TrashStar schrieb am 09.12.2010, 13:02:
Er erreicht die Wirkung, ohne jeden Zweifel. Er macht das auch sehr gut. Die entsprechenden Gefühle entstehen beim Lesen und das Buch kommt sehr gefühlsintensiv rüber. Aber diese Wirkung kann man nicht vom Inhalt trennen. Mir geht es gegen den Strich, dass man jeden Unfug unters Volk bringen kann und noch dafür gelobt wird, wenn es nur gekonnt genug gemacht ist.
Ich sage keineswegs, dass man den Inhalt völlig von der Form trennen kann. Idealerweise sind die beiden so verschmolzen, dass man sie kaum trennen kann (wenn Du mich als Literaturwissenschaftler fragst, würde ich sogar sagen, dass die Trennung eigentlich schon im Ansatz falsch ist). Was ich meine, ist, dass McCarthy in Sachen Plot, Setting, Figuren etc. kaum Neues bietet. Das kennen wir in der Tat alles, als Unfug würde ich es aber nicht bezeichnen (wobei mir nicht klar ist, ob Du damit nun «The Road» gemeint hast, oder ob das eine allgemeine Aussage war). Da wird - anders als etwa bei Dick - kaum ein Leser denken "Boah, was für abgefahrene Ideen der aber auch hat."
Zitat
Du meinst also, dass der Inhalt von SF-Büchern häufig überbewertet wird? Da muss ich mal in mich gehen und drüber nachdenken. Meine Meinung über Inhalte ist ziemlich ambivalent und gewiss nicht wiederspruchsfrei.
Sagen wir mal so: Die Bezeichnung von SF als "Literatur der Ideen" hat ja eine lange Tradition. Und wie man auch hier im Forum immer wieder sieht, gibt es nicht wenige SF-Leser, für die inhaltliche Fragen zentral sind: Was für Ideen hat der Autor, wie geht seine Weltkonstruktion auf, kann so ein Warp-Antrieb überhaupt funktionieren, wie geht das mit zwei Städten an der gleichen Stelle etc. Diese Dinge haben aber nach meinem Dafürhalten nur begrenzt was mit der literarischen Qualität eines Werks zu tun und sind je länger je weniger das, was mich an Literatur interessiert. Für mich wird eigentlich immer mehr relevant, was ein Autor mit der Sprache macht. Es nützt mir nichts, wenn ein Autor grossartige Ideen, diese sprachlich aber nicht umsetzen kann. Da sind mir mittelmässige Ideen, die brillant formuliert sind, lieber.