Ein Wahnsinnsritt durch dieses Ding, das ich immer noch nicht richtig beschreiben kann, aber auf jeden Fall ein Wahnsinnsritt!
An der Geschichte gefiel mir auf jeden Fall sehr viel. Nacherzählen muss ich sie ja jetzt nicht, wer das hier liest, hat sie auch schon gelesen.
Ich fang mit dem Negativen an:
Zu Anfang lautete ein Vorschlag zur Benennung des Himmelskörpers "Metanoq" und die Geschichte heißt auch so. Da der kauzige Kapitän das Ding aber anders benennt und dann stirbt, kommt die Namensdebatte nie wieder auf. Warum heißt das Ding jetzt letztendlich Kronos aber der Text Metanoq? Ich hoffte die ganze Geschichte über, dass da zum Schluss noch mal irgendwie der Name Metanoq fällt und so ein Bogen zum Anfang geschlossen würde, der mir dann auch plausibel macht warum der Text so heißt.
Ich weiß heute schreiben die Leute viel offener als früher und alles Körperliche muss irgendwie auch so in Texte, aber eine KI muss, wenn es nach mir ganz persönlich geht, in ihrer "Stimulationsimulation" nicht mit ihrem Penis spielen, außer es gibt einen sinnvollen in der Handlung liegenden Grund dafür. Aber ich bin vielleicht auch nur etwas Konservativer, als andere Leser*innen hier im Forum.
Die technischen und physikalischen Dinge fand ich nicht schlimm, im Gegenteil ich finde diesen Overload an Infos eigentlich ganz nice. Auch mir gehts so dass ich vieles nicht verstanden habe, aber ich stell mir dann einfach irgendetwas bildlich vor, von dem ich denke "So oder so ähnlich könnte das aussehen" und dann akzeptiere ich den ganzen Erklärungsfirlefanz. Von daher hat es nur ein paar Seiten gedauert bis ich mich an den Stil des Textes gewöhnt hatte und fand dann den übergroßen Teil bis zum ca. letzten Viertel auch super. Aber als es dann plötzlich vom astrophysikalischen in die irdische Computerterminologie gewechselt ist, hat sich das für mich sehr befremdlich angefühlt und mir ein Stück weit die Immersion zerstört. Der Gedanke, dass so ein fremdes Gebilde, das weder Lebewesen noch Maschine ist, plötzlich anfängt irdische IT-Systeme nachzubilden und die dann auch zu hacken fühlt sich komisch an. Das ist dann nicht mehr Strangeness, sondern eher weird. Diese Vorstellung, dass die Leute da so ein ultra hypermodernes Bergbauraumschiff haben mit so abgespaced fortgeschrittenen KIs und Androiden, aber dann noch altbackende Kompressionstechnologien wie RAR und ZIP benutzen?... ach ich weiß nicht.
Das erinnert mich an einen Perry Rhodan Planetenroman aus den 80er Jahren den ich kürzlich gelesen habe, in dem der Autor so topmoderne IT-Begriffe aus seiner Zeit verwendet hat und da dann ständig von "Rechnerverbünden" die Rede war, wo wir heute wahrscheinlich irgendetwas mit KI einsetzen würden. Das hatte da so deplatzierte DOS-Computer-Vibes mitten im Weltraum. Und so wirken hier die ZIP-Bomben auch auf mich.
Meine Fragen nach dem Lesen:
Warum heißt das Schiff "Akin Demiurge"? Also klar, wir sind hier in einer Kurzgeschichte, soetwas muss nicht erklärt werden. Namen können (bzw. sollten für sich selbst stehen), daher ist das keine Kritik, sondern eher eine Frage die ich mir stelle. Hat das was mit dem griechischen "Demiurgen" also dem Erbauer zu tun?
Was ist das für eine Welt in der die Geschichte spielt? Also ich erkenne sie nicht, aber vielleicht ist die ja in irgendwelchen anderen Büchern etabliert? Also es gibt offenbar, Alliierte, Briten, Sowjets und auch ein "Reich". Ist das hier eine Alternativweltgeschichte in der die Machtblöcke aus dem Zweiten Weltkrieg noch weiter existieren und jetzt durchs All fliegen? Das wäre für mich jetzt kein Grund für einen Punktabzug, aber ich habs nur nicht identifizieren können.
Versteh ich das Ende richtig, dass die gar nicht Kraft ihres eigenen Antriebs aus dem Kronos-Gebilde entkommen, sondern Kronos sie letztendlich teleportiert/wegmaterialisiert und außerhalb wieder zusammensetzt? Wäre ja cool.
Was ich gut fand:
Geschichten mit Happy End mag ich (auch wenn hier fast alle tot sind, entkommen sind sie ja trotzdem irgendwie). Mir gefällt auch allgemein das Raumfahrtthema und ich finds schade, dass nur so wenig Kurzgeschichten aus diesem Wettbewerb überhaupt noch irgendwie im All spielen. Aber ich verstehe auch, dass das viele andere langweilt. Mich langweilen Geschichten über KI aber so ist jede*r anders. :-) Dafür mag ich es um so mehr wenn eine Crew in einem Raumschiff wilde Dinge erlebt. Dass das hier noch so einen romantischen und klassischen Touch kriegt, in dem dass gute alte Bergbauraumschiff, das schon so viel durchgemacht hat, am Ende noch komplett verbeult und zerschrammt gerettet werden kann, dann ist zwar sehr abgenudelt aber mir gefällt es!
Was mir noch mehr gefällt ist, wenn die Besatzung in so einem Raumschiff nicht aus hyperreichen Oberschichtsjünglingen von irgendwelchen Elite-Universitäten ist, sondern so halb-prekäre Existenzen wie diese hier, die eigentlich hoffen ein paar Claims beanspruchen zu können und nicht unbedingt hier sind um jetzt die gesamte Menschheit zu vertreten oder irgendeine geheime Spezialmission für ein Superduper-Oberkommando zu erfüllen. Also hier ein alles richtig gemacht.
Mir gefällt auch die Zusammensetzung der Crew, auch wenn nicht viel Zeit bleibt um die Crew wirklich als Crew kennenzulernen. Aber so ist das in Kurzgeschichten. Meine Lieblingsstory "Mars-Odyssee" von Stanley G. Weinbaum erwähnt die anderen Crew Mitglieder auch nur super kurz. Es ist halt nicht viel Platz.
Und was mir am besten gefiel war dieses abgefahrene Kronos-Gebilde. Wie gesagt ich habs nicht verstanden und ich hatte im Abitur auch Physik zu Gunsten von Deutsch abgewählt, aber es ist schon spannend geschrieben. Und ich glaube die Stärke besteht darin, dass alle die diese Geschichte gelesen haben, sich wahrscheinlich nen völlig anderen Kronos bildlich vor ihrem inneren Auge vorstellen.