Valerie J. Long schrieb am 11 Aug 2016 - 07:44:
Hmmm - müsste sich das dann nicht auch in Berlin oder Cannes auswirken? Nach meiner Wahrnehmung ist dort noch Raum für Nicht-Blockbuster.
Zumindest in den Wettbewerben dieser Festivals dominieren seit jeher Nicht-US-Produktionen; natürlich gibt es noch die Jarmusch, Allens und Coens dieser Welt, aber dieses Segment wird immer schmaler und "wächst", so scheint es, auch nur begrenzt nach. Und zumindest Jarmusch und wohl auch Allen hätten es ohne das europäische Publikum sehr schwer.
In den letzten dreissig, vierzig Jahren hat sich Hollywood komplett verändert. 1972 war The Godfather der grosse Kassenschlager der Saison; das wäre heute nicht mehr denkbar. Vielleicht könnte ein solcher Film auch heute noch gemacht werden, er würde auch bei der Kritik gut ankommen und ein paar Oscars einheimsen, in der Bilanz des Studios würde er neben den Mega-Franchises aber fast völlig verschwinden.
Das alles ist die Folge verschiedener grösserer Trends; einer davon ist, dass die grossen Studios heute alle Teil von grossen integrierten Medienkonzernen sind und sich u.a. als Folge davon ihre Strategie völlig gewandelt hat. Es geht heute nicht mehr darum, mit einzelnen Filmen (und Regisseuren) zu punkten, stattdessen setzt man auf Franchises, die den Vorteil haben, dass man sie während mehrerer Jahre und eine über eine Reihe von unterschiedlichen medialen Kanälen hinweg auswerten kann. Und am besten Franchises, die bereits etabliert sind, damit spart man sich den Aufwand, sie beim Publikum erst bekannt machen zu müssen (siehe Superhelden, The Hobbit, Stars Wars etc.). Der Film als mehr oder weniger abgeschlossenes, allein stehendes Werk wird da immer unwichtiger.
Bearbeitet von simifilm, 11 August 2016 - 20:40.