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Lesezirkel für die DSFP-nominierten Kurzgeschichten aus 2025

2025

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140 Antworten in diesem Thema

#61 Uwe Post

Uwe Post

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Geschrieben 14 Juli 2026 - 08:52

(Die Illustration ist KI-generiert, es war ja der Ansatz jener Antho, dass alle Teilnehmenden zu je einem vom Herausgeber generierten Bild etwas schreiben sollten. Ich wurde auch eingeladen,  deshalb weiß ich das, habe aber verzichtet)


Bearbeitet von Uwe Post, 14 Juli 2026 - 08:53.

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#62 Stephan

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Geschrieben 14 Juli 2026 - 08:59

wobei der Schöpfer (oder sagt mensch hier "Generator"?) darauf besteht, dass die Bilder nicht einfach nur von einer KI generiert wurden, sondern von mehreren und er dann anschließend mehrere Ebenen benutzt um das fertige Bild herauszuarbeiten und eine entsprechende Nachbearbeitung bewerkstelligt, da die vorhandenen KI-Generatoren nicht das liefern, was er sich vorstellt. Also steht es in dem letzten Text in dem Buch, der die Arbeitsweise von Frank G. Gerigk noch mal genauer und fachkundiger beleuchtet, als ich das jetzt hier kann.


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#63 Jol Rosenberg

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Geschrieben 14 Juli 2026 - 09:31

Ah danke für die Erklärungen!


Ernsthafte Textarbeit gefällig? https://www.federteufel.de/

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#64 Uwe Post

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Geschrieben 14 Juli 2026 - 11:33

Vielleicht sollte man noch ergänzen, dass KI-Bildgeneratoren seitdem einen weiteren Sprung gemacht haben. Ich hab die Bilder ja damals gesehen.


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#65 Maxmilian Wust

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Geschrieben 14 Juli 2026 - 11:34

Danke für die Illustration und die Gedanken. Mir fällt noch was anderes ein:gab es dort womöglich eine starke Zeichen Begrenzung? So das Gardemann sich nicht so ausbreiten konnte? Du hast ja glaube ich schon mal zur Caprice beigetragen? (my ist ja eher gegen Zeichen Begrenzung, weiß aber nicht, wie Gerigk das sieht)

 

Ich vermute, dass Gerigk die üblichen 20.000 bis 40.000 Zeichen in der CAPRICE haben möchte, habe aber nie genau nachgefragt. Wenn ich es mit meiner Geschichte vergleiche, die satte 60.000 Zeichen hatte, müsste Gardemann durchaus noch Raum gehabt haben. Und so wie ich die allgemeine Resonanz hier lese, scheint da ja durchaus Potenzial dagewesen zu sein. Frank hat aber mit jedem seiner Schreiberlinge individuelle Absprachen gemacht, also weiß ich natürlich nicht, was da im Hintergrund lief. Falls da wirklich eine Zeichenbeschränkung vorlag, hätte ich eher einen Teil des World Buildings weggeschnitten und mich mehr auf den Höhepunkt konzentriert (dass z.B. die Menschen keine beliebten, aber scheinbar auch keine freiwilligen Gäste sind, könnte man in der Kneipe als Show Don' Tell erzählen).


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#66 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 14 Juli 2026 - 12:26

Ich glaube, die Illustrationen dort sind auch gekennzeichnet ki generiert, anders als damals bei der Anthologie "Am. Anfang war das Bild", da haben Uli und Mario Handarbeit geleistet.

Die Inspiration "oh, die könnten ja poppen", ist jetzt auch nicht mega originell.
However, weltenbau war wirklich nice und die leichten guten Ideen Richtung migrations verfremdung ebenfalls

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#67 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 14 Juli 2026 - 12:50

Jol Rosenberg : Kinderladen

Den Text hatte ich selbst zum klp nominiert. Ich halte es für das beste, was Rosenberg bisher geschrieben hat.
Er landet definitiv unter meinen Top 2.

Was mir am besten gefällt, ist, dass so vieles subtil ist oder gar offen bleibt. Auch T
Rod hat etwas das repariert werden könnte. Was genau? Viele Ideen, nicht konkretes.

Das ist einfach auch mal eine waschechte Kurzgeschichte, mit allem was dazu gehört, keine Novelle und kein Roman Anfang oder sowas. Mir sagt das Thema zu, die Figuren werden plastisch, ich kann dazu weiter denken und diskutieren...

Drei Rereads fehlen noch.

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#68 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 14 Juli 2026 - 15:36

Patricia Eckermann : sabotage

Tatsächlich hat die Story mir beim zweiten Lesen besser gefallen.
Meine einzige Kritik ist, dass das mit den ausgetauschten Eizellen und Samen zweimal erwähnt wird und beim ersten mal ist es eigentlich zu früh und daher überflüssig.
Ansonsten funktioniert die Story für mich sehr gut, ist auch spannend.

Landet vielleicht nicht in den tip 3,aber I'm oberen Mittelfeld

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#69 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 14 Juli 2026 - 21:34

Aiki Mira: ausreißende Sterne

Auch diese Story hatte ich selbst beim klp nominiert.

Wobei story vielleicht nicht ganz passt. Eigentlich gibt es keine Story im eigentlichen Sinne. Das erzähle de ich spricht zu einem abwesenden "Du", wohl eine ehemalige Liebe.
Dazu kommt der nicht anwesende Bruder und die verstorbene Mutter.
Insofern sind alle handelnden Figuren zurzeit abwesend und haben höchstens in der Vergangenheit gehandelt.
Trotzdem schafft der Text es, sprachgewaltig und spanned zu sein und kein Stück langweilig.
Es geht letztendlich darum, ob man einen utopischen Planeten wie Andymon auch verlassen darf. Das müsste ja auch erlaubt sein.
Dazu kommt dad rätselhafte Verhalten der Mutter.
Und die space Symbiose des erzählenden ichs mit zwei Figuren (die auch einen Namen erhalten im Gegensatz zu den drei abwesenden Figuren) und ebenfalls kurz aber treffend Charakterisiert werden.

Der Text ist schon krass klasse und weit oben, ich glaube nur, ich setze den von Rosenberg trotzdem höher, da mehr Story. Wobei der von Mira in anderen Aspekten die Nase vorn hat (Sprache, Atmosphäre).

Fehlt nur noch Uwes Lisa-9 und ich würde den ungern am Handy lesen, mal sehen, vielleicht lese ich ihn nächste Woche, wenn ich zurück zu Hause bin.

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#70 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 14 Juli 2026 - 21:37

(Die Illustration ist KI-generiert, es war ja der Ansatz jener Antho, dass alle Teilnehmenden zu je einem vom Herausgeber generierten Bild etwas schreiben sollten. Ich wurde auch eingeladen, deshalb weiß ich das, habe aber verzichtet)


Ja, same here, zum ersten Band hat er auch versucht mich einzuladen, aber nicht sehr geschickt und auch mehrfach.
However, ich schreibe ja auch inzwischen viel seltener als noch 2022/23

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#71 Maxmilian Wust

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Geschrieben 15 Juli 2026 - 00:02

Darf ich fragen, woran es bei "Living Nightlights" mangelte, dass die Story nicht in deine engste Auswahl kam? Das ist kein Vorwurf, mich interessiert es wirklich.

 

 

Was "Kinderladen" betrifft: Ja, auch aus meiner Sicht ist es Jols beste Geschichte und sie hat einen hohen Platz verdient. Aber für den ersten Platz fehlt mir persönlich die Recherche. Ich weiß, dass der prosaische Charakter vorgeht und man Erzählungen nicht mit Facharbeiten verwechselt sollte, aber für mich braucht Science-fiction auch einen gewisse Science in der Fiction. Ich sage nicht, dass man sich in Fachliteratur versenken muss und das Erlernte über vielleicht zu viele Absätze ausbreiten (so wie ich es wohl getan habe), aber bei "Kinderladen" hätte es gut getan, wenigstens ein, zwei Fachartikel zum Thema LLM oder KIs zu lesen (oder sich die Themen von ChatGPT erklären lassen, auch wenn ich das nicht empfehlen kann). Die in der Story beschriebenen KIs sind sehr 1980er, als man noch kein Konzept für moderne Ratemaschinen bzw. Transformer-Modelle hatte und KIs eher als Menschen in Roboterform sah. Also, Star Wars-Roboter. Als Beispiel: Warum benutzt Rod, zumal er ja doch einen recht guten Absatz zu haben scheint, kein Multi-Agenten-System? Hier hätte man toll auf das "Kunsthandwerk" des KI-Konzipierens eingehen können, so vn wegen, dass man jede intellektronische Schraube selbst ziehen muss, um das individuell am besten abgestimmte Ergebnis zu erhalten und man per Agentic Engineering bestenfalls "Discounter-KIs" zusammenschustern würde.

 

Das ist wirklich nur ein Detail und für den Genuss der Geschichte unerheblich (für mich jedenfalls), aber im Wettstreit mit "Blumen für Lisa-9" merkt man Uwe Post halt an, dass er versteht, wie LLMs, Software-Redundanz, Materialverschleiß im Hardware-Bereich usw. funktionieren und das aufgrund seines Erfahrungslevels in Nebensätzen unterbringen konnte. Und gerade im Bereich des Near Future- und Hard-SF ist das für mich das Zünglein an der Waage.


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#72 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 15 Juli 2026 - 06:41

Ach Maximilian, wenn du wüsstest, wie typisch männlich deine Kritik daher kommt. (Kritik dieser Art habe ich so oft gelesen, auch Richtung von aiki und zufällig bisher nur von Herren).

Wer sagt denn, da Jols Maschinen etwas mit heutigen llm zu tun haben? Klar, wenn they das irgendwie angedeutet hätte, aber das sehe ich nicht. In der Welt von Rod könnten total andere ki Systeme entworfen worden sein. (Im übrigen sind jene künstlichen Menschen in dem langen krimi die Amazone auch total anders und der kriegt diese Kritik zufällig nicht?)

Ich lese die robotor in jols Story nicht wie heutiges gemini und Co. Und auch ich plane, da phantasievoller zu agieren, wenn ich welche einbaue (wenn auch eher wie pfrommer).
Dass jol nicht recherchiert habe, ist eine Vermutung von dir, ich vermute, dass they das durchaus hat, wohl eher zu anderen Themen. Das Thema der Story sind ja auch keine ki Systeme. Das Thema sind Menschen.


Und living daylights, bitte, der älteste Fehler der Welt, kein Schluss! Das kommt nicht mal unter meine top five. Vermutlich nicht mal in die top sieben.

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#73 ChristophGrimm

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Geschrieben 15 Juli 2026 - 06:55

Ausreißende Sterne (Aiki Mira)

Bei dieser Geschichte – wie bei fast allen von Aiki – verbietet sich eigentlich ein Vergleich. Aiki ist eine Sache für sich. Ähnlich wie bei manchen Musikern und Sänger:innen, die ich gerne höre (Toto, David Gilmour, Adele, Meat Loaf), ist weniger das einzelne Stück das Erlebnis als vielmehr die Darbietung. (Kurzer Fun Fact hierzu: Ich habe Aiki bei their Lesung der Geschichte auf dem letztjährigen BuCon erlebt, was den Text noch einmal intensiver werden ließ. Könnte Aiki singen (?), könnte Aiki auch Adele sein)
Die Grundidee, dass es die eine Utopie nicht gibt bzw. nicht für jede:n gemacht ist – in diesem Fall das Leben und die Gesellschaft auf dem Planeten Andymon –, ist simpel; die Geschichte besteht handlungstechnisch aus kaum mehr als einem Gespräch.
Das Ganze wird ausschließlich von Emotionen durch einen Umgang mit Sprache getragen, der seinesgleichen sucht. So bild- und sprachgewaltig, so poetisch, so einnehmend, dass der Text einen beim Lesen gefangen nimmt und tief berührt.

Ohne bislang alle Geschichten gelesen zu haben, würde ich mich mit einem Ranking für den DSFP schwertun. Aiki ist eben Aiki ... ist eben Aiki.

Den Gottheiten sei Dank bin ich nicht im DSFP-Komitee und kann das einfach so stehen lassen.


Bearbeitet von ChristophGrimm, 15 Juli 2026 - 07:41.

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#74 Stephan

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Geschrieben 15 Juli 2026 - 07:01

Die in der Story beschriebenen KIs sind sehr 1980er, als man noch kein Konzept für moderne Ratemaschinen bzw. Transformer-Modelle hatte und KIs eher als Menschen in Roboterform sah. Also, Star Wars-Roboter. Als Beispiel: Warum benutzt Rod, zumal er ja doch einen recht guten Absatz zu haben scheint, kein Multi-Agenten-System? Hier hätte man toll auf das "Kunsthandwerk" des KI-Konzipierens eingehen können, so vn wegen, dass man jede intellektronische Schraube selbst ziehen muss, um das individuell am besten abgestimmte Ergebnis zu erhalten und man per Agentic Engineering bestenfalls "Discounter-KIs" zusammenschustern würde.

Dem Leseeindruck würde ich zustimmen, es ist daher genremäßig auch eher eine Roboter- als eine Softwaregeschichte. Hier ist offensichtlich noch nicht alles miteinander vernetzt und die Wartung eines Androiden funktioniert hier viel mehr wie eine Autoreparatur, wo ein*e Techniker*in noch in einer Servicewerkstatt ins Gerät gucken muss und weniger wie bei einem IT-Administrator*in der/die sich per Konsole aus dem heimischen Sofa in einem Androidengehirn irgendwo auf der Welt einloggt.

 

Aber ich sehe das nicht als ein Makel. 


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#75 FranzH

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Geschrieben 15 Juli 2026 - 08:17

Und living daylights, bitte, der älteste Fehler der Welt, kein Schluss! Das kommt nicht mal unter meine top five. Vermutlich nicht mal in die top sieben.

 

Die Kritik am fehlenden Ende von "Living Nightlights" kann ich nicht nachvollziehen.
Das optimistische Ende mit der Party der Jugend, den "Living Nightlights" und dem erleichterten elterlichen Seufzer  "Zumindest das haben wir richtig gemacht", all dies war  für mich ein überzeugender Schluss.


#76 ChristophGrimm

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Geschrieben 15 Juli 2026 - 08:25

Kinderladen (Jol Rosenberg)

Ach Maximilian, wenn du wüsstest, wie typisch männlich deine Kritik daher kommt. (Kritik dieser Art habe ich so oft gelesen, auch Richtung von aiki und zufällig bisher nur von Herren).


Ach Yvonne, müssen wir dieses Fass hier aufmachen? Das vergiftet doch schon die Diskussionen in den asozialen Medien, wenn nicht auf die Kritik(punkte) an sich eingegangen wird, sondern sich auf das Label des Kritisierenden gestürzt wird.

Mit der Geschichte habe ich dasselbe Problem, wie es Max und auch Roland haben: Die Konzeption der künstlichen Kinder ist für mich nicht schlüssig.
Entweder werden sie in der Geschichte zu Unrecht vermenschlicht, oder sie sind schlussendlich doch mehr als nur Maschinen. Jol hat sich hier nicht wirklich entschieden.
("Die Kinder waren der Grund aus dem er sich für diese Arbeit entschieden hatte. Und damit kein Menschenkind erleben musste, was er durchgemacht hatte. (…) Manchmal tat es ihm leid, dass er die Kinder bereinigen, ihnen Teile ihres Lebens nehmen musste. Zentrale Teile. Ihm leuchtete ein, dass jede Kundschaft die gleiche Chance verdient hatte, eine leere Tafel mit genau einstellbaren Schwierigkeitsgrad, eine zurückgesetzte KI (…) Genau wie Menschenkörper erinnerten die organischen Teile von Androidenkindern Dinge auf zellullarer Ebene. Niemand konnte das löschen. Die Polizei hatte eine eigene Abteilung für Androiden und die kümmerte sich darum. Aber ganz sicher waren auch deren Löschungen nicht vollständig. Nicht heilend.").
Das Widersprüchliche und die vage Definition hat (leider) Auswirkungen auf die Geschichte selbst: Sind die künstlichen Kinder schlussendlich nur hochentwickelte Bots, ergibt die Geschichte um Magda und Thorben / Luisa keinen Sinn. Sollten die künstlichen Kinder aber mehr sein, frage ich mich, wie der sehr empathische Rod seiner Tätigkeit nachgehen kann – und wirft gleichzeitig den Vorwurf an die übrige Menschheit auf, künstliche Menschen unethisch zu behandeln. (Löschen / Zurücksetzen, abschalten).

Die Geschichte zu genießen – und ja, das habe ich –, war für mich nur möglich, indem ich sie gedanklich als „Science Fantasy“ eingeordnet habe. Ich betrachte sie also ähnlich wie Star Wars oder auch manches aus Star Trek nicht unter dem Anspruch wissenschaftlicher Plausibilität, sondern nehme das Setting als phantastisch und in sich gegeben an. Oder, wie Stephan es formuliert hat: als „Robotergeschichte“.

Und damit auch zu den positiven Aspekten:
Strukturell und sprachlich ist die Geschichte erstklassig. Das beginnt mit dem ersten Satz, der direkt Aufmerksamkeit erregt, bis zum gleich darauf interessanten Setting: Eltern, Erziehende, Lehrende etc. für menschliche Kinder kann nur werden, wer sich durch den Umgang mit künstlichen Kindern "akkreditiert" hat. Ein interessantes Szenario, welches vermutlich viel Leid verhindern würde – es gibt zu viele Kinder, die ihre Eltern nicht verdient haben; bei vielen bleibt ein Kinderwunsch unerfüllt –, aber natürlich auch zugleich die Hürden der Diskriminierung mit sich bringt.
Diese Diskriminierung stellt auch die eigentliche Geschichte dar, in welcher ein lernbeeinträchtigtes Paar – Thorben und Luisa – sich danach sehnt, ihr Leben mit einem Kind zu teilen. Die "Defizite", die ihnen die Bürokratie assistiert, kontern sie mit einer unverfälschten, respektvollen Herzlichkeit. Diese Herzlichkeit ist es, die die künstliche Magda, die offenbar Missbrauch erfahren hat – der auch nach einer Zurücksetzung Spuren hinterlassen hat –, dazu bringt, sich wieder zu öffnen.

Die Geschichte hat ein interessantes Setting, ist wundervoll erzählt, hat lebendige Charaktere, ist sprachlich schön und hallt lange nach – wenn man sich auf sie einlassen kann und will.

Bearbeitet von ChristophGrimm, 15 Juli 2026 - 08:37.

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#77 Uwe Post

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Geschrieben 15 Juli 2026 - 08:32

Du meine Güte, da das Thema LLMs erwähnt wurde, muss ich doch nochmal kurz was schreiben  :bigcry:

Aber nur allgemein.

 

Der Knackpunkt ist hier die Erwartungshaltung, denke ich. Wir leben gerade in einer Zeit, in der LLMs (ich schreibe hier absichtlich nicht "KIs") enorme Umwälzungen bewirken und fast magische, unglaubliche Dinge leisten. Aber ... manche Dinge können sie eben nicht. Das unterscheidet sie von KIs (einschließlich Robotern oder Androiden) in der SF, denen Autorx jegliche Fähigkeiten, Eigenschaften und Verhaltensweisen zuschreiben können, die ihnen in den Sinn kommen bzw. für die jeweilige Geschichte sinnvoll erscheinen. Deshalb kann es leicht passieren, dass Leser eine Erzählung als "auf heutige KIs gemünzt" verstehen möchten, was aber dann gar nicht passt. In dem Fall verschiebt sich der Fokus der Wahrnehmung der Geschichte oft auf Menschen, um die es tatsächlich geht; wie sie mit dem Roboter oder der KI und ihren spezifischen Eigenschaften umgehen, insbesondere dann, wenn die KI im Text fast menschenähnlich agiert. Man darf ja nicht vergessen, dass die Entwicklung von KIs vergleichsweise schnell fortschreitet, es ist also ohne weiteres denkbar, dass in 10, 20, 30 Jahren derzeit gültiges Wissen über LLMs längst nicht mehr relevant ist.

 

tl;dr: Es gibt SF-Storys über LLMs, über andere KIs - oder über Menschen. 


Bearbeitet von Uwe Post, 15 Juli 2026 - 08:33.

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#78 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 15 Juli 2026 - 08:39

Danke, Uwe, genau das meine ich auch.

Chris, mag ja alles sein, aber friedlich schweigen und alles aushalten kann nun auch nicht ständig von mir verlangt werden.

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#79 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 15 Juli 2026 - 08:46

BTW Chris, ich habe auch nichts dagegen, wenn ihr schreibt (wie du und Roland), dass die robotor für euch nicht überzeugend waren oder whatever.

Ich habe aber ganz konkret was dagegen, wenn Autor*innen aktiv unterstellt wird, sie hätten nicht recherchiert. Das kam jetzt seit 2020 einfach einmal zu oft, sorry Maximilian, deine Worte waren einfach der Tropfen

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#80 Stephan

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Geschrieben 15 Juli 2026 - 08:54

Das Widersprüchliche und die vage Definition hat (leider) Auswirkungen auf die Geschichte selbst: Sind die künstlichen Kinder schlussendlich nur hochentwickelte Bots, ergibt die Geschichte um Magda und Thorben / Luisa keinen Sinn. Sollten die künstlichen Kinder aber mehr sein, frage ich mich, wie der sehr empathische Rod seiner Tätigkeit nachgehen kann – und wirft gleichzeitig den Vorwurf an die übrige Menschheit auf, künstliche Menschen unethisch zu behandeln. (Löschen / Zurücksetzen, abschalten).

Aber ist das nicht gerade gut an der Geschichte? (keine Fangfrage)

 

Ich fand das beim Lesen wie eine Reise, zuerst hatte ich das Paar - allein aus der Perspektive von Rod hinter seiner Ladentheke aus betrachtet - verurteilt und geringgeschätzt und mit der Handlung und dem was ich erfahren habe, veränderte sich meine Sichtweise auf die beiden. Und ähnlich ging es mir auch bei den Androiden. Erst hielt ich sie einfach nur für hochsensible Geräte und am Ende war ich mir über die Grenzen zwischen Android und Mensch nicht mehr sicher. Es lässt am Ende so viel Raum zum Fragen offen, dass ich gleich eine Hand voll von Ideen hätte, wie andere Kurzgeschichten diese Welt weiterbeschreiben könnten.

 

Du nennst es hier Fantasy, aber als Magda von sich aus ihre Augenlider öffnete, hatte ich das sprichwörtliche "Sense of wonder".

 

 


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#81 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 15 Juli 2026 - 09:01

Gute Definition, Stephan. Ich finde die Story auch deswegen so gut, weil sie nicht jede Frage beantwortet.


Franz, wegen living daylights :für mich hat sich das angefühlt, als hätte die Autorin einfach aufgehört zu schreiben.

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#82 ChristophGrimm

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Geschrieben 15 Juli 2026 - 09:07

Aber ist das nicht gerade gut an der Geschichte? (keine Fangfrage)

 

Ich fand das beim Lesen wie eine Reise, zuerst hatte ich das Paar - allein aus der Perspektive von Rod hinter seiner Ladentheke aus betrachtet - verurteilt und geringgeschätzt und mit der Handlung und dem was ich erfahren habe, veränderte sich meine Sichtweise auf die beiden. Und ähnlich ging es mir auch bei den Androiden. Erst hielt ich sie einfach nur für hochsensible Geräte und am Ende war ich mir über die Grenzen zwischen Android und Mensch nicht mehr sicher. Es lässt am Ende so viel Raum zum Fragen offen, dass ich gleich eine Hand voll von Ideen hätte, wie andere Kurzgeschichten diese Welt weiterbeschreiben könnten.

 

Du nennst es hier Fantasy, aber als Magda von sich aus ihre Augenlider öffnete, hatte ich das sprichwörtliche "Sense of wonder".

 

Du nennst es "Sense of Wonder", ich "Fantasy" – aber in diesem Fall meinen wir dasselbe. 

Wie Uwe richtigerweise schrieb, ist meine Auffassung "wissenschaftlicher Plausibilität" an den heutigen Stand geknüpft – aber bekanntlich ändern neue Erkenntnisse ständig. Oft in Details, manchmal im Größeren.

Siehe es so, dass ich meine Erwartungshaltung bei einem Ersteindruck gar nicht steuern kann. Bei Near-Future-SF ist sie mehr auf Plausibilität (des heutigen Stands bzw. meinem Kenntnisstand) geeichet, bei schillernder (Far-Future)-SF geht die Akzeptanz der Setting-Gegebenheiten schneller. 

 

Es kommt ja auch darauf an, was eine Geschichte sein will. Und Jols Geschichte will keine Hard-SF sein, sondern setzt auf menschliche und gesellschaftliche Aspekte.

Das ist absolut gelungen; deshalb akzeptiere ich Jols Konstruktion und konnte mich an der (starken) Geschichte erfreuen. 


Bearbeitet von ChristophGrimm, 15 Juli 2026 - 09:08.

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#83 ChristophGrimm

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Geschrieben 15 Juli 2026 - 09:14

BTW Chris, ich habe auch nichts dagegen, wenn ihr schreibt (wie du und Roland), dass die robotor für euch nicht überzeugend waren oder whatever.

Ich habe aber ganz konkret was dagegen, wenn Autor*innen aktiv unterstellt wird, sie hätten nicht recherchiert. Das kam jetzt seit 2020 einfach einmal zu oft, sorry Maximilian, deine Worte waren einfach der Tropfen

 

Okay, ja, das leuchtet ein. Valider Punkt.

 

Alles gut :). Ich wollte nur verhindern, dass wir uns hier in eine doofe Ecke manövrieren.

Das hätte Jols Geschichte nicht verdient.


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#84 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 15 Juli 2026 - 09:36

Nee, da hast du recht, das wäre eine unerwünschte meta Diskussion, die uns von den echt tollen Storys Web bringen würde

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#85 Maxmilian Wust

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Geschrieben 15 Juli 2026 - 11:36

Yvonne, du kannst mir gerne vorwerfen, den falschen Baum angebellt bzw. an der falschen Stelle kritisiert zu haben. Das macht eine Diskussion aus meiner Sicht reichhaltig. Aber bitte sieh davon ab, in männliche und weibliche Kritik zu trennen. Was hättest du gesagt, hätte jemand die Aussagen von Jol und dir zu meiner Geschichte als "weibliche Kritik" bezeichnet, zumal ihr beide wenig mit dem Technik- / Wissenschaftsfokus anfangen konntet? Du wärst vermutlich erbost gewesen. Zurecht.

 

Ich habe "Kinderladen" übrigens vor meiner initialen Kritik mit einer ehemaligen Kollegin und guten Freundin, einer Informatikerin, und meiner Schwester, einer Ingenieurin, besprochen. Beide, zwei Frauen, hatten exakt dieselben Punkte wie ich angebracht. Meine beiden Brüder, denen ich die Geschichte habe auch zukommen lassen, sagten tatsächlich das Gegenteil, von wegen, dass es keine Rolle spielen würde, ob die Kinder LLMs oder volle VIs / KIs wären und die Story einfach guter Lesestoff gewesen wäre.

 

 

Wie ich darauf gekommen bin, dass Jol Rosenberg von LLMs und nicht von bewusstseinsfähigen KIs erzählt hat, war schlicht Rods Art, mit ihnen umzugehen. Auf das Wesentliche heruntergebrochen lautete meine Argumentationskette so:

 

a) Die Kinder sind bewusstseinsfähige Intelligenzen und Rod weiß nicht, dass er sie mit im Endeffekt ermordet. Aber das passt einfach nicht zum Rest seines Charakters, der einfühlsam ist und Leid ersparen will.

 

b) Die Kinder sind bewusstseinsfähig und Rod weiß exakt, was er tut. Aber ein Soziopath zu sein, passt nur noch weniger zu ihm.

 

Oder c) Die Kinder sind nichts als Software, die exakt das tut, was sie tun soll – und kein Gefühl bzw. noch nicht einmal ein Konzept für ihre Existenz hat. Das macht Rods Verhalten plausibel und nachvollziehbar – und wiederum die Kinder zu reinen LLMs. Oder meinetwegen: reinen Maschinen, wenn man unbedingt vom Begriff der LLM distanzieren will.

 

Habe ich eine Variante übersehen?


Bearbeitet von Maxmilian Wust, 15 Juli 2026 - 12:25.

"Part Five: Boobytrap the stalemate button!"

#86 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 15 Juli 2026 - 12:29

Ich habe ehrlich gesagt sogar damit gerechnet, dass jemand unter euch nach meiner Kritik zu metanoq zumindest denkt "na ja, ist halt eine Frau, kann mit Technik nichts anfangen". Daher habe ich sogar gezögert, ob ich das überhaupt öffentlich schreiben sollte.

However, ihr könnt akzeptieren, dass es sich für mich exakt so anfühlt wie Kritik, die typischerweise von einem Mann kommt, oder ihr könnt es von euch weisen. Das ändert nichts an meinem Gefühl daran.

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#87 lapismont

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Geschrieben 15 Juli 2026 - 13:02

Was ich ganz spannend finde bei der Nominierung der Erzählung Echo von Luc Francois, dass sie für mich die schwächste Geschichte des Sammelbandes war. Sehr generisch vom Plot her. Ich hatte beim Lesen öfter das Gefühl, das und jenes so schon gelesen zu haben.

Sie ist gut geschrieben und dass ich mich noch an Einzelheiten erinnere, spricht für den Text.


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#88 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 15 Juli 2026 - 13:10

Was ich ganz spannend finde bei der Nominierung der Erzählung Echo von Luc Francois, dass sie für mich die schwächste Geschichte des Sammelbandes war. Sehr generisch vom Plot her. Ich hatte beim Lesen öfter das Gefühl, das und jenes so schon gelesen zu haben.
Sie ist gut geschrieben und dass ich mich noch an Einzelheiten erinnere, spricht für den Text.


Ich habe die anderen Texte darin nicht gelesen, welche sind gut?

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#89 Stephan

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Geschrieben 15 Juli 2026 - 13:15

Ich finde es dazu auch wichtig den Kontext zu beachten. Das fließt in meine persönliche Wertung mit ein. Ähnlich wie bei den "Notizen eines Sonderlings", das in Caprice erschienen ist, in dem die Texte eine ganz spezifische Aufgabenstellung hatten, muss ich bei den beiden Geschichten aus den Andymonaden eben Andymon mitdenken. Das würde ich bei "Kinderladen" genauso tun.

In den Queer*Welten Heft 15, das mir hier vorliegt steht:

"Kurzgeschichten, Gedichte, Microfiction, Illustrationen und Essaybeiträge [...], die marginalisierte Erfahrungen und die Geschichten Marginalisierter in einem phantastischen Rahmen sichtbar machen."

Da erwarte ich keinen Ingenieursroman.

Genauso wie ich in einem Perry Rhodan-Sammelband auch keine Rückfragen gelten lassen würde, was die blöden Zellaktivatoren sollen und das so eine Unsterblichkeitszelldusche ja Humbug ist.

Bearbeitet von Stephan, 15 Juli 2026 - 13:24.

Mein Blog über Science Fiction: www.ostinspace.blog  :)

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#90 Maxmilian Wust

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Geschrieben 15 Juli 2026 - 13:30

@Yvonne:

Ich habe deine Kritik an "Metanoq" nicht als "typisch Frau" gewertet – und das weißt du auch. Du hast die Story komplett durchgelesen und hast fair und intelligent erklärt, warum sie dir nicht gefiel. Das ist aus meiner Sicht die beste Kritik, die man als Autor / Kunstschaffender bekommen kann.

 

Ich finde es einfach nur nicht richtig, mir negatives, typisch männliches Verhalten vorzuwerfen, weil mir die technische Recherche bzw. Erläuterung nicht genug war. Mein Interesse an Technik und Software hat nichts damit zu tun, dass meine primären Fortpflanzungsorgane männlich sind. Tatsächlich bin ich immer noch in einem Berufsfeld tätig, das gefühlt zu fast 70% von Frauen ausgeübt wird (die Zahl ist rein subjektive Wahrnehmung und kann durch keine Statistik bestätigt werden).

 

 

Satteln wir im Fall von "Kinderladen" das Pferd aus der anderen Richtung. Sagen wir, die darin beschriebenen KIs funktionieren nicht als stochastische Richtigrater, wie eben LLMs, sondern rezeptorisch, wie die NPCs in einem Videospiel zum Beispiel. Oder von mir aus sind es hypersensitive und höchst komplexe Leibnitz-Maschinen. Oder werden wir ganz wild und sagen, es sind Super-Cogigators mit Milliarden von Zahnrädern. Hätte sie Jol als das beschrieben (und mir vielleicht in einem Absatz erklärt, wie sie genau auf so einem Level funktionieren), hätte ich them mit Lob überschüttet. Was ich übrigens auch so schon getan habe. An Jols Stelle hätte ich sogar direkt gesagt, dass ich in den Casette-Futurism gehe (also in eine Welt, in der es keine Flachbildschirme gibt und Kassetten / Disketten das speicherstärkste Medium sind). Es würde aber nichts an meinen Kritikpunkt ändern, dass dadurch eine ludonarrative Dissonanz entsteht, die Rod entweder als out-of-character grausam darstellt oder dem Konflikt die Zähne zieht. Und ja, hier hätte es einfach gut getan, wenn Jol ein paar regeltechnische Leitplanken aufgestellt hätte.

 

Macht das die Geschichte so viel schlechter? Nicht per se. Die Bewertungen hier sind ausgesprochen gut und die Story ist immer noch für den DSFP nominiert (was schon an sich eine immense Ehre ist). Spürbar wird es erst im Theorycrafting. Und das spielt aus meiner Sicht eine Rolle, wenn es darum geht, die beste Kurzgeschichte des Jahres zu eruieren und ein Mitbewerber mit ähnlichem Thema mit im Rennen ist. Zumindest für mich kämpfen "Kinderladen" und "Blumen für Lisa-9" um den ersten Platz und deshalb geht es um Millimeter.

 

Wobei ich ehrlich gesagt keine Ahnung habe. Vielleicht erhält einfach Jan Gardemann den Preis und diese Diskussion war sinnlos  :wink2:  


Bearbeitet von Maxmilian Wust, 15 Juli 2026 - 13:42.

"Part Five: Boobytrap the stalemate button!"



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