lapismont schrieb am 25.08.2010, 10:08:
Ich tendiere ja dazu Kunstwerke vom Künstler zutrennen. Natürlich bieten die biografischen Hinweise zu Thor Kunkel eine andere Sichtweise an, aber letztlich kann jeder Leser nur über seine eigene Interpretation des Buches Zeugnis ablegen. Es ist auf jeden Fall scheinheilig, ethische Grundsätze in Bezug auf den Autor auf das Buch zu übertragen.
Jein. Ich gehe mit Dir einig: Es ist in meinen Augen - und hier dürfte das Gros der modernen Literaturwissenschaft zustimmen - weder sinnvoll noch methodisch sauber, vom Werk direkt auf den Autor zu schliessen oder vice versa. Nur weil Figuren in einem Roman etwas sagen oder wenn der Roman insgesamt bestimmte Dinge erzählt, muss das noch lange nicht die Meinung des Autors sein. So weit, so einig. ABER: Auf was ich schon vorher versucht habe hinzuweisen: wenn der Autor ausserhalb des Romans Aussagen macht - zB. auf seiner Website -, dann kann er sehr wohl auf diese behaftet werden (es sei denn, er betrachtet seine Website und offene Briefe als literarische Werke). Und das Zitat, das Alfred ausgegraben hat, und auch einiges andere scheint durchaus auf einer Linie mit der Passage zu liegen, die wiederum in der FAZ kritisiert wurde; Kunkel scheint gerne alle möglichen Dinge, die ihm an der Gegenwart nicht passen, in einer Linie mit dem Dritten Reich zu sehen. Wie diese Aussagen einzuschätzen sind, da gehen die Meinungen natürlich wieder auseinander. Und aus einer solchen Übereinstimmung folgt auch keineswegs, dass das Buch insgesamt Kunkels Ansichten widerspiegelt; es kommt ja immer wieder vor, dass ein Werk weitaus gescheitere Dinge sagt sein Schöpfer. Aber in diesem konkreten Fall, wenn RL-Aussagen und Romanpassagen so ähnlich sind, scheint es mir auch wiederum seltsam zu behaupten, dass die beiden Dinge überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Über die Qualität des Roman sagt das wiederum noch nichts aus.
Bearbeitet von simifilm, 25 August 2010 - 15:24.