War of the Worlds
#61
Geschrieben 25 Juli 2005 - 10:36
"Wo wollen sie sitzen?"
"In der Mitte."
"Wo in der Mitte?"
"Na, in der Mitte."
"Genau in der Mitte ist nichts mehr."
"Wo ist denn noch was frei?"
"Vorne oder hinten."
"Dann eher vorne."
"Bitte schön, ihre Karten."
Wir kommen also ins größte Kino und uns erwartet gähnende Leere, vielleicht 20 Leute habe sich zu dieser Stunde in den Film verirrt. Und dafür die ganze Diskussion, wo wir sitzen wollen, wir haben uns einfach drei Plätze neben der Mitte hingesetzt.
Den Film fand ich klasse, ein auswegloser Kampf gegen die Marsianer, bedrohlich und unheimlich umgesetzt. Sogar der Original Schluss wurde übernommen und entsprach genau meinen Erwartungen.
Die umstrittensten Punkte wurden bereits angesprochen, die "Ermordungsszene" hätte ich auch lieber anders gesehen (besonders wenn man die beiden körperlich miteinander vergleicht). Und dass der Sohn am Ende wieder auftaucht, nun ja. Etwas überraschend war auch, wie leicht Tom Cruise mit dem Auto aus der Stadt kam.
Sullivan
#62
Geschrieben 25 Juli 2005 - 11:53
Ja, fand ich auch. Entweder war das irgendwie nicht stimmig oder die destruktive Ader kommt in einem hoch. So wie bei der Szene in dem Trümmerfeld des abgestürzten Passagierflugzeuges, die bei allem Schrecken einen seltsam ästhetischen Reiz hatte. Angesichts des realen Grauens der letzten Zeit hinterlässt das ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Tom Cruise war eindeutig in Topform. Wobei mich eigentlich immer dieses †šSuperstar als Zugpferd†™ stört (Auf den Kinoplakaten prangte sein Name über dem eigentlichen Filmtitel). Dann doch die angenehme Überraschung, dass die (weiblichen) Fans mal keinen weichgespülten Star vorgesetzt bekamen. So wie sich die (weiblichen) Anhänger von George Clooney mal die Zähne an †šSolaris†™ ausbeißen konnten. Auch die Darstellerin der kleinen Rachel hat mich in Staunen versetzt. Wie man in diesem Alter einen solche schauspielerische Leistung abliefern kann, ist mir wirklich schleierhaft.Und dass der Sohn am Ende wieder auftaucht, nun ja.
#63
Geschrieben 18 August 2005 - 17:31
Kritik
Spielberg hat vom Gefühl her Wells' Vision gut getroffen: In einer selbstgefälligen Welt mit ihren wichtigen aber letztendlich kleinen Problemen bricht eine anscheinende außerirdische Übermacht ein. Schön fand ich auch am Anfang das Gefühl, dass die Aliens NEIDISCH auf den schönen Planeten, den diese "Maden" bekommen hatten, waren; diese Emotion war mir neu.
Die Konstrukte der Marsianer waren beeindruckend gemacht, allerdings für meine Begriffe etwas zu gigantoman. Aber ich denke Wells hätte sich gefreut darüber! Die roten Gewächse überall in der 2. Hälfte waren schön gruselig.
Letztendlich bot dieser Film aber 2 interessante Neben-Experimente, die mich fast noch mehr fesselten als die eigentliche Story:
[*](i) Schafft Spielberg konsequent die Sicht nur aus der Sicht der einen fliehenden Familie? An sich ja eine besondere Art einen Katastrofenfilm heutzutage zu drehen, die aber an alte Kriegsflüchtlingsepen erinnert.
[*](ii) Schaffen er und Cruise es Letzteren wirklich mal konsequent als Nicht-Helden erscheinen zu lassen?
[/list]Ich denke der erste Punkt ist einigermaßen gelungen. Das machte das Ganze schon spannend. Es war auch eigentlich nur möglich bei einem Stoff dessen hintergründiger Ablauf (warum die Aliens Menschen "ernten", dass die Menschheit nichts gegen sie ausrichten kann, warum sie am Ende sterben) bekannt ist. Schönes Experiment, was m.E. gelang, mit nur einem Minimum des Spielberg-typischen (oft eher zu hohen) Pathos.
Der 2. Punkt gelang nicht ganz. Man merkt dass Cruise, noch mehr als sein Regisseur, sich bemüht. Aber der anfängliche Anti-Cruise wich doch nach und nach einem Ehrenmann, der zuerst seine Angst in den Griff bekommt, und dann seine Gefühle für seine Kinder. Sogar eine kleine "Kriegsheld"-Szene ließ man dem "alten" Cruise... Am Ende ist er nur noch der ergriffene Sieger über das Schicksal und alle Vorurteile seiner Familie - die letzte Einstellung zeigt Cruises Gesicht wie er diesen Sieg empfindet, finde ich. Mir dann doch etwas zu pathetisch.
Einige "devices" erscheinen mir offensichtlich: Dass die Protagonisten im einzigen fahrbaren Auto herumfahren, erlaubt dem Regisseur die Vorteile eines typischen Roadmovies zu benutzen - Bilder die allen Amerikanern (und uns auch) ein gewisses Genre suggerieren sollen, damit wir uns einigermaßen im Film zurecht finden können.
Und: Dass die dreibeinigen Maschinen schon seit Jahren verbuddelt sind, macht in der ersten "Aktivierungsszene" im Straßenkreuz der Heimatstadt des Vaters mächtig Eindruck (m.E. die beste Szene des Films). Aber diese Erscheinungsweise (die im Sinne des Zustandekommens dem Buch nicht ganz entspricht) erzeugt ein "Akklimatisierungs-Dilemma": Wenn die Marsianer schon seit vielen Jahren Geräte auf der Erde platziert haben, wieso waren sie dann nicht in der Lage, die bakteriellen Gegebenheiten auf der Erde vorsichtshalber zu untersuchen? Wenn es sogar "Millionen" von Jahren waren, wie der Bunkerer meint, wäre dazu doch sicherlich genug Muße gewesen?
Im Großen und Ganzen empfehle ich aber den Film. Die Schauspielerei geht so (mit Ms. Fanning war ich einigermaßen "taken" ), die Regie und die Bilder sind sehenswert.
@Rocky: Nachdem du dir hier auf dem Board soviel Mühe mit dem Thema WotW gegeben hast, erstmal viel Lob! Ich hätte deine vorgeschlagene Endung mit dem fehlenden Sohn auch passend gefunden; immerhin hätte dann Cruise noch eine zerbrochene Rede am Ende bekommen über die Natur des Wesentlichen oder so.
Bearbeitet von yiyippeeyippeeyay, 18 August 2005 - 23:25.
/KB
Yay! Fantasy-Reimerei Mitte August...
[..] Verzweiflung beschlich sie im Stillen.
Da ergriff eins der kleinsten das Wort:
"Wenn sich all unsere Wünsche erfüllen,
dann wünschen wir einfach mit Willen
die Wünsche-Erfüllung fort!"
Sie befolgten den Rat und von Stund an war
wieder spannend das Leben und heiter.
Die Kinder war'n froh wie vor Tag und Jahr
und vielleicht gar ein wenig gescheiter.
(BewohnerInnen der Stadt der Kinder, aus der "Geschichte vom Wunsch aller Wünsche", aus Die Zauberschule & andere Geschichten, Neuauflage im Thienemann-Verlag, S. 93, von Ende)
#64
Geschrieben 05 Oktober 2005 - 18:49
#65
Geschrieben 20 November 2005 - 14:41
- • (Buch) gerade am lesen:"Tales of the Shadowmen 1", J.-M. Lofficier (ed.)
- • (Buch) als nächstes geplant:"Tales of the Shadowmen 2", J.-M. Lofficier (ed.)
-
• (Buch) Neuerwerbung: Sherlock Holmes - Aus den Geheimakten des Weltdetektivs (Sammelband, 1973, mit 15 Heftromanen (1907/1908))
-
• (Film) gerade gesehen: "Das Testament des Dr. Mabuse" (Fritz Lang)
-
• (Film) als nächstes geplant: "Jurassic World: Dominion" (Dinos!!!!!)
-
• (Film) Neuerwerbung: "Judex" (Louis Feuillade)
#66
Geschrieben 21 November 2005 - 13:25
Außer per Zufall werde ich mir die Filme nach deiner Bewertung wohl eher nicht ansehen...wenn er oder sie die Filme besser fand als ich. Â
Bearbeitet von yiyippeeyippeeyay, 21 November 2005 - 13:26.
/KB
Yay! Fantasy-Reimerei Mitte August...
[..] Verzweiflung beschlich sie im Stillen.
Da ergriff eins der kleinsten das Wort:
"Wenn sich all unsere Wünsche erfüllen,
dann wünschen wir einfach mit Willen
die Wünsche-Erfüllung fort!"
Sie befolgten den Rat und von Stund an war
wieder spannend das Leben und heiter.
Die Kinder war'n froh wie vor Tag und Jahr
und vielleicht gar ein wenig gescheiter.
(BewohnerInnen der Stadt der Kinder, aus der "Geschichte vom Wunsch aller Wünsche", aus Die Zauberschule & andere Geschichten, Neuauflage im Thienemann-Verlag, S. 93, von Ende)
#67
Geschrieben 25 November 2005 - 18:12
#68
Geschrieben 25 November 2005 - 18:39
Hast Du die DVD mit Zusatzmaterial? Ich habe mich weggeschmissen, als sie zu Wort kam: ...was für eine Erfahrung mit zwei Legenden in einem Film zu spielen...die Actionszenen unterscheiden sich von meinen bisherigen Filmen...usw. Aber das ist oft so, dass die Kinderdarsteller außergewöhnlich aufgeweckt sind bzw. gar nichts kindliches mehr an sich haben. Den Sohn fand allerdings viel weniger überzeugend. Insgesamt sollte ja gerade ein realistisches Bild der Familie erzeugt werden, und ich finde, das ist so schlecht nicht gelungen.schon bei hälfte des films wünschte ich mir, dakota fanning möge doch von den 3-beinigen geholt werden ... damit endlich ruhe ist
Bearbeitet von Dave, 25 November 2005 - 18:40.
#70
Geschrieben 25 November 2005 - 19:05
Im prinzip kommt er im Buch vor, wenn auch zwei Ereignisse vermischt worden sind - im Buch begegnet der Erzähler einmal im zerstörten London jemandem, der großartige Widerstandspläne für die Zukunft der Menschheit hat, sich später aber als total Handlungsunfähig erweist. Außerdem sitzt er eine ganze weile mit einem geistlichen in einem Haus fest, der durch sein Verhalten beide gefährdet. Die Tim-Robbins-Figur aus dem Film kommt für mich wie eine Mischung aus den beiden Figuren rüber. Was auch immer man von der Umsetzung der Story hält, jedenfalls muss man dem Film einräumen, dass die Actionsequenzen sich tatsächlich in einem Punkt von klassischer Holywoodkost unterschieden: Der "göttliche Blick", also Kameraeinstellung, die das Geschehen von oben, meist aus großer Höhe zeigen, wird praktisch vollständig vermieden. das finde ich für meinen Teil stilistisch ziemlich interessant.den tim robbins handlungsabschnitt fand ich völlig daneben, was sollte das? kommt das auch so oder in ähnlicher form bei wells vor, im buch?
R. Scott Bakker
"We have failed to uphold Brannigan's Law. However I did make it with a hot alien babe. And in the end, is that not what man has dreamt of since first he looked up at the stars?" - Zapp Brannigan in Futurama
Verlag das Beben
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Schlotzen & Kloben
Blog
- • (Buch) gerade am lesen:Zachary Jernigan, No Return/James Tiptree Jr., Zu einem Preis
- • (Buch) als nächstes geplant:Samuel R. Delany, Dunkle Reflexionen/Thomas Ziegler, Sardor - Der Flieger des Kaisers
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• (Film) Neuerwerbung: American Horror Story (Serie)
#71
Geschrieben 25 November 2005 - 20:04
Hast Du die DVD mit Zusatzmaterial?
hatte mir die einfache dvd aus unserer bibliothek mitgenommen für einen abend, komplett ohne leihgebühren in videotheken war ich sicher 10 jahre nicht mehr, bin nach der wende natürlich auch eifriger ausleiher gewesen, ist dann irgendwann mitte der 90er eingeschlafenKann dem nur zustimmen. 1 Euro für die Leih DVD war gerade angemessen. Hollywood-Popcorn-Kino der schlechteren Machart.
#72
Geschrieben 27 November 2005 - 18:31
Ich kannte Dakota Fanning aus dem (missratenen) Film "Hide & Seek". Da ist es mir beim Bonus-Material eiskalt den Rücken runtergelaufen, als dieser Kind/Erwachsener-Hybrid sich über die Zusammenarbeit mit der Legende de Niro freute. Ich hab WotW jetzt auch auf DVD gesehen. Ich würde dem Film mal 5 von 10 Punkten einräumen, mehr nicht. Wahrscheinlich begeistert WotW mehr auf einer großen Kinoleinwand, als auf einem 19" Monitor. An der schwachen Leistung von Tom Cruise dürfte sich aber nichts ändern. Ich glaube ich entwickele eine echte Antipathie gegen diese Hollywood-Kiste: Superstarschauspieler + Superstarregisseur + SuperklassikerderScienceFictionLiteratur + Supereffekte = SupereinnahmenanderKinokasse. Irgendwann kommt dieser Bummerang zurück. Ich hab den Film im Kino gemieden und werde auch in Zukunft einen Bogen um die Hackfressen von Affleck und Cruise machen, wenn sie eine weitere Dick- oder Wells- oder demnächst vielleicht Morgan-Story versauen. Lustig: Bevor ich das Bonusmaterial gesehen habe, hätte der Film nur 4 von 5 Punkten bekommen. Was der Drehbuchautor sagt, wertet die Umsetzung nämlich auf, z.B. wurden eine ganze Menge Szenarien bewußt gemieden (die Zerstörung von nationalen Monumenten, Generäle, die Schiffe auf einer Landkarte verschieben oder Reporter, die während der Berichterstattung weggepustet werden). Aber auch wenn Spielberg angesichts 9/11 der Ansicht ist, dass die Geschichte von WotW aktueller denn je ist: das größe Manko des Films dürfte wohl die Ansiedlung in der Jetztzeit sein. Zu Wells Zeiten mögen sich Außerirdische vor einer Invasion nicht über Klima/Mikroorganismen/Radiowellen/etc. informiert haben und individuell jeden einzelnen viktorianischen Engländer geblitzdingst haben. Aber heutezutage kann man einen Planeten doch bestimmt problemlos per Knopfdruck sterilisieren oder einfach bei Nacht alles verdampfen was heller als ein Glüwurm leuchtet. Auch blöd fand ich, dass alle Geräte durch die Blitze kaputt gehen, nur nicht die digitale Videokamera. Und dass die Autos auf dem Highway extra zur Seite geschoben wurden, damit Cruise mit 80 Sachen freie Bahn hat. Was solls, € 1,60 sind okay. Grüße HolgerHast Du die DVD mit Zusatzmaterial? Ich habe mich weggeschmissen, als sie zu Wort kam: ...was für eine Erfahrung mit zwei Legenden in einem Film zu spielen...die Actionszenen unterscheiden sich von meinen bisherigen Filmen...usw. Aber das ist oft so, dass die Kinderdarsteller außergewöhnlich aufgeweckt sind bzw. gar nichts kindliches mehr an sich haben.
(Georg Christoph Lichtenberg)
#73
Geschrieben 28 November 2005 - 17:45
Ist das dein Ernst, dass die Aliens in SF-Romanen in IHRER Entwicklung immer Schritt halten müssen mit irdischer Technologie? Ich finde gerade Wells' Lösung zum "Sieg" über die Außeridischen so gut weil sie so zeitlos ist. Wenn Außerirdische nie mit Bakterien usw. zu tun hatten, weil sie z.B. in einer sehr homogenen Welt evolvierten, könnte die Artenvielfalt der Erde durchaus ein Problem für sie sein.das größe Manko des Films dürfte wohl die Ansiedlung in der Jetztzeit sein. Zu Wells Zeiten mögen sich Außerirdische vor einer Invasion nicht über Klima/Mikroorganismen/Radiowellen/etc. informiert haben und individuell jeden einzelnen viktorianischen Engländer geblitzdingst haben. Aber heutezutage kann man einen Planeten doch bestimmt problemlos per Knopfdruck sterilisieren oder einfach bei Nacht alles verdampfen was heller als ein Glüwurm leuchtet.
Oder meinst du in dem Sinne dass sie Info-Ausstrahlungen der Erde übersetzen hätten können, und daher auf die Sache mit den Bakterien aufmerksam geworden wären? Aber könnten die Aliens nicht ähnlich arrogant wenig von uns Menschen denken wie wir z.B. von Ameisen, und daher irgendwelche komisch aussehenden Strahlungen als Nichtigkeit abtun?
Was Cruise angeht, fand ich es eine seiner besseren darstellerischen Leistungen. Er bemühte sich zumindest ein Antiheld zu bleiben. Seine "off-screen" Äußerungen im Umfeld des Films waren allerdings zum größten Teil Quark. Mein Motto bei SchauspielerInnen ist im G&G: Achte NUR auf ihr Spiel. (Eine Ausnahme, die mir einfällt: Franka Potente.)
Bearbeitet von yiyippeeyippeeyay, 28 November 2005 - 17:46.
/KB
Yay! Fantasy-Reimerei Mitte August...
[..] Verzweiflung beschlich sie im Stillen.
Da ergriff eins der kleinsten das Wort:
"Wenn sich all unsere Wünsche erfüllen,
dann wünschen wir einfach mit Willen
die Wünsche-Erfüllung fort!"
Sie befolgten den Rat und von Stund an war
wieder spannend das Leben und heiter.
Die Kinder war'n froh wie vor Tag und Jahr
und vielleicht gar ein wenig gescheiter.
(BewohnerInnen der Stadt der Kinder, aus der "Geschichte vom Wunsch aller Wünsche", aus Die Zauberschule & andere Geschichten, Neuauflage im Thienemann-Verlag, S. 93, von Ende)
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