Geschrieben 17 Oktober 2005 - 14:17
Hier meine Eindrücke:
Michael Marrak: Morphogenesis
Ausgerechnet am Djebel al-Uweinat mitten in der libyschen Wüste stößt der Archäologe Hippolyt Krispin auf eine sechseckige Pyramide. Bei Öffnung des Grabraumes stirbt ein Expeditionsteilnehmer, weil er in ein unvorhergesehenes und eigentlich auch unmögliches Vakuum gezogen wird. Bevor die ägyptische Regierung die Kontrolle über die Ausgrabungen übernimmt, steigt Krispin mit einem Kollegen in die Grabkammer hinein und entdeckt außer einer Unmenge Staubs auch ein goldenes Armband.
In der Nacht vor seiner Rückkehr nach Rumänien nimmt eine schöne Ägypterin Kontakt zu ihm auf. Der Rückflug selbst gestaltet sich immer seltsamer. Krispin gelangt in den Duat, das ägyptische Totenreich. Aber der Duat hat sich verwandelt in ein multiples Inferno, in dem alle Höllenphantasien, die sich Menschen ausgemalt
haben, gar schröckliche Urständ feiern. Krispin durchlebt nicht nur viele dieser Höllen am eigenen Leib, sondern enttarnt auch mehr und mehr, weswegen die Hölle so entarten konnte...
"Morphogenesis" bewegt sich zwischen den Genres. Natürlich überwiegen die Horror- und Mystery-Elemente, aber am Ende spielen SF-Motive hinein.
Marrak hat einen neuen Level erklommen. Er schafft es, den Leser von der ersten Seite an zu fesseln und auf den über 600 Seiten bei der Stange zu halten. Vor allem bringt er es fertig, einem die ganzen blutigen Bilder ohne Umweg über die Augen direkt ins Hirn zu brennen.
Beeindruckend vor allem der Ideenreichtum, mit dem er immer wieder neue Abartigkeiten ersinnt. Die tour de force von Hippolyt Krispin wird nie langweilig. Gelungen ist auch die Abspaltung des Ka-Anteils seiner Seele, deren Parallel-Odyssee in den mit "Lazarium" überschriebenen Kapiteln geschildert wird. Auch die vielen Haupt- und Nebenfiguren in den diversen Höllen erscheinen dem Leser stets lebendig vor Augen. Man wird hineingesogen in diese Perversionsorgie. Und kann kaum genug davon kriegen.
Die Auflösung fand ich etwas unbefriedigend. Aber es ist schon schwer, solch ein groß angelegtes Werk zufriedenstellend zu beenden.
Ärgerlich waren diverse Satzfehler, vor allem die wiederholte Kapitelüberschrift "Mekropalladium" statt "Nekropalladium".
Insgesamt ein packender Horror-Thriller mit vielen Mystery-Elementen und Anspielungen auf diverse Höllenphantasien, die die Menschheit in den letzten
5000 Jahren so ersonnen hat.
Bewertung: 8 von 10 Sektoren der Hölle
Gruß
Ralf
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ShockWaveRiders Kritiken aus München
möchten viele Autor'n übertünchen.
Denn er tut sich verbitten
Aliens, UFOs und Titten -
einen Kerl wie den sollte man lynchen!