In den USA hat die neue Seriensaison angefangen und es sind einige Vielversprechende neue Serien dabei. Hier ein kleiner Überblick, über meine bisherigen Sichtungen. (Es sind auch phantastische Serien darunter, aber der Vollständigkeit halber, lasse ich sie in dieser Liste.)
Person of Interest - Folgen 1-3
Eine neue Serie von Jonathan Nolan (Bruder von Christopher, hat auch an den Drehbüchern zu Batman, Prestige und Memento mitgearbeitet) und J. J. Abrams. Nach dem Flop mit der unterkühlten und oberflächlichen Agentenserie »Undercovers« geht Abrams Produktionsfirma Bad Robot nun einen anderen Weg. Hier geht es um den heruntergekommenen ehemaligen Elitesoldaten und Killer Reese (Jim Caviziel), der von dem mysteriösen Millionär Finch (Michael Emmerson aus »Lost«) angeheuert wird, um ihm dabei zu helfen die Welt zu retten. Na ja, nicht genau die Welt, aber einzelne Personen, deren Sozialversicherungsnummer die Finchs Wundercomputer ausspuckt, was bedeutet, dass diese Person entweder ein Verbrechen begehen wird oder Opfer eines Verbrechens wird. Dies wollen die beiden in bester Superheldenmanier verhindern. Wobei Reese dabei nicht, wie ein Superheld vorgeht, sondern eher wie Jason Bourne.
Person of Interest ist eine spannende Actionserie mit gut geschriebenen Fällen der Woche und zwei tollen Hauptdarstellern, zwischen denen die Chemie stimmt. Als SF kann man die Serie nicht bezeichnen, da es eigentlich egal ist, ob die Person of Interest von einem Supercomputer ermittelt wird, oder von Esmeralda der Wahrsagerin. Es deutet sich zumindest an, dass es auch noch einen Folgen übergreifenden roten Faden geben könnte. Ansonsten würde sich die Thematik auch schnell abnutzen.
Pan Am – Pilotfolge + 2 u. 3
Die Serie versucht auf die Erfolgswelle von »Mad Men« aufzuspringen und stellt sich dabei gar nicht schlecht an. Sie spielt in den 60er Jahren und dreht sich um die gleichnamige Fluggesellschaft. Hauptfiguren sind also Stewardessen (so hießen damals noch die Flugbegleiterinnen) und Piloten. Und irgendwie schafft es die Serie dabei nicht nur die interessanten Geschichten ihrer Protagonisten zu erzählen sondern auch noch den Kalten Krieg, Spionage, die Beatgeneration und die Schweinebucht Invasion mit reinzupacken. Es gibt gut aussehende Außenaufnahmen aus New York, Rom, London und Kuba. Die Pilotfolge ist nicht ganz so gut geschrieben wie »Mad Men«, zeigt aber jede Menge Potenzial und macht Lust auf mehr. Sie schafft es hervorragend, das amerikanische Lebensgefühl der 60er Jahre, zu verkörpern.
In der dritten Folge geht es im Rahmen von Kennedys berühmter Rede nach Berlin. Die Berliner Straßen sehen zwar stark nach New York aus und das Deutsch der Deutschen ist stellenweise grenzwertig (gibt es nicht genug deutschsprachige Schauspieler in den USA?) aber es gibt auch sehr starke Szenen, z.B. wenn die französische Flugbegleiterin, deren Eltern von den Nazis getötet wurden, in der amerikanischen Mission bei der Party des Präsidenten, die nicht ganz so populäre Strophe der deutschen Nationalhymne singt: »Deutschland, Deutschland über alles...«. Bin mal gespannt, ob diese Strophe auch in der deutschen Fassung drinbleibt.
The Playboy Club - Pilotfolge
Noch ein Versuch »Mad Men« nachzueifern. Anders als »Pan Am« gelingt es dieser Serie aber nicht. Mittelpunkt ist der Playboyclub im Chicago der 60er Jahre. Es geht vor allem um die Playboybunnies und was diese so alles durch die Kundschaft aus der gehobenen Gesellschaft erleben. Dabei wird direkt ein Mafiaboss durch ein Bunny mittels High Heel Attacke getötet und mit Hilfe des attraktiven Staranwaltes im Fluss versenkt. Ansonsten zeichnet sich die Serie durch Langweile und Naivität aus sowie dem Versuch der Hauptfigur, als Don Draper Imitator aufzutreten und peinlicher Off-Kommentare des echten Hugh Heffners.
Folgerichtig ist die Serie mangels Quoten bereits abgesetzt worden.
Revenge - Pilotfolge + 2-4
Ihr Vater wurde einst von seinen Freunden und Geschäftspartnern reingelegt und landete unschuldig im Gefängnis. Nachdem sie erwachsen ist, kehrt Emily in ihr altes Haus in den Hamptons zurück und beginnt ihren Rachefeldzug im Graf von Montechristo Stil. Dabei begibt sie sich in die Welt der Reichen und Schönen. Hervorzuheben ist ihre Gegenspielerin, die von der großartigen Madelein Stowe gespielt wird.
Entgegen meinen Erwartungen erweist sich die Pilotfolge als ungemein spannend und gut inszeniert. Ein echter Pageturner, der Lust auf mehr macht.
Auch nach vier Folgen ist die Serie immer noch sehr spannend. In jeder Folge rächt sich Emily an einem weiteren Beteiligten an der Verschwörung gegen ihren Vater.
The New Girl - Pilotfolge + 1
Nette Comedy über eine durchgeknallte Nudel (Zoe Deschanel), die bei drei Idioten in die WG zieht und diese mit einem endlosen »Dirty Dancing« Marathon traktiert. Deschanel spielt die ständigen Peinlichkeiten so bezaubernd, dass sich die Serie allein deshalb lohnt.
Na ja, Folge 2 ist schon weit weniger witzig.
Hart of Dixie - Pilotfolge +2
Ist eine wohlfühl Kleinstadtdrama in der Richtung von »Ausgerechnet Alaska« und »Gilmore Girls«, allerdings weniger witzig und nicht so gut geschrieben.Junge New Yorker Ärztin landet unfreiwillig in der Provinz von Alabama und wird zunächst von allen gehasst, mischt die Gemeinschaft dann aber kräftig auf. Hört sich ziemlich kitschig an. Ist es auch, aber ich habe eine Schwäche für solche amerikanischen Kleinstadtd-Wohlfül-Dramen.
In Folge 2 wird es ein wenig mit der Abneigung gegen die junge Ärztin übertrieben, da ist zu viel Overacting im Spiel. Aber die Serie bleibt unterhaltsam.
Terra Nova Pilotfolge +2
Ist zwar SF landet aber der Vollständigkeit wegen trotzdem in dieser Liste. Im Jahr 2149 ist die Welt am Arsch, die Luft total verschmutzt, Obst ist ein seltenes Luxusgut, es gibt eine Strenge Populationsregulierung, die besagt, dass man nur zwei Kinder haben darf und die Städte sind zerfallen. Der Held der Show landet im Gefängnis, bricht aus, und reist 85 Millionen Jahre zurück in die Vergangenheit, wo die Menschheit versucht eine neue Zivilisation aufzubauen. Das alles wird in atemberaubenden 20 ersten Minuten erzählt, die ein faszinierendes und beeindruckendes Bild der düsteren Zukunft zeigen. Danach geht es dann leider ab zu den Dinos. Der Teil der Serie ist aber auch noch ganz gut.
Man merkt der Serie an, dass sie von Spielberg produziert wurde, da der Fokus mal wieder auf der Familie liegt. Showrunner ist Brannon Bragga, was man an dem rasanten Tempo der Erzählung merkt. Das im Dschungel liegende Camp, wird von einem Militärkommandanten geführt, der frappierende Ähnlichkeit mit Col. Quaritsch aus »Avatar« hat, wenn er auch etwas umgänglicher ist. Kein Wunder, denn er wird tatsächlich von Stephen Lang gespielt.
In Folge Zwei kommt der Handlung der Serie leider im Mittelmaß an. Familie wird groß geschrieben, die neu angekommene Familie rettet mehrfach das Camp und die Spannung geht flöten. Da muss in den nächsten Episoden mehr kommen, tolle Effekte reichen da nicht aus.
Im Prinzip geht es in der Serie um das gleiche Thema wie in »Primval«. In »Primval« sorgen Zeitanomalien dafür, dass Dinos zu uns kommen und für Chaos sorgen. In »Terra Nova« sorgt eine Zeitanomalie dafür, dass wir zu den Dinos kommen und für Chaos sorgen.
Suicide Circle Pilotfolge
Eine Hexen-Teenagerserie aus der Feder von Kevin Williamson (»Dawson‹s Creek«, »Scream«), gut geschrieben, leicht vorhersehbar, aber mit Potenzial. Ganz nett.
American Horrorstory Pilotfolge + 1
Eine Serie über ein Spukhaus. Warum nicht? Gruselserien sind selten und ich begrüße jeden Versuch Horror, in einem Serienformat zu präsentieren. Für den edlen Look sorgen die Macher von (»Nip/Tuck« und »Glee«), die Serie kommt sehr elegant daher, aber auch ein wenig altmodisch (auch wenn das so gewollt ist), dafür mit deutlich mehr Sex und Erotik, als man es aus den alten Spukhausschinken gewohnt ist. Eine gute Mischung.
Eine Familie (Vater, Mutter und Teenagetochter) ziehen wegen Eheproblemen in ein Spukhaus in L.A. Jede Folge beginnt mit einem »Vorfall« aus der Vergangenheit des Hauses, der direkt in die gruseligen Erlebnisse der Familie mit einfließt. Dazu kommen die schräge Nachbarin (großartig Jessica Lange) und das mysteriöse Zimmermädchen, das allen bis auf den Vater in einer älteren Ausgabe (Francis Conroy) erscheint, ihm aber als hochattraktives junges Ding. Besonders hervorzuheben ist die Mutter, die von Connie Britton gespielt wird, welche durch ihre Rolle als Frau von Coach Talyor in »Friday Nights Lights« eine Art mütterliche Ikone der amerikanischen TV-Nation wurde, und diese Rolle nun dekonstruiert.
Die Serie versucht klassische Gruselatmosphäre mit moderner Erotik und Ästhetik sowie schrägen Figuren zu verbinden und geht dabei auch auf die Psyche der einzelnen Protagonisten ein.
Die Serie erfüllt bisher nicht ganz meine Erwartungen, gefällt mir aber gut. Mal schauen, was daraus wird.
Homeland Pilotfolge +2
Das der beste Serienstart der neuen Saison von einem Pay-TV Sender kommt überrascht nicht wirklich. Dieses Mal ist es wieder Showtime, der es schafft, alle Serienstarts der Networks wie Amateurarbeiten aussehen zu lassen.
Es geht um einen amerikanischen Marine(passend von Damian Lewis aus "Life" gespielt), der in Afghanistan in Kriegsgefangenschaft gerät und erst nach 8 Jahren befreit wird. Während er zu seiner Frau (ganz stark Morena Baccarin) und seinen beiden Kindern zurückkehrt, von den Medien belagert wird und von seinen Vorgesetzten als Heldenfigur missbraucht werden soll, glaubt eine CIA-Analystin (großartig Clarie Danes), dass er die Seiten gewechselt hat und einen Anschlag plant. Gedeckt von ihrem Mentor (Mandy Patinkin, der mit Rauschebart aussieht wie Bud Spencer), überwacht sie den Rückkehrer illegal und steigert sich in ihre Theorie. Dass sie an einer psychischen Erkrankung leidet, verstärkt das Verwirrspiel mit dem Zuschauer: Ist er wirklich ein Terrorist oder ist das nur eine Phantasie einer verrückten Agentin?
Die Serie ist mehr als Psychodrama/thriller angelegt, und weniger als »24« mäßige Actionserie. Die Darsteller sind großartig, die Handlung spannend und die Figuren sehr gut und ambivalent gezeichnet. Ganz großes »Kino« bzw. Drama.
Und hier noch ein paar Kurztipps:
Luther: die beste Krimiserien der letzten Jahren, kommt aus England, dreht sich um eine Art Dr. House bei der Polizei, der zwar genial ist, aber auch ständig gegen die Regeln verstößt, sich mit einer Psychopathin anfreundet und um seine Ehe kämpft. Düster, abgründig und saustark.
White Collar: netter Wohlfühlkrimi um einen charmanten Kunstfälscher, der einem sympathischen FBI Agenten bei seinen Fällen hilft. Oberflächlich, aber unterhaltsam.
Covert Affairs: die Ponyhofvariante einer CIA-Agenten Serie mit der bezaubernden Piper Perabo, einer abwechslungsreichen Handlung und sehr sympathischen Hauptfiguren.
Es werden noch weitere Serienvorstellungen folgen. Ende Oktober starte noch die ein oder andere interessante Serie, wie z.B.
Grim und
Once Upon a Time und ich möchte mir auch noch
Ringer anschauen.
Bearbeitet von Pogopuschel, 14 Oktober 2011 - 16:34.