molosovsky schrieb am 21.05.2010, 08:15:
Uiii, da sind wir nun wieder auf dem heiklen Gebiet, ob Literatururteile nun eine Geschmackssache sind.
Ich verlange ja immer, dass man erstmal möglichst klar seinen Standpunkt klärt, und dann seine Wertung verkündet. Das geschieht natürlich unterschwellig sowieso (und lässt sich dann herauslesen), aber bemänteln oftmals Rezensenten ihren Standpunkt und setzten gewisse *einzig richtige* Sichtweisen voraus.
Ich finde eine explizite Standpunktklärung in manchen Fällen gut, brauche aber diese Einleitung nicht in jedem Fall, kann den Standpunkt dann entweder herauslesen bzw. 'teilweise' erraten (warum nicht durch Googeln: die Rezensentin ist Literaturkennerin (z.B. Expertin für Heine - ...eigentlich eine prima Grundlage für Kunkel-Bücher u.ä.

) ), aber keine ausgewiesene SF-Expertin; sie schreibt für die - überregional des linken Sektierertums gänzlich unverdächtige - FAZ usw. usf.
molosovsky schrieb am 21.05.2010, 08:15:
Das fällt meistens nicht auf, wohl und schnell aber bei *heißen* und umstrittenen Themen, und erst recht, wenn Autoren keinen *gemäßigten* und *spitzfingerigen* Ton anschlagen.
Die Art, wie Frau Kerschbaumer in ihrer Rezi Kunkels "Schaumwester" abtut, lässt mich in diesem Falle tatsächlich ähnlich wie Frank Haubold annehmen, dass hier gesinnungs-polizistisch abgekanzelt wird; dass (vorschnell und wie ich finde kleingeistig) ver-urteilt wird, dass das, was Kunkel zu seinem poetologischen Programm gemacht hat, nicht sein darf und verwerflich ist. Lustig übrigigens die Mischung an Kritik, die Kerschbaumer bemüht: einerseits Kunkels Themen als olle Kamellen abtun (ja ja, künstliche Menschen, 2000 jahre Mythos, gähn -- Kulturkritik, die pöse pöse libertär-kapitalistische Moderne), andererseits Geschmackslosigkeit ankreiden (ohne eben zu reflektieren oder verstehen zu wollen, ob diese Methode womöglich durchaus berechtigt ist).
Ich bemühe mich Deine Gegenmeinung zu verstehen: also ist dir Frau Kerschbaumers Rezension doch nicht avantgardistisch genug, weil sie Kunkels "poetologisches Programm" nicht versteht, auf das der Autor als armer Missverstandener doch schon vielerorts hingewiesen hat... ? Worin siehst Du das Neue an diesem Programm. Selbst wenn Kerschbaumer keine ausgewiesene SF-Exegetin ist, liegt sie so falsch, dass die Verarbeitung des SF-affinen Motivs "künstliche Menschen u. Silikonpuppen..." ein alter Hut ist und durch die - geschmacklose, wie sie sagt - Verbindung mit der NS-Thematik nicht automatisch origneller wird?
Woraus, an welchen Kriterien leitest Du ab, dass "Geschmacklosigkeit" durchaus eine "berechtigte Methode" ist? Sinds nicht doch wieder Geschmacksurteile?