SF Klassiker: A. E. Van Vogt und seine Isher- Serie - oder die Erfindung des Sense Of Wonder
Die Waffenhändler von Isher
Die Waffenschmiede von Isher

(die komplette Referenz mit Links siehe am Ende)
Für Alfred Elton van Vogts Isher-Serie will ich hier eine Lanze brechen, trotz all ihrer Schwächen , die uns der heutige Zeitgeist unweigerlich bei der Wahrnehmung des Werks vor Augen führt und das ‚Schlecht gealtert‘ Attribut in einer Weise dranklebt, als wäre damit alles gesagt.
Sie erschien Anfang der 40er im Astounding Magazin als Serie und ist wichtiger für die Definition von Science-Fiction als solch gefeierten , häufig zitierten Werke wie die Foundation von Asimov, Dune von Frank Herbert oder die Sprawl Trilogie von William Gibson – letztere drei sind sicherlich populärer , erfolgreicher und was Gibson anbetrifft literarisch anspruchsvoller– aber van Vogt hat die heute bekannten (heute allzu bekannten) Genre - Tropen damals erstmals grundgelegt: neben der epischen Erzählweise über einen riesigen kosmischen Zeitraum setzte er damals den Standard für etwas , was viele Science-Fiction-Autoren heute noch anstreben: Den ‚Sense Of Wonder‘ - den Wow-Effekt , den nur die Science-Fiction bieten kann.
Gemeint ist das Gefühl des Staunens in dem sich dem Leser etwas unvermittelt offenbart, sein Ideenhorizont wird in bisher unbekannter Art und Weise schlagartig enorm erweitert: nämlich um das, was die Romantiker des 19. Jahrhunderts das Erhabene nannten, das voller Ehrfurcht und Schönheit sein konnte aber auch voller Schrecken. Man kann sich heute kaum die Reaktionen der Leser vorstellen, als diese Offenbarung über die SF Gemeinde (die bisher anderes gewohnt waren) hereinbrach.
Obwohl Van Vogts Schreibstil aus heutiger Sicht roh und zeittypisch erscheinen mag, rief der Autor dieses Gefühl atemloser Ehrfurcht hervor, wenn der Leser am Ende des ersten Teils der ‚Waffenhändler‘ die Implikationen des letzten Satzes langsam realisiert.
Dieses Ende ist wohl das definitiv früheste Beispiel für den konzeptionellen Durchbruch in der Science-Fiction, sprich: die sich bisher vor uns entfaltete Welt des Autors wird von ihm auf den Kopf gestellt und überrascht den Leser mit einer atemberaubenden spannenden Wendung, die die Leser zu fesseln weiß.
Die Serie, die sich in den folgenden zwei Jahren als Fortsetzungsroman weiterentwickelte wurde später in zwei Büchern veröffentlicht – was typisch für die 50er Jahre war (van Vogt war im Übrigen der Erste der sich der sogenannten Fixup Novelle bediente , Asimov mit der Foundation folgte ihm nach) – geschuldet war dies dem Ende der 40er Jahre zusammenbrechenden Magazin-Markt.
Ja, zugegeben dies ist zwar reine Pulp-Science-Fiction (oder abschätzig heute als Trivialliteratur bezeichnet) – aber sie war wichtig für die Weiterentwicklung der SF: voller neuer faszinierender Tropen etablierte sie vor allem den Sense Of Wonder – kein kleiner Verdienst. Es gäbe weder Scifi- Hollywood - Star Wars oder Alien (van Vogts Novella "Black Destroyer" von 1939 gilt hier als Vorlage ). noch die darauffolgende Generation von SF Autoren , die sich davon inspirieren ließen (u.a. Brian Aldiss , Philip K. Dick, Christopher Priest - alle lasen ihn in ihrer Jugend und schätzten van Vogts Ideen) – aber auch die heutige Moderne Space Opera in all ihren Varianten.
Die komplette, auf etwa 400 Seiten recht flott inszenierte Geschichte , die van Vogt erzählt , ist dennoch recht komplex (da könnte sich so manch heutiger Autor von Serien mit 800+ Seiten je Roman ein Beispiel nehmen) : Es gibt mehr als zwei Antagonisten und deren Motive warum sie so handeln wie sie handeln, sind nicht einfach in gut und böse kategorisierbar: auf der einen Seite die als Opposition agierenden Waffenschmiede, auf der anderen Seite das Imperium mit Kaiserin Innelda und den Ältesten - aber gibt es vielleicht dahinter noch eine dritte Macht, oder sogar eine vierte ? Der Autor lässt uns darüber (erstmal) im Unklaren. Wer die Perry-Rhodan-Serie kennt, weiß was gemeint ist.
Ich kann also empfehlen, es zu wagen, sich van Vogt’s Waffenschmieden anzuvertrauen (am besten die deutsche Ausgabe Isher von 1989) – und sei es rein aus historischen Gründen um zu realisieren, auf welchen Giganten die heutigen Autoren stehen, wenn sie ihren Stoff entspinnen und wenn erfolgreich uns verblüfft und staunend zurücklassen.
Komplette Referenz
empfohlen:
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Ischer (1989) A. E. van Vogt (Ischer komplett: die beiden Kurzgeschichten und beide Romane, Vorwort und ein Essay ))
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Translation: Ischer [German] (1989) Heyne Bibliothek der Science-Fiction Literatur
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1 The Weapon Shops of Isher (1951) by A. E. van Vogt also appeared as:
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Translation: Die Waffenhändler von Isher [German] (1960)
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Translation: Die Waffenhändler von Isher? [German] (1967)
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2 The Weapon Makers (1947) by A. E. van Vogt also appeared as:
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Variant: One Against Eternity (1955)
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Translation: Die Waffenschmiede von Isher [German] (1960)
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Translation: Die Waffenschmiede von Isher [German] (1967)
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Translation: Die Waffenschmiede von Isher [German] (1980) [as by Alfred Elton van Vogt]
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Translation: Die Waffenschmiede [German] (1989)
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Serializations:
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The Weapon Makers (Part 3 of 3) (1943)
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The Seesaw (1941) [SF] by A. E. van Vogt also appeared as:
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Translation: Die Schaukel [German] (1981)
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Translation: Die Wippe [German] (1989)
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The Weapon Shop (1942) [SF] by A. E. van Vogt also appeared as:
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Variant: The Weapons Shop (1946)
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Translation: Der Waffenladen [German] (1978) [as by Alfred Elton van Vogt]
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Translation: Der Waffenladen [German] (1978)
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Translation: Der Waffenladen [German] (1989)
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The Weapon Shops of Isher (1949) [SF] by A. E. van Vogt also appeared as:
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Translation: Die Waffenläden von Ischer [German] (1989)
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Bearbeitet von head_in_the_clouds, vor 39 Minuten.



