Hallo,
ich bin jetzt mal ganz frech, eine Antwort zu schreiben, bevor ich den ganzen Thread gelesen habe. Aber nach dem Lesen der ersten Beiträge kam mir schon ein Gedanke, den ich lieber gleich aufschreibe, bevor ich ihn vergesse.
Es ging u.a. um das Thema "Werbung" und die "100.000" Perry Fans, die man mobilisieren müsse/wolle/solle. Wenn ich dazu mal etwas aus meiner eigenen bescheidenen Erfahrung sagen darf...
Vor mittlerweile über 10 Jahren habe ich zusammen mit einem Freund das Fanzine "Grimoire" herausgegeben. Wir waren sicher nicht das beste Fanzine von Welt, aber ich würde trotzdem behaupten, dass wir eine für Zwei-Mann-Show gar nicht mal so übel waren. (Wer mehr drüber wissen will, kann
hier nachlesen. Einige Hefte der Nummer 5 gibt es übrigens noch...)
Da wir nun auch nicht so viele Hefte verkauft haben (wie auch, bei der Auflage?), konnte ich anhand der Bestellungen, die damals noch per Brief eintrudelten, meistens ziemlich genau zurückverfolgen, wo die Leute von unserem Heft erfahren hatten.
In einer Ausgabe hatten wir mal ein Interview mit Jörg Kleudgen, Autor, Zeichner und aber auch Texter und Sänger einer Gothic-Rock Band, über die wir (gerade auch über deren Beziehung zwischen Phantastik und Musik) auch berichteten. Also habe ich frechweg ein paar Kleinanzeigen in Musikmagazinen dieser Szene geschaltet.
Außerdem war und bin ich Rollenspieler. Also haben wir auch Anzeigen in einem Spielemagazin geschaltet, bzw. Austauschwerbung mit anderen Rollenspielzines gemacht.
In beiden Fällen haben wir ganz deutlich gemacht, ein Heft für SF, Fantasy und Phantastik im Allgemeinen zu sein.
Natürlich haben wir auch immer brav ein Heft an KNF für die PR Clubnachrichten geschickt, und bekamen von Klaus sogar wohlwollende Rezensionen. (Ich erinnere mich wie mir als Teenager sein "Grimoire hat sich zur heimlichen Nummer 1 unter den unabhängigen [d.h. nicht club-gebundenen] deutschen Fanzines gemausert" wie Öl runterging.)
Jetzt ratet, wie viele Bestellungen wir aufgrund der Perry Clubnachrichten hatten. Keine. Nicht eine einzige.
Dagegen waren z.B. die Bestellungen aus der "Schwarzen Szene" überraschend zahlreich. Das waren Leute, die wahrscheinlich in ihrem ganzen Leben noch nie den Begriff Fandom gehört hatten. Und ab und zu kam da sogar mal Feedback und das war auch damals schon selten, außer von Leuten, die selbst aktiv waren. Auch in der Rollenspieler-Szene hatten wir viele Kontakte und Austauschabos. Dieses Gerede von der Zersplitterung des Fandoms (das es schon damals gab) ist nämlich nur so lange wahr, wie man nicht mal den Versuch macht, dem entgegen zu wirken. Ist ja auch irgendwo logisch. Was wird wohl ein SF- oder Fantasy-Rollenspieler in seiner Freizeit lesen? Bestimmt keine Heimatromane...

Was ich damit sagen will: Wenn es um Werbung geht, schadet es manchmal gar nicht, die ausgetretenen Wege zu verlassen und mal in den "Randgebieten" zu wildern.
Aber das nur meine 2 cent.
Gruß,
Carsten
Bearbeitet von Carsten, 14 Juli 2008 - 21:03.