Ich habe mal recherchiert. Ich finde diese Beispiele sind schon beeindruckend für langlebige Literatur: (...)
Na ja, das sind ja nicht nur die Ausnahmen von der Regel, sondern fast schon Anomalien. Eine tröpfelnde Pipette ist nun wirklich nicht der Ozean, in dem sie aufgezogen wurde.
Ich fürchte, mehr als ein paar Jahrzehnte der Verbreitung kann selbst ein Umtriebiger mit höheren Auflagen nicht herausholen – warum, das haben Thomas und Stephan ja bereits gut ausgeführt.
Ich schätze auch, dass es noch recht viele Texte der letzten hundert, zweihundert Jahre gibt, die verhältnismäßig gut zugänglich wären, aber an denen schlicht kein Interesse der Weiterverbreitung besteht. Weder von Verlagen/Hrsg. noch von Seiten des Publikums.
Das, was bspw. der geschätzte Jens Arne Klingsöhr mit Elms & Oaks zu Tage fördert und in schmucken Bändchen sammelt, ist auch nur ein Pipettchen, das aufgrund der Verbindung zu Doyles Werk überhaupt erst aufgezogen wurde:
Elms & Oaks | SHM – Das Sherlock Holmes Magazin
Interessanterweise schließen viele Hrsg. schon veröffentlichte Texte aus. Denke, der Drang nach der Originalveröffentlichung ist beim Kunden doch stärker vorhanden als man es erwarten würde. Obwohl der potenzielle Leser die Geschichte eventuell gar nicht kennt.
Wir hatten es ja auf dem Metropol Con darüber. Vermutlich schätzen die meisten Menschen den Blickwinkel der Gegenwart, während eine (deutlich) kleinere Gruppe über die Qualitäten eines Einzelwerkes hinaus, sich an Texten erfreut, die den Blickwinkel vergangener Jahrzehnte / Jahrhunderte zwischen den Zeilen wiedergibt. Nicht zuletzt deswegen lese ich gerne Charles Dickens.
Ich bleibe bei "Weltenportal" aber dabei, immer mal wieder eine bereits veröffentlichte Geschichte zu bringen, wenn sie mir zur Abrundung einer Ausgabe passend erscheint. (Auch – und irgendjemand stört sich jetzt sicher wieder an der folgenden Aussage – weil immer noch viel zu wenig, das mich überzeugt, bei mir eingereicht wird).
Sven Haupt hat mir seinen ersten kleinen Erfolg "Schwarze Nebel" (1. Platz Marburg-Award 2018) zur Wiederveröffentlichung in "Weltenportal Nr. 9" freigegeben. Wenn ich den Zahlen der mir bekannten Veröffentlichungsorte glauben darf – Auflage des Marburger Magazins für Phantastik und Svens kaum verbreiteter Anthologie "Der endlose Kreis" aus Mystic Verlag Zeiten –, *kann* diese Geschichte gar nicht mehr als 150 Menschen zugänglich sein. Im März 2027 wird die derzeitige Verbreitung also mehr als verdoppelt ^^.
Ich befürchte, dass niemand von uns hier wird Legendenstatus erreichen.
Und wenn wir sehen, wie vielleicht nicht ganz so prominente Autoren vor 50 Jahren heute noch aufzufinden sind/gesucht werden, sollte unser Fokus auf hier und heute ausgerichtet sein.
"This", wie es in den sozialen Medien so schön heißt. Erfreuen wir uns lieber daran, wenn Texte / Herausgaben von uns in der Gegenwart Anklang finden
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Bearbeitet von ChristophGrimm, 10 August 2026 - 07:08.