»Blumen für Lisa–9« von Uwe Post ist eine Geschichte ohne Geschichte. Die eigentliche Story (Junge bekommt Androidin als Schwester und die Eltern trennen sich, am Ende stirbt der Vater) ist eigentlich nichts.
Aber diese nicht Geschichte dient als Spiegel für diverse Themenkomplexe:
Kann eine Maschine ein richtiger Gefährte sein? Ist eine Sexpuppe das richtige für einen Teenager, der damit seine ersten sexuellen Erfahrungen macht?
Aber es sind natürlich auch die Zwischentöne, die es ausmachen.
Hat der Vater mit Lisa9 Sex oder sind das nur Gerüchte? Ich habe die Geschichte jetzt an den entsprechenden Stellen nochmal gelesen und es kann nicht eindeutig beantwortet werden. Im Text findet man da nur Mutmaßungen. Es wird dem Vater vorgeworfen (Brief von Anonym und auch Timo vermutet das).
Man kann auch darüber sinnieren, ist es schlimmer, wenn der Vater seine Gelüste an der Maschine abreagiert als der Heranwachsende? ist da ein qualitativer Unterschied?
Wie der Vater im Gespräch sagt, ist es eigentlich für Timo das gefährlichere Szenario, denn wenn er nichts anderes kennt, als die körperliche Liebe zu einer Maschine, wird er jemals eine richtige Beziehung eingehen? Der vierzehnjährige Timo hat kein wirklich schlechtes Gewissen weil er sich mit der Maschine vergnügt hat. Er hat nur Angst davor, was die Leute von ihm denken.
Die Mutter erscheint mir auch ein wenig unmotiviert. Ihre Beweggründe werden außen vor gelassen. Aber eigentlich auch beim Vater. Alles, was in der Geschichte passiert, wird nicht begründet: Warum Lisa9 zur Familie kommt. Warum die Eltern sich auseinandergelebt haben (so war es ja von Anfang an und die Idee liegt nahe, Lisa9 soll als Ersatz für die Eltern dienen) und sich jemand anders gesucht haben, aber weiterhin Familie spielen.
So dient die Geschichte dazu, sich mit den diversen Themen, die vorkommen auseinanderzusetzen, ohne dass die Geschichte selbst in irgendeiner Form Stellung bezieht. In dem Sinn spielt die Geschichte mit dem Thema Pädophilie, es kommt aber selbst keine vor. Wie man aber die Sache sieht, das hängt vom Betrachter selbst ab. Der Text lässt das offen und diese Offenheit ist meines Erachtens auch seine Stärke.