Können wahrhaft intelligente Wesen bösartig sein?
fragt
Ralf,
ernsthaft
Kommt darauf an, was wir intelligent (=gut) finden. Um unser überbordendes parasitäres Verhalten zu überwinden, brauchen wir mehr Mitbestimmung aufgeklärter Massen (mehr direkte Demokratie und bessere Bildungssysteme) und bessere Konfliktlösungsfertigkeiten auf globaler Ebene. Letztere werden immer noch zu stark begrenzt durch die Dominanz von Egoismus als eine der erfolgreichen, aber in Fällen, in denen die Grenzen eines Ökosystems erreicht sind, wenig nachhaltigen Evolutionsstrategien. Diese Strategie wird begünstigt durch unsere evolutionäre Optimierung auf die Orientierung an kurzfristigen Konsequenzen und die Begrenzung von Mitgefühl auf engste Gruppenangehörige.
Es gibt schon viele Menschen, die eine allparteiliche längerfristige Perspektive und bessere Konfliktlösungsstrategien entwickelt haben. Dieses Potential ist offenbar in der Menschheit vorhanden und manifestiert sich bereits. Es kann sich aber noch nicht global durchsetzen, weil dafür andere Machtstrukturen benötigt werden. Systeme, die vor allem auf Machtdelegation beruhen wie unsere repräsentative Demokratie, schaffen Rollen mit Machtkonzentration, die vor allem Menschen anziehen, die allein bestimmen möchten und zu wenig am Allgemeinwohl orientiert sind.
Dies zu verändern ist aber eine langfristige Aufgabe. Kurzfristig sehe ich kaum Möglichkeiten, die sich gerade entfaltende globale Katastrophe einzudämmen, außer es geschähe ein Wunder. Ein solches wäre, dass die Menschheit auf die zunehmende Bedrohung nicht durch Spaltung, sondern mit Zusammenhalt reagierte, und endlich kooperierte, anstatt weiter Mikado zu spielen (der erste, der wirklich tut, was er sollte, riskiert zu verlieren, weil er sich einen Nachteil einhandeln könnte, den die anderen dann ausnutzen).
Wir stehen letztlich vor einer evolutionären Herausforderung (Robin Hanson, Great Filters, 1996) und unser Schicksal hängt davon ab, ob rasch genug eine kritische Masse an Menschen sich so entwickelt, dass sie bewältigt werden kann. Es wird ohnehin viele Opfer geben. Wir könnten aber auch aussterben, wenn mehrere Selektionsdrücke zusammenkommen. Weiter entwickelte Außerirdische, die uns sähen, so es sie gäbe, würden uns nicht helfen, weil es keinen Sinn ergäbe, eine Art, die aus sich heraus die zwangsläufigen evolutionären Herausforderungen nicht bewältigen kann, durch diese hindurch zu tragen, nur damit sie dann bei der nächsten Herausforderung scheitern. Selbst Hilfe zur Selbsthilfe könnte ein Eingriff sein, der nicht nachhaltig wirkt, wenn er nicht auf Anlagen baut, die bereits vorhanden sind.
Bearbeitet von Christian Hornstein, 29 August 2026 - 11:02.