simifilm schrieb am 01.11.2009, 20:47:
Ich bin jetzt nicht recht sicher, was Du meinst. Ich habe definitiv nicht sagen wollen, dass es nicht sinnvoll wäre, unterschiedliche Ebenen auf unterschiedliche Weise zu benennen. Es ging mir mehr darum, dass nur weil jemand - sei es Du oder ein gestandener Germanist - zwischen "Phantastik im narrativen Sinn" und "Phantastik vom Setting her" unterscheidet, das Begriffsproblem nicht aus der Welt geschafft ist, weil hier niemand eine verbindliche Terminologie etablieren kann.
Man kann das Problem, das Menschen sterblich sind, auch nicht medizinisch lösen, dennoch gibt es Ärzte, und ihre Bemühungen werden grundsätzlich auch als nützlich betrachtet.
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass, wenn ich sage: "Dieses Problem kann man zwar nicht aus der Welt schaffen, aber verringern.", Du mir antwortest: "Ja, aber es erscheint uns der Mühe nicht wert.", was für mich so klingt, als hieltest Du das Problem für vernachlässigbar gering, oder die Mühe für unerträglich groß.
Was ich von meinem Standpunkt beides nicht sehe. Ist einem Literaturwissenschaftler sofort klar, was Du untersuchen willst, wenn Du "Phantastik" sagst und die Theorien von Todorov meinst?
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Wäre es wünschenswert, wenn in den Literaturwissenschaften - und in den Geisteswissenschaften generell - einheitliche Begriffe benützt würde? Wäre es praktisch, wenn alle Literaturwissenschaftler das Gleiche unter "Phantastik" verstehen würde. - Sicher wäre es das. Aber die Verhältnisse, sie sind nicht so.Und sie werden aus verschiedenen Gründen auch nie so sein. Das meine ich mit "unlösbar".
Biologen denken sich für jede Art einen neuen Namen aus, obwohl es unterschiedliche Definitionen von "Art" gibt. Daher nennen sie im Zweifelsfall auch die Artendefinition, die sie gerade verwenden. Und es gibt auch bei Arten Grauzonen. Trotzdem sehe ich das Bemühen, Begriffsunklarheiten zu vermeiden. (Und ich rede nicht von lösen, also ist "unlösbar" kein echtes Argument.)
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Ein Grund dafür ist eben jener, auf dem ich so beharre: dass die jeweiligen Definitionen und Begriffe davon abhängen, was man machen will.
Ohne jetzt pampig klingen zu wollen, aber das habe ich beim ungefähr zehnten Mal, wo Du es sagtest, auch schon verstanden. Es ist einem Begriff, den Du verwendest, nicht anzusehen, für was Du ihn verwendest, wie Du ihn meinst, oder welche Definitionen Du von ihm kennst. Gerade die unterschiedlichen Anwendbarkeiten gleicher Begriffe machen es in meinen Augen das Verständnis unnötig schwer.
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Du wirst viele Beispiele literaturwissenschaftlicher Untersuchungen finden, bei denen ein bestehendes Modell - wie eben jenes Todorovs - im Grunde übernommen, dann aber doch an entscheidenden Stellen modifiziert wird - weil diese Änderung für die entsprechende Untersuchung sinnvoll ist.
Wenn ein Germanist oder Literaturwissenschaftler mit einem Begriff nicht klarkommt, denkt er sich also keinen neuen aus, sondern benutzt einen vorhandenen etwas abweichend. Nagut. Wenn es aber dazu kommt, dass der eine (Todorov) einen Begriff so einengt, dass ich nur ein Buch kenne, was dazu passt ("Der Schimmelreiter" - Spukgeschichte oder nicht?), und der andere ihn soweit fasst, dass darunter Fantasy, SF, "Shadowrun", Steampunk, Vampir- und Werwolfgeschichten und evt. auch noch der Schimmelreiter fallen, würde ich mir vllt. Gedanken machen, ob das wirklich noch derselbe Begriff ist, oder ob man mit ein paar passenden Zusätzen vllt. etwas Klarheit schaffen könnte.
Vor allem, wenn das eine eine Übersetzung aus einer anderen Sprache ist.