
Umfrage Nr. 02: Welchen Stellenwert hat für Euch der Realismus in SF-Romanen?
#1
Geschrieben 26 Juli 2009 - 22:00
#2
Geschrieben 26 Juli 2009 - 22:38
Menschliches Handeln im Einzelnen gehört dabei genauso dazu, wie die gesellschaftliche Seite - und dann wirds schon (sozial-)wissenschaftlich, bzw. hat die Psychologie einen gewissen Stellenwert. Eigentlich etwas, was man in jedem Genre erwarten kann: nachvollziehbare Handlungen, nachvollziehbare gesellschaftliche Strukturen usw.
Und was das Technische angeht:
Wenn sich ein Autor auf das dünne Eis des technischen Realismus begibt, sollte er das sehr gewissenhaft tun. Natürlich ist es eine anerkennenswerte Leistung, wenn es gelingt.
Andererseits habe ich auch nichts dagegen, wenn nicht im Einzelnen darauf eingegangen wird, wie etwas funktioniert. Wichtiger ist vielleicht, dass es durchaus vorstellbar ist, dass es eine derartige Technologie geben könnte.
Beispiel Nanotechnologie: Ein Autor muss nicht unbedingt detailliert erklären können, wie z.B. die Dinger in einem Organismus funktionieren (wen würde das auch interessieren?), aber die Auswirkungen sollten realistisch und halbwegs rational nachvollziehbar sein. Also eher erhöhte Krankheitsresistenz, verbesserte Heilung usw. statt Superkräften.
Also Zusammenfassend gesagt: Ein guter Science-Fiction-Roman sollte - meiner Meinung nach - soviel Wissenschaft wie nötig enthalten, um eine Geschichte gut erzählen zu können und die Intention des Autors zu vermitteln, andererseits sollte es kein technisches oder sozialwissenschaftliches Essay werden.
#3
Geschrieben 26 Juli 2009 - 22:42
#4
Geschrieben 26 Juli 2009 - 22:47
Bearbeitet von molosovsky, 26 Juli 2009 - 22:54.
MOLOSOVSKY IST DERZEIT IN DIESEM FORUM NICHT AKTIV: STAND 13. JANUAR 2013.
Ich weiß es im Moment schlicht nicht besser.
#5
Geschrieben 26 Juli 2009 - 23:56

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#6
Geschrieben 27 Juli 2009 - 07:04
"Alles, was es wert ist, getan zu werden, ist es auch wert, für Geld getan zu werden."
(13. Erwerbsregel)
"Anyone who doesn't fight for his own self-interest has volunteered to fight for someone else's."
(The Cynic's book of wisdom)
Mein Blog
#7
Geschrieben 27 Juli 2009 - 07:48
So sehe ich das auch. Realismus ist nichts anderes als die Übereinstimmung mit dem momentan herrschenden Zeitgeist. Das gilt für Wissenschaft, Kultur usw. Und wer die Eigenschaften des Zeitgeistes bestimmt, ist nicht klar bekannt. Gesellschaften "reiten" eher auf dem Zeitgeist, als das sie ihn selbst entwerfen. Je weniger phantastitsche Romane darauf angewiesen sind, sich dem Zeitgeist zu unterwerfen, desto besser. Es ist in meinen Augen ein Qualitätsmerkmal für phanstastische Romane, wie pantasievoll, elegant und sprachlich versiert sich ein Autor von der herrschenden Realismusvorstellung entfernen kann.Ich lese Bücher (insbesondere Phantastik), um die Grenzen der Realität zu überschreiten, wenn ich mich jetzt jedes Mal aufregen würde, wenn etwas unrealistisch dargestellte wird, würde ich mir eine Menge Spaß am Lesen nehmen. Also "Fuck Cap`n. Beckmesser".
Bearbeitet von TrashStar, 27 Juli 2009 - 12:10.
#8
Geschrieben 27 Juli 2009 - 10:30

... dieser Laissez Faire bei Prosa ginge mir hingegen zu weit. Zugegeben, das ist ein ernsthafter Qualitätsmaßstab für Comics - aber was hat man von hautengen Raumanzügen in Romanen? Ne, ne, ich bleib dabei: In Prosa ist die Körbchengröße wenig wert. Da zählt nur die Größe der MonsterWenn die Heldin in ihrem hautengen Raumanzug Cupgröße DD trägt und trotzdem durch das enge Mannschott passt, als sie den Kerkern der Oktopoiden von Centauri IV entkommt, ist mir Realismus egal. Hauptsache, der Raumanzug sitzt schön eng.

#9
Geschrieben 27 Juli 2009 - 10:32
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#10
Geschrieben 27 Juli 2009 - 10:43
Mal abgesehen davon, dass Richard Morgan das glücklicherweise anders sieht: Dir fehlt offenbar jede notwendige Phantasie... dieser Laissez Faire bei Prosa ginge mir hingegen zu weit. Zugegeben, das ist ein ernsthafter Qualitätsmaßstab für Comics - aber was hat man von hautengen Raumanzügen in Romanen? Ne, ne, ich bleib dabei: In Prosa ist die Körbchengröße wenig wert. Da zählt nur die Größe der Monster

"Alles, was es wert ist, getan zu werden, ist es auch wert, für Geld getan zu werden."
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#11
Geschrieben 27 Juli 2009 - 11:01
So etwas entspricht nicht meiner Vorstelllung von SF und erinnert eher an Comics, auch wenn ich dieser bildreichen Schilderung einen gewissen Unterhaltungswert abgewinnen könnte. Das würde ich nur ok finden, wenn deutlich auf dem Cover vermerkt wäre, dass es sich um Space Fantasy handelt. Am problematischsten empfinde ich es aber, wenn Autoren vorgeben Hard SF zu schreiben, es aber nicht tun - also so eine Art Etikettenschwindel betrieben wird. Bei Baxter z.B. habe ich leider sehr oft dieses Gefühl. Neal Stephenson ist nach meinem Dafürhalten allerdings oft ein Negativbeispiel dafür, wie man mit Fachwissen "angeben" kann und die Geschichte darunter etwas leidet.Wenn die Heldin in ihrem hautengen Raumanzug Cupgröße DD trägt und trotzdem durch das enge Mannschott passt, als sie den Kerkern der Oktopoiden von Centauri IV entkommt, ist mir Realismus egal. Hauptsache, der Raumanzug sitzt schön eng.
#12
Geschrieben 27 Juli 2009 - 11:48
Seufz. Erinnere mich nicht an Richard Morgan. Den hätte ich seinerzeit mindestens ebenso gern für Lübbe gehabt wie Neil Asher. Eigentlich das Einzige, was ich je auf meiner Gutachter-Wunschliste stehen hatte und nicht bekommen habeMal abgesehen davon, dass Richard Morgan das glücklicherweise anders sieht

Sorry, aber genau das Gegenteil ist der Fall. In Romanen habe ich keine Probleme, entsprechende Damen rumlaufen zu lassen, ohne dass der Autor sie explizit erwähnt. Eben wegen meiner gut ausgebildeten Fantasie finde ich sie in Prosatexten entbehrlich.Dir fehlt offenbar jede notwendige Phantasie

#13
Geschrieben 27 Juli 2009 - 12:18
Es geht um Romane, also Prosa.
Da ist mir erst Mal die Sprache am wichtigsten (soll nicht heißen, dass ich da nur Edelschreibe gelten lasse. Verschiedene Geschichten, verschiedene Weltenentwürfe erlauben & verlangen nach jeweiliger Sprache).
Ich persönlich bin nicht der Meinung, dass man der SF einen Dienst tut, wenn man sie an dem ollen Gegensatz ›Realismus‹ und ›Unmögliches‹ vermisst. Ich spreche hier als jemand, der zwar an wissenschaftlichen Themen interessiert ist, aber ich bin nicht vom Fach.
Den Ausdruck ›Realismus‹ in der SF münze ich mal um: Auch ein SF-Roman verlangt von mir Vertrauen in seinen Weltenbau, damit die Geschichte mich unterhält, damit die Figuren mich interessieren. Ich verlange also ›erzählerische Plausibilität‹. Das Verhältnis von Nachvollziehbarkeit (Realismus) und Rätselhaftigkeit (Wundersames) ist bei jedem Roman neu zu bewerten (sozusagen der Fingerabdruck eines Werkes). Immerhin ist ja auch die Welt, wie sie ist, von diesem Verhältnis geprägt.
Aber bei einem Roman (eigentlich egal welchen Genres) erwarte ich Plausibilität und so etwas wie erzählerische Aufrichtigkeit. (SF, vor allem deren abteuerliche Spielbart, verführt ja dazu, schnell mal z.B. den Kniff des deus ex machina überzustrapazieren. Das KANN okey sein, wenn die ›Orchestrierung‹ stimmt.)
Ein SF-Autor kann SF nutzen, um fette Äktschn abzufackeln, wilde Satire aufzuführen, Fragen des Menschseins und der Gesellschaft zu bespiegeln und mehr, und natürlich alles Mögliche wild mischen.
Das primäre Werkzeug dazu aber ist die Sprache, die Szenen-Struktur, die Darstellungsweise. Ein SF-Roman kann noch so großartige Ideen im Lauf haben. Funktioniert die Prosa aber sprachlich nicht, bleiben die Ideen für mich Rohrkrepierer.
Deshalb für mich am wichtigsten: Sprache, Stil, die Art und Weise, wie der Weltenbau, die Ideen damit vermittelt werden.
Grüße
Alex / molo (der ›none of the above‹-Fundi)
Wer hätte das gedacht: Für einmal keinen grundsätzlichen Widerspruch von meiner Seite, zu dem, was molo sagt, sondern weitgehende Zustimmung.
Man sollte bei der ganzen Realismusdiskussion nicht vergessen, dass «Realismus» nichts Neutrales ist. Es gibt - weder inner- noch ausserhalb der SF - keinen «neutralen» Stil, der die Realität so widergibt, «wie sie ist». Realismus ist immer - inhaltlich und stilistisch - eine Konvention und somit nicht fix, sondern je nach Epoche und Kulturkreis unterschiedlich.
Signatures sagen nie die Wahrheit.
Filmkritiken und anderes gibt es auf simifilm.ch.
Gedanken rund um Utopie und Film gibt's auf utopia2016.ch.
Alles Wissenswerte zur Utopie im nichtfiktionalen Film gibt es in diesem Buch, alles zum SF-Film in diesem Buch und alles zur literarischen Phantastik in diesem.
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#14
Geschrieben 27 Juli 2009 - 12:24
Du kannst den Begriff natürlich nach belieben umdefinieren, aber im Anfangsthread genannten Kontext ist er exakt und eindeutig definiert. In China gelten die gleichen Naturgesetze wie hier.Man sollte bei der ganzen Realismusdiskussion nicht vergessen, dass «Realismus» nichts Neutrales
#15
Geschrieben 27 Juli 2009 - 12:50
Das ist eben nur scheinbar exakt, weil unser Wissen über "die Naturgesetze" durchaus veränderbar und kulturell geprägt ist (und Realismus insofern in China durchaus etwas anderes sein kann). Zudem hat Realismus - auch wenn Du vom Gegenteil überzeugt zu sein scheinst - immer auch eine formal-stilistische Komponente hat. Ob ich etwas innerhalb eines Romans als realistisch, plausibel oder wahrscheinlich wahrnehme, hängt sehr stark davon ab, wie es präsentiert wird.Du kannst den Begriff natürlich nach belieben umdefinieren, aber im Anfangsthread genannten Kontext ist er exakt und eindeutig definiert. In China gelten die gleichen Naturgesetze wie hier.
Signatures sagen nie die Wahrheit.
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#16
Geschrieben 27 Juli 2009 - 12:53
Was heißt hier umdefinieren? Realismus ist ein Konstrukt in Übereinstimmung mit dem momentan geltenden Commsense. Naturgesetze sind eine Beschreibung von beobachteten Sachverhalten. Aber je nach Kultur und Commonsense kann diese Beschreibung unterschiedlich sein. Aber bereits die Möglichkeit Phänomene zu beobachten ist durch den menschlichen Rahmen sehr beschränkt und die Beschreibung ist eine Übereinkunft, Phänomene so und nicht anders zu beschreiben. Alles nur Etiketten, die man an die Dinge klebt und dann verwechselt man den Sachverhalt mit dem Wort und glaubt, das sei die Realität. Naturvölker haben ganz andere Beschreibungen, die sie für Realismus halten, und die funktionieren genauso gut wie unsere Naturgesetze.Du kannst den Begriff natürlich nach belieben umdefinieren, aber im Anfangsthread genannten Kontext ist er exakt und eindeutig definiert. In China gelten die gleichen Naturgesetze wie hier.
Bearbeitet von TrashStar, 27 Juli 2009 - 12:54.
#17
Geschrieben 27 Juli 2009 - 12:55
Da mach ich doch ein Herzi in meinen Kalender. Ich glaub ja, dass wir uns ähnlicher sind, als uns beiden lieb ist. Deshalb ja auch die oftmals erschöpfenden WortwechselWer hätte das gedacht: Für einmal keinen grundsätzlichen Widerspruch von meiner Seite, zu dem, was molo sagt, sondern weitgehende Zustimmung.

Bearbeitet von molosovsky, 27 Juli 2009 - 13:03.
MOLOSOVSKY IST DERZEIT IN DIESEM FORUM NICHT AKTIV: STAND 13. JANUAR 2013.
Ich weiß es im Moment schlicht nicht besser.
#18
Geschrieben 27 Juli 2009 - 12:57
Da melde ich Widerspruch an!Da mach ich doch ein Herzi in meinen Kalender. Ich glaub ja, dass wir uns ähnlicher sind, als uns beiden lieb ist. Deshalb ja auch die oftmals erschöpfenden Wortwechsel

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#19
Geschrieben 27 Juli 2009 - 13:07

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Ich weiß es im Moment schlicht nicht besser.
#20
Geschrieben 27 Juli 2009 - 13:14
Ich bin grundsätzlich zwar auch der Ansicht, dass "common sense" hier nicht unbedingt der beste Ausdruck ist, aber um was es TrashStar hier meiner Meinung nach geht, ist, dass "Realismus" eben in hohem Grade eine kulturelle Konstruktion ist und keineswegs so fix und abschliessend definierbar, wie manche das gerne hätten.Zum Thema:
Realismus = Common sense.
Halte ich für eine gefährliche Gleichung. Der ›gesunde Menschenverstand‹ und das, was die Avantgarde an wissenschaftlicher Weltenerklärung zutage fördert, gehen oftmals so gar nicht zusammen. Man denke nur an das alte Beispiel mit dem Sonnenlauf, dem entsprechenden Unterschied von geo- und heliozentrischen Weltbild. ›Realismus‹ im naturwissenschaftlichen Sinne ist oftmals viel phantastischer und abgedrehter als das, wie sich der gesunde Menschenverstand die Dinge erklärt. Lustigerweise erweist sich dann der anscheinend so ›realistische‹ common sense als abergläubisch und irrational.
Auch diese Gleichsetzung ist zu simpel, weil es eben auch innerhalb sogenannt realistischer Hard SF so manche Konvention gibt, die stillschweigend akzeptiert wird. Und eben: Auch die Art der Präsentation macht's. Arthur C. Clarke würde sehr viel weniger "hart" wirken, wenn er eine blumige, bombastische Sprache verwenden würde.Realismus = Naturgesetzte.
ist zwar eine platte Formel, aber ich kann Matthias verstehen, gerade in Bezug auf SF. Allerdings bin ich nicht der Meinung, das DIE SF hier einheitlich über einen Kamm zu scheren ist. Für die Hard SF mag wissenschaftlicher Realismus eine Bedeutung haben. Aber für die anderen Spielbärte gilt das nicht (Shadowrun, Dune, Star Wars-Romane?!?!? †” Hihi)
Grundsätzlich ist "Realismus" ohnehin weniger eine Eigenschaft eines Werkes als vielmehr eine angestrebte Wirkung. Ob etwas realistisch wirkt, hängt aber von diversen Faktoren ab.
Bearbeitet von simifilm, 27 Juli 2009 - 13:15.
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#21
Geschrieben 27 Juli 2009 - 13:44
Was allerdings die "neuen" Naturgesetze bemühen, ist immer das Grad des "suspension of disbelief" des Lesers, wobei ein gewisses s.o.d. ja immer für SF aufgebracht werden muss. Dieses Grad kann sich von Person zu Person sicherlich unterscheiden: Ich fand die Idee des Wahrscheinlichkeitsantriebs bei Adams' Anhalter-Zyklus genial, und habe sie deshalb gerne geschluckt; aber das wäre einigen Anderen evtl. zu unspezifisch.
/KB
Yay! KI-generiertes SF-Zitat Ende November...
"In the sprawling city forums of the galaxy, where chaos reigns and time flows differently, true power is found not in dominance, but in moderation. The wise use their influence to temper ambition with reason, and chaos with order."
(auf Bing.de generierter Monolog von der Copilot-S/W - die ich hiermit NICHT bewerbe! - nach Aufforderung nach einem "s.f. quote" mit einem bestimmten Wort darin; ich ersetzte nur das 4. Wort mit "city forums")
#22
Geschrieben 27 Juli 2009 - 13:54
Ich hätte da eine SF-Krimi-Space Opera für Dich. Mit scharfen Echsenfrauen! Bin gerade am Überarbeiten!Seufz. Erinnere mich nicht an Richard Morgan. Den hätte ich seinerzeit mindestens ebenso gern für Lübbe gehabt wie Neil Asher.
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#23
Geschrieben 27 Juli 2009 - 13:57
Quatsch. Gute SF hat Aliens, Raumschiffe und Titten. Warum man solche Grundsätze in diesem Forum nur immer wieder aufs Neue erklären muss, ich verstehe es nicht...So etwas entspricht nicht meiner Vorstelllung von SF und erinnert eher an Comics, auch wenn ich dieser bildreichen Schilderung einen gewissen Unterhaltungswert abgewinnen könnte. Das würde ich nur ok finden, wenn deutlich auf dem Cover vermerkt wäre, dass es sich um Space Fantasy handelt.

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#24
Geschrieben 27 Juli 2009 - 14:03
Die «willing suspension of disbelief» ist eine Grundvoraussetzung für jede Form von Fiktion, denn "unwahr" ist die erzählte Geschichte ja immer. Vielleicht noch kurz was Ausführlicheres zum Thema Präsentation/Stil. Ist der Satz "Im Bruchteil einer Sekunde war vom einen Ende der Galaxie zum anderen gelangt." Unrealistisch? In diesem Satz wird offensichtlich die Lichtgeschwindigkeit überschritten, also gegen die Naturgesetze verstossen. Nun kann ich mit relativ kleinem Aufwand den «Realismusgrad» erhöhen, wenn ich was von Wurmlöchern oder so erzähle. Das mag noch nicht harte SF sein, aber ich kann mich da einer Konvention bedienen, die in der SF oft benutzt wird. Der Satz "Nach dem Eintritt in das Wurmloch dauerte es nur den Bruchteil einer Sekunde, und er war vom einen Ende der Galaxie zum anderen gelangt." wird wahrscheinlich schon von vielen Lesern als «realistischer» wahrgenommen. Wenn ich aber stattdessen schreibe «Dank seinem Hexenbesen konnte er in einem Bruchteil einer Sekunde die Galaxie durchqueren.» gebe ich ganz andere Signale und erzeuge eine viel «unrealistischere Wirkung». Der erzählte Sachverhalt bleibt in allen drei Beispielen derselbe: Eine Figur überschreitet die Lichtgeschwindigkeit, was gemäss unserem aktuellen Wissen nicht möglich ist. Dennoch haben die drei Sätze eine unterschiedliche Wirkung. Und das nicht primär, weil bei der Wurmloch-Variante mehr erklärt würde oder weil die meisten Leser tatstächlich verstehen würden, was hier vor sich geht, sondern weil hier mit einer etablierten Konvention gearbeitet wird. Ich kann auf jeden Fall nicht erklären, was bei diesem Wurmloch genau vor sich geht, ich kann die "wissenschaftliche Plausbilität" dieses Vorgangs nicht beurteilen, aber die Wirkung ist bei den meisten Lesern wohl dennoch «realistischer» als beim Hexenbesen.Was allerdings die "neuen" Naturgesetze bemühen, ist immer das Grad des "suspension of disbelief" des Lesers, wobei ein gewisses s.o.d. ja immer für SF aufgebracht werden muss. Dieses Grad kann sich von Person zu Person sicherlich unterscheiden: Ich fand die Idee des Wahrscheinlichkeitsantriebs bei Adams' Anhalter-Zyklus genial, und habe sie deshalb gerne geschluckt; aber das wäre einigen Anderen evtl. zu unspezifisch.
Bearbeitet von simifilm, 27 Juli 2009 - 14:06.
Signatures sagen nie die Wahrheit.
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#25
Geschrieben 27 Juli 2009 - 14:11
Da gibt es doch ein hübsches Beispiel von Jaynes über das Wesen von Gewittern. Sind Gewitter das Ergebnis von luftelektrischen Entladungen oder kommen sie zustande, weil ein Donnergott mit seinem Wagen durch die Wolken fährt und seinen Hammer schwingt. Wahr sind beide Erklärungen oder beide sind nicht wahr - das ist wurscht. So etwas in der Art habe ich mit Commsonsense gemeint, nämlich die Erklärungsprinzipien, auf die eine Gesellschaft sich geeinigt hat.Ich bin grundsätzlich zwar auch der Ansicht, dass "common sense" hier nicht unbedingt der beste Ausdruck ist, aber um was es TrashStar hier meiner Meinung nach geht, ist, dass "Realismus" eben in hohem Grade eine kulturelle Konstruktion ist und keineswegs so fix und abschliessend definierbar, wie manche das gerne hätten.
#26
Geschrieben 27 Juli 2009 - 14:29
Super Erklärung - da brüte ich die ganze Zeit, ob ich mich in die Diskussion einmische, und dann dass ... Nur als Anmerkung: ich denke, der Begriff "Realismus" ist in diesem Zusammenhang einfach ungünstig gewählt. In Bezug auf Literatur würde ich den immer mit dem literarischen Realismus in Verbindung bringen, der doch eher auf Abbildung von gesellschaftlicher Wirklichkeit, wenn nicht gar Wahrheit im emphatischen Sinne zielt. Da gibt es sicher auch einen Zusammenhang zur Orientierung am bekannten stand der naturwissenschaftlichen Erkenntnis, aber wenn überhaupt würde die Frage nach den Naturgesetzen eher an den Naturalismus anknüpfen. Im literarischen Realismus ist die Realität als Konvention wieder sehr deutlich, da es hier ja vor allem um schlüssige Figurendarstellungen geht - die vom Roman als "realistisch" verlangt werden, so aber nicht unbedingt der empirischen Realität entsprechen, weil Menschen sich eben oft ganz und gar nicht schlüssig verhalten. In einem ähnlichen Sinne ist mir da auch beim Thema Naturgesetze die innere Schlüssigkeit wichtiger als der Bezug zur dem Roman äußerlichen Welt: Von mir aus dürfen gern die bekannten Naturgesetze gebrochen werden, solange das Universum des Romans in sich schlüssig bleibt. Das würde ich auch nicht als unrealistisch empfinden, da ohnehin jede Romanhandlung kontraempirisch ist - warum soll die Geschichte so tun, als könnte sie sich in unserem Universum ereignen, wenn sie sich ganz klar in einem anderen ereignet? Das gilt für mich bis hin zum realistischen Roman. Dann gibt es natürlich noch Bücher, in denen der Realismus, also die innere Schlüssigkeit des Romans, "zerschmettert" werden muss, um die eigentliche Wirkung zu erzielen, typischerweise im Horror ... Die "wissenschaftliche Schreibweise" in der Hard SF halte ich jedenfalls eher für eine stilistische Konvention, die eine bestimmte Form von Schlüssigkeit erzeugt. Bei den allermeisten SF-Szenarien ist die Frage, ob etwas laut dem Stand unserer Naturgesetze möglich ist, müßig, weil die entsprechenden Techniken und Gesetze so spekulativ sind, dass jeder effekt erzielt werden kann, wenn man ihn nur in der entsprechenden Leerstelle unseres derzeitigen Wissens vom Universum plaziert. Das unser derzeitiger Wissensstand sich keine Möglichkeit des überlichtschnellen Reisens denken kann, kann heißen, dass solche Reisen nicht möglich sind, oder, dass wir die entsprechende Möglichkeit (noch) nicht konzeptionalisiert haben.Der erzählte Sachverhalt bleibt in allen drei Beispielen derselbe: Eine Figur überschreitet die Lichtgeschwindigkeit, was gemäss unserem aktuellen Wissen nicht möglich ist. Dennoch haben die drei Sätze eine unterschiedliche Wirkung. Und das nicht primär, weil bei der Wurmloch-Variante mehr erklärt würde oder weil die meisten Leser tatstächlich verstehen würden, was hier vor sich geht, sondern weil hier mit einer etablierten Konvention gearbeitet wird. Ich kann auf jeden Fall nicht erklären, was bei diesem Wurmloch genau vor sich geht, ich kann die "wissenschaftliche Plausbilität" dieses Vorgangs nicht beurteilen, aber die Wirkung ist bei den meisten Lesern wohl dennoch «realistischer» als beim Hexenbesen.
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"We have failed to uphold Brannigan's Law. However I did make it with a hot alien babe. And in the end, is that not what man has dreamt of since first he looked up at the stars?" - Zapp Brannigan in Futurama
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#27 Gast_Jorge_*
Geschrieben 27 Juli 2009 - 14:29
In schwarzen Lederschuppen...Lechz...Sabber...und großen Brustpanzern...Keuch...Stöhn...und sie tun wirklich alles?Ich hätte da eine SF-Krimi-Space Opera für Dich. Mit scharfen Echsenfrauen!
#28
Geschrieben 27 Juli 2009 - 14:37
Das ist nun zwar keine neue Erkenntnis, aber ich finde es dennoch interessant, dass innere Schlüssigkeit für die meisten Leser zwar eine Voraussetzung für «Realismus» ist, dass dies aber eigentlich wenig mit der Welt, wie wir sie erleben, zu tun hat. Ich behaupte mal, dass die wenigstens die reale Welt als in sich schlüssig, stimmig und nachvollziehbar erleben. Das ist ein weiterer Hinweis darauf, wie stark unser Empfinden von Fiktion eben nicht durch unsere Wahrnehmung der Welt, sondern durch Konventionen geprägt ist. Genau hier setzt ja dann auch die literarische Moderne an, wenn sie dem bürgerlichen Realismus den Kampf erklärt.In einem ähnlichen Sinne ist mir da auch beim Thema Naturgesetze die innere Schlüssigkeit wichtiger als der Bezug zur dem Roman äußerlichen Welt: Von mir aus dürfen gern die bekannten Naturgesetze gebrochen werden, solange das Universum des Romans in sich schlüssig bleibt. Das würde ich auch nicht als unrealistisch empfinden, da ohnehin jede Romanhandlung kontraempirisch ist - warum soll die Geschichte so tun, als könnte sie sich in unserem Universum ereignen, wenn sie sich ganz klar in einem anderen ereignet? Das gilt für mich bis hin zum realistischen Roman.
Bearbeitet von simifilm, 27 Juli 2009 - 15:07.
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#29
Geschrieben 27 Juli 2009 - 15:01
Dennoch finde ich den "Common Sense" hier durchaus passend eingebracht - ist er doch mit Sicherheit das, was viele Leser als Maßstab anlegen, wenn sie den "Realismus" einer Geschichte abwägen. Wenn also drei Leute sagen, dass sie Wert auf "realistische Geschichten" legen, mag der eine dabei die Übereinstimmung mit dem, was man üblicherweise so glaubt im Sinn haben, der zweite die Übereinstimmung mit dem neuesten Stand der Wissenschaft - und der dritte dasselbe wie der zweite, aber weil er einer anderen "Schule" oder "Lehrmeinung" anhängt, findet er trotzdem total unrealistisch, was der zweite als höchstrealistisch lobtRealismus = Common sense. Halte ich für eine gefährliche Gleichung. Der ›gesunde Menschenverstand‹ und das, was die Avantgarde an wissenschaftlicher Weltenerklärung zutage fördert, gehen oftmals so gar nicht zusammen.

Sorry, Dirk. Aber ich muss gerade feststellen, dass du mit Morgan und seinen literarischen Qualitäten entschieden andere Assoziationen verknüpfst als ich ...Ich hätte da eine SF-Krimi-Space Opera für Dich. Mit scharfen Echsenfrauen! Bin gerade am Überarbeiten!

#30
Geschrieben 27 Juli 2009 - 15:07
Zweifellos. Und man kann bei einem Text sicher auch inhaltliche und stilistische Elemente ausmachen, die dazu dienen sollen, diese Wirkung zu erzielen (was nicht heissen muss, dass dies beim individuellen Leser auch so ankommt). Welche Elemente das sind, hängt aber vor allem von den etablierten Konventionen ab und nicht von irgendeiner "realen Welt da draussen". Das sieht man beispielsweise sehr schön, wenn man sich heute Stummfilme ansieht. Das Schauspiel in diesen Filmen wirkt für "ungeschulte" Zuschauer höchst unecht und artifiziell. Von den Zeitgenossen wurde das aber nicht so empfunden. Der Grund dafür ist natürlich nicht, dass die Leute damals alle dümmer waren, sondern dass andere Konventionen dominant waren.Ich würde also mal sagen, Realismus kann man gar nicht allein als Eigenschaft eines Textes ansehen, sondern immer nur als Wirkung auf einen Leser. Trotzdem gibt es Texte, die tendenziell eher auf diese Wirkung abzielen als andere.
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