molosovsky schrieb am 06 Jan 2013 - 22:46:
@Simi:
Ich deute Deine Dath-Kritik so, dass der Autor es mit seinem ›unverwechselbarem‹ Stil geschafft hat, seinem eigentlichen Anliegen des Ausdeutens von »Lost« zu schaden. Bei mir kam das häufige Andeuten von Möglichkeiten tieferer Analyse der Verweise so an (auch, weil Dath ausdrücklich darauf verweist): dass die Serie selbst diese Takitik schiebt, auf alles Mögliche was nicht bei 3 auf dem Baum ist anzuspielen, und dass sich um diese Anspielungen auf Sub- und SubSub- und Blubb-›Texte‹ (denn es geht ja nicht nur um Bücher … Dath gebraucht dann gern den Begriff ›Pop-Hermeneutik‹) der Handlung ein lebhaftes Lost-Fandom tummelt (siehe z.B. »Slaughterhouse 5«).
Er deutet eben oft nicht aus, sondern deutet bestenfalls an und das bringt mir zu wenig. Für mich bleibt da vor allem eines zurück: Der Dath weiss viel (oder tut zumindest so), erzählt mir aber nicht, was er weiss. Und das finde ich nicht sonderlich fruchtbar, dafür muss ich kein Buch lesen.
Zitat
Durchaus anerkennenswert fand ich Daths Tenor (so wie ich ihn verstehe), den ich am besten Dingfest machen kann anhand der innigsten »Lost«-Problematik, die mich — wie wohl viele andere anfangs und meistensteils begeisterte Folgen-Erst-Glotzer, die vom Ende enttäuscht waren — umgetrieben hat, und zu der Dath eben anbietet (Seite 49):
Ich finde, das eröffnet durchaus neue, lohnende Wege der Kritik/Wertschätzung der Serie.
Ich halte das zwar für eine ziemlich wacklige Hilfskonstruktion, um eine Serie, die von Anfang ins Nichts geführt hat (mich hat
Lost eigentlich nie wirklich begeistern können), zu retten, aber immerhin für eine interessante. Lustigerweise hält aber auch Dath sein eigenes Konzept nicht durch und bietet dann dennoch eine allumfassende Erklärung für die Geschehnisse auf der Insel an (die ihrerseits aber wieder ein einziges Technababbel-Handwedeln ist).
EDIT: Dieses "Es geht genau darum, dass es keine Auflösung gibt" finde ich einen mittlerweile doch etwas abgestandenen PoMo-Topos. Vor allem scheint er mir weder an der Serie selbst noch an den Aussagen der Macher belegbar. Letztere haben immer wieder zu Protokoll gegeben, dass es am Ende eine allumfassende Erklärung geben würde, und meines Erachtens ist dies auch, was die Serie selbst über lange Zeit hinweg suggeriert.
Zitat
Nebenbei: Daths markante Art, mit den obskursten Fremdworten um sich zu werfen finde ich persönlich — wie bei anderen Autoren auch … meistens — ganz knuffig. Hab mit dem »Lost«-Band z.B. gelernt, was Nystagmus bedeutet. (Seite 31).
Die Fremdworte sind mir nicht mal besonders aufgefallen. Aber insgesamt sagt mir Daths Stil nicht besonders zu. Er ist zu sehr daran interessiert, sich selbst als clever darzustellen, bietet mir dafür aber zu wenig Handfestes.
Bearbeitet von simifilm, 07 Januar 2013 - 10:44.