Volume I
Michael R. Baier
Druck: DIP/Witten
1. Auflage: Juni 2005
ISBN 3-00-016257-7
581 Seiten, Taschenbuch

Leseprobe und weitere Informationen unter: http://www.coruum.com/
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Klappentext
In den feuchten Regenwäldern Mittelamerikas wird eine gut erhaltene Maya-Stele entdeckt, auf der die Archäologen neben bekannten Hieroglyphen auch vollkommen fremde Symbole entdecken.
Donavon MacAllon, Experte für altertümliche Schriften und Kalendersysteme an der Universität von Edinburgh wird von einer an der Ausgrabung beteiligten Studienkollegin um Unterstützung bei der Deutung dieser Symbole gebeten. Der Fund erregt unwillkommene Aufmerksamkeit, nachdem Donavon und das Ausgrabungsteam im Umkreis der Stele Trümmer einer gigantischen Maya-Metropole sowie eine versiegelte Kammer finden und öffnen. Die Kammer enthält ein hochtechnisiertes Archiv über die Geschichte des zerstörten CORUUM, das mehr Fragen aufwirft als beantwortet.
Erste Auswertungen und die handstreichartige Übernahme des Ausgrabungsortes durch den amerikanischen CIA mit Unterstützung von Elitetruppen der US-Marines bekräftigen Donavon in seinem Verdacht, es hier mit weit mehr als einem spätklassischen Maya-Fund zu tun zu haben. Die Ereignisse beginnen sich zu überschlagen, als sich bei der Erkundung eines befestigten unterirdischen Komplexes die Rückkehr seiner ursprünglichen Erbauer ankündigt.
Donavon und sein Team sehen sich plötzlich zwischen allen Fronten in einem erbittert ausgetragenen Kampf zweier Mächte um verborgene Informationen und Einfluss, welche die Erde zum Austragungsort einer Jahrtausendealten Feindschaft zu machen drohen.
Rezension
"Coruum", Michael R. Baiers Erstlingswerk, erscheint im Selbstverlag und ist mit beachtlichen 581 Seiten der Auftakt zu einer Trilogie (YLIS - Your Life In Space), an deren Konzept Baier schon seit seiner Studentenzeit feilt. Die eigentliche Arbeit am ersten Roman begann vor fünf Jahren und diente dem Unternehmensberater eigenen Aussagen zufolge als "geistiger Ausgleichssport". Dass der erklärte Maya-Fan mit seinen mentalen Fitnessübungen die deutsche Science Fiction Literatur nachhaltig bereichern könnte, hat er selbst wohl am wenigsten erwartet. Tatsächlich überrascht "Coruum" den gestanden SF-Leser von der ersten Seite an auf sehr angenehme und reizvolle Weise.
Beginnt die Handlung, wie der Klappentext ankündigt , nicht fern der antiken Maya-Stadt Tikal, in den Regenwäldern (Nord-) Guatemalas, so führt Baier den Leser in weiteren Handlungssträngen in den Roten Nebel, einen Raumabschnitt, in dem drei menschliche Kulturen seit Jahrtausenden koexistieren. Das Zentrum, die größte Region des Roten Nebels, wird von einem mächtigen Geheimdienst, Z-Zemtohy, und einer militärischen Spezialeinheit, der "unsichtbaren Flotte", beherrscht. Die Gilde, eine traditionsreiche Handelsorganisation, ist ebenfalls im Zentrum beheimatet und bildet die Lebensader für die Vielzahl der Welten im Roten Neben. Dem Zentrum gegenüber stehen die Sieben Königreiche (7K), eine Vereinigung von sieben mächtigen Häusern, welche in der Organisation ihren gemeinsamen Forschungs- und Militärapparat und in der Heratis ihre lokale Händlerorganisation begründet haben. Die Beziehungen zwischen diesen beiden Kulturen und der Dritten, den Nebelwelten der Kirche, die durch das Sammeln von Informationen und beschützt vom Kirchenritterorden zur dritten politischen Macht heranwuchs, werden durch komplexe politische und wirtschaftliche Ränke bestimmt und sind durch einen instabilen Frieden gekennzeichnet. Dieser droht ins Wanken zu geraten, als sowohl Z-Zemothy als auch das Königshaus Treerose/Restront Signale vom Extraktionsdepot "Coruum" auf dem vergessenen Farmplaneten Ruthpark empfangen. Beide Parteien finden Hinweise darauf, dass sowohl das Zentrum, als auch hohe Repräsentanten der 7K an der Extraktion einer Kultur für ein geheimes Kriegerprogramm beteiligt waren. Jedoch wurden sämtliche Einträge aus den Archiven gelöscht.
Diese Vielzahl an Informationen muss sich der Leser Stück für Stück aus der sehr komplexen und umfangreichen aber hochspannenden Handlung erarbeiten. Dabei schlüpft er abwechselnd in die Rollen einer Kriegerin der "Unsichtbaren Flotte", eines hohen Offiziers der Organisation und nahen Vertrauten des Hauses Treerose/Restront, der eigentlich mit Tests an einem neuen Antriebssystem beschäftigt war, und dem Altertumsforscher Donavon. Eingerahmt wird das weitläufige Handlungsgeflecht durch spektakuläre Schauplätze auf der Erde, den Planeten des Zentrums und der 7K und im Raum, wobei Erinnerungen an diverse Meister der Space Opera nicht abzustreiten sind, und der Leser sich nur schwerlich klar machen kann, dass er es nicht mit einem internationalen Bestseller, sondern einem selbstverlegten Roman mit einer Auflagezahl von 1000 Exemplaren zu tun hat. Offensichtlich ist Baier ein seltenes Naturtalent: Seine Sprache ist geschliffen, seine Ausführungen ausgewogen und von der Lebendigkeit seiner Charaktere kann so mancher professionelle Autor der Zunft nur träumen.
Häufig treten hoffnungsvolle Hobbyautoren mit der Bitte an mich heran, ihr im Selbstverlag erschienenes Buch zu rezensieren. Meistens reicht es dazu nicht, da das handwerkliche Niveau und mangelhaftes Lektorat eine Weiterempfehlung nicht rechtfertigen. "Coruum" stellt in dieser Hinsicht meine sämtlichen Erfahrungen auf den Kopf, und ich kann mich nur schwer von dieser überaus positiven Überraschung erholen! Michael R. Baier ist für mich die Science Fiction Entdeckung des Jahres.