Naja, Kritiker kritisieren, ihr tut ja schon ein bisschen mehr.
Ich habe mir meine Argumente oben noch einmal angesehen, insbesondere nachdem sich Christian gerade so maßlos drüber aufgeregt hat, aber das ist schon prinzipiell so, wie ich die Vorgehensweise in diesem Thread einordnen würde. Ich reagiere auf solche Diskussionsmuster sehr empfindlich. Ob ich dabei übers Ziel hinausschieße, ist Ansichtssache, ich finde dafür umgekehrt, dass ihr in eurer Empörung über KI-genierte, nicht gekennzeichnete Texte weit übers Ziel hinaus schießt.
Dass ihr das macht um jemandem persönlich zu schaden, habe ich nicht angenommen, allerdings schon, dass euch in eurer Empörung nicht so ganz klar gewesen zu sein schien, dass die betreffende Person tatsächlich ein Mensch ist.
Ich finde es gut, dass Du Dir Deine Argumente noch einmal angesehen hast. Aufgeregt habe ich mich über Deine Argumente nicht, schon gar nicht ohne Maß. Da bin ich von Berufswegen schon auf Gelassenheit geeicht.
Ich habe nur gesehen, in welche Richtung Deine Argumente driften, und die fand ich bedenklich.
Wenn Du meinst, dass die Kritik an einer fehlenden Kennzeichnung KI-generierter Texte überzogen ist, dann möchte ich kurz die Tragweite des Problems skizzieren. Es gibt momentan keinen Grund anzunehmen, dass die zunehmende Verbreitung von KI-generierten Büchern in naher Zukunft abnehmen wird. Sie könnten irgendwann sogar den Markt dominieren. Wenn Menschen, die solche Texte nicht lesen möchten, dann keine Möglichkeit hätten, sie bei ihrer Auswahl auszufiltern, würden sie quasi gezwungen sein, sie zu lesen, wenn sie nicht auf neue Texte verzichten wollen. Warum ist das ein Problem?
Erstens ist Selbstbestimmung für Verbrauchende essentiell, auch wenn diese Selbstbestimmung in allen Gesellschaften unter Beschuss steht. Zweitens würde der Markt von Menschen geflutet, die es moralisch nicht für nötig halten, die Art ihrer Urheberschaft offenzulegen. Wollen wir, dass der Markt durch solche Menschen und ihre Inhalte dominiert wird? Drittens werden wir durch Einflüsse, die über längere Zeit auf uns einwirken, geprägt. Wollen wir von maschinellen Erzeugnissen geprägt werden?
Spätestens an dieser Stelle fragen manche Menschen, warum das ein Problem sein soll. Schließlich werden wir doch jetzt schon von Gebrauchstexten und -Graphiken umgeben, die KI-generiert sind, wobei kaum jemand nach irgendeiner Kennzeichnung schaut, und es geht uns dadurch nicht schlechter als zuvor. Was sie dabei übersehen, ist, dass dieser Prägungsprozess dauert. Wir gewöhnen uns allmählich. Außerdem sind die aktuellen Inhalte meist banal. Nur im Bereich der bewussten Täuschung (Deepfakes usw.) beginnen wir ein Problem zu erkennen. Es könnte in Zukunft aber noch um ganz andere Probleme gehen. Wenn wir wirklich irgendwann maschinelle Kreativität erleben sollten, wofür es bereits Anfänge gibt, könnten Trends unsere Kultur beeinflussen, die gar nicht mehr von Menschen initiiert wurden. Es gäbe dann die Möglichkeit, dass Menschen dem folgen, Formen und Inhalte nachahmen, auch wenn diese sie von ihrer eigenen Natur entfremden. Vor allem junge Menschen wären dafür anfällig, besonders, wenn sie diese Elemente cool fänden.
Eine Binsenweisheit lautet: Wehret den Anfängen. Warum hat sie recht? Weil es in vielen Fällen leichter ist, eine beginnende Entwicklung zu gestalten als darauf zu warten, dass sie Wurzeln geschlagen hat. Das ist hier so ein Fall. Wenn wir uns erst einmal gewöhnt haben, erlahmt unsere Motivation, uns zu wehren.
Bearbeitet von Christian Hornstein, 26 September 2026 - 07:28.