Darf ich fragen, woran es bei "Living Nightlights" mangelte, dass die Story nicht in deine engste Auswahl kam? Das ist kein Vorwurf, mich interessiert es wirklich.
Was "Kinderladen" betrifft: Ja, auch aus meiner Sicht ist es Jols beste Geschichte und sie hat einen hohen Platz verdient. Aber für den ersten Platz fehlt mir persönlich die Recherche. Ich weiß, dass der prosaische Charakter vorgeht und man Erzählungen nicht mit Facharbeiten verwechselt sollte, aber für mich braucht Science-fiction auch einen gewisse Science in der Fiction. Ich sage nicht, dass man sich in Fachliteratur versenken muss und das Erlernte über vielleicht zu viele Absätze ausbreiten (so wie ich es wohl getan habe), aber bei "Kinderladen" hätte es gut getan, wenigstens ein, zwei Fachartikel zum Thema LLM oder KIs zu lesen (oder sich die Themen von ChatGPT erklären lassen, auch wenn ich das nicht empfehlen kann). Die in der Story beschriebenen KIs sind sehr 1980er, als man noch kein Konzept für moderne Ratemaschinen bzw. Transformer-Modelle hatte und KIs eher als Menschen in Roboterform sah. Also, Star Wars-Roboter. Als Beispiel: Warum benutzt Rod, zumal er ja doch einen recht guten Absatz zu haben scheint, kein Multi-Agenten-System? Hier hätte man toll auf das "Kunsthandwerk" des KI-Konzipierens eingehen können, so vn wegen, dass man jede intellektronische Schraube selbst ziehen muss, um das individuell am besten abgestimmte Ergebnis zu erhalten und man per Agentic Engineering bestenfalls "Discounter-KIs" zusammenschustern würde.
Das ist wirklich nur ein Detail und für den Genuss der Geschichte unerheblich (für mich jedenfalls), aber im Wettstreit mit "Blumen für Lisa-9" merkt man Uwe Post halt an, dass er versteht, wie LLMs, Software-Redundanz, Materialverschleiß im Hardware-Bereich usw. funktionieren und das aufgrund seines Erfahrungslevels in Nebensätzen unterbringen konnte. Und gerade im Bereich des Near Future- und Hard-SF ist das für mich das Zünglein an der Waage.