simifilm schrieb am 24.08.2009, 15:56:
Eigentlich sehe ich nicht ganz, wie Du eine Einteilung in Hochliteratur akzeptieren kannst, und eine in E und U nicht. Oder stört Dich einfach, dass da impliziert wird, dass E nicht unterhalten kann/darf?
Ich verstehe das Konzept einfach nicht.
Essen hat gewissermaßen zwei Funktionen: Zufuhr von Nährstoffen, Vitaminen etc. einerseits, und andererseits soll´s schmecken. Das angenehme und das nützliche halt.
Das Angenehme bei Literatur ist die Unterhaltung, das Nützliche der intelektuele Inputt.
Wenn jemand die beiden Komponenten beim Essen trennen wollte, und zwar so, dass
jede Sache, die man Essen kann, entweder keine Nährstoffe enthält, oder vollkommen geschmackfrei ist, würde praktisch jeder das für sinnlos halten.
Wenn man Analoges bei Kunst versucht, soll das aber eine gute, logische oder realistische Idee sein?
Jetzt kann man Essen aufteilen (subjektiv) in schmackhaft oder nicht, in (objektiv) nährstoffhaltig oder nährstoffarm, und dann auch noch (umstritten) in gesund oder ungesund.
Und man kann Essen in Hinblick auf die Kochkünste einteilen. Das handwerkliche Geschick bei der Zubereitung ist eine relativ subjektive Eigenschaft des Essens. Es gibt Pommes, die knusprig sind und welche, die halb roh oder total labberig sind, je nachdem, wie gut die frittiert wurden. Solche Qualitätsunterschiede nicht notwendigerweise deckungsgleich mit Geschmack, Nährwert oder Gesundheitsschädlichkeit.
Man mag jetzt einwenden, dass eine fehlerfrei hergestellte Currywurst mit Pommes weniger Kochskill als ein 5-Gänge-Menü im Dreisternerestaurant erfordert, oder analog dazu, dass eine sehr gute Trilogie besser als eine perfekte Kurzgeschichte ist; so das der Begriff Hochliteratur sich dann evt. doch auch an Äußerlichkeiten festmachen kann. Aber dennoch finde ich meine Definition von Hochliteratur besser als: "Hochliteratur ist das, was Schule und Wissenschaft dafür halten."
Mein Punkt ist der, dass, wenn man Hochliteratur an mehr als den handwerklichen Kriterien festmachen will, dass das Mehr dann schon eher die gesellschaftliche/geisteswissenschaftliche/sozialkritische/etc. Relevanz sein soll, als eine diffuse Mehrheitsmeinung.
Sonst ist Hochliteratur nur eine Art langfristige Mode - was ist modisch? Das, was Modemagazine und Designer für modisch halten.