„Ice“ von Jacek Dukaj , 2026 (engl.) , orig. „Lód“, 2007 (polnisch)
Jacek Dukaj (ein prämierter polnischer SF Autor) legt hier eine Alternative History vor mit dem Divergenzpunkt des Tunguska Ereignises vom 30.6.1908 in Sibirien , das eine gewaltige Explosion mit einer Sprengkraft von 3 bis 50 Megatonnen TNT-Äquivalent kennzeichnete.
Dukaj spinnt von hier aus die Annahme , das das Ereignis 16 Jahre später vom Protagonisten Benedykt Gierosławski (einem Student der Mathematik) – aber auch von anderen historischen Figuren - untersucht wird , mit dem Ergebnis das es sich um eine Art modifiziertem „Eis“ handelt.
In den von dem „Eis“ bedeckten Teilen der Welt gelten neue physikalische Gesetze. So treffen wir auch auf Nikola Tesla – die prominenteste der zahlreichen historischen Figuren im Roman – der mit verschiedenen Maschinen die Folgen dieser Veränderung untersucht um die neue, unerforschte Physik zu kodifizieren:
So erreicht eine wiederholt geworfene Münze schneller und zuverlässiger ein Verhältnis von 50:50; das Doppelspaltexperiment, der Beweis für die quantenmechanische Dualität, ist nicht mehr gültig, und anstelle des erwarteten Interferenzmusters sind ausschließlich zwei klare Lichtpunkte zu sehen.
Es scheint eine Welt zu sein, in der es nur wahr und falsch gibt, keine Unbestimmtheit: in der nur unausweichliche Entscheidungen möglich sind. „Ice“ ist aber noch mehr: nämlich sich vorzustellen, wie sich auf diese komplett veränderte Eigenschaft der Realität verschiedene intellektuelle Traditionen (Wissenschaft, Philiosphie, Theologie) unter radikal veränderten Bedingungen entwickeln könnten.
Im Kontext der englischsprachigen Science-Fiction reiht sich Dukajs Roman nahtlos in andere Werke ein, die etwa zur gleichen Zeit in englischer Sprache erschienen und ebenfalls versuchen, das Gefühl zu vermitteln, einen Moment zu erleben und zu durchdenken, in dem die Geschichte ihren Lauf nimmt.
Somit ist das fast 1200 Seiten starke „Ice“ vergleichbar mit Mary Gentles „Ash“ Trilogie (2000) und dem unerschöpflichen Spektrum historischer Ereignisse und Persönlichkeiten in Neal Stephensons „Baroque Cycle“ (2003–2004).
Wer auch mit langen, komplexen, englischen Texten keine Probleme hat ,für den kann Dujak’s „Ice“ zu einem wirklich aussergewöhnlichen Leseereignis abseits des dominierenden angloamerikanischen Mainstream der Spekulativen Sf sein.
Der im polnischen Original als „Lód“ 2007 erschienene Roman lieg nun in englischer Übersetzung von 2026 vor.
„Ice“, 1200 Seiten (ebook), Verlag Head of Zeus 978-1-786-69728-8, January 2026.
Jacek Dukaj
https://www.isfdb.or...n/ea.cgi?169095
Ausgaben „Ice“ / „Lód“:
https://www.isfdb.or...tle.cgi?1383471
Bearbeitet von head_in_the_clouds, 22 Januar 2026 - 15:47.