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Horst Pukallus


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52 Antworten in diesem Thema

#31 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 07 Dezember 2022 - 21:42

Totale Tortur

Die bösen Exoterresstrier gibt es hier nicht. Sondern die Agenten, die dem Fremden Absichten entlocken wollen, die er oder sie ihnen nicht geben kann. Der ETR wird mit Personal Jesus von Marilyn Manson in Endlosschleife gefoltert, geschlagen, ertränkt, etc. , doch er zeigt sich... gelangweilt.
So kann man die Foltermethoden auch dem Lächerlichen preisgeben. Und genauso die beiden Agenten.

Konfliktzone Exota Alpha

Zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften, hier der Astrotransportspedition und der Crew des Raumschiff kommt es zu einem Konflikt, bei der die Crew am längeren Hebel sitzt und am Ende siegreich ist. Eine Geschichte, die die Bürokratie solcher Verhandlungen aufs Aberwitzigste zuspitzt, sich aber leider auch genauso ungeschmeidig lesen lässt.

#32 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 09 Dezember 2022 - 12:04

Euripides´ Niederlage

 

Eine hessische Großstadt, die in zwei Sektoren geteilt ist. Die eine ist die "penetrationsfreie Zone" und dort will Danko Tilbert Cordin hin, denn er hat einen Mord geplant. Mit seiner ehemaligen Gefährtin liegt er im Clinch und so wagt er sich in die Höhle des Löwen, um sie aus dem Weg zu schaffen.

Man muss natürlich ein wenig Vergnügen haben an AntiPenetrationsAktivist*innen, Petra als Kürzel für Penetrator und an vielen anderen kleinen und großen Angriffe auf die moderne Kultur, überzogen, extrem und überaus bissig. Da werden die meisten wohl nicht drüber lachen können.

Ich fand es großartig und Horst zeigt, ein Punk ist einfach gegen alles und so ist auch Danko keine helle Kerze auf dem Hortschen Christbaum und das ist am Ende auch sein Schicksal.

Unbedingte Empfehlung.



#33 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 10 Dezember 2022 - 12:21

Die letzten beiden Geschichten

 

Heute wieder Schwanentag

Eine alternative Zeitlinie. Der romanische und germanische Teil haben früh Frieden gefunden und so entwickelte sich die Gesellschaft und Technil schneller als in der Realität. Die Sprache ist ein Kauderwelch aus romanische und deutschen Wörtern und so ist auch die Geschichte geschrieben. Die Temponauten (Zeitreisenden) wollen Nietzsche aufhalten, der in Bayreuth die Frau von Ricardo Wagner umbringen will, was unvorhersehbare Folge für die temporale Stabilität hätte.

Die längste Geschichte des Bandes (59 Seiten) und man muss ein wenig durchhalten mit der ungewöhnlichen Sprache. Man bekommt aber einen spannenden Zeitkrimi geboten, der hunderte Millionen in die Vergangenheit reicht und der auch ein künstlerisches Bonbon enthält.

 

 

Neutrinoklänge in X

Der Astromat des Raumschiffes ist den Klängen der Pulsare, Quasaren und Neutrionsternen erlegen und diese Melodie hat ihn dermaßen umprogrammiert, das er glaubt, eine kreative Frau namens Leukothea zu sein, die sich mit den niederen Menschen nicht mehr abgibt und das Essen verschimmeln lässt sowie den Kurs ändert. Herrlich ist die Kommunikation zwischen Besatzung und Astromat Leukothea, kleine Details (einer der männlichen Besatzungsmitglieder von einem spießigen Planeten träumt, von der vierzig Zentimeter kleineren Westnik vergewaltigt zu werden und hat jetzt Angst vor ihr), der Verlauf des "Wahnsinns", bei der Leukothea kosmomusikalisch statt stellarmusikalisch werden will und am Ende natürlich auch die Verpfelgungsfrage.

 

Das Beste kommt zum Schluss und so ist Neutrinoklänge in X der Höhepunkt einer Sammlung, die mir sehr viel Lesefreude bereitet hat. Schade, dass der Verlag ein Geheimnis aus der Sammlung macht. Die Verlagsseite ist ja fast nicht erreichbar und das Buch war zwischenzeitlich auf Amazon nicht verfügbar.

Egal, wer etwas außergewöhnliche, nicht in eine Norm passende SF Geschichten lesen will, sollte hier unbedingt zugreifen. 



#34 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 05 Juni 2023 - 11:41

Am Abend kamen die Schnecken erschien bei Cutting Edge als Band 2 im November 2022:
https://www.pmachine...n-die-schnecken

Das KI generierte Titelbild (das es verpixelt ist, ist gewollt?) kann mich weder vom Motiv noch von der tristen Farbgebung begeistern.

Die erste Geschichte Selfie mit Alien erschien in Nova 25 und habe ich jetzt nicht erneut gelesen:
https://scifinet.org...e-5#entry371936

Beweint bei Nacht ist aus dem Jahr 2020. Erasmus Wasmut betreibt einen kleinen Laden, wo er afrikanische Antiquitäten verkauft und es ist herrlich geschrieben, was für potentielle Kunden er dort erlebt. Erasmus ist ein sanfter Geselle, aber an diesem Tag sind die Kunden doch so extrem, dass er einem Stammkunden den sehnlichsten Wunsch nach einem Schrumpfkopf erfüllt. Eine schwarzhumorige Geschichte der Sonderklasse, ein wirklich lesenswertes Charakterbild der Kunden und des Verkäufers. Klasse.

Bearbeitet von Mammut, 05 Juni 2023 - 12:21.


#35 My.

My.

    Temponaut

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Geschrieben 05 Juni 2023 - 12:13

Das Titelbild besitzt ein aufgelegtes Muster aus Quadraten. Verpixelt im Sinne eines "unabsichtlichen" Effekts ist es nicht.

 

Und "Selfie mit Alien" erschien in Nova 25; Nova 35 ist noch nicht veröffentlicht.

 

 

My.



#36 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 05 Juni 2023 - 12:22

Das Titelbild besitzt ein aufgelegtes Muster aus Quadraten. Verpixelt im Sinne eines "unabsichtlichen" Effekts ist es nicht.
 
Und "Selfie mit Alien" erschien in Nova 25; Nova 35 ist noch nicht veröffentlicht.
 
 
My.


Den Fehler habe ich korrigiert. Und dass das Bild absichtlich verpixelt aussieht, hab ich my fast gedacht. Na, vielleicht gefällt es ja irgendjemanden.

#37 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 09 Juni 2023 - 10:37

Los 666 von 2019 (die Jahreszahlen beziehen sich wohl auf das Entstehungsdatum der jeweiligen Geschichte) ist eine wortgewaltigen oder besser wortakrobatische Kreation, wie man es von Horst Pukallus kennt. Mit dem ihm eigenen Humor bildet er satirisch eine Welt ab, die in der längeren Geschichte viele Seitenhiebe enthält gegenüber den Reichen und Mächtigen. Die einzige Frau, die mitspielt, ist keine, sondern nur geschlechtslose Reproduktion zur Unterhaltung des in Liebe enttäuschten Makler des Krieges, der ihrem Vorbild ein virtuelles Kunstwerk erschaffen hat, das als dem eines Sohnes getarnt ist.
Eine etwas mühselig zu erfahrende Geschichte, die sich aber immer mehr entfaltet und einen unwiderstehlichen Sog entwickelt. Am Ende, so bin ich überzeugt, einer der Highlights des Kurzgeschichtenjahrgangs. Tolles Leseerlebnis.

#38 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 09 Juni 2023 - 15:21

Das letzte Ei der Erde (2020)

Weit in der Zukunft, diverse Gruppierungen haben sich persönlich getroffen, um zu diskutieren, wie sie mit dem gefunden Artefakt umgehen. Ein Ei. Und es wird kontrovers diskutiert zwischen Robotern, Bionten, Quasizombies, etc.
Als der Hausgeist, also die allgegenwärtige KI, auflöst, worum es sich bei dem Ei handelt, löst sich alles in Luft auf.
Eine Parodie über Debattenclubs und ihrem oft fehlenden Blick auf das Wesentliche.

#39 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 11 Juni 2023 - 14:37

Bevor ich das vergesse: Ich denke, ein Magazin sollte für sich stehen und das Konzept von Future Fiction Magazin ist einzigartig. Diese Mischung aus Übersetzungen aus aller Welt, dazu mithilfe einer innovativen Methode, die dazu npoch auf englisch verfügbar sind. Dazu kommen deutschsprachigen Originalveröffentlichungen und Artikel, ist aus meiner SIcht definitiv vorschlagswürdig. Ich finde auch, die enthaltenen Geschichten und ihre Qualität, aber auch die Artikel, unterstützen dies definitiv.
Dazu kommt aus meiner Sicht, gerade in Bezug auf eine europäische Initiative wie den ESFS ist ein Magazin mit internationalem Bezug eines rein auf den deutschsprachigen Markt vorzuziehen. Einziges Manko in Hinsicht auf den ESFS: Es sind keine europäischen Werke (abseits des deutschsprachigen) enthalten.


Sklaven der Furcht von 2020 beschreibt die versuchte Einreise einer Familie von der Erde zum Mars. Die Grenzbeamten sitzen auf Phobos und entscheiden sich aus Bequemlichkeit für eine Rückführung.
Eine Geschichte, die mehr Fragen offen lässt als beantwortet und insgesamt doch eher einfach gestrickt wirkt. Aber vielleicht ist mir ja etwas entgangen.
Bisher der schwächste Beitrag.

Der Leguan des Mandanten (2014&2017) ist wohl nur durch die begleitenden Geleitworte des Autors zu verstehen. Es ist ein Cut-up von Gerichtssendungen, die man sich mittags im Werbefernsehen anschauen kann und fasst diese sinnlosen Episoden ebenso sinnlos zusammen.

Bearbeitet von Mammut, 11 Juni 2023 - 15:00.


#40 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 18 Juni 2023 - 18:23

Der Lockentenschnitzer von Beteigeuze XIV (1999&2020)

Ein Agraplanet, der Wunsch ihn zu technologisieren, um die eigenen Energieerzeuger zu verkaufen. Nur blöd, dass der Abgeordnete des Unternehmens samt seinem Gefolge völlig dekadent ist.
Die Geschichte um Staatsfeind Nummer 1, nimmt natürlich eine Wendung, als genau dieser die Bühne betritt und so erlebt man das Waterloo der Wirtschaftskolonielmächte und das auf sehr schmunzelnde Art und Weise, wie immer wortakrobatisch umgesetzt. In den Andromeda Nachrichten 281 gibt es eine Rezension, da kam die Geschichte gar nicht so gut weg, gerade im Vergleich zu der anderen langen Story. Kann ich nicht verstehen, die hier hat mir definitiv genauso gut gefallen. Die Art des Erzählens ist dabei gleich, aber inhaltlich ist es doch ein völlig anderes Thema.
Tolle Geschichte, bei der man wie gewohnt ein wenig braucht, um sich reinzufinden.

#41 Rezensionsnerdista

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    Yvonne

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Geschrieben 19 Juni 2023 - 07:22

Tut mir leid, dass du hier so alleine liest, ich habe 2023 nur ungefähr eine Pukallus-Geschichte gelesen und bin mit dem Jahrgang mittlerweile durch (will nichts mehr hinzufügen)


Podcast: Literatunnat

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#42 Mammut

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    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 19 Juni 2023 - 08:35

Tut mir leid, dass du hier so alleine liest, ich habe 2023 nur ungefähr eine Pukallus-Geschichte gelesen und bin mit dem Jahrgang mittlerweile durch (will nichts mehr hinzufügen)

 

Hallo Yvonne,

 

das macht nichts. Ich lese ja mittlerweile den fünften Band des Autors und das ist dann immer eine schöne Erinnerungsstütze, wenn ich mal zurückblicke und daher macht es auch nichts, den Band alleine zu besprechen. Wenn ich mir daheim offline Notizen machen würde, die sind in der Regel nach kurzer Zeit nicht auffindbar.  :bighlaugh:  Hier finde ich sie halt wieder.

Und es ist ein Vergnügen die Geschichten zu lesen. Im Gegensatz zu Exodus 46 finde ich hier viele Perlen. Das hier trifft eher mein Geschmack.

 

Wir wollten ja noch Zions Fiction lesen, da werde ich demnächst mal den Band wieder zur Hand nehmen. Vorher wollte ich aber die Titelgeschichte dieser Sammlung hier lesen.

 

Bis bald,

Michael



#43 Rezensionsnerdista

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    Yvonne

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Geschrieben 19 Juni 2023 - 08:50

Von Zions Fiction gibt es noch immer kein Ebook, weshalb ich es mir noch nicht gekauft habe. Ich frage mal Klaus, sonst müsste ich es doch auf Englisch lesen.


Podcast: Literatunnat

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#44 Zack

Zack

    Illuminaut

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Geschrieben 22 Juni 2023 - 11:00

Ich muss gestehen, dass ich Horst Pukallus gar nicht auf dem Schirm hatte, erst durch die Sammlung "Am Abend kamen die Schnecken", die ich auch rezensiert habe.

Insgesamt sehr lesenswert, doch für meinen Geschmack war der Stil dann doch oft zu überladen und die Frauenfiguren entsprachen meist ärgerlichen Klischees. Gefallen hat mir, dass die Geschichten thematisch sehr unterschiedlich sind und im Kern doch recht ähnlich und gekonnt menschliche Schwächen offenlegen. Meine Highlights der Sammlung waren: "Beweint die Nacht", "Los 666" und "Sklaven der Furcht"
“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)


http://www.literatopia.de

#45 Mammut

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    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 22 Juni 2023 - 21:09

Am Abend kamen die Schnecken" (2017)

Eine Expedition zu einem unattraktiven Planeten, der sich überraschend als Abenteuer entpuppt und die Bedrohung führt am Ende zur doppelten Revolution.

Insgesamt hat mir der Band Vergnügen bereitet. Zwei Geschichtensammlungen in einem Jahr, ich bin gespannt wann Sammlung Nummer 6 das Licht der Welt erblickt.

#46 ShockWaveRider

ShockWaveRider

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Geschrieben 24 März 2025 - 08:11

Seit dem 7. Juni 2023 ist sie in meinem Besitz, aber erst gestern habe ich die Collection "Neutrinoklänge in Stunde X" beendet.
Hier meine Eindrücke:

Das lange Jahr der kurzen Tage
Inhalt: Chefkoordinator Sedigeros wird mit zwei Kriegsschiffen zum Planeten Arethusa geschickt. Die dortigen Arbeiter wollen die geförderten Rohstoffe nicht der Kosmo-Katholislamischen Koalition abliefern.
Fazit: Zuviel Technobabble. Religionskritik mit dem Vorschlaghammer.

 

Amentia
Inhalt: Hedi ist kein Messie, auch wenn das Freundin Ulla behauptet. Sie ist einfach nur eine religiös verzückte Sammlerin.
Fazit: Auch hier funktioniert die Satire nicht. Würde auch ohne Religion (nicht) funktionieren.

 

Totale Tortur
Inhalt: Mr Mueller und Mr Smith foltern ein Alien, um dessen wahre Mission zu erfahren. Aber das Alien scheint gegen alle Foltermethoden immun zu sein.
Fazit: Das ist doch mal eine nette Satire. Die beiden Folterknechte stoßen mit ihren bewährten Methoden ins Leere. Und gefährden damit ihre Karrieren.

 

Konfliktzone Exota Alpha
Inhalt: Da wagt es doch ein Raumkapitän, von der Spaceline verbesserte Arbeitsbedingungen zu verlangen. Und das nur wegen vieler Einzelfälle, bei denen Weltraumreisende Zahnschmerzen bekamen.
Fazit: Na dann viel Spaß mit dem von nun an obligatorischen Zahnarzt an Bord!
Nette Story, schön aufgebaut. Ja, genau so laufen derartige Verhandlungen ab.

 

Euripides‘ Niederlage
Inhalt: Überschießende Wokeness führte zu einer Ächtung penetrativen Sexes und einer Segregation der Geschlechter. Danko will sich davon aber nicht von seiner Rache an seiner ehemaligen Lebensgefährtin abhalten lassen.
Fazit: Alter weißer Cis-Mann kotzt sich über Wokeness-Exzesse aus. Auch wenn ich viele Kritikpunkte als berechtigt empfinde – man kann sie anders anbringen.

 

Heute wieder Schwanentag
Inhalt: In einer Parallelwelt hat sich der Mithras-Kult gegen das Christentum durch-gesetzt. Die Dampfmaschine wurde im 12. Jahrhundert erfunden, Computer gab es im 19. Jahrhundert. Einige Zeitreisende sollen die Bedeutung einer Tagebuchnotiz von Cosima Wagner klären. Dabei kommen sie dem gemeingefährlichen und geistesgestörten Irren Niedzsche auf die Spur. Ist er womöglich Jack the Ripper?
Fazit: Ja, ganz witzige Einfälle. Aber z.B. die Folgen des Mithras-Kults sind kaum ausgearbeitet. Die ganzen rumänischen Vokabeln nerven irgendwann nur noch. Die Handlung ist total abgedreht, wirr und erscheint bisweilen ziellos. Es treten viel zu viele Figuren auf, so dass eine Identifikation schwer fällt. Ich bin wohl zu alt für den aufgeblähten Sch*

 

Neutrinoklänge in Stunde X
Inhalt: Ein Bordcomputer erwacht zu Bewusstsein, gewinnt dabei leider auch jede Menge Selbst-Bewusstsein und nennt sich ab sofort Leukothea. Die ursprünglichen Aufgaben sieht Leukothea als nicht mehr wichtig an. Sehr zum Unmut der Besatzungsmitglieder.
Fazit: Mensch, behandle deine Maschinen ordentlich! Sonst geht es dir wie Aggo – und du dienst deinem Kollegen als letzte Nahrungsquelle. Nette, wenngleich bekannte Idee, aber rundum gut geschrieben. Irgendwie mag ich Leukothea, auch wenn ich ungern mit ihr gemeinsam ins All reisen würde.

 

Unterm Strich: HP kann besser. Er war mal, in den 80er- und 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, einer der besten und wichtigsten deutschsprachigen SF-Autoren, vor allem auf dem Gebiet der Story. Leider hat er sich im vorliegenden Band überwiegend in die Jammer-und-Jaul-Satire-Ecke zurückgezogen. Dabei stimme ich inhaltlich mit vielen seiner Kritikpunkte überein. Aber zum einen ist das doch zumeist in einer Weise vorgetragen als sei er Vorsitzender einer Schrebergartenkolonie und würde lautstark darüber wachen, dass die Ruhezeiten und die Liste der verbotenen Pflanzen eingehalten werden. Oder wie ein alter Mann, der den ganzen neumodischen Tünkram nicht mehr versteht. Und zum anderen sind viele Storys zu lang und zu breit gewalzt für den doch eher banalen Inhalt.

Erträglich wird er, wenn er, wie in "Totale Tortur" und "Konfliktzone Exota Alpha" die Arbeitswelt der Zukunft und Menschliches-Allzumenschliches aufs Korn nimmt. Aber zu mehr als Snacks für den kleinen Lesehunger zwischendurch taugen diese Stories auch nicht.

Ausnahmen bilden die letzten beiden Werke. Allerdings ist mir bei "Heute wieder Schwanentag" der Plot zu wirr und zu ziellos, und die Rumänizismen nerven auf die lange Distanz. Die einzige weitgehend gelungene Geschichte ist die Titelstory am Ende. Aber eine befriedigende Story macht noch lange keine gute Collection.

 

Das meint

Ralf
 


Bearbeitet von ShockWaveRider, 24 März 2025 - 08:39.

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#47 rostig

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Geschrieben 24 März 2025 - 10:19

Habe das Buch vor 18 Monaten gelesen und nur die letzten beiden Geschichten sind mir im Gedächtnis geblieben. Insb. Schwanentag fand ich sehr originell und witzig obwohl ich sonst Alternativweltstories nicht viel abgewinnen kann.



#48 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 24 März 2025 - 11:29

Mir kommt es so vor als hätte ich den Schwanentag auch gelesen

Ansonsten finde ich den Ausdruck "Jammer und Jaul Satire Ecke" unterhaltsam, Ralf

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#49 ShockWaveRider

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Geschrieben 24 März 2025 - 12:25

Es hat etwas länger gedauert, bis mir der Begriff "altjungferlich" einfiel.

 

Gruß

Ralf


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#50 Michael Böhnhardt

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Geschrieben 24 März 2025 - 13:03

Naja, der Begriff "altjüngferlich" beinhaltet eigentlich eine gewisse Prüderie.

 

Das klingt nach deiner Beschreibung oben aber nicht so. Also ist "Jammer und Jaul Satire Ecke" als bewertendes Missfallen wahrscheinlich angemessener.



#51 ShockWaveRider

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Geschrieben 24 März 2025 - 13:10

Ja, schon schwierig, diese Wortfindung!

 

seufzt

Ralf

 

(Altjungferlich impliziert in meiner Vorstellung auch immer eine gewisse Neigung, über die pöse, pöse Welt zu lamentieren. Aber das ist wohl nicht der hervorstechendste Aspekt.)


Bearbeitet von ShockWaveRider, 24 März 2025 - 13:10.

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#52 lapismont

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Geschrieben 26 März 2025 - 13:10

Mir ist so, als ob bei Thomas Mann der Begriff Hagestolz für das männliche Pendant zur Alten Jungfer Verwendung fand.


Überlicht und Beamen wird von Elfen verhindert.

Moderator im Unterforum Fantasyguide
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#53 Michael Böhnhardt

Michael Böhnhardt

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Geschrieben 26 März 2025 - 14:30

Den Begriff kannte ich nicht. Laut Wikipdia kann man durchaus sagen, dass dies eine Entsprechung zur alten Jungfer ist.

 

Passt aber deshalb auch nicht zu dem Bild des alten, abgehängten, jammernden Miesepeters, der die Welt nicht mehr versteht und sie einfach doof findet, das Ralf ja vorschwebte.




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