auf die Erde gehen, aber das muss man wohl akzeptieren. Ansonsten eine faszinierende Geschichte, deren Spannung aus der Interaktion zwischen Vandana und Arturo vor dem „gesellschaftlichen“ Hintergrund von Random entsteht.
Illu: Klarer comicartiger Stil, zeigt Vandana, Arturo, die Landekapsel und den See. Schöne Illustration, die den Namen auch verdient.
Uwe Hermann: Mein alter Herr (I: Dirk Berger)
Inhalt: Der alte Herr des Haushaltsroboters ist tot. Gleichzeitig verbietet die Regierung Haushaltsroboter und verpflichtet deren Besitzer, die Roboter binnen weniger Tage an einer Sammelstelle abzugeben. Der Roboter hat Angst, dass er dort zerlegt und seine Einzelteile recycelt werden, er also stirbt. Weiß der Sohn seines alten Herrn vielleicht einen Ausweg?
Fazit: Total süße Story aus dem „End-of-Life-Schaltung“-Universum. Die „Todes“ängste des Roboters sind sehr nachvollziehbar geschildert. Uwe Humor ist hier eher untergründig-strukturell angelegt. Wieder eine rundum gelungene Kurzgeschichte aus Uwes Feder.
Illu: Dirk Berger zeigt den Roboter beim Schachspielen. Nicht nur konstruktive Details, vor allem auch die Pose des Roboters überzeugen.
Peter Schattschneider: Keine Fragen, alles gut (I: Detlef Klewer)
Inhalt: Forscher haben ein „Oracle“ entwickelt, eine Maschine, die bei unvollkommener Information immer die besten Entscheidungen trifft. Da es mit überlichtschnellen Tachyonen arbeitet, muss man aufpassen, dass keine Zeitparadoxa auftreten. Kevin will das nutzen, um durch nanosekundenschnelle Börsentransaktionen auf die Schnelle ein Vermögen anzuhäufen. Das gelingt auch. Bis ihn der Ehrgeiz packt.
Fazit: Angesichts des Endes frage ich mich, wieso ich die Story noch lesen konnte. Ganz flott erzählt, aber insgesamt wenig originell.
Illu: Ein Roboter hinter zwei Phalli mit den Aufschriften „ORA“ und „CLE“ vor einem Chip-Schaltplan mit viel Geblitze und Bodennebel. Handwerklich gelungen und ganz eindrucksvoll.
Comic:
Kostas Koufogiorgos: SpaziergangKK und ich halt …
Michael Marrak: Die Maschine, die alle Probleme löste und unsere Sprache sprach (Teil1) (I: Michael Marrak)
Inhalt: Trionitus der Große hat die Problemlösungsmaschine Trans-Cosma erschaffen. Doch auch andere Paralleluniversen haben ein Interesse an ihr. So materialisiert sie auf dem erdähnlichen Planeten Klimt in einem Dschungel. Dorthin wurde der Wissenschaftler Kanopus III. geleitet. Als ihm klar wurde, was er entdeckt hatte, begann er sogleich, die größten globalen Probleme zu lösen.
Fazit: Man merkt dem Marrak die pure Freude am Imaginieren und Erzählen an. Die Story durchzieht eine unglaubliche Frische und ein Pioniergeist, wie man ihn von Entdeckergeschichten aus dem 19. Jahrhundert kennt. Niedlich die Verwirrungen, wenn Trans-Cosma Metaphern wörtlich nimmt.
Der erste Teil macht Lust auf mehr.
Illu: Trans-Cosma und Trionitus in dessen komplett überdimensionierten Labor. Eindrucksvoll die Wendeltreppe, die sich um den Trichter in der Mitte windet.
Ach, wie gesegnet ist ein Mann,
der selbst sich Bilder malen kann.
Bearbeitet von ShockWaveRider, 29 September 2026 - 08:44.