Galax schrieb am 19 Okt 2019 - 15:19:
Das ist schlicht nicht fair.
Aber klar doch. Unfair ist es auch, wenn Leute, die bei Casting-Shows Risse in die Gebäudefundamente jaulen
und nicht einmal aus Versehen einen Ton treffen, nicht auf der Stelle einen hochdotierten Plattenvertrag ausgehändigt
bekommen. Die Welt ist hart, aber ungerecht.
Wer die deutschsprachige SF-Publizistik in einen Kindergarten verwandeln und sich, was das handwerkliche Niveau
angeht, dem absoluten Nullpunkt annähern möchte, den kann ich nicht davon abhalten. Andererseits wird aber auch
niemand mich davon abhalten, mit klaren Worten auszusprechen, was ich davon halte.
Zitat
Es sind gute Ideen und gute Geschichten dabei.
Es sind zwei, drei ordentliche Geschichten dabei, der Rest ist so grottenschlecht, daß man's mit
stubenreinen Worten gar nicht angemessen ausdrücken kann. Diese Anthologie gehört genau
zu den Büchern, mit denen sich die deutsche Science Fiction lächerlich macht und ihren schlechten
Ruf zementiert.
Im übrigen habe ich nichts dagegen, wenn man die Punk-Attitüde in die Literatur einbringt. Wie das
gehen könnte, kann man in der SF bei John Shirley oder im Mainstream bei Kathy Acker studieren.
Aber wie es Eric S. Raymond so treffend ausdrückte: "Attitude is no substitute for competence."
Zitat
Und natürlich sind da auch Amateure dabei, so ist das in Anthologien, und so soll es auch sein.
Der Amateurstatus ist nicht das Problem. Von jemandem, der schreiben und veröffentlichen will,
erwarte ich aber zumindest, daß er den Deutschunterricht in der Grundschule erfolgreich absolviert
hat. Da hapert's bei den meisten hier versammelten Autoren aber schon ganz gewaltig. Das
mag Gründe haben - aber mit 20 kg Übergewicht und einer Gehbehinderung komme ich eben
auch nicht auf die Idee, Eliud Kipchoges Marathon-Weltrekord anzugreifen.
Amateure in dem Sinne, daß sie mit ihrem Schreiben wenig bis kein Geld verdienen und nur
in ihrer Freizeit schreiben, sind die meisten Autoren in der Szene. Das hat Haubold, Küper,
Sieber, Alt, Post, Hebben und einige andere nicht davon abgehalten, Geschichten auf
professionellem Niveau zu schreiben. Was sich aus den begrenzten Ressourcen der Szene
machen läßt, haben Hebben/Rösler/Skora etwa mit der "Gamer"-Anthologie gezeigt. Da waren
notgedrungen auch einige schwächere Geschichten dabei, aber ein gewisses Mindestniveau
wurde nicht unterschritten. So viel Sorgfalt sollte auch für literarische Amateure drin sein.
Ich spare es mir, als Beleg eine beispielhafte Textstelle zu zitieren, an deren Entzifferung ich
fast verzweifelt bin, aus einer Geschichte, die mich am intensivsten veranlaßt hat, in die
Schreibtischkante zu beißen. Es wäre für den betreffenden Autor, einen der beiden
Mitherausgeber, dann doch zu peinlich.
Salute
MKI
Bearbeitet von Michael Iwoleit, 19 Oktober 2019 - 23:56.