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27 Antworten in diesem Thema

#1 ChristophGrimm

ChristophGrimm

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Geschrieben 08 Juni 2024 - 11:57

nova34cover500.jpg

 

NOVA 34

Magazin für spekulative Literatur
 
p.machinery, Winnert, Mai 2024, 212 Seiten, Paperback
ISSN 1864 2829
ISBN 978 3 95765 396 3 – EUR 17,90 (DE)
E-Book: ISBN 978 3 95765 723 7 – EUR 5,99 (DE)
 
Inhaltsverzeichnis
 
  • Dominik Irtenkauf: Editorial
 
NOVAstorys
  • Lisa Jenny Krieg: Stoff der Erinnerung
  • Norbert Stöbe: Im Vault
  • Nicole Hobusch: Iva
  • Ulf Fildebrandt: Die Tür in den Sommer
  • Horst-Dieter Radke: Engelsrache
  • V. A. Kramer: Population: One
  • Janika Rehak: Iggy B. Wellington
  • J. A. Hagen: Angriff auf Grünland
  • Frank Lauenroth: Kadaver
  • Carsten Schmitt: Das Lethe-Quantum
  • Moritz Boltz: Die Vermessung des Raums
  • Rajiv Moté: Die Luft fängt uns auf
 
NOVAsekundär
  • Christian J. Meier: Tanz mit dem Oktopus im Reich der Intelligenz
  • Sarah Lutter: Im Interview mit Thorsten Küper
  • Dominik Irtenkauf: Schrott – Motiv und Motivation in der SF-Literatur
  • Dominik Irtenkauf: Hans Frey (1949–2024). Ein Nachruf
  • Michael K. Iwoleit: Christopher Priest (1943–2024). Ein Nachruf
 
Die Autoren | Die Grafiker
 
Das Titelbild stammt von Victoria Sack.
Weitere Illustrationen von Detlef Klewer, Michael Wittmann, Frank G. Gerigk, Mario Franke, Ralf Schoofs, Uli Bendick, Gerd Frey und Chris Schlicht.
 

„Alien Contagium: Erstkontakt-Geschichten“: https://eridanusverlag.de | "En passant - Die Reisen des Sherlock Holmes": https://burgenweltverlag.de

Kostenloses SF/Fantasy-Literatur-Webzine: https://weltenportalmagazin.de

  • (Buch) gerade am lesen:„Draußen“ (Mary Stormhouse), NOVA 34
  • (Buch) als nächstes geplant:Queer*Welten 12, „Moriarty trinkt Tee“ (Oliver Hoffmann)
  • • (Film) gerade gesehen: „Tarot“ (lohnt nicht)
  • • (Film) als nächstes geplant: „Doctor Who“ (neue Staffel), „Wicked“

#2 ChristophGrimm

ChristophGrimm

    Biblionaut

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Geschrieben 08 Juni 2024 - 12:00

Da das NOVA Team die Pflege des Unterforums eingestellt hat, eröffne ich mal den Thread zur aktuellen / kommenden Ausgabe 34. Da dieses Mal viele Autorinnen und Autoren mit von der Partie sind, die ich sehr schätze oder bereits das Vergnügen hatte, sie herauszugeben, bin ich sehr gespannt.

 

Über weitere Beteiligung in diesem Thread würde ich mich sehr freuen :).

 

Edit: Das Titelbild von Victoria Sack gefällt mir sehr. Ein starkes Bild mit Atmosphäre.


Bearbeitet von ChristophGrimm, 08 Juni 2024 - 12:02.

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#3 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 08 Juni 2024 - 14:20

Ich gebe zu, mit dem Titelbild kann ich nichts anfangen. Ich finde es nichtssagend, die Farben sind eher düster und gedeckt, das Motiv spricht mich nicht an. Vielleicht wirkt es in Natura ja anders.

#4 fancy

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Geschrieben 08 Juni 2024 - 14:35

Danke sehr, lieber Christopher, dass du diesen Thread eröffnet hast. 

Titelbilder treffen selten den Geschmack aller. 

Ich mag das Bild auch. Mir gefällt der Riss in der Wirklichkeit oder Fantasie, je nachdem, wie rum man es sehen möchte und dann finde ich es auch interessant, dass das Einhorn als mechanisches Wesen dargestellt wird, was ja dann wieder ein Bruch ist. 


Fang nicht an, Dinge zu tun, tu sie einfach!
Wer wenig denkt, irrt viel (Leonardo da Vinci)
Meinungsverschiedenheiten über ein Kunstwerk beweisen, dass das Werk neu, komplex und lebenswichtig ist. (Oscar Wilde)
Wenn Kritiker uneins sind, befindet sich der Künstler im Einklang mit sich selbst. (Oscar Wilde)

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#5 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 08 Juni 2024 - 15:27

Danke, Chris!

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#6 Frank Lauenroth

Frank Lauenroth

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Geschrieben 08 Juni 2024 - 18:20

Danke Dir. 

 

Ich finde das Coverbild von den vier NOVA-Nummern seit dem Layout-Wechsel tatsächlich das interessanteste. 

Das mechanische Einhorn vor dem weitestgehend dunklen Hintergrund einer modernen und eventuell zukünftigen Großstadt mag ein Zeichen leuchtender Hoffnung darstellen. 

 

Und ich bin sehr auf den Inhalt (und den Austausch hier) gespannt. 


Bearbeitet von Frank Lauenroth, 08 Juni 2024 - 19:30.

 In memoriam Michael Szameit / Christian Weis / Alfred Kruse / Rico Gehrke                                                          : Aktuelle Projekte und neue Veröffentlichungen :                                                'Gleich' ist der Tod des kleinen Mannes.


#7 Moritz

Moritz

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Geschrieben 09 Juni 2024 - 13:00

Hallo zusammen! Ich werde auf jeden Fall auch reinlesen, sobald mein Exemplar eintrifft.



#8 Frank Lauenroth

Frank Lauenroth

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Geschrieben 09 Juni 2024 - 17:10

Beim a als Kindle https://www.amazon.d...k/dp/B0D6HWK4NY


 In memoriam Michael Szameit / Christian Weis / Alfred Kruse / Rico Gehrke                                                          : Aktuelle Projekte und neue Veröffentlichungen :                                                'Gleich' ist der Tod des kleinen Mannes.


#9 Carsten

Carsten

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Geschrieben 10 Juni 2024 - 08:38

Einen Auszug aus "Das Lethe-Quantum" gibt's als Lesung hier nachzuhören: https://www.youtube....Km9GObU&t=5542s

 

Wer lieber das englische Original lesen möchte, kann sich hier informieren: https://bellpressboo...nd-your-finger/

 

Informationen zum menschlichen Konnektom: http://www.humanconnectomeproject.org/


Bearbeitet von Carsten, 10 Juni 2024 - 08:48.

Dieser Account ruht größteneils. PN werden wahrscheinlich nicht gelesen (oder viel zu spät)


#10 ChristophGrimm

ChristophGrimm

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Geschrieben 10 Juni 2024 - 20:53

„Stoff der Erinnerung“ (Lisa Jenny Krieg)

In einer postappokalyptischen Zukunft. Zehra ist eine „Finderin“ - sie sucht in den Trümmern der Zivilisation nach Nützlichem für das Überleben ihrer Gemeinde. Eines Tages findet sie eine verpackte, vollkommen funktionsfähige Nähmaschine. Auf unerklärliche Weise schleichen sich in die Decken, die sie aus allerhand Stoffresten zusammennäht, Bilder und Motive, die in die Vergangenheit zurückreichen. Die Reaktionen der Menschen in der Gemeinde fallen gemischt aus …

Eine Geschichte die mich zwiespältig zurücklässt. Nicht, weil ich die Geschichte eher als „Phantastik im Dystopiegewand“ - (oder „Magischer Realismus“, wie es MKI einordnet) - denn als „Speculative/Science Fiction“ einordnen würde.
Sprachlich und stilistisch werde ich mit gut formulierten Bildern sofort mitgenommen. Die Exposition ist auf das Notwendigste beschränkt und so gut eingewoben, dass der Erzählfluss nicht gestört wird. Lisa Jenny gelingt es, Zehra mit geradezu beiläufig eingestreuten Sprenkel gut zu charakterisieren
Mir persönlich ist das Zusteuern auf die Pointe bzw. Kernaussage zu sehr gewollt. Wirkte die Geschichte in ihrer ersten Hälfte auf mich sehr natürlich, unterwirft sie sich in der zweiten Hälfte der Künstlichkeit von Thema/Aussage.

Ich kann mir zumindest vorstellen, dass ich mit der Meinung vielleicht alleine da stehe.
Die Geschichte stellt auf jeden Fall einen interessanten Einstieg dar.

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#11 Rezensionsnerdista

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    Yvonne

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Geschrieben 11 Juni 2024 - 10:40

Obwohl ich ein kleines Praktikum bei der NOVA gemacht habe, als die Ausgabe 34 zusammengestellt worden ist, beteilige ich mich einfach trotzdem frech an diesem Lesezirkel. Schließlich macht so ein Austausch Spaß und ich war gar nicht an jeder Auswahl und erst recht nicht an jedem Lektorat beteiligt. Einiges (wie das Editorial) ist auch entstanden, nachdem mein Praktikum längst um war, insofern betrachte ich mich wieder als Leserin.

 

 

Editorial: Dominik Irrtenkauf wird sicher neue Perspektiven in die NOVA bringen, das deutet einiges hier schon an. Ich bin da sehr gespannt! Jetzt habe ich ihn ja auch erlebt, in Berlin, auch beim MetropolCon und seine Sichtweise auf verschiedene Subgenres der SF finde ich interessant, und er hat auch einen weiten Blick (z. B. auf Afrofuturismus) und scheint sehr offen für neue Strömungen zu sein. Insofern bin ich jetzt schon gespannt auf den Sekundärteil!


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#12 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 11 Juni 2024 - 10:58

MKIs Vorworte zu den Storys lese ich jetzt wie ihr alle zum ersten Mal (auch wenn ich die Storys alle schon mal gelesen habe, wenn auch die meisten in einer Prä-Lektoratsphase), insofern sind diese für mich neu. Ich lese sie auch vorher, denn zumindest spoilern können mich MKIs Gedanken zu den Geschichten ja nun nicht mehr, auch wenn es in vielen Fällen ein Jahr her ist, dass ich zu der veröffentlichten Prosa Kontakt hatte.

 

Vorwort zu Stoff der Erinnerung:

Ich habe Earth Abides mit großer Begeisterung gelesen und frage mich gerade, ob nicht vielleicht sogar MKI selbst mir den Roman empfohlen hat. Ich vermute, so war es. Viele Klassiker, die ich nachgeholt habe, waren nicht gut gealtert und das Lesen habe ich oft bereut, nicht so hier und übrigens auch nicht bei Mary Shelley, die ebenfalls in diesem Vorwort Erwähnung findet (wenn auch mit The Last Man und nicht mit Frankenstein). 

Mit solchen Größen der Apokalypse-Klassiker in einem Atemzug genannt zu werden ist für die Story sicherlich nicht schlecht!

 

Stoff der Erinnerung

Ich habe die Story erneut gelesen und mir danach Chris' Rezension angeschaut. Ich verstehe, was er meint. Die Story hat für mich auch schon funktioniert, bevor die Pointe (Stichwort gelbe Dreiecke) gekommen sind.  Ohne die Pointe wären die Räume offener geblieben, so sind sie ein wenig geschlossener, aber die Fragen, die mir daraufhin kommen, sind trotzdem ähnlich.

In der Geschichte dreht sich ja alles um Erinnerung. Brauchen wir sie? Ist es gut, in der Vergangenheit zu schwelgen? Hindert es uns daran, das Hier und Jetzt zu akzeptieren? Welche Erinnerungen sind gut, welche nicht, an was sollten wir uns auf jeden Fall erinnern?

Die Hauptfigur, die die Nähmaschine findet und Erinnerungen auf Stoffe näht, begreift und versteht diese oft nicht, und taugt daher sehr gut als Protagonistin. Wir als Lesende verstehen oft mehr, sie manchmal nicht das Geringste, da ihr viel Kulturgeschichte fehlt.

Ja, das Genre ist nicht auf SF festgelegt, es klebt ein wenig magischer Realismus daran oder auch Phantastik. (Ich bin ja nicht mehr im DSFP Komitee und kann mir die ewige Diskussion über "Ist das SF oder kann das weg?" sparen.)

Mir kommt die Story in der NOVA jedenfalls gut platziert vor und es ist ein toller Einstieg!

 

Die Figur der Finderin hat mich übrigens zunächst mehr an Anna Blume aus Im Land der letzten Dinge erinnert. Auch ein apokalyptischer Roman, wenn es auch dort wirkt, als sie die Apokalypse örtlich begrenzt.


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#13 fancy

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Geschrieben 11 Juni 2024 - 14:37

Hallo Chris, hallo Yvonne,

 

vielen Dank für eure ersten Eindrücke. 

Ich finde nicht, dass sich irgendwer rechtfertigen muss, wenn er sich hier an der Besprechung beteiligt. Du ganz gewiss nicht, Yvonne. Hier sind alle eingeladen, mitzumachen. 

 

Zu deinen Fragen, Yvonne: Ich habe es so verstanden, dass die Leute fast alle sehr glücklich darüber waren, dass sie ihre Erinnerungen nun ansehen konnten, wann immer ihnen danach war. Nur in Gedanken verblassen sie mit der Zeit, aber die Decke bleibt. (Gut, man kann sich fragen, was schneller verblasst.) Ich glaube nicht, dass die Decken die Leute dazu gebracht haben, in der Vergangenheit zu schwelgen. Sie konnten jetzt ihre Erinnerungen mit anderen teilen. 

Wahrscheinlich sind wir so gestrickt, dass uns die schönen Erinnerungen mehr am Herzen liegen als die schlechten. 

Ich glaube, dass die Decken den Menschen ein wenig Freude in den grauen und harten Alltag gebracht haben und sie ihn deshalb besser ertragen konnten. 

Die Welt die hier gezeichnet wurde, konnte ich mir bildlich vorstellen.

 


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#14 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 12 Juni 2024 - 05:59

Eigentlich habe ich die Fragen nur aufgelistet, um zu zeigen, welche Fragen die Story behandelt, ich habe nicht zwingend diese offen gebliebenen Fragen an die Story. Das ist sozusagen eine Geschichte, die Räume öffnet (man sieht, der Podcast mit Ken Liu hat mich nachhaltig beeinflusst). 

 

"In Erinnerungen schwelgen": Was die Decken betrifft, wird das nicht als problematisch dargestellt, nein. Aber vorher wird erwähnt, dass es für die älteren, die sich noch an die Welt vor der Apokalypse erinnern können, schwieriger ist. Ein Gedanke, der oft in Geschichten kommt, die in einer postapokalyptischen Welt spielen und von dem ich auch überzeugt bin, dass er stimmt. Ich lese dieses Genre ja unglaublich gern und dementsprechend oft, mein Erstkontakt dazu war Pausewangs Die Kinder von Schewenborn (an Heftigkeit viel schlimmer als mancher Roman für Erwachsene).

 

Und du hat recht, die Story bespielt sehr geschickt unsere visuelle Vorstellungskraft. Ein toller Einstieg.

 

Es macht übrigens Spaß, Rock Planet und Nova 34 abwechselnd zu lesen. Wobei ich diese Storys ja schon mindestens einmal (eher häufiger) gelesen habe. Ich lese aber ganz gern Storys, die ich gut fand, noch mal und mache das in letzter Zeit auch recht ausgiebig.


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#15 Moritz

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Geschrieben 14 Juni 2024 - 07:39

Hallo zusammen, ich starte mal mit meinen Eindrücken. 

 

Lisa Jenny Krieg: Stoff der Erinnerungen

 

In einer postapokalyptischen Welt findet die Finderin Zehra eine Nähmaschine. Mit dem alten Gerät erschafft sie Decken und näht zugleich Erinnerungen zusammen. Das kommt erst gut an, führt aber auch zu Problemen.  

 

Die Geschichte hat mir gut gefallen. Gerade der erste Teil ist sehr atmosphärisch, die repetitive Arbeit der Finderin wird schön beschrieben.  Auch die Idee mit der Nähmaschine ist klasse.

 

Unter anderem haben mir diese beiden Textstellen gut gefallen: 

 

 

  • …schließe trotz der Hitze den Reißverschluss meiner von Staub und Wind hart gewordenen Lederjacke. Ich habe Übung darin, die Löcher zu ignorieren. (Seite 9)
  • Am Ende reißt mir jemand die Decke aus der Hand. Ich sehe nicht einmal wer genau. (Seite 20) 

 

 

 

Insgesamt ein schöner Einstieg in die Ausgabe. 



#16 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 14 Juni 2024 - 10:23

Norbert Stöbe: Im Vault

 

Das Thema KI ist ja ein bisschen omnipräsent, was ich aber an dieser Geschichte sehr cool (und sehr selten) finde, ist das Gefängnis für KIs, das "Vault", in dem sie unter Beobachtung stehen und quasi eingesperrt sind. (Die Story berührt die interessante Frage, ob denn nicht jene Personen, die dort arbeiten, auch irgendwie mit eingesperrt sind, da sie doch recht viel Lebenszeit dort verbringen.)

 

Das ist eine Hirn-Story, das heißt, da kommt nichts zu meinem Herzen durch, die Story bleibt für mich rein auf der Sach-Ebene, so dass ich sie lese wie Ideen-Literatur. 

 

Nicole Hobusch: Iva

 

Die für diese Autorin fast schon typischen postapokalyptischen, extrem menschenfeindlichen Umgebungen nehmen hier eine Art Höhepunkt. Malin ist die Hauptfigur und mit ihr übrig ist nur Iva, die so mager ist, dass sie "gefressen von ihrem dicken Wollpullover" wirkt. Auch sprachlich gibt es einige sehr nice Stellen. Anfang und vor allem das Ende erreichen auch mein Herz, während der Gang nach draußen doch sehr minutiös, vielleicht ein bisschen zu ausführlich geschildert wird.

 

Am Ende gibt es zwei Twists (oder waren es drei?), die diese Story mehr als lesenswert machen.

 

MKIs Vorwort zur nächsten Story, der von Ulf Fildebrandt, genieße ich sehr. Ich habe recht viel Zeit mit dieser Geschichte verbracht und sie noch sehr gut im Kopf (die erreicht definitiv auch das Herz!) und freue mich schon darauf, sie in ihrer Endfassung zu lesen. Vor allem begeistert mich, wie MKI im Vorwort schreibt:

 


 

Ulf Fildebrandts anrührende Geschichte bereichert die Thematik, in dem er einen Aspekt des Phänomens Zeit aufgreift, den wir uns selten bewusst machen: Zeit als ein Bezugsrahmen menschlicher Beziehungen - Beziehungen zwischen Menschen, zwischen Generationen, auch zwischen Lebensphasen und Lebensentwürfen.

 

 

Das ist definitiv ein Thema, für das ich mich sehr interessiere und gute Geschichte dazu stets suche (oder auch mal selbst verfasse, siehe nächste Exodus), insofern freue ich mich, dass Ulf der NOVA seine Story angeboten hat.


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#17 J. A. Hagen

J. A. Hagen

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Geschrieben 14 Juni 2024 - 12:08

Ich habe gestern mein Autorenexemplar im Briefkasten vorgefunden und bin mit 

 

Nicole Hobusch: Iva

 

in NOVA 34 eingestiegen. Die Geschichte ist sauber geschrieben, dennoch kann ich ihr wenig abgewinnen. Strahlenmutanten sind mir mittlerweile zu abgedroschen, ebenso die überraschende Wendung der Erzählung. Das habe ich zu oft gelesen oder gesehen.
Dennoch gelingt es Nicole Hobusch, der Geschichte eine Atmosphäre der Trostlosigkeit zu verleihen. Auch am Schicksal der Hauptfiguren habe ich Anteil genommen. In einer Welt, die so aussieht wie die geschilderte, ist es konsequent abzuhauen.
Außerdem scheint es mir in der Geschichte um Schuld zu gehen.


  • (Buch) gerade am lesen:David Weber: Honor Among Enemies; Exodus 44
  • (Buch) als nächstes geplant:Unsere Freunde von Epsilon Eridani
  • • (Film) Neuerwerbung: Ghost in the Shell: Stand Alone Complex 2nd Gig

#18 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 14 Juni 2024 - 12:46

Ja, gute Idee zum eigentlichen Thema (Schuld)

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#19 Frank Lauenroth

Frank Lauenroth

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Geschrieben 15 Juni 2024 - 20:32

Lisa Jenny Krieg: Stoff der Erinnerungen

 

Eine Geschichte, die ihre Stärken in der Atmosphäre hat. Man ist sofort drin, die Story wächst, die Protagonistin lebt und leidet. Das Ende ist der Entwicklung angemessen. Fein erzählt. Ich mag die Geschichte.

[Das Bild von Detlef Klewer fängt die erzählte Welt perfekt ein.]

 

 

Norbert Ströbe: Im Vault

 

Ein bisschen viel Infodump zum Einstieg, aber die Welt, die zum Vault führte, muss ja irgendwie eingeführt werden. Leider gibt es auch am Ende eine 'Tell, don't show'-Passage. Dazwischen eine Geschichte, mit der ich nicht ganz warm werde konnte. Obwohl der/die/das Vault eine tolle Idee ist. Irgendwie war da mehr möglich. 

[Das Bild von Michael Wittmann passt sich im Stil hervorragend der Story an. Sehr gelungen.]


 In memoriam Michael Szameit / Christian Weis / Alfred Kruse / Rico Gehrke                                                          : Aktuelle Projekte und neue Veröffentlichungen :                                                'Gleich' ist der Tod des kleinen Mannes.


#20 Liza

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Geschrieben 16 Juni 2024 - 06:57

Ich habe mein Belegexemplar noch nicht bekommen, und will mich daher als Autorin auch nur ganz kurz melden... 

 

Die Geschichte (*Stoff der Erinnerung*) soll ja für sich selbst stehen, und ich finde es super spannend, wie sie gelesen wird. Vielleicht eine kleine Anmerkung zum Schluss, der ja hier kontrovers diskutiert wird. 

Es gab auch eine Version mit einem offenen Ende, und ich war mir bis zum Schluss mit mir selbst nicht einig, welche Version ich bevorzuge. Ich dachte mir schon, dass es Kritik geben wird an dieser Version mit diesem Ende, da sie eben geschlossener ist. Aber es ist eben einfach "mein" Thema, und für mich der Inbegriff des Spannungsverhältnisses zwischen dem Bedürfnis zu Erinnern und zu Vergessen (und genau dazu habe ich auch promoviert, findet man auch im Internet). 

So viel nur als kurzer Hintergrund dazu :)

 

Liebe Grüße

Lisa



#21 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 16 Juni 2024 - 10:30

So, ich bin seit vier Stunden auf, und habe dann aus Versehen die NOVA ganz durchgelesen.

 

Ulf Fildebrandt: Die Tür in den Sommer

Die Story ist sehr sehr schön und lebensecht und das Ende sitzt. Hier und auch bei Lauenroth (und ein wenig bei Moté) musste ich dann doch ein paar Tränen spüren. Meine Highlights des Hefts sind aber dann doch Lauenroth, Schmitt und Moté.

 

 

V. A. Kramer: Population: One

Eine sehr, sehr originelle Story, auf die ich nie im Leben gekommen wäre. Plus, authentisch geschildert, auch wenn ich mir über so eine Szenerie niemals Gedanken gemacht hätte. 

 

Janika Rehak: Iggy B. Wellington

Ein ernstes Thema (Bienensterben) humorvoll verpackt, plus, in dieser Kürze mit einer extrem einprägsamen Hauptfigur, die genau richtig schrullig, liebenswert und bemerkenswert ist. Für mich steht und fällt die Story mit der Perspektive, die ich einfach klasse finde. Und Iggy, die Biene, gewinnt den Preis für die originellste Nebenfigur.

So viel Humor habe ich bei der Autorin sonst selten entdeckt! Klar, es gibt tragische Momente, aber letztendlich bleibt das leichtfüßig, ganz anders als ich es sonst von ihrer Prosa gewohnt bin.

 

Frank Lauenroth: Kadaver

Aus einer sehr, sehr schönen Idee (Menschen sehen nur noch weiß, schwarz und Grautöne, keine Farben mehr) wurde eine Hammer-Story gestrickt, super recherchiert. Die längste Story im Heft, kommt aber mit drei Figuren aus, in der Hauptsache Beth, ihre Tochter Maddy und Ruby. Hier wird Alltag gezeigt und ein außergewöhnliches Ereignis, eine Art Entwicklung (nicht nur Plot, sondern auch bei den Charakteren, zumindest gibt es seitens von Beth einiges an Erkenntnis), und das alles in einer Kurzgeschichte! Ich bin sehr begeistert. Und der Schluss sitzt toll!

 

Carsten Schmitt: Das Lethe-Quantum

Nicht ganz einfach ist es zunächst, mich zu orientieren, da es zwei "Ich-Perspektiven" gibt, das bereits übertragene Ich und das Ich, das bereits im Sterben liegt. Und sie verabschieden sich voneinander. Bei jeder Übertragung verliert das "Ich" ein wenig Erinnerung, jedesmal nicht viel, aber es summiert sich: Das Lethe-Quantum.

Das ist Schmitt in Bestform, vermeintlich leise, erzählt er aber wieder von einem Preis (hoch? nicht ganz so hoch?), den Unsterblichkeit (oder so etwas in der Art) hat. Mich beschäftigt jedoch irgendwie noch etwas anderes. Wenn ich mich für diesen Weg entscheiden würde, würde ich dann vielleicht die sein, die stirbt? Ja, sicher. Aber auch die, die weiterlebt. 

Und zack, sind ganz schön verwirrende Räume in meinem Kopf geöffnet worden. Das kann nur SF.

 

Rajiv Moté: Die Luft fängt uns auf

Hier die tolle Übersetzung von The Air will catch us, eine tolle Story, und wie es die ganze Zeit mein Plan war, habe ich sie dem Kind vorgelesen. MKI hat nicht Unrecht, wenn er hier Parallelen zum magischen Realismus sieht. Die Situation ist schon sehr schräg und sprengt sicher die Grenzen meiner Vorstellungskraft. In nur zwei Generationen hat sich die Luft so sehr verändert, dass Kinder auf dem Spielplatz nicht mehr runterfallen und sich alle Knochen brechen, sondern sanft segeln, quasi fliegen, so dick ist die Luft, eher wie Wasser. Und auch feuchter, schwerer einzuatmen, vor allem für das erzählende Ich, die Oma von Nisha.

Die sehr kurze Story erzählt von einem Spielplatzbesuch, könnte Alltag sein, aber am Ende geschieht noch etwas sehr ungewöhnliches, vor allem für die Oma.

Tolle Story!

 

 

So, ich habe ein paar Storys ausgelassen, wenn ich das Gefühl hatte, dass ich aufgrund meiner Eingebundenheit in den Auswahlprozess nicht ganz unvoreingenommen war. Ansonsten bin ich jetzt durch.

 

Beim Sekundärteil habe ich mich vor allem auf die beiden Nachrufe konzentriert. Beides traurige Tode, wobei mich der von Hans Frey noch mehr getroffen hat. Sicher auch, weil ich ihm in Berlin persönlich begegnet war und ich das Gefühl habe, sein Lebenswerk bleibt nun unvollendet. Aber er hätte vermutlich einfach immer weiter Pläne gemacht, egal wie alt er geworden wäre. Was ihn irgendwie zu einem verdammt coolen Menschen macht.


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#22 Frank Lauenroth

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Geschrieben 16 Juni 2024 - 16:48

Vielen Dank für Deine Eindrücke, Yvonne!  :lmaosmiley:


Bearbeitet von Frank Lauenroth, 17 Juni 2024 - 13:24.

 In memoriam Michael Szameit / Christian Weis / Alfred Kruse / Rico Gehrke                                                          : Aktuelle Projekte und neue Veröffentlichungen :                                                'Gleich' ist der Tod des kleinen Mannes.


#23 Moritz

Moritz

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Geschrieben 16 Juni 2024 - 16:50

Norbert Stöbe: Im Vault

Zuerst ein Wort zur Illustration von Michael Wittmann. Die Farbgestaltung erinnert mich an Pop-Art und während das Motiv perfekt zur Geschichte passt, geben die Farben der Story noch einen ganz anderen Spin. Für mich die (fast) beste Illustration der Ausgabe.

 

Aber nun zur Story: Was ist eine KI und wenn ja wie viele? Lässt sie sich kontrollieren (einsperren) und wenn ja, wie? Diese Geschichte bedient ein hochrelevantes Thema.

Ich habe sie gern gelesen, auch wenn sie für mich ein bisschen zu sehr auf der technischen Ebene daherkommt.

 

Zudem hatte ich den Eindruck, dass am Ende der Geschichte alles doch recht schnell geht. Würde mich interessieren, ob auch andere Lesende diesen Eindruck teilen.

 

Erinnert habe ich mich (jetzt zwei Tage nach Lektüre) an den luftballonformenden Roboter und was aus ihm wird. Schönes Detail.



#24 Carsten

Carsten

    Infonaut

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Geschrieben 17 Juni 2024 - 12:58

Ich habe gerade Lust, aus der Höhle zu kriechen. :-) Natürlich bin ich etwas befangen, möchte aber ein paar Gedanken zu den Teilen des Magazins loswerden, die ich bereits gelesen habe. 

 

Titelbild

Ja, ist ein bisschen dunkel, hat mir aber gut gefallen. Hebt sich wohltuend vom sonst so häufigen "glatten" 3D-Render-Stil ab, der die deutschen SF-Titelbilder seit Jahrzehnten plagt.

 

Die Geschichten:

Ein Wort vorweg, da einige Autorinnen und Autoren hier mitlesen. Bislang waren alle Beiträge, die ich gelesen habe, auf einem hohen Niveau. Das heißt, selbst wenn ich Kritik äußere, heißt das nicht, dass ich Geschichten "schlecht" finde.
Im Gegenteil, ich bemühe mich in letzter Zeit auch in Kunst, die ich(!) nicht 100%ig gelungen finde, die interessanten und gelungenen Anteile zu finden. 

 

Stoff der Erinnerung:

Eigentlich genau mein Ding, ein wirklich schöner Text. Sprachlich fand ich die ersten paar Absätze ein bisschen holprig (mein Eindruck, kann nicht genau sagen, warum), aber dann "groovte" sich das ein. Auch thematisch war die Geschichte für mich ein Volltreffer. 

Ich teile aber Christophes Einschätzung, dass das Ende "gewollt" oder "aufgesetzt" wirkt. Ich habe versucht zu verstehen, warum ich so empfinde.
Ich habe kein Problem mit der Holocaust-Thematik*, denn das ist ein starkes Thema für das Motiv der “verdrängten kollektiven Erinnerung”.  Ich glaube, ich fand es etwas "künstlich", weil es nicht vorbereitet wurde, denn die vorausgehenden Erinnerungen waren allesamt individuell und hatten direkten, unmittelbaren Bezug zu einzelnen Mitgliedern der Dorfgemeinschaft.
Ich glaube jedoch nicht, dass unter denen jemand dabei wäre, der noch direkte Berührung mit dem Holocaust hatte.
Daher hätte vielleicht ein Thema besser gepasst, dass der heutigen Lebensrealität näher wäre, z. B. die Todesopfer unter Flüchtlingen auf dem Mittelmeer?

* Kleine Anekdote zum Thema Holocaust und “es muss doch endlich mal Schluss damit sein”. Ich habe als Schüler zweimal den Holocaust-Überlebenden und Publizisten Ralph Giordano bei Veranstaltungen erlebt. Er erläuterte, warum er diesen Spruch so ärgerlich fand: Weil er ihn zum ersten Mal im Herbst 1945 zu hören bekam!
Daher will ich die gute Absicht der Autorin hier überhaupt nicht kritisieren; ich denke nur, dass es in im Rahmen der Story nicht so gut funktioniert. 

 

Im Vault:
Viele, viele interessante Ideen und Fragen. Leider für mich zu viele für eine kurze Erzählung, sodass die Geschichte leider etwas oberflächlich bleibt. Es liest sich beinahe wie ein Konzept für etwas Längeres. Steckt in der Geschichte ein Roman, der ganz dringend raus will?

 

Iva:
Flott erzählt, aber ich konnte keinen rechten Bezug zu den Figuren aufbauen. Vielleicht hätte auch dieser Geschichte ein paar Seiten mehr ganz gut getan.

Die Tür in den Sommer:
Sehr stark, hat mich voll abgeholt. Eine Technologie wird hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Menschen beleuchtet, besonders der Auswirkungen, an die man nicht sofort denkt. Genau mein Ding. 

 

Sekundäres:
Bislang habe ich nur die Nachrufe gelesen. Christopher Priests Tod hat mich berührt, denn er war der erste “große” internationale Autor, den ich getroffen haben. 1995 war er Ehrengast auf dem FreiCon und ich schwänzte einen Tag Schule (Samstagsunterricht, wer sich noch erinnert), um mit meinem Kumpel und Grimoire-Mitherausgeber Andreas Schweitzer an meinem ersten “richtigen” Con teilzunehmen. Ich erinnere mich sogar noch an ein paar Details aus Priests Panel und habe später einige seiner Romane mit viel Genuss gelesen. 

Hans Frey habe ich nie kennengelernt. Was ich nun über ihn lese, lässt mich das bedauern.

Schade, dass wir so oft nur aus solch traurigem Anlass mehr über manche Menschen erfahren. Um so wichtiger ist es aber, ihnen genau dann zu gedenken.
 

Später vielleicht mehr zum Rest des Magazins.
 


Bearbeitet von Carsten, 17 Juni 2024 - 13:37.

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#25 ChristophGrimm

ChristophGrimm

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Geschrieben Gestern, 00:32

„Im Vault“ (Norbert Stöbe)

Die Geschichte habe ich ein zweites Mal gelesen und ich gestehe, dass ich sie als … unterdurchschnittlich empfinde. Da sind interessante Ideen und Fragestellungen zu einem hochaktuellen Thema drin, keine Frage. Aber es liest sich für mich eher wie ein Entwurf: Infodump, Beschreibungen, eine skizzierte aber eher oberflächlich-beschreibend charakterisierte Protagonistin. Sauber ausgearbeitet hätte es ein guter Roman oder eine ansprechende Novelle werden können. (Nebenbei: Dass es eine Maschinen-Aktivistin, die angeblich für die gesamte IT verbrannt ist, geschafft hat, als Putzfrau in einem KI-Hochsicherheitsgefängnis (!) angeheuert zu werden, ist eine schwer zu schluckende Kröte).

„Iva“ (Nicole Hobusch)

Eine Geschichte, die als zeitlicher Schnappschuss in einem postappokalyptischen Szenario insbesondere durch die trostlose Atmosphäre und ein hohes Erzähltempo punktet. Der Autorin gelang es, mir die Protagonistinnen auf wenigen Seiten nahe zu bringen.

„Alien Contagium: Erstkontakt-Geschichten“: https://eridanusverlag.de | "En passant - Die Reisen des Sherlock Holmes": https://burgenweltverlag.de

Kostenloses SF/Fantasy-Literatur-Webzine: https://weltenportalmagazin.de

  • (Buch) gerade am lesen:„Draußen“ (Mary Stormhouse), NOVA 34
  • (Buch) als nächstes geplant:Queer*Welten 12, „Moriarty trinkt Tee“ (Oliver Hoffmann)
  • • (Film) gerade gesehen: „Tarot“ (lohnt nicht)
  • • (Film) als nächstes geplant: „Doctor Who“ (neue Staffel), „Wicked“

#26 Frank Lauenroth

Frank Lauenroth

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Geschrieben Gestern, 12:39

Nicole Hobusch: Iva

 

Ach ja, die gute alte Postapokalypse. Routiniert erzählt, gutes Pacing, wenig überraschendes Ende. Leider.

[Das Bild von Frank G. Gerigk findet sich entgegen des bisherigen Musters nicht auf Seite 2 der Geschichte, sondern bereits davor.

 So ganz passt das Bild nicht zur Geschichte. Illustriert ebenso wenig die Exo-Suits wie das brennend heiße Szenario der KG, könnte eher zu Malins Flashback passen.]


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#27 Carsten

Carsten

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Geschrieben Gestern, 13:15

„Im Vault“ (Norbert Stöbe)
 (Nebenbei: Dass es eine Maschinen-Aktivistin, die angeblich für die gesamte IT verbrannt ist, geschafft hat, als Putzfrau in einem KI-Hochsicherheitsgefängnis (!) angeheuert zu werden, ist eine schwer zu schluckende Kröte).
 

Stimmt, der Punkt ist mir auch aufgefallen. 


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#28 Frank Lauenroth

Frank Lauenroth

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Geschrieben Gestern, 19:18

Ulf Fildebrandt: Die Tür in den Sommer

 

Diese Geschichte hätte mehr Raum verdient gehabt. Eine Novelle, ein Roman vielleicht. Natürlich unterstützt die stakkatoartige Schilderung das Problem des Ich-Erzählers, doch zugleich bleibt zu wenig Raum, um wirklich tief in die Gefühle der Figuren einzutauchen. Das Ende berührt dennoch, und das allein spricht für die Stärke der Geschichte.  

[Mario Frankes Illustration bebildert die Entwicklung der Geschichte richtig gut. Wie gut, erkennt man natürlich erst, wenn man sie durchgelesen hat. Toll.]


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