Zum Inhalt wechseln


Foto

die KI liegt in der amazon-Bestsellerliste für SF-Kurzgeschichten vorn

KI KI-generierte Texte Fake Bestsellerliste amazon

  • Bitte melde dich an um zu Antworten
30 Antworten in diesem Thema

#1 Frank Lauenroth

Frank Lauenroth

    ThrillerAutor

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 3.762 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Hamburg

Geschrieben 30 Juli 2026 - 09:44

Moin,

 

die KI hat gewonnen.

Zumindest heute.

 

Wenn man heute - 30.07.2026 - in die Bestsellerliste für SF-Kurzgeschichten schaut , dann graust es einem aus diversen Gründen, aber vor allen Dingen, weil die KI-generierten Books Platz 1 und 3 sicher haben

https://www.amazon.d...sr_digital-text

 

Hier nochmal die Einzellinks:

https://www.amazon.d.../dp/B0GDKB5HFZ/

https://www.amazon.d...k/dp/B0GF287R3Y

 

Okay, derselbe "Autor", aber das alles schreit so nach KI, das man sich schon fragen darf, wo die überwiegend positiven Bewertungen herkommen ... oder gibt es KI-Tools, die die ebooks durchlaufen und am Ende automatisch 5 Sterne vergeben?

 

Und überhaupt - WTF wird da alles als SF gelistet?

 

Warum gibt es kein KI (?)-Tool, das die Inhalte spidert und anhand von vorgefundenen Themen die entsprechende Eingliederung in Kategorien vornimmt?

 

:bigcry:

 


In memoriam Michael Szameit / Christian Weis / Alfred Kruse / Rico Gehrke                                     


#2 Mammut

Mammut

    Pot Healer

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 9.959 Beiträge
  • Geschlecht:männlich

Geschrieben 30 Juli 2026 - 09:50

Warum denkst du, es handelt sich um KI Texte  bei Uluru?

Abgerichtet für den Prinzen, aktuell Platz 2, hat 522 Bewertungen :blush:



#3 Frank Lauenroth

Frank Lauenroth

    ThrillerAutor

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 3.762 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Hamburg

Geschrieben 30 Juli 2026 - 10:27

Hab es durch ein KI-Erkennungstool geschickt.

Ebenso die Autorenbeschreibung.

 

Es gibt noch andere Hinweise [https://www.test.de/...-hat-6322785-0/]


In memoriam Michael Szameit / Christian Weis / Alfred Kruse / Rico Gehrke                                     


#4 Christian Hornstein

Christian Hornstein

    Temponaut

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 1.005 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Bonn

Geschrieben 30 Juli 2026 - 16:21

Ich habe die ersten Seiten des ersten Bandes "Der Preis der Sterne" mit Pangram getestet: 100% menschlich.  :)  

Pangram sollte recht zuverlässig sein, aber nichts genaues weiß man nicht ...


Bearbeitet von Christian Hornstein, 30 Juli 2026 - 16:22.


#5 Stephan

Stephan

    Infonaut

  • Mitglieder
  • PIPPIP
  • 232 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Berlin

Geschrieben 31 Juli 2026 - 09:50

Das Problem besteht für mich darin, das ich diesen KI-Verdacht als potentieller Käufer und Leser nie zweifelsfrei ausräumen könnte.

Weder sind Amazonbewertungen verlässlich und nachvollziehbar (denn die lassen sich auch kaufen), noch weiß ich ob ich mich auf so ein KI-Erkennungstool verlassen kann.

Letztendlich wird es auch eine Menge Leser geben, die einen generierten Text entweder nicht erkennen können oder das sogar ausdrücklich mögen.

Mir bleibt da nur, mich verstärkt darauf zu konzentrieren, was die Autor/innen so neben ihren Texten veröffentlichen. Ihre Videos, ihre Interviews, Messepräsenz etc, um halbwegs einen Eindruck zu kriegen, ob die das jeweilige Werk zumindest verfasst haben könnten.

Letztendlich steigt für mich durch diese digitale Marketingapokalypse der Wert persönlicher Buchempfehlungen von echten Menschen.

Mein Blog über Science Fiction: www.ostinspace.blog  :)

  • (Buch) gerade am lesen:"Mythen, Monster und Manien" von Ian Watson
  • (Buch) als nächstes geplant:"ZOI" von Jane Mondrup
  • • (Buch) Neuerwerbung: "Athos 2643" von Nils Westerboer

#6 ChristophGrimm

ChristophGrimm

    Temponaut

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 1.074 Beiträge
  • Geschlecht:männlich

Geschrieben 31 Juli 2026 - 10:18

Mir bleibt da nur, mich verstärkt darauf zu konzentrieren, was die Autor/innen so neben ihren Texten veröffentlichen. Ihre Videos, ihre Interviews, Messepräsenz etc, um halbwegs einen Eindruck zu kriegen, ob die das jeweilige Werk zumindest verfasst haben könnten.

 

Das stimmt mich nachdenklich.

Ich bin gerne hier im Forum und nutze auch Social Media. Gegen Interviews hätte ich prinzipiell nichts einzuwenden – aber außer Mammut hat mich noch niemand gefragt :D.

 

Mir hingegen vorzustellen, mich für viele Leser:innen als Autor "verifizieren" zu müssen, schreckt mich ab. Das, was viele mit zig Challenges, Selbstdarstellungen, konstanten Meinungsäußerungen und politischen Statements alle paar Tage oder sogar täglich über Instagram, TikTok, Threads usw. verbreiten, kann ich nicht leisten – und ich will es auch nicht. 

Mein Gedankenventil war schon immer der fiktionale Text.

 

Irgendwie habe ich, nicht nur bei dir sondern v. a. auch bei vielen Autor:innen, den Eindruck, das absolut Schlimmste, das passieren könnte, wäre das Gefallen an einem generierten Text.

Woran liegt das? 


SF/Fantasy-Literaturzeitschrift: https://weltenportalmagazin.de | SF hautnah: https://eridanusverlag.de | Meine Welt der Worte: https://christophgrimm.com
  • (Buch) gerade am lesen:"Die Haarteppichknüpfer" (Andreas Eschbach) (Reread)
  • (Buch) als nächstes geplant:"Der Tempel am Ende der Zeit" (Sven Haupt), "Stille Erde" (Hans Jürgen Kugler)

#7 Stephan

Stephan

    Infonaut

  • Mitglieder
  • PIPPIP
  • 232 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Berlin

Geschrieben 31 Juli 2026 - 10:54

Irgendwie habe ich, nicht nur bei dir sondern v. a. auch bei vielen Autor:innen, den Eindruck, das absolut Schlimmste, das passieren könnte, wäre das Gefallen an einem generierten Text.
Woran liegt das?

Also ich meinte nicht, das Autoren sich zum Weltgeschehen äußern müssen, nur um mir zu zeigen, das sie real sind. Aber ich merke das Empfehlungen wirken.

Also als ein Beispiel: ich lese höchst selten Selfpublishing-Autoren, weil es einfach ein Überangebot gibt und ich gar nicht weiß wie ich aus der Masse da etwas gutes im Onlinemarktplatz meiner Wahl zusammenclicken soll. Aber bei Markus Gersting mache ich eine Ausnahme, da mich seine Videos über seine Hürden und Fortschritte beim Schreiben überzeugt haben.

Ähnlich funktioniert es über Artikel in Fanzines etc. Aber irgendwoher muss ein Impuls kommen und ich merke er funktioniert um so besser,je persönlicher er ist.

Zur KI:
Ich glaube da teilt sich das Lesepublikum ja auf. Es gibt ja auch Leser, die generierte Texte ausdrücklich bevorzugen.
Ich habe die Zeitungsartikel aus Amerika gelesen über diese Onlinekurse, die dort für Autor/innen angeboten werden, wie sie neue Bücher in kurzer Zeit generieren und vermarkten können, ohne das es ihr Publikum merkt.
An dem Punkt steige ich mental aus, wenn ich mir vorstelle das ich dann womöglich länger an einem Buch lese als der/die Autor/in überhaupt drann geschrieben hat.

Da fühlt sich lesen für mich nicht mehr wie ein kultureller Prozess und wie ein Austausch mit dem Autor an, sondern wie eine sinnlose Tätigkeit.

Ich lese ja grundsätzlich auch viele Schrottbücher aus den 50ern und 60ern, die vor Propaganda nur so triefen, aber ich finde das reizvoll, da ich versuche die Gründe und Absichten zu erraten.

Generell stelle ich mir oft die Frage was diese Passage oder jener Satz da eigentlich soll. Und das kann ich mir komplett sparen, wenn es von einem Computerprogramm generiert wurde. Weil dann gibts da keine ursächlichen Gedanken, sondern nur stochastische Prozesse, die das bewirkt haben.

Da könnte ich dann genauso wie die Content-Creator auf Booktok die Bücher einfach nur noch per KI zusammenfassen lassen anstatt sie selbst zu lesen.

Hoffe das ist halbwegs verständlich, was ich geschrieben habe :-)

Bearbeitet von Stephan, 31 Juli 2026 - 11:03.

Mein Blog über Science Fiction: www.ostinspace.blog  :)

  • (Buch) gerade am lesen:"Mythen, Monster und Manien" von Ian Watson
  • (Buch) als nächstes geplant:"ZOI" von Jane Mondrup
  • • (Buch) Neuerwerbung: "Athos 2643" von Nils Westerboer

#8 Nina

Nina

    Europas repräsentativster Fan ;-)

  • Moderator
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 3.700 Beiträge
  • Geschlecht:weiblich
  • Wohnort:Leonding

Geschrieben 31 Juli 2026 - 16:26

Ich weiß in dem Fall nicht so recht, was ich davon halten soll. Und man kann eine KI ja mit wahnsinnig viel Info füttern und je mehr man füttert, umso fetter wird die Sau, um es mal profan auszudrücken. 

 

Rezensionen: Also die Bewertungen sind längst verkommen. Zu viele davon bezahlt. im kleinen Rahmen haut man einen Bekannten an, was zu schreiben. Die Bewertungen klingen für mich eher nach: Ach, der ist mein Freund, ich muss was schreiben, dabei mag ich SF ja gar nicht! 

 

Mich schrecken heutzutage die Wettbewerbe großer Verlage ab. Man wird vielleicht publiziert, wenn man ein Social Media Star ist, der soundsoviele Klicks und Likes auf die Leseprobe oder - schlimmer - auf das Manuskript bekommt. (Das ist ganz schlimm, macht das Manuskript online nicht das Rennen, gilt es als "verbrannt" und wird kaum noch einen anderen Verlag finden.) 

 

Es gibt auch andere Dinge, die keine KI sind, aber sich nach KI anfühlen: Wenn ein Autor einem Trend hinterschreiben muss. Er muss im Inhalt dies und das einbringen (bitte unbedingt z.B. Klimawandel!), und mindestens ein Charakter muss transgender sein und einer eine "person of colour". Ich merke das v.a. bei Netflix-Serien und denke mir da öfter: Das ist aber kein realistischer Freundeskreis. 



#9 Gerd

Gerd

    Giganaut

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIP
  • 724 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Offenburg

Geschrieben 31 Juli 2026 - 23:22

Ich habe die ersten Seiten des ersten Bandes "Der Preis der Sterne" mit Pangram getestet: 100% menschlich.  :)  

Pangram sollte recht zuverlässig sein, aber nichts genaues weiß man nicht ...

Da stellt sich dann natürlich die eine oder andere Frage. Der Autor spricht anscheinend Französisch (zumindest gibt es ein auf Französisch geführtes Interview mit ihm) und vermutlich auch Englisch (wenn er in Perth lebt & arbeitet); spricht er auch Deutsch und hat seine drei Romane selbst übersetzt (ohne jede KI-Hilfe, wenn Pangram 100% menschlich sagt)? Und zwar so ganz nebenbei? Oder hat er einen guten Kumpel, der das Werk/die Werke übersetzt hat, aber auf eine Namensnennung verzichtet (denn ich habe nirgends eine Übersetzernennung gesehen, kann aber auch nur den Blick ins Buch nutzen), weil er ... äh ... "Teil von etwas ganz Großem" sein will oder sowas? Ja, klar, kann natürlich sein.

Und sein Englisch ist natürlich genauso gut, denn auch da steht nirgends ein Übersetzer oder eine Übersetzerin. Ja, klar, kann natürlich sein.

 

Ich bin da allerdings eher bei Frank.

 

Und warum steht das unter SF-Kurzgeschichten? Ach so, klar, weil es Amazon am Arsch vorbeigeht, in welcher Sparte was erscheint.


Sudden moroseness. One hop too far.

#10 Mammut

Mammut

    Pot Healer

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 9.959 Beiträge
  • Geschlecht:männlich

Geschrieben 01 August 2026 - 07:35

Wenn ich das richtig sehe hat Gabriel Kerguelen nur drei Romane veröffentlicht, wahrscheinlich aus einer Serie. Das ist jetzt nicht sonderlich gehäuft. Vielleicht verwendet aber der Autor Kindle Translator. Kindle übersetzt die Romane automatisch zumindest ins Englische. Oder er nutzt ein automatisches Übersetzungsprogramm.

Dann wären die Geschichten nicht unbedingt KI erstellt, aber die Übersetzungen.

 

Ich finde es leider nicht mehr, aber wir hatten zuletzt eine Autorin mit einem wahnsinnigen Output, da schienen nicht nur die Werke KI generiert, auch die Autorin war es wohl. Im Netz fand sich kein Bild von ihr und man konnte nicht verifizieren, ob sie existiert.



#11 Mammut

Mammut

    Pot Healer

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 9.959 Beiträge
  • Geschlecht:männlich

Geschrieben 01 August 2026 - 09:55

Also als ein Beispiel: ich lese höchst selten Selfpublishing-Autoren, weil es einfach ein Überangebot gibt und ich gar nicht weiß wie ich aus der Masse da etwas gutes im Onlinemarktplatz meiner Wahl zusammenclicken soll. Aber bei Markus Gersting mache ich eine Ausnahme, da mich seine Videos über seine Hürden und Fortschritte beim Schreiben überzeugt haben.

Ähnlich funktioniert es über Artikel in Fanzines etc. Aber irgendwoher muss ein Impuls kommen und ich merke er funktioniert um so besser,je persönlicher er ist.

 

Mir geht das ähnlich. Es erscheint jedes Jahr soviel und es stehen ja noch viel mehr Jahre an Literatur aus der Vergangenheit zur Verfügung, da wählt man natürlich aus. Jeder kann sich ja mal überlegen, wie viele der KLP und DSFP Gewinner er gelesen hat (oder Hugo und Nebula) und wie viele nicht. Und da sind ja noch die Nominierten und die, die leider nicht nominiert wurden, aber toll sind.

So viele Lesemöglichkeiten, ich schau mir immer beim Vincent Preis an, wie viel ich von den Listen gelesen habe, bevor ich abstimme und das ist immer nur ein sehr kleiner Bruchteil und ja auch nur ein Genre.

Die Inflation der Buchveröffentlichungen sorgt ja immer weiter dafür, dass der Großteil der Literatur kaum gelesen wird. Selbst bei den einschlägigen Publikationen wie AN, phantastisch!, etc., wird ja nur ein kleiner Teil der Neuerscheinungen besprochen und im Netz sieht es nicht viel besser aus.



#12 Gerd

Gerd

    Giganaut

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIP
  • 724 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Offenburg

Geschrieben 01 August 2026 - 12:32

...

Dann wären die Geschichten nicht unbedingt KI erstellt, aber die Übersetzungen.

 

 

Da Frank auf die deutschen Übersetzungen verlinkt hat, bin ich davon ausgegangen, dass Christian besagte Übersetzungen gecheckt hat - und da würde mich das 100% menschlich doch sehr wundern.

 

Außerdem finde ich noch ein paar Dinge merkwürdig - z.B. welchen Preis der erste Band gewonnen haben soll.

 

Ich kann und will nicht behaupten, dass der Romantext von einer KI erschaffen wurde, aber irgendwas an der ganzen Sache "hat ein G'schmäckle" ...


Sudden moroseness. One hop too far.

#13 Mammut

Mammut

    Pot Healer

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 9.959 Beiträge
  • Geschlecht:männlich

Geschrieben 01 August 2026 - 12:46

Der zweite soll ja auch einen gewonnen haben. Klappern gehört zum Geschäft und ob da jetzt ein echter Preis dahinter steckt oder ob das nur Marketing ist?

 

Wir hatten auf dem Metropolcon die Diskussion, ob KI zweifelsfrei erkannt werden kann und die Expertin, die den PAN Vortrag hielt, hat bestätigt, was auf der Hand liegt. Kann die KI nicht. 

 

Vor einem Jahr (oder zwei) hätte ich auch gedacht, dass erkennt man recht schnell. Aber mittlerweile sind die gut geworden und es ist nicht einfach zu erkennen. Ich lese gerade bei Punktasten mit und habe das gleiche Gefühl wie Chris Grimm bei Smartokratie: Da liest sich vieles gleich und generisch. Wenn man dann noch sieht, wie die Texte aussehen, die aus den amerikanischen Buchfabriken ausgestoßen werden, scheint mir schwer unterscheidbar, ob ein Text einfach modern geschrieben ist oder von einer KI. 

Bei den Pressetexten wie auf Facebook scheint mir das einfach zu sein, da gähne ich schon nach vier Sätzen weil das immer gleich klingt. Aber ob das bei Romanen oder Kurzgeschichten auch so ist?

Und viele wollen ja glatte und konturlose Texte.



#14 Christian Hornstein

Christian Hornstein

    Temponaut

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 1.005 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Bonn

Geschrieben 03 August 2026 - 11:45

Irgendwie habe ich, nicht nur bei dir sondern v. a. auch bei vielen Autor:innen, den Eindruck, das absolut Schlimmste, das passieren könnte, wäre das Gefallen an einem generierten Text.

Woran liegt das? 

 

Eine recht tief gehende Frage. Für diesen Effekt gibt es eine Reihe von Ursachen. Stephan hat sehr gut die vielleicht wichtigste genannt: Viele von uns, so auch ich, möchten nicht nur irgendwie unterhalten werden, sondern einen Einblick in die Vorstellungswelt eines anderen Menschen bekommen und erleben, wie er sie ausdrückt. Wenn beides simuliert wird, bekomme ich nur eine Art Collage präsentiert, ein Frankensteinmonster, das irgendwie mit menschlichen Regungen und Ausdrucksformen zu tun hat, irgendwie aber auch nicht. Im Fall einer perfekten Simulation in dem Sinne, dass ein Mensch so geschrieben haben könnte, bekomme ich ein fiktives Gegenüber, so ähnlich, wie wenn ich im Netz Freundschaft mit jemandem schließe, der sich als Bot entpuppt.

 

Hier kommt eine weitere Ursache zum Tragen: Ich möchte nicht betrogen werden. Wenn jemand von einer KI schreiben lässt, dies aber verschweigt, ist das letztlich Betrug, denn per default gehen die meisten von uns immer noch von etwas anderem aus. Jetzt könnten wir uns natürlich alle brav an diese Intransparenz gewöhnen und einfach annehmen, dass fast alle Texte mehr oder weniger KI-generiert werden, und fragen: so what? Das würde aber bedeuten, dass wir akzeptieren, irgendwann gar nicht mehr zu wissen, was nun authentisch menschlich ist und was nicht. Philip K. Dick hat ein ähnliches Szenario vor langer Zeit mal erdacht. Es ist kein schönes.

 

Warum ist es denn nicht schön? werden diejenigen fragen, die auf KI-Texte stehen oder Avatare heiraten wie in Japan. Nun ja, wenn es einem egal ist, ob man von Illusionen umgeben ist, so wie Cypher in der Matrix, hauptsache es macht Spaß, dann kann man das schön finden. Dann könnte es aber sein, dass wir aufgrund der überbordenden Präsenz der hyperproduktiven stets verfügbaren Maschinen bald nur noch mit Maschinen interagieren. Hier tut sich, glaube ich, ein existentieller Abgrund auf, in den wir durchaus beginnen zu blicken.
 



#15 Christian Hornstein

Christian Hornstein

    Temponaut

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 1.005 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Bonn

Geschrieben 03 August 2026 - 11:50

Der zweite soll ja auch einen gewonnen haben. Klappern gehört zum Geschäft und ob da jetzt ein echter Preis dahinter steckt oder ob das nur Marketing ist?

 

Wir hatten auf dem Metropolcon die Diskussion, ob KI zweifelsfrei erkannt werden kann und die Expertin, die den PAN Vortrag hielt, hat bestätigt, was auf der Hand liegt. Kann die KI nicht. 

 

Vor einem Jahr (oder zwei) hätte ich auch gedacht, dass erkennt man recht schnell. Aber mittlerweile sind die gut geworden und es ist nicht einfach zu erkennen. Ich lese gerade bei Punktasten mit und habe das gleiche Gefühl wie Chris Grimm bei Smartokratie: Da liest sich vieles gleich und generisch. Wenn man dann noch sieht, wie die Texte aussehen, die aus den amerikanischen Buchfabriken ausgestoßen werden, scheint mir schwer unterscheidbar, ob ein Text einfach modern geschrieben ist oder von einer KI. 

Bei den Pressetexten wie auf Facebook scheint mir das einfach zu sein, da gähne ich schon nach vier Sätzen weil das immer gleich klingt. Aber ob das bei Romanen oder Kurzgeschichten auch so ist?

Und viele wollen ja glatte und konturlose Texte.

 
Der Wettlauf ist bereits voll entbrannt. Es gibt bereits viele Menschen, die KI nutzen, um KI-generierte Texte "menschlicher" aussehen zu lassen: erstellen, prüfen, anpassen, prüfen, anpassen, prüfen, ... bis der Text von allen Werkzeugen als 100% human durchgeht. Meiner Meinung nach wird diese Entwicklung ohne Regulation zwangsläufig dazu führen, dass irgendwann niemand mehr wissen wird, was noch authentisch ist und was nicht. Manche meinen, das wäre kein Problem. Ich sehe das anders.



#16 Helge

Helge

    Biblionaut

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIP
  • 563 Beiträge
  • Geschlecht:männlich

Geschrieben 04 August 2026 - 17:11

Vielleicht sollte man einfach auf die ganz klassische Unterscheidung zwischen "gut" und "schlecht" zurückkommen. Da wird beim Guten wohl eher nicht so viel KI dabei sein.



#17 ChristophGrimm

ChristophGrimm

    Temponaut

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 1.074 Beiträge
  • Geschlecht:männlich

Geschrieben 06 August 2026 - 08:20

Zunächst on topic:

@ Frank: Warum gehst du bei "Uluru" und den Folgebänden davon aus, dass die (ursprünglichen) Texte KI-generiert sind? Ich habe mir die erste Seite durchgelesen und mein Eindruck ist eher, dass es ein menschlicher Text ist, der eine KI-(gestützte)-Übersetzung erfuhr. Das würde auch zum Bild des Autors passen. (Instagram).

 

Zum Hintergrund meiner Einschätzung: Meine ursprüngliche Idee war es, die internationalen Gaststorys in Weltenportal mithilfe von DeepL zunächst grob zu übersetzen und das Ergebnis anschließend zu redigieren bzw. zu korrigieren. Vergiss es! Gerade da mein Englisch gut genug ist, um Slang, Humor (Ironie, Sarkasmus) und ein bewusst eingesetztes Spiel mit Sprache zu bemerken, fallen mir die Grenzen von DeepL auf: Das Tool hat (noch) kein Gespür für Sprache. Das gilt auch für einige "normale" Sätze, für die man sich im Sinne der stilistischen Eleganz bei der Übersetzung etwas von der Ursprungsformulierung entfernen muss. Der deutsche und der englische Satzbau haben Gemeinsamkeiten, aber die "Rhythmik" unterscheidet sich bisweilen doch.

Ich will DeepL und andere Übersetzer nicht verteufeln: Sie geben mir hauptberuflich die Möglichkeit, mich mit Mitarbeitenden und Dienstleistern/Monteuren auszutauschen, deren Deutsch- oder Englisch-Kenntnisse nur rudimentär vorhanden sind. Aber die literarischen Kleinode gebe ich doch lieber an Marie Meier, die mir mit ihren Übersetzungen eine schon ältere Aussage von Bernhard Kempten bestätigt: "Ein Übersetzer muss nicht nur gutes Englisch, sondern auch gutes Deutsch beherrschen". (Kein wortwörtliches Zitat. Sinngemäß hat er es in Star Trek: Das offizielle Magazin zu Anfang des Jahrtausends von sich gegeben, als mit ihm ein Interview über die Übersetzungen der Star Trek Romane geführt wurde). 

 

@Stephan, Christian:

Danke für eure Antworten. Ich stimme euch in Vielem zu, manches betrachte ich anders.

 

Das liegt wohl auch daran, dass ich mich am ehesten in den Ausführungen von Roland Barthes in seinem berühmten Essay "Tod des Autors" wiederfinde.

Für mich ist weniger entscheidend, was Autor:innen erreichen wollten, sondern vielmehr was ein Werk hergibt, wie ich es aufnehme, was es mit mir macht.

In gewisser Weise existieren die Autor:innen für mich also nicht.

(Durch KI gewinnt der Essaytitel eine zugegebenermaßen zynische Note).

 

Viele von uns, so auch ich, möchten nicht nur irgendwie unterhalten werden, sondern einen Einblick in die Vorstellungswelt eines anderen Menschen bekommen und erleben, wie er sie ausdrückt. 

 

Ich möchte nicht betrogen werden. Wenn jemand von einer KI schreiben lässt, dies aber verschweigt, ist das letztlich Betrug, denn per default gehen die meisten von uns immer noch von etwas anderem aus. Jetzt könnten wir uns natürlich alle brav an diese Intransparenz gewöhnen und einfach annehmen, dass fast alle Texte mehr oder weniger KI-generiert werden, und fragen: so what? Das würde aber bedeuten, dass wir akzeptieren, irgendwann gar nicht mehr zu wissen, was nun authentisch menschlich ist und was nicht. Philip K. Dick hat ein ähnliches Szenario vor langer Zeit mal erdacht. Es ist kein schönes.

 

Ich bin sehr für eine Kennzeichnungspflicht. 

 

Glaubst du, ich möchte nur unterhalten werden? Oder dass ich KI-generierte Texte überhaupt bewusst lesen möchte?

Ich schließe nur nicht die Möglichkeit aus, dass es auch einem generierten Text gelingen kann, in dir, mir und anderen etwas auszulösen, das nachhallt.

 

Im Weltenportal Thread habe ich gegenüber Mammut geäußert, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis einer von uns (Hrsg.) auf eine generierte Geschichte hereinfallen wird – oder wir es womöglich sogar schon sind. Vermutlich dann, wenn die KI-Checker nicht anschlagen und uns der Text beeindruckt (hat). 

Weißt du, ich habe die Vorstellung, dass wir irgendwann in den nächsten Jahre in einem KG-Thread (NOVA, Weltenportal, Future Fiction Magazin, beliebige Anthologie) ein neues Talent entdecken, ihm/ihr zu DSFP und KLP verhelfen – und drei Jahre später erfahren, dass dieses Kleinod, das wir alle abgefeiert haben, generiert war.

Und dann? Aus Arroganz so tun, als wären wir nicht beeindruckt gewesen?

 

Ehrlich gesagt, bereitet mir KI außerhalb der Kunst weit mehr Sorgen: Ich fürchte den Verlust von Fertigkeiten und eigenständigem Denken; dass der Verlust des "sich Erarbeitens" fatale Auswirkungen auf uns und künftige Generationen haben wird. Ich habe Angst davor, was passiert, wenn Falschinformationen im Internet die Oberhand gewinnen und die KI sie treudoof den Fragenden, die ChatGPT/Gemini/Claude usw. längst vertrauen, wiedergeben. Mir wird mulmig bei dem Gedanken, dass Deep-Fakes millionenfach geteilt werden, und im schlimmsten Fall ein Qualitätsniveau erreichen, das ihre Entlarvung massiv erschwert oder gar unmöglich macht. 

 

Vieles von dem, was ich in diesem Posting schrieb, ist im Übrigen auch in meine letzte Kurzgeschichte "Vibes" (Smartokratie) eingeflossen – ob das, was ich wollte, mein Text hergibt, und ob es von den Lesenden dann auch aufgenommen wird, wird sich zeigen. Du wirst auf jeden Fall meine KI-freie "Vorstellungswelt" präsentiert bekommen ;)


Bearbeitet von ChristophGrimm, 06 August 2026 - 12:10.

SF/Fantasy-Literaturzeitschrift: https://weltenportalmagazin.de | SF hautnah: https://eridanusverlag.de | Meine Welt der Worte: https://christophgrimm.com
  • (Buch) gerade am lesen:"Die Haarteppichknüpfer" (Andreas Eschbach) (Reread)
  • (Buch) als nächstes geplant:"Der Tempel am Ende der Zeit" (Sven Haupt), "Stille Erde" (Hans Jürgen Kugler)

#18 Stahlelefant

Stahlelefant

    Infonaut

  • Mitglieder
  • PIPPIP
  • 202 Beiträge
  • Geschlecht:männlich

Geschrieben 06 August 2026 - 13:07

Ehrlich gesagt, bereitet mir KI außerhalb der Kunst weit mehr Sorgen: Ich fürchte den Verlust von Fertigkeiten und eigenständigem Denken; dass der Verlust des "sich Erarbeitens" fatale Auswirkungen auf uns und künftige Generationen haben wird.

 

Ja, Bücher und Fachartikel werden als unnötige Belastung gesehen.

Artikel: The End of Reading Is Here
»“By asking them to read,” she said, “professors are arbitrarily withholding information from students by forcing them to get it through this more difficult medium.”«

 

 

She had to explain—to students at America’s most elite university, taking a course in a discipline rooted in written observation, argumentation, and analysis—that excerpts and summaries cannot capture the depth and sophistication of a complete primary text. Rennix told me that some students now view reading as an unnecessarily burdensome way of acquiring knowledge. “By asking them to read,” she said, “professors are arbitrarily withholding information from students by forcing them to get it through this more difficult medium.”

https://web.archive....ate-age/687618/


Nautron respoc lorni virch.

  • (Buch) gerade am lesen:Ray Bradbury: The Martian Chronicles

#19 Mammut

Mammut

    Pot Healer

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 9.959 Beiträge
  • Geschlecht:männlich

Geschrieben 07 August 2026 - 08:15

Hier eine Studie zu KI Titeln bei Amazon:

Die Vermutung war richtig: Was eine neue Studie über KI-Bücher auf Amazon beweist – buchmarkt.de



#20 FrankW

FrankW

    Typonaut

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIP
  • 449 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Eisenach

Geschrieben 07 August 2026 - 10:34

Da frage ich mich, wie diese Untersuchung überhaupt durchgeführt wird. Haben die von allen 14000 eBooks jeweils ein Exemplar gekauft, um es überprüfen zu können? Hat Amazon denen ohne Einwilligung der Autoren Zugang auf die Bücher gewährt? Und vor allem: Wie zuverlässig ist die Software, die KI erkennen soll? Ich selbst habe z.B. lange, bevor KI überhaupt für die Allgemeinheit verfügbar war, gerne und relativ oft Gedankenstriche benutzt.



#21 Mammut

Mammut

    Pot Healer

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 9.959 Beiträge
  • Geschlecht:männlich

Geschrieben 07 August 2026 - 10:46

Ich gebe zu, die Frage habe ich mir auch gestellt. 



#22 Stephan

Stephan

    Infonaut

  • Mitglieder
  • PIPPIP
  • 232 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Berlin

Geschrieben 07 August 2026 - 11:02

Die Studie ist in dem Artikel, den Mammut gepostet hat, ebenfalls verlinkt.

 

Sie schreiben dazu:

 

"All the books analyzed in our study were lawfully acquired through various sources such as emailing authors for epubs,
acquiring online through libraries such as Libby or Hoopla or purchasing directly from Amazon. We report author-level
analyses using anonymized identifiers (A1, A2, . . . ) and do not name any author, byline, or book title. The study
analyzes market-level outcomes from observational sales data and involved no interaction with human subjects."

 

Die Studie nimmt eine statistische Analyse der Texte vor, die mit Wahrscheinlichkeiten arbeitet. Da geht es also nicht um die konkreten Fälle.

 

Allerdings haben sie zur Auswertung unter anderem Pangram benutzt, also die aktuell am häufigsten verwendete Erkennungssoftware. Allerdings gibt es da, ebenso wie bei allen anderen AI-Erkennungstools sehr große Fehlerquoten.

 

Es kann also allenfalls als ein Indiz wirken und keine Beweiswirkung im Einzelfall haben.

 

Link:

https://www.heise.de...t-11394192.html


Mein Blog über Science Fiction: www.ostinspace.blog  :)

  • (Buch) gerade am lesen:"Mythen, Monster und Manien" von Ian Watson
  • (Buch) als nächstes geplant:"ZOI" von Jane Mondrup
  • • (Buch) Neuerwerbung: "Athos 2643" von Nils Westerboer

#23 Mammut

Mammut

    Pot Healer

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 9.959 Beiträge
  • Geschlecht:männlich

Geschrieben 07 August 2026 - 11:13

Die Studie ist in dem Artikel, den Mammut gepostet hat, ebenfalls verlinkt.

 

Sie schreiben dazu:

 

 

 

 

Die Studie nimmt eine statistische Analyse der Texte vor, die mit Wahrscheinlichkeiten arbeitet. Da geht es also nicht um die konkreten Fälle.

 

Allerdings haben sie zur Auswertung unter anderem Pangram benutzt, also die aktuell am häufigsten verwendete Erkennungssoftware. Allerdings gibt es da, ebenso wie bei allen anderen AI-Erkennungstools sehr große Fehlerquoten.

 

Es kann also allenfalls als ein Indiz wirken und keine Beweiswirkung im Einzelfall haben.

 

Link:

https://www.heise.de...t-11394192.html

 

Kann es wirklich als Indiz wirken? Wie hoch ist denn die Fehlerquote bei der Erkennung? Ich hatte vor ein paar Monaten den Spaß mal mit verschiedenen Erkennungssoftwaren für Bilder ausprobiert und hatte nicht den Eindruck, dass das Ergebnis aussagekräftig ist.

Dein Link ist leider hinter einer Bezahlschranke, daher kann man die Details nicht lesen. 



#24 Stephan

Stephan

    Infonaut

  • Mitglieder
  • PIPPIP
  • 232 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Berlin

Geschrieben 07 August 2026 - 11:30

Oh sorry, die Paywall war mir nicht ersichtlich, da ich einen Account dafür nutzen kann.

Aber hier ist eine Kritik an Pangram aus der TAZ, die ohne Schranke sein dürfte und das ähnlich gut zusammenfasst:

https://taz.de/KI-Er...tware/!6185273/

Mein Blog über Science Fiction: www.ostinspace.blog  :)

  • (Buch) gerade am lesen:"Mythen, Monster und Manien" von Ian Watson
  • (Buch) als nächstes geplant:"ZOI" von Jane Mondrup
  • • (Buch) Neuerwerbung: "Athos 2643" von Nils Westerboer

#25 Mammut

Mammut

    Pot Healer

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 9.959 Beiträge
  • Geschlecht:männlich

Geschrieben 07 August 2026 - 11:36

Ich habe mal die KI gefragt bezüglich der Ermittlung von KI Inhalte. Hier die Antwort:

Wenn man weiß, dass KI-Detektoren bei einzelnen Büchern unzuverlässig sind, stellt sich logischerweise die Frage: Woher kommen dann überhaupt die Zahlen?
Die Antwort ist: Die Forschung nutzt nicht einfach einen simplen Online-Detektor, sondern kombiniert anonymisierte Verlagsdaten, auffällige Veröffentlichungs-Explosionen und forensische Textanalysen. [1, 2]
Eine viel beachtete wissenschaftliche Studie der Stony Brook University und Columbia Law School hat genau dieses Problem gelöst. Anhand solcher Untersuchungen lässt sich der KI-Anteil über drei verlässliche Wege bestimmen: [1, 3]

1. Das "Inkubationszeit-Prinzip" (Statistische Anomalien)

Der deutlichste Beweis für KI-Bücher ist die schiere Masse. Menschliche Autoren brauchen Monate oder Jahre für ein Buch. [4]
 
  • Vor dem KI-Boom (2020–2022) wurden bei Amazon Kindle (KDP) konstant rund 100.000 E-Books pro Monat veröffentlicht. [5]
  • Mit dem Durchbruch von ChatGPT schoss diese Zahl explosionsartig nach oben. Bis Ende 2025 kletterte sie auf über 300.000 neue E-Books pro Monat – eine Verdreifachung des gesamten Marktes. [5]
  • Für das Jahr 2026 rechnen Branchenexperten mit rund 2,7 bis 2,9 Millionen neuen Indie-Titeln. Da die Zahl der menschlichen Autoren nicht über Nacht um 300 % gestiegen ist, lässt sich diese Differenz mathematisch nur durch KI-Generierung erklären. [5, 6]

2. Das "Kuckucksei-Phänomen" (Plagiate und Trittbrettfahrer)

Datenanalysten und die Authors Guild (der US-Autorenverband) tracken KI-Inhalte über das Verhalten von Spam-Accounts. Sobald ein echtes, von einem Menschen geschriebenes Buch (z. B. eine neue Biografie) erfolgreich wird, erscheinen innerhalb von 48 Stunden oft ein Dutzend dubiose Konkurrenz-Bücher zum exakt selben Thema bei Amazon. Ein Mensch kann kein fundiertes 300-Seiten-Buch in zwei Tagen schreiben – eine KI schreibt es in wenigen Minuten. [7, 8, 9]

3. Big Data und Metadaten-Verknüpfung

 
In der oben genannten Studie von 2026 untersuchten Forscher über 14.000 selbstveröffentlichte E-Books. Sie verließen sich nicht blind auf Software-Urteile, sondern verknüpften die Texte mit echten Verkaufsdaten und dem Uploader-Verhalten: [1, 10]
 
  • Format-Muster: Analysen von KDP Builder zeigen, dass knapp die Hälfte (49 %) aller identifizierten KI-Bücher gar keine Romane sind, sondern Rätsel-, Mal- und Notizbücher im typischen Format 8,5x11 Zoll, die massenhaft mit KI-Bildgeneratoren erstellt werden. [11]
  • Nischen-Wachstum: In bestimmten Genres wie Reiseführern gab es ein 9-faches Wachstum an Neuerscheinungen, in der Nische Self-Help/Erfolg stufte die forensische Analyse bis zu 77 % der Neuerscheinungen als KI-Slop (minderwertigen KI-Text) ein. [5, 12]
  • Umsatz-Abgleich: Echte Menschen verkaufen im Schnitt deutlich konstanter. Die Masse der KI-Bücher generiert kaum Verkäufe, was in den Amazon-Umsatzstatistiken eine riesige Welle an "toten" Büchern (Null-Verkäufe) sichtbar macht. [1]

Fazit

Man weiß es also nicht, weil man jedes Buch einzeln scannt. Man weiß es, weil man die Gesamtmenge der Neuerscheinungen vor und nach ChatGPT vergleicht und sieht, dass der Markt mit Millionen von Büchern geflutet wird, die rein physisch von Menschen niemals in dieser Zeit hätten geschrieben werden können. 
Wenn man von den Millionen "KI-Büchern" auf Amazon spricht, handelt es sich in der überwältigenden Mehrheit um Malbücher, Notizbücher, KI-generierte Reiseführer, Rezeptbücher oder zusammenkopierte Ratgeber. Wer einen echten, langen Roman sucht, läuft derzeit nur Gefahr, an KI-Slop zu geraten, wenn er in extrem obskuren Billig-Nischen sucht. 

Bearbeitet von Mammut, 07 August 2026 - 11:36.


#26 Nina

Nina

    Europas repräsentativster Fan ;-)

  • Moderator
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 3.700 Beiträge
  • Geschlecht:weiblich
  • Wohnort:Leonding

Geschrieben 07 August 2026 - 20:14

 

 

Im Weltenportal Thread habe ich gegenüber Mammut geäußert, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis einer von uns (Hrsg.) auf eine generierte Geschichte hereinfallen wird – oder wir es womöglich sogar schon sind. Vermutlich dann, wenn die KI-Checker nicht anschlagen und uns der Text beeindruckt (hat). 

 

Na ja, es gibt natürlich Wettbewerbe, wo die Herausgeber mehr reinfallen: Kurze Texte, klassischer Textaufbau, wie in der Schule gelernt. Mit Einleitung, Hauptteil und Pointe am Schluss. Die ersten Reingefallenen werden vermutlich Leute sind, die einen Krimi mit 8.000 Zeichen suchen, der in einer deutschen Kleinstadt spielt. - Übrigens kriegen die meisten Autoren das mit "spielt in Stadt soundso" ohnehin nicht ohne Internetrecherche hin. Dadurch verschwimmen die Grenzen natürlich leicher. Wir hatten ja auch das Problem, dass wie eine Cthulhu-Antho machen wollten, in verschiedenen europäischen Schauplätzen. KI war da noch nicht das Thema, Wikipedia-Halbwissen aber schon. Wir haben daher Autoren, die wir schon kennen, gefragt, welches Land sie wollen plus Begründung. 

Ich könnte mir vorstellen: Je mehr KI, desto mehr werden Herausgeber auf Autoren setzen, die sie schon kennen, desto mehr werden sie Ideen vielleicht schon im Vorfeld diskutieren.

Das ist aber auch eine bedauerliche Entwicklung, weil irgendwie muss ja jeder, der nicht in eine Verlegerfamilie reingeboren wurde, mal anfangen. 



#27 Christian Hornstein

Christian Hornstein

    Temponaut

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 1.005 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Bonn

Geschrieben 08 August 2026 - 16:43


Glaubst du, ich möchte nur unterhalten werden? Oder dass ich KI-generierte Texte überhaupt bewusst lesen möchte?
Ich schließe nur nicht die Möglichkeit aus, dass es auch einem generierten Text gelingen kann, in dir, mir und anderen etwas auszulösen, das nachhallt.

 

Nein, davon bin ich bisher nicht ausgegangen, im Gegenteil. Und ich schließe ebenfalls nicht aus, dass irgendwann maschinell generierte Texte uns beeindrucken könnten. Ich würde es nur als Problem ansehen, wenn wir in Zukunft von maschineller Kreativität überflutet und uns selbst entfremdet würden, weil diese Inhalte zum Beeindrucken geeignet wären, aber nicht hilfreich dafür, uns selbst näher zu kommen.

 

 

 

 


Ehrlich gesagt, bereitet mir KI außerhalb der Kunst weit mehr Sorgen: Ich fürchte den Verlust von Fertigkeiten und eigenständigem Denken; dass der Verlust des "sich Erarbeitens" fatale Auswirkungen auf uns und künftige Generationen haben wird. Ich habe Angst davor, was passiert, wenn Falschinformationen im Internet die Oberhand gewinnen und die KI sie treudoof den Fragenden, die ChatGPT/Gemini/Claude usw. längst vertrauen, wiedergeben. Mir wird mulmig bei dem Gedanken, dass Deep-Fakes millionenfach geteilt werden, und im schlimmsten Fall ein Qualitätsniveau erreichen, das ihre Entlarvung massiv erschwert oder gar unmöglich macht. 
 

 

Das sehe ich genauso. Das ist einer der Gründe, warum ich es kritisch sehe, wenn Autori sich ganze Geschichten, Sätze und narrative Diskurse vorformulieren lassen. Wenn sie das nämlich regelmäßig tun sollten, werden sie ihre Fähigkeit, Geschichten zu erfinden und sich auszudrücken immer mehr verlieren. Da die KI außerdem immer auch eigene Inhalte einbringt, lenkt sie einen ständig von dem ab, was man vielleicht in sich trägt, besonders, wenn diese Inhalte gefallen. Sobald das Werkzeug nicht allein zur Ersparnis von reiner Fleißarbeit angewandt wird, sondern zu schöfperischen Zwecken, sind wir alle die Verlierer.

 

 

 

 


Vieles von dem, was ich in diesem Posting schrieb, ist im Übrigen auch in meine letzte Kurzgeschichte "Vibes" (Smartokratie) eingeflossen – ob das, was ich wollte, mein Text hergibt, und ob es von den Lesenden dann auch aufgenommen wird, wird sich zeigen. Du wirst auf jeden Fall meine KI-freie "Vorstellungswelt" präsentiert bekommen ;).

 

Du sollst mir doch nicht immer den Mund so wässrig machen, sonst kann ich demnächst dieses Forum nur noch mit einem Handtuch bewaffnet betreten.  ;)


Bearbeitet von Christian Hornstein, 08 August 2026 - 16:44.


#28 Nina

Nina

    Europas repräsentativster Fan ;-)

  • Moderator
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 3.700 Beiträge
  • Geschlecht:weiblich
  • Wohnort:Leonding

Geschrieben 10 August 2026 - 18:29

 

 

Nein, davon bin ich bisher nicht ausgegangen, im Gegenteil. Und ich schließe ebenfalls nicht aus, dass irgendwann maschinell generierte Texte uns beeindrucken könnten. 

Umgekehrt hatten wir hier auch das Thema - Perry Rhodan preiswürdig. Ich habe mich auch persönlich mit einem Autor auf einer Convention gestritten. Mein Argument: "Bei PR sind die Charaktere vorgegeben, der Inhalt steht schon per Exposee fest und ich kann die Eigenleistung des Autors nicht erkennen, würde den also nicht für einen Preis nominieren." - Er meinte aber, wenn aber das Werk und nicht der Autor nominiert ist, zählt das Ergebnis. Ob die Leute das gerne gelesen haben. 

 

Und ich finde das auch kein schlechtes Argument. Ich lese auch immer wieder, dass Leute bestimmte Bücher nicht mehr lesen, weil der Autor beispielsweise eine problematische politische Meinung hat. Aber macht es das Werk schlechter?

 

Wenn ich ein Buch toll finde, es mich zum Nachdenken bringt und in meiner Lebewelt abholt, ist es wichtig, wer es geschrieben hat? Mann/Frau/Transgender-Person, politisch links oder rechts orientiert, religiös oder Atheist? Und ist dann auch einfach eine schnöde KI okay? 



#29 Stephan

Stephan

    Infonaut

  • Mitglieder
  • PIPPIP
  • 232 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Berlin

Geschrieben 10 August 2026 - 18:48

Ich lese auch immer wieder, dass Leute bestimmte Bücher nicht mehr lesen, weil der Autor beispielsweise eine problematische politische Meinung hat. Aber macht es das Werk schlechter?

 

Wenn ich ein Buch toll finde, es mich zum Nachdenken bringt und in meiner Lebewelt abholt, ist es wichtig, wer es geschrieben hat? Mann/Frau/Transgender-Person, politisch links oder rechts orientiert, religiös oder Atheist? Und ist dann auch einfach eine schnöde KI okay? 

 

Letztendlich bleibt keine andere Wahl als KI-Texte auch für Literaturpreise zuzulassen. Es ist sowieso nur eine Frage der Zeit bis die KI auch den ersten Literaturpreis in Deutschland gewinnt, wie es anderswo bereits geschehen ist.

 

Da sich die KI-Nutzung nicht mehr beweisen und auch nicht widerlegen lässt, würde eine Nicht-Zulassung nur dazu führen, dass die Texte heimlich eingereicht werden. Ein Zustand mit dem auch niemand zufrieden sein kann.

 

Eine kürzlich veröffentlichte Studie hat zudem ergeben, dass durch KI erstellte Texte bei einer Gruppe von Testleser*innen im Durchschnitt besser angekommen sind als von Menschen geschriebene Texte und sich die Meinung der Testleser*innen erst änderte, als diese davon erfahren haben, das ihre zuvor bevorzugten Texte nicht von Menschen stammen.

 

Ergo können viele Leser*innen auch jetzt schon nicht mehr unterscheiden, ob Texte generiert oder von Menschen geschrieben wurden.


Mein Blog über Science Fiction: www.ostinspace.blog  :)

  • (Buch) gerade am lesen:"Mythen, Monster und Manien" von Ian Watson
  • (Buch) als nächstes geplant:"ZOI" von Jane Mondrup
  • • (Buch) Neuerwerbung: "Athos 2643" von Nils Westerboer

#30 Nina

Nina

    Europas repräsentativster Fan ;-)

  • Moderator
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 3.700 Beiträge
  • Geschlecht:weiblich
  • Wohnort:Leonding

Geschrieben 10 August 2026 - 19:15

Letztendlich bleibt keine andere Wahl als KI-Texte auch für Literaturpreise zuzulassen. Es ist sowieso nur eine Frage der Zeit bis die KI auch den ersten Literaturpreis in Deutschland gewinnt, wie es anderswo bereits geschehen ist.

 

Da sich die KI-Nutzung nicht mehr beweisen und auch nicht widerlegen lässt, würde eine Nicht-Zulassung nur dazu führen, dass die Texte heimlich eingereicht werden. Ein Zustand mit dem auch niemand zufrieden sein kann.

 

Eine kürzlich veröffentlichte Studie hat zudem ergeben, dass durch KI erstellte Texte bei einer Gruppe von Testleser*innen im Durchschnitt besser angekommen sind als von Menschen geschriebene Texte und sich die Meinung der Testleser*innen erst änderte, als diese davon erfahren haben, das ihre zuvor bevorzugten Texte nicht von Menschen stammen.

 

Ergo können viele Leser*innen auch jetzt schon nicht mehr unterscheiden, ob Texte generiert oder von Menschen geschrieben wurden.

Ich denke, dass es erst mal viele Mischformen geben wird. Ich merke es auch bei mir selbst, ich schreibe an einer Geschichte, hab Anfang und Ende und der Mittelteil ist halt wie ein alter Kaugummi. Ich könnte mir das selbst vorstellen, hab aber noch nie mit KI geschrieben. 

 

Von Testsoftware halte ich eher wenig. KI bedient sich halt typischer Formulierungen. Auch ein Mensch schreibt von "Tränen in den Augen" oder so. Und am Ende gewinnt vermutlich der, der die teurere KI hat. 

 

Aber die Diskussion ist nicht so neu. Beim KLP war oft auch die Frage, ob ein Titelbild preiswürdig ist. Bisher nicht KI, wohl aber Stockphotos, Graphikprogramme, Agenturen ohne Nennung eines Künstlers als Person. (War glaube ich bei Jeschkes letztem Roman so.) 

 

Es wird mehr zu entscheiden geben, wie sehr wir Personen wollen. Bei der Miss-Germany-Wahl ist es ja auch so, wenn ich das richtig verstanden habe, dass nicht mehr die schönste Frau gewinnt, sondern eine schöne Frau mit dem interessantesten Background. 





Auch mit einem oder mehreren dieser Stichwörter versehen: KI, KI-generierte Texte, Fake, Bestsellerliste, amazon

Besucher die dieses Thema lesen: 0

Mitglieder: 0, Gäste: 0, unsichtbare Mitglieder: 0