In einem anderen Forum habe ich Zitate aus der FAZ (Feigheit vor dem Thema? Von Niklas Bender/FAZ/28.09.2026) zum Thema Thélyson Orélien gefunden:
"Die Metaphorik ist grotesk falsch, von Körperlichkeit keine Spur. Keine der Nebenfiguren – die alle kurz auftreten und kaum eingebunden werden – wird als Charakter fassbar. Es sind Schablonen, blutleere Geister. Selbst der Erzähler, in mancher Hinsicht ein Alter Ego des Autors, wirkt hohl, man erfährt nichts über seine Vorgeschichte, seinen Körper, seine Neigungen; die konkreten Lebensumstände bleiben meist abstrakt. (...)
Sprachlich ist „C’était ça ou mourir“ komplett missraten. Das fängt mit dem banalen Titel an und setzt sich in rhetorischen Mitteln fort, die mit ermüdender Monotonie abgeleiert werden. Orélien verwendet laufend Antithesen der Art: „Es war nicht ..., aber ...“. Er teilt alles in Dreischritte: drei Eigenschaften, drei Satzteile, drei Symbole und so weiter. „Wenn du einmal lügst, um einer Kugel zu entgehen, weinst du hinterher. Wenn du zehnmal lügst, hast du noch ein wenig ein schlechtes Gewissen. Aber nach hundert Lügen wirst du deine eigene Maske. Und ich, Jonas Dorléon, Sohn von Port-au-Prince, staatlich Geprüfter, Lyrikliebhaber, ich war José Gonzalez geworden, Sohn von nichts, Bruder von niemandem, universeller Migrant.“ Man könnte argumentieren, es handele sich um Merkmale mündlichen Erzählens, die Lebendigkeit erzeugen. Tatsächlich ist die Wirkung mechanische Steifheit. Es handelt sich nicht nur um schlechten Stil: Benoît Raphaël, ein vom „Nouvel Observateur“ befragter KI-Experte, hat beide Verfahren als typisch für KI-Algorithmen benannt."
"Offenbar ist das Problem weniger, dass KI pseudoliterarische Text verfassen kann, sondern vielmehr, dass Experten, welche die Sache der Literatur verteidigen sollten, entweder keine Qualitätsstandards haben oder aus politischen Gründen davon absehen, diese anzuwenden. Vielleicht wäre das eine Debatte wert."
War ja nur eine Frage der Zeit, bis jemand auf die Tour kommt.
Man schafft sich seine eigene Hölle, würde ich sagen.
Ich hatte weiter oben gesagt, ich könnte mir vorstellen, dass alle Anwärter von Preisen zwangsweise einen KI-Detektor-Test bestehen müssten. Diese Ansicht habe ich geändert. Stattdessen würde ich bei solchen Preisen von folgendem Paradigma ausgehen:
Nur Menschen können bedeutsame, originelle Texte schreiben, denn nur sie sind empfindungsfähig.
Ergo kann sich niemand durch den Einsatz von KI einen unerlaubten Vorteil verschaffen, es handelt sich also nicht um etwas vergleichbares wie Doping.
Also ist es vollkommen unnötig, entsprechende Texte zu kontrollieren oder auf solche geäußerten Unterstellungen zu reagieren.
Wird man nicht machen, stattdessen werden zukünftig Autoren ihre Texte vorab mit KI-Detektoren prüfen, ob sie vielleicht zu hohe Verdachtsmomente erzeugen könnten. Also trimmen sie Texte auf die Vorgaben von KI-Systemen hin, und feiern das als Kampf gegen KI-Einsatz.
Das wäre ganz lustig, wenn es nicht so traurig wäre.