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EXODUS Nr. 50.1 und Nr. 50.2 (06/2026)


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214 Antworten in diesem Thema

#181 Christian Hornstein

Christian Hornstein

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Geschrieben 18 Juli 2026 - 17:39

Andreas Eschbach - Bigger Than Life:

 

Eschbach bietet uns hier eine routiniert, aber auch ein wenig lieblos heruntergeschriebene Story. Warum sind in vielen Geschichten die Protagonisten eigentlich immer so strunzensdoof? Spätestens beim Aufsetzen der Helme wissen die meisten Leseri, worum es hier geht, nur die beiden Polizeibeamten nicht. Sowas stört mich. (Ganz schlimm fand ich das bei der Netflix-Serie Locke & Key, aber ich schweife ab.) Wenn Eschbach uns ja wenigstens einen vernünftigen Schluss gegönnt hätte. So endet die Story einfach mittendrin, nachdem auch die beiden Ermittler gerafft haben, dass sie in der Matrix stecken. Allerhöchstens drei Sterne - Durchschnitt!

 

Angela und Karlheinz Steinmüller - Die Welt wird vloral:

 

Bei dieser Geschichte bin ich ganz bei Yvonne, damit konnte ich überhaupt nichts anfangen.

 

SF

 
Und wieder eine Übereinstimmung.  :happy: 



#182 Christian Hornstein

Christian Hornstein

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Geschrieben 18 Juli 2026 - 17:45

Christian, es wird Zeit für einen Essay. Ernsthaft jetzt

 
Es tut mir leid, es ist etwas länger geworden. Ich halte mich jetzt auch zurück. Ich fand es nur so passend anlässlich der Texte in dieser besonderen Exodus-Ausgabe, weil sie offenbar die Situation auf dem deutschen SF-Kurzgeschichtenmarkt spiegeln und ich mir wünsche, dass wir in Deutschland bei dem Thema ein bisschen weiterkommen.  :huh: 


Bearbeitet von Christian Hornstein, 18 Juli 2026 - 17:46.


#183 Sam Francisco

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Geschrieben 19 Juli 2026 - 13:26

Olaf Brill & Michael Vogt: Ein seltsamer Tag - Der letzte Xlydophanier:

 

Nachdem ich diese Comic-Serie sonst nur aus der phantastisch! kenne, jetzt also auch in der Jubiläumsausgabe der Exodus. Unsere bekannten Androiden retten Grogu das letzte Xlydophanier-Baby, während unter ihnen im All die Bewohner des Heimatplaneten sich selbst vernichten. Das Baby, dessen Kinderschale tatsächlich an die von Grogu erinnert, ist mit der Gabe der Besserwisserei ausgestattet, auf die dann auch der abschließende Gag Bezug nimmt. Richtig lustig fand ich das nicht, aber die Zeichungen von Michael Vogt sind wie immer souverän.

 

Helmut Ehls - Die Bären entdecken den Mond:

 

Für diese Story ist meine Rezension ziemlich kurz: Hä? Da kann ich nur 1 Stern für geben.

 

SF

 

Nachtrag: Ich habe die Geschichte von Ehls nicht verstanden und wie ich teilweise aus euren Kommentaren entnehme, ihr auch nicht alle. Ein bisschen besser wurde es nach den Erklärungen von Fermentarius und Uwe Post. Aber meine Bewertung kommt aus dem Bauch, die ändere ich nicht.


Bearbeitet von Sam Francisco, 19 Juli 2026 - 13:41.

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#184 Uwe Post

Uwe Post

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Geschrieben 20 Juli 2026 - 10:23

Christian:

Dass Spannung und Originalität in Kurzgeschichten und Romanen erforderlich sind, stimmt natürlich. Trotzdem gibt es große Unterschiede. In Romanen kannst Du zum Beispiel ganz einfach mit Cliffhangern Spannung erzeugen. Zwei Handlungsebenen, Kapiteltrennungen im günstigen Moment. Gerade lese ich einen Roman, der schon in der ersten Kapitelüberschrift mit einem Countdown beginnt. Das geht bei den meisten Kurzgeschichten nicht, da sie meist nur eine Handlungsebene und häufig nur ein Kapitel haben. Da muss die Spannung aus der Hauptfigur heraus aufgebaut werden, zum Beispiel indem man dafür sorgt, dass Leser schon nach wenigen Zeilen sich mit der Hauptfigur identifizieren (vielleicht indem man sie sehr menschlich wirken lässt) und im Anschluss sofort eine Bedrohung entsteht. Romane haben da viel mehr Raum, daher sind die Mechanismen für Spannungsaufbau etwas unterschiedlich, denke ich.


Bearbeitet von Uwe Post, 20 Juli 2026 - 17:26.

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#185 Christian Hornstein

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Geschrieben 20 Juli 2026 - 18:48

Ja. Ich hatte Dir ja zugestimmt. Deshalb hatte ich geschrieben, dass wenn jemand Originalität und Spannung im Roman beachtet und umsetzen kann, er es eigentlich auch in der Kurzgeschichte tun können müsste, es sei denn, er will es nicht aus irgendeinem Grund und/oder er beachtet zu wenig den geringeren Raum, passt sozusagen zu wenig an. Deine Darlegung betrifft die zuletzt genannte Variante. Bei manchen wird das vielleicht der Grund sein, z.B. wenn die Expositionen zu lang geraten. Mir ist noch eines eingefallen: Die eingesandten Texte sollten auf jeden Fall pseudonymisiert bewertet werden. Die Auswahl sollte nicht von der Identität der Erstellenden abhängen.



#186 Uwe Post

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Geschrieben 20 Juli 2026 - 20:57

Hm. Interessante Anmerkung. Ich bin mir da nicht so sicher. Gibt es nicht Leute, die ein Magazin wegen eines Autorennamens kaufen (Marrak, Eschbach...) oder ist zumindest dieser Gedanke im Kopf der Herausgeber? Zudem würde ich vermuten, dass Andreas Eschbach explizit eingeladen wurde (ist so ein Gefühl...), da kannste dann weder anonymisieren - noch ablehnen, wenn man ehrlich ist.

Viele Autoren erkennt man zudem an ihrer Art zu schreiben, würde ich meinen. Deshalb ist die Idee wohl zumindest bei Exodus nicht praktikabel gewesen; bei manchen Anthologien/Ausschreibungen wird es ja so gemacht. Ob das immer zur optimalen Auswahl führt, hängt freilich von den Kriterien ab. Mir ist bei so einer Gelegenheit auch mal eine Geschichte abgelehnt worden, und als sie dann später anderswo erschien, wurde sie ziemlich gelobt. Knifflig.


Bearbeitet von Uwe Post, 20 Juli 2026 - 21:23.

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#187 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 21 Juli 2026 - 04:13

Wir werden das ja jetzt bald bei der Smartokratie erleben (anonyme Auswahl)

Ehemals rezensionsnerdista.de findet sich nun bei https://yvonnetunnat...free.com/blog/ 

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#188 ChristophGrimm

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Geschrieben 21 Juli 2026 - 06:44

Kurze Zwischenbemerkung meinerseits:

Ich habe durch den Umstand, dass Andreas Eschbach in der siebten Weltenportal-Ausgabe mit einer Geschichte vertreten ist – danke für die Vermittlung, René :) – keinen signifikant höheren Absatz feststellen können. Das etwas gestiegene Interesse am Magazin vermute ich eher aufgrund der Mehrfachnominierungen beim KLP und Yvonnes Sieg in der KG-Kategorie. Vermutlich haben dadurch einige überhaupt erst von der Existenz des Magazins erfahren.

Ich habe mich einfach sehr darüber gefreut, dass ein Autor, den ich seit Jugendtagen oft und gerne lese, mein kleines Magazin beehrt hat. :)

Unabhängig von „großen“ Namen: Ich war mir als Hrsg. noch nie zu schade, Autor:innen, die ich gerne im Magazin hätte, um eine Einsendung zu bitten. Manchmal klappt es, manchmal nicht.

 

Ich denke, Lapismont hat im Thread über den Anklang von Kurzgeschichten die wohl zutreffendste Antwort gegeben:

Liest niemand mehr Kurzgeschichten? - Seite 2 - Kurzgeschichten, Anthologien & Magazine - SF-Netzwerk

Ich freue mich, wenn Autor:innen, die mich bereits begeistern konnten, in einer Anthologie/Zeitschrift vertreten sind – aber nur im "Rudel" wären sie ein Kaufgrund, vereinzelt eher nicht. Dass ich EXODUS und NOVA bevorzugt lese, liegt eher am Gesamtpaket – René und Co. / Marianne und Co. trafen/treffen meinen Geschmack deutlich öfter, als dass sie ihn verfehlen.


SF/Fantasy-Literaturzeitschrift: https://weltenportalmagazin.de | SF hautnah: https://eridanusverlag.de | Meine Welt der Worte: https://christophgrimm.com
  • (Buch) gerade am lesen:DSFP-Nominierungen KG, "Int:Elegance", "Das Schloss im Laacher See" (M. O. Bendrin)
  • (Buch) als nächstes geplant:Irgendwas vom SuB im RuB
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#189 Christian Hornstein

Christian Hornstein

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Geschrieben 21 Juli 2026 - 09:54

Hm. Interessante Anmerkung. Ich bin mir da nicht so sicher. Gibt es nicht Leute, die ein Magazin wegen eines Autorennamens kaufen (Marrak, Eschbach...) oder ist zumindest dieser Gedanke im Kopf der Herausgeber? Zudem würde ich vermuten, dass Andreas Eschbach explizit eingeladen wurde (ist so ein Gefühl...), da kannste dann weder anonymisieren - noch ablehnen, wenn man ehrlich ist.

Viele Autoren erkennt man zudem an ihrer Art zu schreiben, würde ich meinen. Deshalb ist die Idee wohl zumindest bei Exodus nicht praktikabel gewesen; bei manchen Anthologien/Ausschreibungen wird es ja so gemacht. Ob das immer zur optimalen Auswahl führt, hängt freilich von den Kriterien ab. Mir ist bei so einer Gelegenheit auch mal eine Geschichte abgelehnt worden, und als sie dann später anderswo erschien, wurde sie ziemlich gelobt. Knifflig.

 
Ich denke, es kommt darauf an, warum man jemanden bittet, eine Geschichte einzureichen. Wenn ich das tue, weil ich mit dem Namen den Verkauf fördern möchte und die Geschichte in jedem Fall drucke, kann ich nicht zugleich sicherstellen, dass die gedruckte Geschichte bestimmte Kriterien erfüllen wird. Da muss ich mich entscheiden, was ich will. Die Exodus-Jubiläumsbände sehe ich als Sonderfall. Da ging es bestimmt auch darum, Autori, die man einfach gerne hat, dabei zu haben, was ich wie gesagt vollkommen okay finde.

 

Auch wenn ich jemanden bitte, mir eine Geschichte zu senden, kann ich dafür sorgen, dass diejenigen, die die Geschichten nach Kriterien bewerten, diese nur pseudonymisiert erhalten. Sicher kann ein Stil einen Autor verraten. Sollte das aber eine wesentliche Störvariable sein, könnte man diejenigen, die nach Kriterien bewerten, systematisch fragen, ob Sie glauben irgendeinen Autor wieder zu erkennen. Sollte dies zu einem Treffer führen, könnte man zur Sicherheit abgleichen mit den Bewertungen derjenigen, die den Autor nicht erkannt haben. Menschen, die trainiert wurden und geübt darin sind, bestimmte Textmerkmale zu erkennen, stimmen meist ganz gut überein, wenn sie am Text orientiert sind. Gute Kriterien erlauben durch Training eine hohe Interrater-Reliabilität.

 

Kriterien sind natürlich eine heikle Angelegenheit. Die Erkenntnisse der Narratologie, der Literaturwissenschaften allgemein, erlauben uns nicht zu beurteilen, was "gut" und was "schlecht" ist. Die Wirkung eines Textes entfaltet sich immer im Individuum und ist damit individuell. Das einzige, was wir tun können, und was auch im Literaturbetrieb ständig geschieht, ist Konsens zu suchen und Konventionen aufzustellen. Das historische Manifest des Cyberpunk war z.B. so etwas. Hier muss man aufpassen, nicht zu normativ zu werden, denn dann lässt man keinen Platz mehr für wertvolle Entwicklungen, die nicht vorhersehbar sind. Zu große Normativität kann man vermeiden, indem man sich auf Merkmale beschränkt, die man im Konsens für unverzichtbar hält, z.B. muss ein belletristischer Text einen oder mehrere bedeutende Anreize bieten. Was reizvoll ist, hängt vom Individuum ab. Es gibt jedoch Inhalte und Formen, die mehr Menschen reizen als andere. Das kann man z.B. bei Casting-Shows, die vor großem Publikum stattfinden, wie z.B. AGT, beobachten. Es gibt z.B. Gesangsdarbietungen, die innerhalb von Sekunden die Leute von den Sitzen heben. Wenn man sich ein wenig mit dieser Kunstform auskennt, kann man sehr gut eingrenzen, woran das lag. Das gleiche gilt für Belletristik.

 

Nun werden manche einwenden, dass es hier um Massengeschmack geht, dieser aber nicht das Maß aller Dinge sein sollte. Das wäre zum Teil richtig, weil es natürlich nicht darum gehen sollte, immer nur den kleinsten gemeinsamen Nenner zu befriedigen. Zum Teil wäre es aber auch falsch, weil wir Menschen unsere Natur nicht ungestraft verleugnen können und uns ähnlicher sind, als wir zuweilen denken. Mit anderen Worten: Das Neue und Besondere soll seinen Platz haben. Es kann nur sein, dass es zuweilen ein wenig angepasst werden müsste, wenn es den Zugang für viele nicht allzu sehr erschweren möchte. Eine Kunst, die nur ganz wenige erreicht, ist elitär, und entspricht zumindest nicht meinem Ansatz. Ein gutes Beispiel hierfür ist für mich im SF-Bereich immer noch der Film Blade Runner von Ridley Scott. Als er herauskam, erhielt er eher verhaltene Kritiken. Dennoch ist er innerhalb weniger Jahre zum Kultfilm avanciert, weil er Arthouse-Elemente mit kommerziellen Stilmitteln kombiniert hat, was typisch für Ridley Scotts Werke ist.

 

Bei all diesen Bedenken sollte man nicht vergessen, dass die amerikanischen Magazine sich nicht scheuen spezifischere Vorgaben zu machen, und ich glaube man kann nicht feststellen, dass sie dadurch qualitativ schlechter dastehen als die deutschen.



#190 Uwe Post

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Geschrieben 21 Juli 2026 - 11:45

Nicht zuletzt ist gerade der teils bemängelte Grad an Originalität für viele Leser gar kein Thema. Sonst wären die immer sehr ähnlichen Reboots/Remakes von Superheldenfilmen oder Space Opera-Buchreihen von Selfpublishern, die immer gewisse altbekannte Versatzstücke verarbeiten,  ja nicht so erfolgreich. Andererseits haben Kurzgeschichten eben ein etwas anderes Publikum. Ein kleineres. Glaubt man, zu viel Originalität verschreckt Publikum und schadet daher den Verkaufszahlen?


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#191 Christian Hornstein

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Geschrieben 21 Juli 2026 - 13:06

Ja und nein. Reihen und singuläre Kurzgeschichten oder Romane haben unterschiedliche Funktionen und bedienen zum Teil unterschiedliche Zielgruppen. Kurzgeschichten sind nicht das typische Medium, um Reihen zu bilden. Schau Dir die Anforderungsprofile der nordamerikanischen Magazine an. Sie suchen klar nach Innovation. In der Geschichte nordamerikanischer SF-Magazine war es auch immer wieder so, dass jemand einen Neuanfang gemacht hat, weil er etwas neues hervorbringen wollte. Das ist stets auf der Ebene der Magazine geschehen.

Die Diskussion um die Pole Innovation und Iteration, was denn nun der Markt wolle, wird seit langem geführt. Es gibt tatsächlich Reihen, die den Topos kaum variieren. Die meisten, besonders die erfolgreicheren, tun das jedoch. Allerdings behalten sie auch bestimmte Elemente bei. Das Bekannte, an das die Menschen sich gebunden haben, beibehalten, ihnen also ähnliches, das sie schätzen, anbieten, allerdings immer wieder auf eine neue, überraschende Art. Denke an die erfolgreichen Star Trek-Serien.

Das bedeutet nicht, mit Kurzprosa könne man keine Reihen bilden. Das ist auch schon gemacht worden. Es ist nur nicht das typische Medium hierfür, weil es sich am besten für Neuerungen eignet. Es geht letztlich darum, an Vertrautes, Wertgeschätztes anzuknüpfen, aber es nicht zu kopieren, sondern in einer unerwarteten Form zu variieren.


Bearbeitet von Christian Hornstein, 21 Juli 2026 - 13:07.


#192 Uwe Post

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Geschrieben 21 Juli 2026 - 13:14

Ja, und tatsächlich tun das ja auch viele Exodus-Geschichten - aber nicht alle. Nehmen wir mal die Cyberpunk-Story, die klar an diese vertraute Traditionen anknöpft - aber das Neonlicht scheint dann doch nur auf einen Milieu-Krimi mit Selbstjustiz-Ende. Da kann man die Originalitätsfrage stellen, gleichzeitig freuen sich vermutlich viele Cyberpunk-Fans auch so über die sauber inszenierte Darbietung. Das Zünglein an der Wünsche-Waage von Exodus-Lesern scheint mir häufiger Richtung Originalitätsfrage auszuschlagen - ich betone "scheint", denn die Postenden in diesem Thread sind ja nicht zwingend repräsentative Exodus-Leser. Nichts genaues weiß man nicht...

Würde mehr Originalität die Verkaufszahlen erhöhen oder senken?

Wir werden es zumindest bei Exodus nicht mehr erfahren - und entsprechende Texte müssten dann ja auch erstmal eingereicht werden. 


Bearbeitet von Uwe Post, 21 Juli 2026 - 13:15.

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#193 Christian Hornstein

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Geschrieben 21 Juli 2026 - 16:07

Du, ich bin mir nicht so sicher, ob das so viele Exodus-Geschichten tun, wie ich das meine. Beim Cyberkrimi habe ich mich auf jeden Fall über den Duktus des Erzählers gefreut. Ich gestehe meine Begeisterung dafür und Altered Carbon ist nicht zuletzt deswegen einer meiner Lieblingsromane. Aber originell war diese Geschichte leider nicht, in keiner Hinsicht, wenn ich nicht etwas Wesentliches übersehen habe, wofür ich mich im Voraus entschuldigen möchte, falls ich der Story Unrecht tun sollte. Ohne diese Originalität kann ich dennoch eine gelungene Erzählstimme wertschätzen, aber als reine Iteration fehlt mir da etwas wichtiges.

 

Ich weiß auch nicht genau, wie repräsentativ wir hier sind, aber einer Sache bin ich mir recht sicher: Die verkauften Auflagen sind eine ganze Ecke kleiner als die potentielle Käuferschaft. Ausgaben, denen der glaubwürdige Ruf in der Szene vorausginge, besonders originell und spannungsreich zu sein, würden, glaube ich, mehr gekauft werden. Es würde mich wundern, wenn die Erwartung von mehr dieser zwei Merkmale zu keinerlei Veränderung oder gar zu einem Abfall an Nachfrage führen würde.


Bearbeitet von Christian Hornstein, 21 Juli 2026 - 16:08.


#194 Sam Francisco

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Geschrieben 21 Juli 2026 - 19:49

Erik Harlandt - Mittelmaß mit Methode - Der Mizzki-Weg:
 
Obwohl ich über den Namen des Autors schon mehrfach gestolpert bin, vor allem hier im Forum, muss ich gestehen, dass dies meine erste (bewusste) Begegnung mit seinen Arbeiten ist. Und bei dieser Geschichte ist für mich der Titel Programm: Mittelmaß. Die Idee von den Parallel- oder hier besser Vertikal-Welten ist nicht wirklich neu, einzig der erzwungene Auf- oder Abstieg der jeweiligen Bewohner.

Spoiler
Mit dem Protagonisten wurde ich auch nicht richtig warm, es hat mir eigentlich nicht wirklich interessiert, was mit ihm passiert. Daher 2 Sterne.

 

David Daubitz - Malware:

 

Und nochmal Mittelmaß. Langsam befürchte ich, das gilt für den überwiegenden Teil dieser Exodus-Jubiläumsausgabe. Diesmal im Cyberspace. Ich kann dabei nicht mal was gegen den Weltenbau und die Story an sich sagen, handwerklich ist das alles ok, aber es packt mich einfach nicht. Der Protagonist bleibt mir einfach egal. Daher auch hier nur 2 Sterne.

 

Mario Orlovkaya überspringe ich jetzt erstmal und hoffe, dass mich Dieter Korger mal wieder von Sitz haut.

 

Dieter Korger - Willkommen auf Random!:

 

Die Geschichte aus den letzten Jahren, die in mir am längsten nachhallt, ist »Nur ein Werbespot« von Dieter Korger. Die war wirklich auf den Punkt, spannend, gut erzählt und mit einer überraschenden Wendung. Damit hat Korger die Erwartungshaltung bei mir sehr hoch getrieben und ich hoffe immer, er kann das wiederholen. Aber dafür reicht es diesmal (noch) nicht. Klar, die Geschichte ist handwerklich gut geschrieben, die Idee ist auch gut, auch wenn ich nicht vollständig hinter das Prinzip mit der Ankunft der Menschen auf dem Planeten Random geblickt habe. Aber irgendwie erscheint mir dieser interessante Teil eher Nebensache in der Geschichte zu sein, der Fokus liegt Vandana, die den Neuankömmling Arturo nach seiner Ankunft begleitet, bis sie auf einmal die Flucht vom Planeten Random ergreift. Dieser Wendung konnte ich leider nicht wirklich folgen. Und warum Dick und Doof, sorry, Stan und Ollie hier als KIs einen Auftritt haben weiß, glaube ich, auch nur der Autor. 3 Sterne und ich hoffe auf die nächste Geschichte von Dieter Korger.

 

Als nächstes folgt Uwe Hermann, immer eine sichere Bank. Das wird bestimmt besser. Morgen, hoffentlich (Jol, ich habe mir mal deinen Titel ausgeliehen, der passte gerade so schön.)

 

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#195 Rezensionsnerdista

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    Yvonne

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Geschrieben 22 Juli 2026 - 04:23

Schon bei der letzten Exodus hatte die Story von Dieter Korger das Problem, dass wir sie alle mit "Nur ein Werbespot" verglichen haben. Das ist halt so eine krass gute Idee gewesen...

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#196 Christian Hornstein

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Geschrieben 22 Juli 2026 - 11:38

Ja, und tatsächlich tun das ja auch viele Exodus-Geschichten - aber nicht alle. Nehmen wir mal die Cyberpunk-Story, die klar an diese vertraute Traditionen anknöpft - aber das Neonlicht scheint dann doch nur auf einen Milieu-Krimi mit Selbstjustiz-Ende. Da kann man die Originalitätsfrage stellen, gleichzeitig freuen sich vermutlich viele Cyberpunk-Fans auch so über die sauber inszenierte Darbietung. Das Zünglein an der Wünsche-Waage von Exodus-Lesern scheint mir häufiger Richtung Originalitätsfrage auszuschlagen - ich betone "scheint", denn die Postenden in diesem Thread sind ja nicht zwingend repräsentative Exodus-Leser. Nichts genaues weiß man nicht...

Würde mehr Originalität die Verkaufszahlen erhöhen oder senken?

Wir werden es zumindest bei Exodus nicht mehr erfahren - und entsprechende Texte müssten dann ja auch erstmal eingereicht werden. 

 
Heute morgen ist mir aufgefallen, wie kurios unsere Debatte eigentlich ist, darüber wie bedeutend Originalität für SF-Kurzgeschichten sein könnte, wenn man bedenkt, dass SF als DAS Genre der neuen Ideen gilt. Vielleicht macht sich hier bemerkbar, wie wenig selbstverständlich das, was SF im Grunde ausmacht, geworden ist.



#197 Christian Hornstein

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Geschrieben 22 Juli 2026 - 11:43

@Sam

 

Deine Eindrücke bestätigen, wie wichtig Originalität und Spannung sind. Letztere entsteht bei kurzen Geschichten ja, wie Uwe es richtig geschrieben hat, v.a. durch die Teilnahme am Schicksal der Hauptfigur. Die Voraussetzungen hierfür sind in vielen Geschichten einfach nicht ausreichend gegeben. Es ist ja auch nicht trivial, das hinzubekommen.



#198 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 22 Juli 2026 - 14:11

 
Heute morgen ist mir aufgefallen, wie kurios unsere Debatte eigentlich ist, darüber wie bedeutend Originalität für SF-Kurzgeschichten sein könnte, wenn man bedenkt, dass SF als DAS Genre der neuen Ideen gilt. Vielleicht macht sich hier bemerkbar, wie wenig selbstverständlich das, was SF im Grunde ausmacht, geworden ist.

 

Ich stelle gerade meine persönlichen Best of (SF Romane allerdings) für einen Artikel zusammen und merke, dass ich sehr wohl Wert auf Originalität lege, auch beim Thema. Klar, ein paar dieser Romane bestechen auch durch andere Qualitäten, aber oft ist es auch die ungewöhnliche Betrachtung auf ein Thema oder die generelle Idee, die ich reizvoll finde.

 

Also ja, ich stimme dir zu.


@Sam

 

Deine Eindrücke bestätigen, wie wichtig Originalität und Spannung sind. Letztere entsteht bei kurzen Geschichten ja, wie Uwe es richtig geschrieben hat, v.a. durch die Teilnahme am Schicksal der Hauptfigur. Die Voraussetzungen hierfür sind in vielen Geschichten einfach nicht ausreichend gegeben. Es ist ja auch nicht trivial, das hinzubekommen.

 

Trivial nicht, aber absolut notwendig und es fehlt (mir) sehr sehr oft. 


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#199 Uwe Post

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Geschrieben 22 Juli 2026 - 14:47

Gegenrede:

Nein, Originalität in der SF ist nicht wichtig. Sonst wären die ganzen Selfpublisher mit ihren mehrteiligen Space Operas oder Hard-SF-Erstkontakt-Geschichten nicht so erfolgreich.

Gerade in den letzten Tagen habe ich in ein Rezensionsexemplar reingelesen, das wirklich ausschließlich aus klassischen  Versatzstücken besteht: Star Wars-Hologramme, ein dicht besiedelter Hauptplanet wie Trantor (aus Foundation), ein Sternenreich mit Theokratie, Kaiserpalast und Giftmord (irdisches Zeitalter der Inquisition, da brauch man sich also nichtmal bei der SF zu bedienen), und bei Ausgrabungen haben Wissenschaftler ein riesiges, altes Raumschiff entdeckt. Nichts, aber auch wirklich gar nichts daran ist neu oder originell. Soll es auch gar nicht sein, sagt der Autor. Ist übrigens der erste (schon sehr dicke) Band eines neuen Space Opera-Epos, für das der Autor sogar eine eigene Domain registriert hat, und er hat ausschließlich 5-Sterne-Bewertungen und (das ist jetzt freilich geraten) hat sicher schon mehr Exemplare verkauft als ich von meinen Romanen in den letzten zwei oder drei Jahren. Istso!

 

Es sind also nur bestimmte Leute (wir hier), die sich von der SF neue, originelle Ideen erhoffen.

 

Traurige Wahrheit (für die bestimmten Leute) ist, dass zu originelle Ideen eher verkaufshemmend wirken. Bestätigt mir mein Lektor auch immer mal wieder.

 

Wenn ich mir die meisten TV-Serien oder Filme anschauen, lässt sich das fast 1:1 auf andere Medien übertragen. Es gibt wenige Ausnahmen zB. bei Black Mirror, aber das war's dann schon.

 

Exodus hat ja durchaus mal ungewöhnliche Sachen gebracht, dies entfällt jetzt leider auch.


Bearbeitet von Uwe Post, 22 Juli 2026 - 14:50.

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#200 Sam Francisco

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Geschrieben 22 Juli 2026 - 16:32

Ich glaube, dass Autori einen anderen Blick auf Geschichten haben als Nur-Leseri, sodass auch die Erwartungen etwas anders sind. Daher kommt vielleicht auch der Erfolg der Self-publisheri.
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#201 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 22 Juli 2026 - 18:15

Einige von denen haben auch tolle Plots. Also, Brandon q Morris. Die anderen lese ich selbst gar nicht

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#202 Christian Hornstein

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Geschrieben 22 Juli 2026 - 18:52

@Uwe

 

Ich glaube, Du hast mich ein bisschen missverstanden. Ich hatte geschrieben, dass es letztlich darum geht, an Vertrautes, Wertgeschätztes anzuknüpfen, aber es nicht zu kopieren, sondern in einer unerwarteten Form zu variieren. Zu viel Originalität überfordert die Menschen, weil sie nicht anknüpfen können, und zu wenig mögen sie auch nicht, weil es sie nicht anregt. In der Forschung spricht man von einer umgekehrten U- oder Wundt-Berlyne-Kurve. Schau z.B. mal hier:

https://journals.aom...rce=chatgpt.com

https://www.nature.c...rce=chatgpt.com

 

Diesen Zusammenhang berücksichtige ich, wenn ich einschätze, ob eine Geschichte zu wenig originell ist. Ich kenne SF-Geschichten, die sehr innovativ sind, es vielen aber zu schwer machen einzusteigen. Das ist aber individuell. Manche steigen schon bei Ein Feuer auf der Tiefe von Vernor Vinge aus, andere bei Necroville von Ian McDonald und wieder andere erst bei Quantum von Hannu Rajaniemi. Aber wo liegt denn nun der Erwartungswert dieser umgekehrten U-Kurven für den deutschen Markt?

 

Wenn es um SF-Kurzgeschichten geht, können wir zumindest für den amerikanischen Markt einschätzen, wo der Sweet Spot liegen könnte. Ich hatte z.B. Ted Chiang erwähnt, einer der erfolgreichsten SF-Kurzprosa-Schreiber. Wir können davon ausgehen, dass der Komplexitäts- und Originalitätsgrad seiner Geschichten nicht zu hoch und nicht zu gering sind für den amerikanischen Markt, sondern genau richtig, wenn man es am Kriterium der Anerkennung durch Autori UND Leseri festmachen. Wenn ich seine Geschichten lese, kann ich mich damit identifizieren, d.h. ich habe nicht den Eindruck, dass ich unbefriedigt oder überfordert bin.

 

Meinst Du, der deutsche Markt ist da weniger hungrig nach Originalität und zufriedener mit Traditionellem?



#203 Uwe Post

Uwe Post

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Geschrieben 22 Juli 2026 - 19:43

Sehr gute Frage, ich kann sie nicht beantworten. Ich kenne den angloamerikanischen Markt nicht gut genug - und er hat auch eine andere, viel größere Zielgruppe als der deutsche und damit auch mehr finanzielle Spielräume. Deshalb mag es sein, dass der prozentuale Anteil am Hunger nach Originalität ähnlich groß (klein) ist, aber die absolute (viel höhere) Zahl von Fans, die englische Bücher oder Filme oder Serien verstehen, eine Umsetzung eben eher rechtfertigt als hier bei uns. Und wo die Nachfrage gering ist, sinkt auch das Angebot - in für deutschsprachige Autoren origineller SF gibt es einfach kein tragfähiges Geschäftsmodell, fürchte ich. Und das sage ich als jemand, der im Jahr ein paar Hunderter durch Veröffentlichung (wie ich hoffe einigermaßen) origineller Geschichten in der c't einnimmt. Das is jetzt nix, wo zig Nachwuchsautoren anfangen "oh ja das ist cool das mach ich auch" rufen und sich dementsprechend um Originalität zu bemühen. Wir wiesen ja auch schon gemeinsam hier darauf hin, dass das auch leichter gesagt als getan ist. Zumal andere Medien gewisse Vorteile haben. Stichwort Immersion zum Beispiel in Games. Wozu eine der oben angesprochenen Space Operas lesen, wenn ich mir für ein paar Euro das Game "Stellaris" holen kann und selbst ein Sternenreich steuern kann? Oder in "The Outer Worlds" durch bunte Welten voller schräger Typen und noch schrägerer Geschichten stiefeln kann? 

Und jetzt kommen noch die KIs. Du kannst schon jetzt mit Gemini per Sprachinterface ohne weiteres so eine Art persönliches Weltraumabenteuer erleben, brauchst nur den passenden Prompt.

Originelle SF-Kurzgeschichten sind und bleiben ein Liebhaber-Nischen-Produkt für wenige Leser von wenig Autoren.


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#204 ChristophGrimm

ChristophGrimm

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Geschrieben 23 Juli 2026 - 07:39

Ich habe ein wenig den Eindruck, dass ihr euch sehr stark um die Frage der Originalität dreht, ohne wirklich zu definieren, was ihr vollumfänglich darunter versteht – oder ihr verwendet eine sehr spezifische Definition davon.

 

Ich stimme euch zu, dass Originalität ein wichtiger Faktor ist – auch und insbesondere bei Kurzgeschichten. Allerdings wird sie je nach Alter, Lese- und Seherfahrung, Bildungsgrad, Allgemeinwissen und persönlichen Interessen auch sehr unterschiedlich wahrgenommen. Vor allem aber ist sie nur ein Baustein einer gelungenen Geschichte.

Mindestens genauso wichtig sind für viele Leserinnen und Leser – mich eingeschlossen – ein zielsicherer Einsatz von Sprache, Spannung, glaubwürdige Figuren und der gekonnte Einsatz von Motiven. (Dass euch bei einigen Texten auch das nicht zugesagt hat, ist mir aufgefallen, ja). Oft ist es gerade das Zusammenspiel dieser Elemente, das eine Geschichte lesenswert macht. Es ist eben auch die Frage, was genau man erwartet.

 

Ein gutes Beispiel aus dieser Ausgabe ist für mich "Wichtige Anmerkungen für Benutzer der Wirklichkeit" (Andreas Eschbach). Schon der Einstieg macht sehr deutlich, worauf die Geschichte hinausläuft; die große Überraschung am Ende bleibt also aus. Trotzdem habe ich sie sehr genossen – wegen Eschbachs Erzählkunst, der Immersion bzw. dem Abholen, der starken Atmosphäre und der Spekulationen über VR und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen.

 

Deshalb glaube ich auch nicht, dass erfolgreiche Selfpublisher oder Mainstream-Autoren wie Ivan Ertlov, Joshua Tree, Brandon Q. Morris, Andreas Brandhorst oder der von mir sehr geschätzte Andreas Eschbach ihr Publikum bewusst geistig unterfordern wollen. Sie setzen lediglich andere Schwerpunkte.

Als Herausgeber ist mir außerdem bewusst, dass ich einen erheblichen Teil der Leserschaft verlieren würde, wenn ich ausschließlich Geschichten wie "Hypostasis" – eher für Wissenschaftsnerds – oder literarische Experimente wie "RAUM, der (mask.) sonderbare (adj.)"  veröffentlichen würde. Eine Anthologie oder ein Magazin lebt für mich gerade von der Mischung unterschiedlicher Stimmen und Zugänge. So verstehe ich auch die Zusammenstellung von René und Co. nach den Geschichten, die ich bisher gelesen haben: Neben manch sperrigen Text von Ehls oder Schattschneider (teilweise auch Maria Orlovskaya) finden sich bewusst leichter zugängliche Geschichten.

 

Sagen wir, ich habe diesen Beitrag auch deshalb geschrieben, weil mir der unterschwellige Eindruck von Hochnäsigkeit – nach dem Motto: Anspruchsvolle Kurzgeschichten sind für anspruchsvolle Leser, der „Mainstream“ für den Pöbel – etwas gegen den Strich ging.

 

Und zum Schluss noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache: Es gibt da ein zwar noch nicht so legendäres, aber durchaus ambitioniertes Magazin, das jederzeit Bedarf an handwerklich starken, bewegenden, tiefgründigen – und selbstverständlich auch originellen – Geschichten hat. Natürlich sollte man dann auch selbst überzeugt sein, dass einem auch genau das gelungen ist, wenn man der Redaktion etwas anbieten sollte, und man nicht nur die eigene vermeintlich verkannte Perle für ein Meisterwerk hält.


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#205 lapismont

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Geschrieben 23 Juli 2026 - 09:04

Christian Endres: Tod zwischen den Sternen

Okay, dass Christian Holmes-Fan ist, dürfte kein Geheimnis sein. Also nun eine Ermittlung im Weltall.

 

Stil: klassisch an Dr. Watsons Berichtstil angelehnt
Plot: recht dünn, es passiert wenig, die Aufklärung folgt schnell
Figuren: bleiben blass, folgen dem Vorbild, klar, es gibt SF-Anpassungen, aber alles eher skizzenhaft
Idee: nee, das war jetzt nicht sehr raffiniert
Lesespaß: der Anfang war recht spannend, aber das Ende kam wie ein müdes Gähnen, als ob Christian keine Lust hatte, ein paar Schlenker einzubauen

 

Die Story hätte ich jetzt nicht gebraucht, die Illu ist aber passend, ich könnte mir das tatsächlich auch eher als Comic vorstellen.


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#206 Christian Hornstein

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Geschrieben 23 Juli 2026 - 18:51

@Uwe
Aus der Studie von Sameet Sreenivasan kann man grob ableiten, dass etwa 84% der Leute mittlere bis hohe Grade an Originalität mochten. Im Bereich der SF-Romane mit ca. 54 Millionen Euro Umsatz pro Jahr und ca. 300 Autori/Bücher könntest Du damit gut verdienen. Bei den SF-Kurzgeschichten nicht, weil sie selten bezahlt werden. Du vermutest, dass dies mit dazu führt, dass weniger Aufwand dafür betrieben wird und darunter u.a. die Originalität leidet. Da ich annehme, dass die tatsächlichen Interessenten für Kurzprosa wesentlich zahlreicher sind als die verkauften Auflagen von entsprechenden Magazinen, glaube ich, dass wenn Deine Vermutung zutrifft, mein Vorschlag zielführend sein könnte: Man müsste anfangen zu versuchen den Kreislauf "wenig finanzieller Anreiz => weniger optimierte Geschichten => wenig Absatz => wenig finanzieller Anreiz" zu durchbrechen. Klar gibt es immer mehr Konkurrenz durch andere Medien und Verkaufszahlen gehen außer im Bereich Young und New Adult seit Jahren zurück, aber wenn man schon Kurzgeschichten veröffentlicht, warum nicht versuchen sie noch attraktiver zu machen?


@Christoph
Ja, natürlich ist Originalität facettenreich und nicht allein relevant. Sie diente oben nur als Beispiel für eine nähere Betrachtung.
In meinen Augen sind alle Vorlieben in dem Bereich legitim. Untersuchungen wie die von Sameet Sreenivasan zeigen auch, dass es eben nicht so ist, dass eine große Masse schlichte Kost bevorzugt und eine Elite den Anspruch hochhält. Die allermeisten wünschen sich ein mittleres bis hohes Maß an Originalität. Für andere Merkmale wie Spannung wird es ähnlich sein. Beim heutigen Auswahlprozess bekommt man selten Geschichten angeboten, die ein optimales Maß verschiedener Merkmalsausprägungen austariert in sich vereinen, sondern Kombinationen mitbringen, in denen das eine Merkmal gegen den einen Pol, das andere zum anderen tendiert. Da ist es folgerichtig, eine Mischung anzustreben. Mein Vorschlag, Optimierungen anzuregen, ist aufwendiger, könnte aber zu guten Ergebnissen führen.

Und selbstverständlich biete ich Dir gerne sobald möglich eine Geschichte an, von der ich glaube, dass sie geeignet sein könnte. Ich fände es sehr spannend, falls Du dann erkennen solltest, dass ein Faktor suboptimal umgesetzt wurde, die Geschichte mit Dir zusammen zu optimieren.



#207 Sam Francisco

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Geschrieben 23 Juli 2026 - 19:32

Uwe Hermann - Mein alter Herr:

 

Ich wusste es doch, Uwe Hermann enttäuscht mich nicht. Mein alter Herr ist eine leise, hoch emotionale Geschichte über die Angst vorm Tod, verpackt in ein Science-Fiction-Setting. Das ist zwar inhaltlich nicht das, was ich gerne lesen möchte, Uwe Hermann schafft es aber trotzdem, mich an den Haken zu kriegen. Dafür satte 4 Sterne.

 

SF


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#208 Uwe Post

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Geschrieben 23 Juli 2026 - 20:07

54 Mio Euro Umsatz - bei deutschsprachigen Romanen deutscher Autoren?

 

Gegen Deine Anregung, die Abwärtsspirale bei Kurzgeschichten zu durchbrechen, habe ich nichts einzuwenden. Im Gegenteil, unter anderem deswegen habe ich das Future Fiction Magazine gegründet. Mit beachtlichem, aber leider noch nicht durchschlagendem Erfolg. Vielleicht gibt es ja noch andere Ideen, wie zum Beispiel den Podcast, die bezeiten von motivierten Machern in Angriff genommen werden. 


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#209 lapismont

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Geschrieben 24 Juli 2026 - 10:32

Andreas Eschbach: Bigger Than Life

Okay, spätestens ab Schmetterlinge, zweiter Auftritt war die Geschichte erzählt.

 

Stil: unauffällig
Plot: ganz, ganz dünn
Figuren: flache Pappe
Idee: uralt
Lesespaß: gering

 

Nee, das hätte man zurückgeben müssen, allein die Idee, dass sich zwei Ermittler gleichzeitig in die Hände des Verdächtigen begeben, lässt den Plot in sich zusammen brechen. Das war nix.


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#210 lapismont

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Geschrieben 24 Juli 2026 - 10:35

Ach ja die Illustration: Die fand ich aus Qualitätsgründen gruselig.


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