Zunächst on topic:
@ Frank: Warum gehst du bei "Uluru" und den Folgebänden davon aus, dass die (ursprünglichen) Texte KI-generiert sind? Ich habe mir die erste Seite durchgelesen und mein Eindruck ist eher, dass es ein menschlicher Text ist, der eine KI-(gestützte)-Übersetzung erfuhr. Das würde auch zum Bild des Autors passen. (Instagram).
Zum Hintergrund meiner Einschätzung: Meine ursprüngliche Idee war es, die internationalen Gaststorys in Weltenportal mithilfe von DeepL zunächst grob zu übersetzen und das Ergebnis anschließend zu redigieren bzw. zu korrigieren. Vergiss es! Gerade da mein Englisch gut genug ist, um Slang, Humor (Ironie, Sarkasmus) und ein bewusst eingesetztes Spiel mit Sprache zu bemerken, fallen mir die Grenzen von DeepL auf: Das Tool hat (noch) kein Gespür für Sprache. Das gilt auch für einige "normale" Sätze, für die man sich im Sinne der stilistischen Eleganz bei der Übersetzung etwas von der Ursprungsformulierung entfernen muss. Der deutsche und der englische Satzbau haben Gemeinsamkeiten, aber die "Rhythmik" unterscheidet sich bisweilen doch.
Ich will DeepL und andere Übersetzer nicht verteufeln: Sie geben mir hauptberuflich die Möglichkeit, mich mit Mitarbeitenden und Dienstleistern/Monteuren auszutauschen, deren Deutsch- oder Englisch-Kenntnisse nur rudimentär vorhanden sind. Aber die literarischen Kleinode gebe ich doch lieber an Marie Meier, die mir mit ihren Übersetzungen eine schon ältere Aussage von Bernhard Kempten bestätigt: "Ein Übersetzer muss nicht nur gutes Englisch, sondern auch gutes Deutsch beherrschen". (Kein wortwörtliches Zitat. Sinngemäß hat er es in Star Trek: Das offizielle Magazin zu Anfang des Jahrtausends von sich gegeben, als mit ihm ein Interview über die Übersetzungen der Star Trek Romane geführt wurde).
@Stephan, Christian:
Danke für eure Antworten. Ich stimme euch in Vielem zu, manches betrachte ich anders.
Das liegt wohl auch daran, dass ich mich am ehesten in den Ausführungen von Roland Barthes in seinem berühmten Essay "Tod des Autors" wiederfinde.
Für mich ist weniger entscheidend, was Autor:innen erreichen wollten, sondern vielmehr was ein Werk hergibt, wie ich es aufnehme, was es mit mir macht.
In gewisser Weise existieren die Autor:innen für mich also nicht.
(Durch KI gewinnt der Essaytitel eine zugegebenermaßen zynische Note).
Viele von uns, so auch ich, möchten nicht nur irgendwie unterhalten werden, sondern einen Einblick in die Vorstellungswelt eines anderen Menschen bekommen und erleben, wie er sie ausdrückt.
Ich möchte nicht betrogen werden. Wenn jemand von einer KI schreiben lässt, dies aber verschweigt, ist das letztlich Betrug, denn per default gehen die meisten von uns immer noch von etwas anderem aus. Jetzt könnten wir uns natürlich alle brav an diese Intransparenz gewöhnen und einfach annehmen, dass fast alle Texte mehr oder weniger KI-generiert werden, und fragen: so what? Das würde aber bedeuten, dass wir akzeptieren, irgendwann gar nicht mehr zu wissen, was nun authentisch menschlich ist und was nicht. Philip K. Dick hat ein ähnliches Szenario vor langer Zeit mal erdacht. Es ist kein schönes.
Ich bin sehr für eine Kennzeichnungspflicht.
Glaubst du, ich möchte nur unterhalten werden? Oder dass ich KI-generierte Texte überhaupt bewusst lesen möchte?
Ich schließe nur nicht die Möglichkeit aus, dass es auch einem generierten Text gelingen kann, in dir, mir und anderen etwas auszulösen, das nachhallt.
Im Weltenportal Thread habe ich gegenüber Mammut geäußert, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis einer von uns (Hrsg.) auf eine generierte Geschichte hereinfallen wird – oder wir es womöglich sogar schon sind. Vermutlich dann, wenn die KI-Checker nicht anschlagen und uns der Text beeindruckt (hat).
Weißt du, ich habe die Vorstellung, dass wir irgendwann in den nächsten Jahre in einem KG-Thread (NOVA, Weltenportal, Future Fiction Magazin, beliebige Anthologie) ein neues Talent entdecken, ihm/ihr zu DSFP und KLP verhelfen – und drei Jahre später erfahren, dass dieses Kleinod, das wir alle abgefeiert haben, generiert war.
Und dann? Aus Arroganz so tun, als wären wir nicht beeindruckt gewesen?
Ehrlich gesagt, bereitet mir KI außerhalb der Kunst weit mehr Sorgen: Ich fürchte den Verlust von Fertigkeiten und eigenständigem Denken; dass der Verlust des "sich Erarbeitens" fatale Auswirkungen auf uns und künftige Generationen haben wird. Ich habe Angst davor, was passiert, wenn Falschinformationen im Internet die Oberhand gewinnen und die KI sie treudoof den Fragenden, die ChatGPT/Gemini/Claude usw. längst vertrauen, wiedergeben. Mir wird mulmig bei dem Gedanken, dass Deep-Fakes millionenfach geteilt werden, und im schlimmsten Fall ein Qualitätsniveau erreichen, das ihre Entlarvung massiv erschwert oder gar unmöglich macht.
Vieles von dem, was ich in diesem Posting schrieb, ist im Übrigen auch in meine letzte Kurzgeschichte "Vibes" (Smartokratie) eingeflossen – ob das, was ich wollte, mein Text hergibt, und ob es von den Lesenden dann auch aufgenommen wird, wird sich zeigen. Du wirst auf jeden Fall meine KI-freie "Vorstellungswelt" präsentiert bekommen
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Bearbeitet von ChristophGrimm, 06 August 2026 - 12:10.